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Fanclub ‚Borussenstern‘: „Offener Brief an den Polizeipräsidenten der Stadt Dortmund und zur Diskussion in den Fanforen und der Fanszene des BVB 09“

Das Stadion des BVB von innen. Foto: Robin Patzwaldt

Das Stadion des BVB. Foto: Robin Patzwaldt

Am heutigen Tage erhielten wir hier bei den Ruhrbaronen einen offenen Brief des BVB-Fanclubs ‚Borussenstern‘ zum Polizeieinsatz beim BVB-Spiel gegen Braunschweig am Sonntag, welchen wir an dieser Stelle gerne (unverändert und ungekürzt) veröffentlichen:

„Sehr geehrter Herr Polizeipräsident,

ich schreibe Ihnen diesen Brief im Auftrag des BVB-Fanclubs „Borussenstern“.

Wir sind seit 1996 ein ganz normaler BVB-Fanclub und gehören nicht der sogenannten Ultra-Szene an. Trotzdem haben wir uns entschlossen unser Befremden über das Verhalten der Polizei beim Spiel des BVB gegen Eintracht Braunschweig zum Ausdruck zu bringen.

Wir sind am Sonntag zum Spiel angereist, in der Erwartung einen entspannten und friedlichen Fußballnachmittag zu verbringen. Für uns gab es im Vorfeld keinerlei Anzeichen für eine aufgeheizte oder gar aggressive Stimmung. Insbesondere auch der Kontakt zu den Braunschweiger Fans erschien im Vorfeld unproblematisch.

Wie sich später gezeigt hat, war dies auch der Fall. Trotzdem wurde wir am Stadion damit konfrontiert, dass die Polizei eine erhöhte Präsenz gegenüber einem normalen Bundesligaspiel zeigt und das auch offensichtlich noch in Schutzkleidung, die sonst erst bei Anzeichen von Auseinandersetzungen angelegt wird.

Am Bahnhof standen Polizisten mit offenbar auf Menschen trainierten Hunden. Die ganze Polizeipräsenz war offenbar auf Aggression ausgerichtet. Dazu kam, dass der Zugang zum Südost-Eingang des Stadions, der ohnehin recht eng ist, auch noch durch quergestellte Polizeifahrzeuge kurz vor dem Stadion-Eingang künstlich verengt wurde.

Das Ganze hat auf uns den Eindruck einer gezielten Aggression gemacht, deren Sinn für uns überhaupt nicht offensichtlich wurde.

Nach dem Spiel haben wir erfahren, dass die Polizei im Vorfeld des Spiels gezielt, aber offensichtlich ohne jeden aktuellen Anlass gegen einige Ultra-Gruppen vorgegangen sein soll.

Als Begründung dafür wurden Vorfälle heran gezogen, die Monate (Hoffenheimspiel, CL-Finale) zurück liegen. Was das soll, wissen wir nicht.

Wir wissen aber, dass diese für unsere Wahrnehmung zunächst einmal völlig unnötige Polizeipräsenz in Verbindung mit dem martialischen Auftreten der Polizei in jedem von uns zunächst einmal kein Sicherheitsgefühl sondern im Gegenteil eine völlige Verunsicherung ausgelöst hat.

Diese Verunsicherung auch zu aggressiven Gefühlen, die sich natürlich gegen den einzigen offensichtlichen Verursacher einer solchen Aggression – die Polizei – richten. Wir fragen uns, warum die Polizei im Vorfeld eines solch offensichtlich friedlichen Spiels ein solches Auftreten an den Tag legt und damit die gesamte Fanszene gegen sich aufbringt. Hier hat sich für unser Gefühl nicht um das Bemühen gehandelt, irgendwelche Straftaten im Vorfeld zu verhindern, sondern eine Machtdemonstration abzugeben.

Und dies zu Lasten aller Fans, nicht nur zu Lasten etwaiger Straftäter.

Übrigens sind keine Straftaten begangen worden und Gegenstände, die strafbar sind oder zu Straftaten benutzt werden können sind nicht gefunden worden.

Ganz offensichtlich werden hier alle Fans zu Spielbällen einer Polizeistrategie, die auf Aggression und Machtdemonstrraion gegenüber den Ultras ausgerichtet ist. Kommunikation und Deeskalation als Grundlage für einen friedlichen Umgang miteinander sieht anders aus.

Werden wir jetzt alle zu Spielbällen einer aggressiven Polizeistrategie, die darauf ausgerichtet ist, Macht zu demonstrieren?

Was geschieht das nächste Mal in einer Situation, in der Teile der Fangruppen vielleicht nicht so friedlich mit einander umgehen? Müssen wir uns dann alle darauf einrichten von der Polizei aggressiv angegriffen zu werden, nur damit sich die Staatsmacht darstellen kann?

Wir distanzieren uns ausdrücklich von Gewalt jeglicher Art egal ob gegen gegnerische Fans oder gegenüber der Polizei. Allerdings ist in dieser unsicheren Situation in uns auch ein Verständnis dafür entstanden, dass andere Fans in einer solchen Situation aggressiv werden, sei es auch nur aus Verunsicherung oder Angst. Wir sind völlig verunsichert. Was soll das?

Wir schreiben diesen Brief als offenen Brief auch an die Tageszeitungen, den BVB und verschiedene BVB-Fanforen. Wir hoffen, das er Ausgangspunkt oder Teil einer lebhaften Diskussion werden kann. Aus diesem Grund wären wir Ihnen auch sehr dankbar, wenn wir von Ihnen eine Stellungnahme zu dieser Situation erhalten könnten.

 

Mit freundlichem Gruß

Norbert Grieshaber

als Beauftragter des Fanclubs Borussenstern“

RuhrBarone-Logo

23 Kommentare zu “Fanclub ‚Borussenstern‘: „Offener Brief an den Polizeipräsidenten der Stadt Dortmund und zur Diskussion in den Fanforen und der Fanszene des BVB 09“

  • #1
    Klaus Lohmann

    Ich kann nur hoffen, dass gerade den seit Jahrzehnten heuchlerischen Desperados, die absolut nichts gegen braune Schläger in ihren Reihen haben und tun, hier weiterhin richtig Dampf unterm Röckchen gemacht wird und dass sich die anderen Ultra-Betschwesterclübchen von der DES endlich, sorgfältig und nachhaltig separieren. Dann besteht auch keine Gefahr mehr, zufällig in DES-Filzaktionen der Polizei zu geraten.

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  • #3
    Robin Patzwaldt

    Inzwischen hat auch die Fanabteilung des BVB eine Stellungnahme veröffentlicht:

    http://www.bvb-fanabteilung.de/neuigkeiten/aktuelles/3473-stellungnahme-polizeieinsatz-btsv.html

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  • #5
    Klaus Lohmann

    Dass sich ausgerechnet die Fanabteilung mit den DES solidarisiert, wundert mich nach vielen anderen relativierenden, beschönigenden und naiven Statements über braune DES-Mitglieder überhaupt nicht mehr. Das gehört schließlich zur mit der Geschäftsführung vereinbarten Strategie, rechtsradikale Umtriebe im Fanumfeld des BvB tunlichst zu verharmlosen.

  • #6
    Norbert Grieshaber

    Ich will nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass es uns bei diesem Brief nicht darum ging uns ausdrücklich mit irgendeiner Ultra-Gruppierung zu solidarisieren.

    Es ging uns darum wieder zu geben, wie das martialische Auftreten der Polizei auf uns gewirkt hat und welche Gefühle es hinterläßt.

    Von der Einkesselung der Ultras haben wir gar nichts gewußt und das erst viel später erfahren. Wir haben allerdings ein anderes Auftreten der Polizei uns Fans gegenüber (und zwar allen Fans gegnüber) wahrgenommen.

    Da wir ganz normale Fußballfans sind, widerstrebt es uns, in einer wie auch immer gearteten Auseinandersetzung zwischen Polizei und Ultras sozusagen in „Sippenhaft“ genommen zu werden.

  • #7
    Klaus Lohmann

    @#6 | Norbert Grieshaber: Die Stellungnahme der Polizei liegt ja nun vor: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/polizei-antwortet-auf-kritik-von-bvb-fans-und-raeumt-fehler-ein-id8343705.html

    Ich sehe weiterhin nichts, was einen durchschnittlichen (Nicht-Desperado-)Fan beim Besuch eines BvB-Heimspiels derart verunsichern könnte, dass dessen Fanclub offene Briefe mit sich merkwürdig deckungsgleich zu anderen Verlautbarungen aus Fankreisen gestalteten Wortbeiträgen verfassen müsste.

    Bei Becherwürfen, Rangeleien und Bengalos im Block schallt es regelmäßig von Ultra-Seite: „Heimspiel ist kein Ponyhof!“, aber bei einem Polizeieinsatz fängt das große „Mimimi..“ an?

  • #8
    Norbert Grieshaber

    @ Klaus Lohmann

    Ich weiß nicht, wo Ihre feindselige Haltung her kommt. Wir sind keine Ultras sondern ein ganz normaler bürgerlicher Fanclub. Wir haben lediglich versucht unserem Gefühl Ausdruck zu geben, dass wir am Stadion hatten. Mein Sohn (11 Jahre) z.B. ist an den hundeführenden Beamten im Abstand von ca. 6m vorbei gegangen und von den Hunden massiv angeknurrt worden. Er hat sich erschrocken und Angst bekommen.

    Auf welche anderen Verlautbarungen aus Fankreisen Sie sich beziehen, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht wo die anderen ihre Formulierungen her haben. Wir haben diesen Brief bereits am Sonntag Abend entworfen und zwar bevor uns irgendwelche Verlautbarungen aus anderen fankreisen bekannt waren. Das er erst Dienstag veröffentlicht wurde liegt daran, dass die Abstimmung eines solchen Briefes in einem Fanclub, der sich nicht täglich trifft, halt seine Zeit braucht.

    Warum Sie versuchen uns in die Nähe der Desperados zu rücken, kann ich mir auch nicht erklären. Oder ist es der Versuch, Kritik und den offenen Dialog mit Staatsorganen von vornherein zu diskriminieren?

    Wir sind jedenfalls ganz durchschnittliche (Nicht-Desperados-)Fans und haben uns trotzdem verunsichert gefühlt.

    Wenn Sie das anders empfunden haben, bleibt Ihnen das unbenommen. allerdings weiß ich bisher gar nicht, ob Sie Samstag am Stadion waren und die Situation, die Sie hier so eifrig kommentieren überhaupt persönlich erlebt haben.

  • #9
    Jürgen B.

    Ich sehe es als völlig legitim an, wenn sich die Mitglieder eines etablierten Fanclubs, vor/während und nach einem Heimspiel durch eine Polizeimaßnahme- bzw. Präsenz, die es sonst in der Form nur bei den bekannten Problembegegnungen (z.B Derby) stattfindet, verunsichert fühlen und dann einen offenen Brief an die Polizei schreiben und um Stellungnahme bitten.
    Diese offene Kritik kann doch nur die Unstützung eines jeden Fans hervorrufen, damit wir in Zukunft weiterhin „normal“ ein Bundesligaspiel besuchen können, oder?
    Ich kann darin auch keine Sympathiebekundungen zu irgendeiner Ultrabewegung erkennen und man sollte auch nicht von außen eine solche darin sehen!
    Die Mitglieder des Borussensterns sind treue und friedliebende Fans, die seit Jahrzehnten ihren Verein mit teilweise hohem Aufwand im In- und Ausland unterstützt!
    Es sind also keine „durchschnittlichen“-Fans, wie es der Herr Lohmann hier formuliert hat und Becherwürfe und Bengalos abbrennen werden meines Wissens nach auch vom Großteil der Mitglieder weder praktiziert, noch als gut angesehen!

  • #10
    Klaus Lohmann

    @Jürgen B.: Nur zur Klarstellung: die nun beginnende „Guter Fan – noch besserer Fan – allerallerbester weil Away-Fahrer-Fan!“-Diskussion stammt nicht von mir und wird auch von mir nicht unterstützt.

  • #11
    Klaus Lohmann

    @Norbert Grieshaber: Ich bin Brillenträger, aber trotzdem sehe ich keine Verknüpfung in meinen Kommentaren, die ich *mit Ihrem Fanclub* hergestellt haben soll. Das Thema des Polizeieinsatzes war nun mal die Überprüfung der DES-Mitglieder, warum sollte ich das nicht ansprechen??

    Die szenemäßig regelmäßig verwendeten Übertreibungen „alle Fans“, „Spielbälle einer aggressiven Polizeistrategie“, „gezielte Aggression“, „aggressive Polizeistrategie, die darauf ausgerichtet ist, Macht zu demonstrieren“ scheinen mir nicht dazu geeignet, die Diskussion über Strafbestands-Vorwürfe der Polizei Richtung „ACAB“-Plakate von DES zu entschärfen – falls es jemals Ihre Intention war, in diese Diskussion ein wenig Gelassenheit und Realismus einzubringen.

    Nochmal: Die Antwort der Polizei auf Ihren Brief und die Beschreibung des Polizeivideos geben mir keinerlei Anlass, an deren Darstellung der Vorkommnisse zu zweifeln. Falls Fakten vorliegen, die diese Darstellung als falsch überführen, bitte ich darum.

  • #12
    thomdra

    Herr Lohmann ist ja an Obrigkeitshörigkeit kaum zu übertreffen, nur weil die Polizei behauptet: es war ja nix, muss das ja nicht zwangsläufig stimmen. Die Mitglieder unseres Fanclubs, und nicht nur diese, hatten am Samstag eine ganz gegenteilige Wahrnehmung der Situation.

  • #13
    Klaus Lohmann

    @#12 | thomdra: Richtig, in Relation zu spätpubertierenden Ultras, die alles in Uniform als Weltuntergang und Bedrohung ihrer Existenz ansehen, kann man mich durchaus „obrigkeitsnah“ nennen. Alles ist relativ. Und lustig, wenn zu *jedem* Polizeieinsatz fast *alle* organisierten Fans immer was Anderes gesehen und erlebt haben wollen…

  • #14
    thomdra

    im Gegensatz zu dir, haben wir es erlebt und gesehen. Und, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten.

  • #15
  • #16
  • #17
    Klaus Lohmann

    Und für alle Permanent-Anzweifler nochmal der entspr. Artikelabschnitt über das Polizeivideo von den RN:

    „Die Polizei hat die Kontrolle der Ultras in einem Video festgehalten. Jetzt hat uns die Polizei das Material gezeigt. Das Video zeigt die betroffene Gruppe, die locker – keineswegs zusammengepfercht – von den Polizisten umkreist ist.

    Nach einer kurzen Anweisung durchsuchen die Polizisten die Fans ruhig und kontrolliert, Personalien nehmen sie nicht. Die „Desperados“ müssen ihre Plakate und Banner ausbreiten – die Polizisten sammeln aber keines ein. Der Verdacht auf Plakate mit strafrechtlich relevanten Inhalten hat sich nicht bestätigt. Ein Fan mit Trommel ist im Video auch zu sehen, er darf diese auch mit ins Stadion nehmen.

    Polizeisprecher Wolfgang Wieland widersprach auf Anfrage Meldungen, dass bei der Kontrolle Personalien festgestellt wurden. Das Video kann nach Angaben der Polizei deshalb nicht veröffentlicht werden, weil auf dem Material Personen erkannt werden können.“

    http://www.ruhrnachrichten.de/sport/bvb/Fan-Aerger-vorm-BVB-Spiel-Ultras-festgesetzt-das-zeigt-das-Video-der-Polizei;art11635,2098820#1413111775

    Natürlich alles erlogen von Polizei und Presse, oder?

  • #18
    Cabronsky

    Nix für ungut Herr Lohmann aber geh mal ne runde mit deinen Sandförmchen spielen.

  • Pingback: Neue Qualität der Polizeieinsätze beim Fußball in Nordrhein-Westfalen (in Dortmund, auf Schalke)? » Pottblog

  • #20
    thomdra

    schönen Gruss an Herrn Lohmann, auf Schalke ist die Polizei bestimmt auch zu Recht derart gewalttätig eingestiegen

  • #21
    Klaus Lohmann

    thomdra, bekomme ich jetzt beim *jedem* Polizeieinsatz einen unsinnigen Kommentar von Dir? Kann man das auch mit ’nem Stöckchen trainieren?

  • #22
    Jürgen B.

    Leute! So einen Typen wie Herrn Lohmann gibt es leider in jedem Forum bzw. Posting.
    Da hilft nur ignorieren und etwas Mitleid haben!
    Gute Nacht 😉

  • #23
    Ruhrgermanen

    Hallo Mitglieder,

    Wir sind die Ruhrgermanen und haben einen neuen BVB Song geschrieben.
    Hier der Link: http://youtu.be/5mSYGB7cxj4

    Ab dem 04.04.14 auch zum downloaden

    Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

    Die Ruhrgermanen

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