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BVB-Krise ist hausgemacht – War es das schon für Peter Bosz in Dortmund?

Peter Bosz bei seiner Vorstellung in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Auf der Spieltags-Pressekonferenz vor der gestrigen Begegnung der Dortmunder Borussia beim VfB Stuttgart gab sich Coach Peter Bosz noch gewohnt sympathisch. Er erzählte entspannt von seiner Frau, seinem ersten Heimaturlaub in der Länderspielpause und gab sich auch in Hinblick auf seine zuletzt kriselnde Mannschaft weiterhin optimistisch.

Am Freitagabend sollte seine ambitionierte Truppe beim Bundesligaaufsteiger aus Stuttgart bestehen, die zuletzt schwachen Auftritte vergessen machen. Es kam jedoch ganz anders. Eine erschreckend schwache Mannschaft des BVB unterlag beim VfB mit 1:2, setzte damit ihre Erfolglos-Serie fort. Fortschritte durch die zweiwöchige Pause begünstigt zu erarbeiten, waren nicht zu erkennen. Erschreckend!

Wirft man einmal einen Blick auf die Situation in der Vorsaison, dann liegt die Bosz-Truppe in etwa auf dem Punktelevel, welches auch Thomas Tuchel im Vorjahr vorzuweisen hatte. Nur war man damals noch in der Champions League gut im Rennen und im DFB-Pokal nahm der Lauf in Richtung Berlin erst so richtig Fahrt auf.

In diesem Jahr sieht das grundlegend anders aus. Gegen die Tottenham Hotspurs geht es in der kommenden Woche auf internationalem Parket nur noch um Schadensbegrenzung, muss zumindest Platz Drei in der Gruppenphase irgendwie gerettet werden, um dann zumindest in der vergleichsweise unattraktiven Europa League noch etwas weiter an den Geldtöpfen Europas teilhaben zu dürfen. Im DFB-Pokal rechnet dem BVB aktuell in München wohl kaum eine Chance aus.

Die Bilanz des Niederländers ist aber vor allem auch deshalb so bitter, weil man, im Gegensatz zum Vorjahr, überaus brillant in die Liga startete, nun aber eine klare Negativtendenz zu erkennen ist. Eine Delle, wie man sie zuletzt im letzten Jahr von Jürgen Klopp miterleben musste, als man sich noch im Februar auf dem letzten Platz in der Bundesliga wiederfand.

Foto: Claudia Bender

Auch damals fiel es schwer diese Nichtleistungen von Wochenende zu Wochenende immer neu irgendwie fundiert zu erklären. Nur hatte Klopp im Gegensatz zu Bosz damals das Grundvertrauen etlicher erfolgreicher Jahre zuvor hinter sich, welches ihn die Saison dann auch noch einigermaßen erfolgreich zu Ende bringen ließ, bevor er sich dann in aller Freundschaft in Richtung Liverpool verabschiedete.

Diesen Bonus besitzt Bosz nicht. Unter dem Hashtag #Boszout formiert sich in und um Dortmund aktuell schon eine bemerkenswert große Gegnerschaft des Ex-Trainers von Ajax Amsterdam.

Bei der derzeitigen Stimmungslage kann man wohl davon ausgehen, dass es für Bosz spätestens nach weiteren Misserfolgen gegen Tottenham und beim nächsten Ligaspiel gegen den Rivalen aus Gelsenkirchen, den FC Schalke 04, sehr eng werden dürfte, auch wenn die Vereinsverantwortlichen aktuell öffentlich ihrem Trainer noch ihren Rücken stärken.

Die Realität der letzten Jahre legt jedoch die Vermutung nahe, dass Aki Watzke und Michael Zorc klammheimlich schon einmal einen Blick auf den Trainermarkt geworfen haben dürften. Alles andere wäre ja auch im Hinblick auf ihre Gesamtverantwortung für den Club unverantwortlich.

Nur, wen findet man da denn derzeit? Kaum ein Name vorhanden, den man in dieser Jahreszeit nach Dortmund locken könnte, um die Saisonziele noch zu retten, dem man das auch ohne größere Bedenken zutrauen würde. Die naheliegendste Alternative wäre wohl Thomas Tuchel. Aber diese Option dürfte in Dortmund ja aktuell nach dem unrühmlichen Abgang keine ernsthafte mehr sein.

Vieles deutet daher darauf hin, dass sich die Trennung von Tuchel nach dem DFB-Pokalsieg im Frühsommer jetzt spätestens als großer Fehler erweist. Die jahrelange große Konstanz auf der Trainerbank der Schwarzgelben, welcher man auch die Titel der vergangenen Jahre zu verdanken hatte, wurde recht leichtfertig riskiert.

Ob Watzke und Zorc darüber auch schon einmal im stillen Kämmerlein nachgedacht haben und den Schritt den sportlich so erfolgreichen Tuchel vor die Tür zu setzen inzwischen klammheimlich bereuen? Die aktuelle Krise rund um den BVB ist in jeder Hinsicht hausgemacht. Und zwar nicht von den Trainern….

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7 Kommentare zu “BVB-Krise ist hausgemacht – War es das schon für Peter Bosz in Dortmund?

  • #1
    Walter Stach

    Robin,
    danke für Deinen Hinweis auf die Situation des BVB -unter Tuchel- vor einem Jahr, nach dem es seinerzeit nicht Besser um den BVB stand, obwohl so mancher Fan vermutlich vom Gegenteil ausgegangen ist.
    Da auch die Konkurrenz um die PLätze 2 bis 6 schwächelt, ist insofern in der Liga noch alles drin.

    (Der FCB ist dort -mit 9 Punkten vor dem BVB-, wo ich ihn von Anfang eingestuft habe -auch nach dem fuliminanten Start des BVB und dem zunächst schwächelnden FCB.
    Und wenn S04 gegen den HSV gewinnt, dann………? Das schien ja bis "vor Kurzem" undenkbar.)

    Im Pokal ist das Aus -bei den Bayern- m.E. unvermeidbar.
    Und in der Champ.lig ist das Aus so gut wie sicher. Für alle BVBer ist das Überleben in der Euro-Lig ein schwacher Trost.
    Ich nehme das Alles relativ gelassen hin, wohlwissend, daß der BVB im Vorjahr unter Tuchel auch sehr, sehr viel Glück hatte -in der Champ.lig und im Pokal-; und dieses Glück kann man sich bekanntlich nicht kaufen.

    Gründe für die akute Krise des BVB? Darüber wurde und wird viel diskutiert. Ich habe dazu schon vor einiger Zeit meine Meinung vorgetragen, die nur eine unter vielen ist und letztendlich belanglos.

    Meine Meinung zum Rausschmiss von Tuchel habe ich vor Beginn der Spielzeit 2o17/2o18 und vor der Verpflichtung von Bosz geäußert, und zwar auch als heftige Kritik gegenüber Watzke.

    Nur ist das mittlerweile "Schnee von vorgestern".

    Ich weiß zudem nicht, ob Watzke -und Zorc-fähig und willens sind, sich bezüglich des von ihnen "verfügten Rausschmiss von Tuchel" im nachhinein selbstkritisch zu hinterfragen. Letztendlich ist das auch egal; denn das könnte so oder so die Leistung der Mannschaft nicht verbessern.

    Ich weiß auch nicht, ob die Spieler -allen voran Schmelzer und Sahin- , die vorgeblich gegen Tuchel agiert haben, fähig und willens sind, darüber nachzudenken, daß es auch in ihrem Interesse liegen könnte, einen Trainer ausschließlich nach dessen sportlichen Qualitäten zu beurteilen und nicht danach, ob er eine angenehme/umgängliche/sympathische Person ist.

    Allerdings, so scheint mir mit Blick auf "die" Spieler, daß der insgesamt gute Saisonabschluß 2o16/2o17 (3.Platz/ Pokalsieg) und der gute Start in die Saison 2o17/2018, zu einer bedenklichen und sehr problematischen Selbstüberschätzung "der " Spieler geführt hat.
    Wenn ich mal von Auba -trotz aller seiner Eskapaden-, Pulisic und Guereiro absehe, habe wir keinen Spieler, der in der Liga als "überdurchschnittlich" eingestuft werden könnte; erstrecht nicht im Vergleich zur Konkurrenz in der Champ.lig. Wir scheinen sogar auf "einige Positionen" unterdurchschnittlich besetzt zu sein – sh.Torwart, sh. beide (!!) Außenverteidiger!
    D.h. auch, daß der BVB nur mit einer "geschlossenen Mannschaftsleistung", mit Spielern, die sich im Bewußtsein ihre begrenzten Qualitäten höchst konzentriert, höchst zweikampfstark, höchst laufwillig in jedes Spiel begeben, es schaffen kann, einem der Plätze 2 bis 6 zu landen.
    Robin, Du siehst, daß ich nicht mehr von den Plätzen 2 bis 4 rede!

    An einer Diskussion über Unzulänglichkeiten, über Schwächen, über Fehler des Trainers Bosz beteilige ich mich nicht, da ich in jeder Hinsicht zuweit weg bin von der Mannschaft und von ihrem Trainer. "Ganz nahe dran an Trainer und Mannschaft" sind Watzke und Zorc, also…… ! Und sie stehen in der Verantwortung, dh. auch, daß ich derzeit nicht in ihrer Haut stecken möchte.

    Aber…
    Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Hier die Hoffnung eines BVB-Fan wie mich darauf, daß der BVB alsbald die Kurve nach Oben schaffen wird und er am Ende der Spielzeit weit hinter den Bayern doch noch die Qualifikation zur Champ.lig schafft.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ich denke, dass der BVB den zweitbestbesetzten Kader im Lande hat. Dementsprechend sollte man auch in der Lage sein auf einem Champions League Platz zu landen. Wenn man das nicht schafft, dann ist das eine Enttäuschung. Noch ist alles machbar, aber eine Trendwende muss her. Sollte der BVB von den nächsten beiden Spielen keines gewinnen, dann sehe ich die Ziele in ernthafter Gefahr. Nach dem gestrigen Auftritt bin ich sehr skeptisch, was den Trainer betrifft, auch wenn er mir persönlich sehr nett zu sein schenit. Aber darauf kommt es ja nicht an 😉

  • #3
    kai

    Wer hier dem Trainer die Schuld gibt, sollte sich vielleicht mal besser mit Synchrom Schwimmen befassen, denn vom Fußball hat er mit dieser Kritik offensichtlich keine Ahnung.

    Der Trainer kann nur mit dem Material ( den Spielern) ,das ihm zur verfügung stehen ,arbeiten. Und da sind wir bei den Verantwortlichen, denen die Borussia eine Menge zu verdanken hat, die anscheinend derzeit nur schaden bringen. Fangen wir mit Zorc an: Warum mussten die Geldgierigen und nun nicht mehr Talente sondern Hobbykicker Götze und Shahin zurück geholt werden, bzw warum hat Shahin zum Ende der letzten Saison wieder einen Prtofivertrag bekommen? Seine Leistung reicht nichtmals mehr für die dritte Liga, sobald er einen Gegenspieler hat. Dann diese Toptorgranate Schürle, der alleine reicht für einen Abgang!

    Und dann an Watzkes Umgang mit Leuten die der Borussia gut taten: Tuchel war erfolgreich aber bestimmt nicht der sympatischste, da ich aber immer was von Wirtschaftlichkeit höhre ist der Faktor sympatisch raus. Der Abgang von Ginter war für mich noch fataler als der Umgang mit Tuchel. Warum wird ein mittelmäßiger Kicker wie Schmelzer hofiert? Hofman wech aber Weigl der Überflüssige und selbstverliebte bleibt. Reicht das nicht endlich für einen Abtritt um keinen weiteren Schaden am Verein zu verursachen?

    Einzig das festhalten an Gürki verstehe ich beim Trainer nicht.

    Scheinbar gibt es aber auch unter den Spielern ein Schalke-Syndrom, heißt nichts anderes als jeder gegen jeden und nicht das drei Musketier verhalten. Da kann ich nochmals einen Namen wiederholen Schmelzer!

  • #4
    Walter Stach

    Und wenn wir morgen nur noch auf Platz 7 stehen?
    Wie wird die Mannschaft darauf reagieren? Ich denke dabei weniger an das Spiel gegen Tottenham, sondern an das Spiel gegen S04, also, wenn die morgen gegen den HSV gewinnen, gegen den Tabellendritten!!!

  • #5
    Walter Stach

    Robin,
    zweitbester Kader?

    Deine Meinung teile ich nicht.

    Vergleiche ‚mal von Position zu Position die Qualität eines jeden Spieler aus der Mannschaft des BVB mit den betr. Spielern der ersten 1o Bundesligisten, dann…..
    -Das beginnt beim Torhüter des BVB, über dessen sog. vierer Abwehrkette bis….
    (Ausnahmen…sh.1- Auba, Pulisic,Guerreiro-.)

    Es könnte sein, daß diese von mir wahrgenommene Selbstüberschätzung dazu beigetragen hat, daß die Mannschaft da steht wo sie jetzt steht und daß wir Fans nur langsam zu begreifen scheinen, daß wir eben nicht über einen Kader verfügen, der auf allen Positionen mit Spielern besetzt ist, die gemessen am Durchschnitt der Spieler in der Liga überdurchschnittlich qualifiziert sind. Ich könnte das z.B. auf Götze fokussieren, der immer noch meint und von dem einige Fans meinen, er sei ein international hochklassiger Spieler. Das ist er nicht -bzw. nicht mehr-. Warum hat der FCB ihn wohl "gehen lassen"? Und selbst ein Weigel, so scheint mir, wird überschätzt!

  • #6
    Gerhard Otto

    Mit ehemals gehypten Kicker-Talenten, die sich aktuell in ihrem "rostenden Ruhm" suhlen, wird’s auf Sicht nicht funktionieren.

    Herr Sahin ("Ich war mal bei Real Madrid"), Herr Götze ("Ich war mal bei Bayern München"), Herr Schürrle ("Ich war mal beim FC Chelsea") haben ihre überdurchschnittlichen Talente auf dem medialen "Jahrmarkt der Eitelkeiten" leichtfertig verdaddelt.

    Keine Meinung bzgl. Marco Reus. Fakt ist, er hat viel Verletzungspech gehabt. Allerdings zeugte die "Führerschein-Nummer" auch von einer Tendenz Richtung Realitätsverlust.

    Und "Fußball-Gott Auba"? … – sorry, "Bunte Vögel" entlässt man irgendwann inkl. ihrer "Züchter" (Berater?) ins richtige Leben. Der ihn umgebende Clan wird ihn perspektivisch immer unwichtiger machen.

    Heutzutage eine "Hoppy Kurrat"-Mentalität einzufordern, ist natürlich weltfremd.

    Trafen in 2014 in rheinischer Kneipe/Bistro zufällig einen BL-Spieler, dem ein durchaus nicht unattraktives Angebot in Richtung "Insel" vorlag.

    Tenor BL-Kicker:
    Verdiene hier gutes Geld. Meine Frau ist in NRW als Beamtin unterwegs. Die Kita unserer kleinen Kinder ist "um die Ecke". Auf was sollen wir zocken …?

  • #7
    ke

    Wenn es nicht läuft, braucht ein Team Führungsspieler, die mit Einzelaktionen etc. Gefahr bringen.

    Im vorherigen Kommentar wurde auf Reus verwiesen. Er hat es oft genug gezeigt, wie ein 1:0 gemacht wird. Auch immer wieder direkt nach einer Verletzung mit viel Einsatz und Klasse.

    Aktuell funktioniert das Kollektiv nicht. Da müssen dann auch Einzelaktionen kommen. Zurzeit ist dies nur sehr selten der Fall, während schlechtere Mannschaften bei Kontern selbst vor dem Tor eine erstaunliche Effizienz gepaart mit Glück aufweisen (siehe bspw 2:1). Bei vielen Schüssen des BvB ist immer ein Bein, ein Außenpfosten etc. dazwischen. Selbst der Elfer bei einem Torwart, der noch nie einen gehalten hatte, ging erst im Nachschuss rein.

    Auch fehlt die Entwicklung nach vorne bei vielen Talenten, andere kommende Superstars schaffen es selbst aktuell nicht, in die Mannschaft zu kommen und erprobte Verteidiger wie Sobotic auch nicht. Insgesamt ist dies ein sehr komisches Bild, das beim 1:0 des VfBs überdeutlich sichtbar wurde. Was macht der Torwart da?

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