Ein historischer Moment – aber die falsche Debatte

Marie-Louise Eta, hier noch als Spielerin. Quelle: Wikipedia, Foto: @el_loko74. Lizenz: CC BY 4.0

Die Beförderung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin ist zweifellos ein historischer Moment für die Bundesliga. Erstmals steht eine Frau an der Seitenlinie eines Männer-Bundesligisten – ein überfälliger Schritt in einer Branche, die sich lange gegen strukturelle Öffnung gesträubt hat. Doch so wichtig dieser symbolische Fortschritt ist, so unerquicklich ist die Art der Debatte, die sich daran anschließt.

Denn ein Großteil der öffentlichen Diskussion kreist nicht um das, worum es im Profifußball eigentlich gehen sollte: fachliche Eignung, Erfahrung und sportliche Perspektive. Stattdessen wird Eta entweder aufgrund ihres Geschlechts angefeindet oder reflexartig verteidigt. Beides greift zu kurz – und verstellt den Blick auf die entscheidende Frage.

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Pfiffe gegen Schlotterbeck beim BVB als Symptom – nicht als Skandal

BVB-Sportgeschäftsführer Lars Ricken steht vor großen Herausforderungen. Foto: Robin Patzwaldt

Die Aufregung beim BVB rund um Nico Schlotterbeck nach dem 0:1 gegen Leverkusen am Samstag ist groß. Doch wer die vereinzelten Pfiffe reflexartig als „unwürdig“ oder „respektlos“ abstempelt, greift zu kurz. Im Gegenteil: Sie sind ein Symptom. Ein Symptom für das, was bei Borussia Dortmund schon länger schiefläuft. Und sie sind – so unbequem das für manche klingen mag – völlig normal.

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Mehr Vertrag, weniger Klarheit: Warum Schlotterbecks Verlängerung beim BVB kein echtes Signal ist

Das leere Stadion in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Die heute erfolgte Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck bei Borussia Dortmund wirkt auf den ersten Blick wie ein Erfolg für alle Beteiligten. Ein Leistungsträger bleibt langfristig gebunden, der Klub gewinnt Planungssicherheit und vermeidet ein finanzielles Risiko. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Diese Einigung ist weder ein klares Bekenntnis des Spielers zum BVB noch eine Lösung, die die Fans wirklich zufriedenstellen dürfte.

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Kevin Großkreutz, der Unverbesserliche – und warum das diesmal okay ist

Kevin Großkreutz (links) noch in Diensten des BVB in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Ach, Kevin Großkreutz. Kaum ein ehemaliger Profi schafft es so zuverlässig, sich selbst in die Schlagzeilen zu bugsieren wie der Dortmunder Weltmeister ohne Einsatzminute von 2014. Zwischen Dönerwurf-Anekdoten und nostalgischen BVB-Bekenntnissen war eigentlich alles dabei. Und doch: Diesmal liegt er erstaunlich richtig. Ja, wirklich. Es tut fast weh, das zu schreiben – aber wenn Großkreutz dem VfL Wolfsburg den Abstieg wünscht, dann trifft er einen Nerv, den viele Fußballfans schon lange spüren.

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Warum immer wieder Dynamo Dresden?

Foto: Robin Patzwaldt

Es sollte ein großes Fußballfest werden: Flutlicht, Tradition, Emotionen – das volle Programm. Doch was beim Zweitligatopspiel von Dynamo Dresden gegen Hertha BSC am Ostersamstag passierte, hatte mit Fußball so viel zu tun wie ein Feuerwerkskörper mit einem Kindergeburtstag. Statt Fußballleidenschaft gab es Randale, statt einem leidenschaftlichen Kick gab es TV-Bilder, die an Kriegsberichterstattung erinnerten – und statt Gänsehaut beim neutralen Sportfan eher Fremdscham.

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Schulter-Schock auf Schalke: Platzt jetzt der Aufstiegstraum?

Edin Dzeko auf Schalke. Foto: Ruhrbarone

Der FC Schalke 04 hat in der Hinrunde der Saison 2025/26 genau das gemacht, was auf Schalke eigentlich niemand so richtig sehen will – und trotzdem alle unterschrieben hätten: unattraktiven Fußball gespielt und dabei überraschend erfolgreich gepunktet. Kein Glanz, kein Glamour, aber Tabellenplatz eins. Fußball-Romantik? Fehlanzeige. Ergebnis-Fußball? Volltreffer.

Plötzlich stand Königsblau ganz oben, der Aufstieg in die Bundesliga schien keine ferne Vision mehr, sondern ein realistisches Szenario. Während andere Teams sich verzockten oder im eigenen Chaos versanken, schlich sich Schalke still und heimlich an die Spitze. Und dann kam

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Dann soll er halt gehen, der Herr Schlotterbeck!

Es gibt wahrlich schlimmeres, als in diesem Stadion spielen zu müssen.. Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt Dinge im Fußball, die sind so vorhersehbar wie ein Gegentor nach eigener Ecke. Und dann gibt es den Vertragspoker von Nico Schlotterbeck bei Borussia Dortmund. Ein Ritual, das sich inzwischen so lange zieht, dass man sich fragt, ob hier überhaupt noch jemand ein Ende im Blick hat – oder ob das Ganze längst zum Selbstzweck geworden ist.

Seit Monaten wird gezockt, taktiert, gewartet. Der Verein streckt sich finanziell bis zur Schmerzgrenze, sendet Signale, gibt Interviews, bleibt demonstrativ gelassen – und wirkt dabei doch wie jemand, der beim Pokerspiel mit schlechten Karten blufft. Und Schlotterbeck? Der sitzt am Tisch, lächelt höflich und sagt sinngemäß: „Mal sehen.“

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Mesut Özil – zu Gast bei Freunden?

Mesut Özil: Vom Weltmeister zum Streitfall | Foto: wikipedia / Jimmy-Baikovicius / CC BY-SA 2.0

Die Figur Mesut Özil sorgt bis heute für starke Reaktionen, weil bei ihm mehr zusammenkommt als nur Fußball: große sportliche Erfolge, politische Kontroversen und eine Debatte über Migration, Identität und Zugehörigkeit. Kaum ein anderer deutscher Nationalspieler hat so viele Diskussionen ausgelöst wie er. Doch Özils Nähe zum türkischen Präsidenten Erdoğan hat sein Image nachhaltig beschädigt – für viele war das der Moment, in dem seine Karriere in der öffentlichen Wahrnehmung endgültig eine falsche Richtung nahm. Das ZDF hat diesem umstrittenen Lebensweg eine dreiteilige Serie gewidmet.

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Book-Verpflichtung als Chance auf frischen Wind beim BVB

Sebastian Kehl konnte den BVB als Funktionär nicht wirklich weiterentwickeln. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Der Neustart beim BVB ist da – und er kommt schneller als erwartet. Mit der Verpflichtung von Nils-Ole Book als neuem Sportdirektor hat Borussia Dortmund nicht nur eine personelle Entscheidung getroffen, sondern ein klares Signal gesendet: Dieser Klub will raus aus der Stagnation. Und auch wenn jeder Umbruch Risiken birgt, überwiegt diesmal vor allem eines – die Chance.

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Der BVB wirkt immer mehr wie ein Klub ohne Plan

Emre Can bei seiner Vorstellung in Dortmund. Archiv-Foto: BVB

Bei Borussia Dortmund deutet sich schon länger ein personeller Umbruch an, der auf den ersten Blick längst überfällig wirkt. Leistungsträger wie Julian Brandt, Niklas Süle oder Salih Özcan stehen vor dem Abschied – und das ausgerechnet ablösefrei. Ein sportlicher Aderlass, der nicht nur Qualität kostet, sondern auch Fragen zur strategischen Planung der Vereinsführung aufwirft.

Noch gravierender: Während die Abgänge feststehen, fehlt es bislang an klaren Signalen für gleichwertigen Ersatz. Der Kader droht an Substanz zu verlieren, ohne dass ein überzeugendes Zukunftskonzept erkennbar wäre. Für einen Klub, der regelmäßig den Anspruch formuliert, um Titel mitzuspielen, ist das ein alarmierendes Zeichen.

Die Can-Verlängerung als Symbolpolitik

In dieses ohnehin fragile Gesamtbild platzt nun die Vertragsverlängerung von Emre Can – und sorgt für Verwunderung.

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