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Das Ergebnis der Spitzenkandidatenkür für die Bundestagswahl ist ein Armutszeugnis!

Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet im Gespräch (Archiv-Foto: Roland W. Waniek)

Es ist endlich vorbei! Mit Armin Laschet steht der Sieger des unwürdigen Kandidatenringens in der Union fest. Damit ist das klar, welche Politiker im Herbst für die schwierige Aufgabe in Frage kommen, Deutschland in Richtung Zukunft zu führen, das Erbe von Angela Merkel anzutreten.

Armin Laschet (CDU/CSU), Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) oder aber vielleicht doch Olaf Scholz (SPD)? Einer von den Dreien wird die riesigen Herausforderungen wohl meistern müssen, die in den kommenden Jahren auf uns alle warten. Ein Blick auf den Kandidatenkreis zeigt schon, es könnte schnell unangenehm werden, nach Angela Merkel.

Der Staub legt sich gerade wieder. Die Top-Kandidaten der Parteien stehen fest. Der Blutdruck normalisiert sich nach aufregenden Tagen wieder etwas. Die echten Probleme des Landes werden ab sofort wieder vermehrt on das Blickfeld rücken.

Corona hat die Welt noch immer im Griff, der Klimawandel wartet auch nicht. Die Wirtschaft steht vor großen Problemen. Der Arbeitsmarkt ist ebenfalls voller Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Und all das offenbart ein Problem: Wem von den sich anbietenden Lösungen traut man den Umgang mit all diesen Problemen am ehesten zu?

Aus der Sicht vieler ist mit Markus Söder am Dienstag der wohl geeignetste Kandidat aus dem Rennen um das Kanzleramt ausgeschieden. Übrig bleiben drei Persönlichkeiten, die man bisher nicht unbedingt in die erste Riege der denkbaren Bestbesetzungen eingereiht hätte.

Wen soll man jetzt also unterstützen von den dreien? Wen haben wird denn da nun als geeignetste Besetzung für das Kanzleramt übrig?

Wir haben mit CDU-Mann Laschet einen beim Kampf gegen Corona zuletzt sehr ‚wendefreudigen‘, häufig unentschlossen und zögernd wirkenden Ministerpräsidenten von NRW, der mit seinen 60 Jahren zwar bereits auf gewisse politische Erfahrungen im Führungsbereich verweisen kann, vielen Bürgern dabei aber zu wenig charismatisch und führungsstark auftretenden Unions-Kandidaten, der nach dem zähen Ringen mit Konkurrent Söder zudem deutlich angeschlagen in das Rennen geht.

Alternativ haben wir mit Annalena Baerbock eine junge, sicherlich viel frischen Wind in die Politik bringende, erst 40-jährige, vergleichsweise unerfahrene Frau, die in Interviews häufig (noch) etwas kindlich und hektisch auftretende Kandidatin. Frischen Schwung im Kanzleramt wünschen sich nach den zuletzt häufig zähen Merkel-Jahren bestimmt viele. Aber wäre es wirklich eine Kluge Wahl, in der aktuell so komplizierten Lage des Landes eine Bundeskanzlerin im Amt zu etablieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unter der Last der Aufgaben in den kommenden Jahren zusammenbrechen, zumindest aber wohl den großen Erwartungen nicht gerecht werden würde bzw. könnte, die man sich zudem nur schwer im Kreise der aktuellen Führer der Welt auf Augenhöhe vorstellen kann?

Alternativ steht mit SPD-Mann Olaf Scholz ein weiterer, vergleichsweise erfahrener Politiker zur Wahl, dem es allerdings deutlich an Charisma und Ausstrahlung fehlt, der zudem in der Vergangenheit zuletzt stets damit zu kämpfen hatte, dass ihn die Leute für die SPD von Gestern stehen sahen, den sogar die eigene Partei einst nicht an der Spitze ihrer eigenen Organisation sehen wollte. Scholz vertritt mit der SPD zudem eine Partei, die seit Jahren im Niedergang begriffen ist, die auch er, der seit mehreren Monaten als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im September 2021 nicht zu einem Stimmungsaufschwung und zu besseren Umfragewerten verhelfen konnte. Kann jemand, den nicht einmal die eigene Partei wirklich liebt, der bei ihr eher geduldet als geschätzt zu sein scheint ab Herbst Deutschland in der Welt würdig vertreten?

Wie man die drei Personen persönlich auch bemerken mag, eine wirklich starke Besetzung für das Kanzleramt scheint nicht dabei zu sein. Es sieht nach einer Wahl des kleineren Übels aus.

Mit Markus Söder und vielleicht auch Friedrich Merz, hat die Union ihre führungsstärksten Persönlichkeiten nicht in das Rennen um das Kanzleramt geschickt. Bei den Grünen hat mit Robert Habeck der erfahrenere, der im medialen Umgang etwas seriöser wirkende Kandidat zu Gunsten seiner weiblichen Konkurrentin zurückgezogen. Und bei der SPD? Nun, die Sozialdemokraten sind inzwischen personell dermaßen ausgeblutet, dass hier die amtierende Parteispitze nicht einmal mehr ernsthaft in Betracht zu kommen schien.

Die Chancen stehen also gut, dass viele Deutsche den Regierungsjahren von Angela Merkel ab Herbst noch mächtig hinterhertrauern dürften…

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8 Kommentare zu “Das Ergebnis der Spitzenkandidatenkür für die Bundestagswahl ist ein Armutszeugnis!

  • #1
    ke

    Laschet ? Geht nicht. Da passt gar nichts.
    Anna … ? Da fehlt einfach eine Grundbildung. Bei den Grünen ist alles schön, modern, gut , aber nie konkret.
    Scholz? Vermutlich eine Alternative. Einige SPD Politiker waren in der Corona Krise stark und engagiert. Sie wirkten nicht nur auf ihre Karriere fixiert oder einfach nur total dumm.
    Aus dem Bereich dumm hatte die CDU viel zu bieten. Das war schockierend. Herr Merz ist einfach nur ein Polterer. Wo bleibt da die Expertise? So viele einfache Fehler sollten nicht zu Spitzenämtern führen.

    Die Alternativangebote wie FDP, Die Partei etc. gehen auch nicht. Lindner hat gezeigt, dass er nur dagegen ist und dass seine Partei auf NRW Ebene nichts auf die Reihe bekommt.

    Nur wo bleibt Scholz und die SPD?

  • #2
    mak40625

    Herr Merz mag sich selbst für führungsstark halten, das haben die CDU-Mitglieder aber zwei Mal anders gesehen.
    Herr Söder kann gut verkaufen, inhaltlich unterscheidet er sich um keinen Deut von Herrn Laschet.

    Und den jetzt verbleibenden Kandidaten sollte man auch Zeit geben, ein vernünftiges Profil zu entwickeln – denn ich glaube, aktuell wird viel in den Medien verzerrt dargestellt. Eine offene Diskussion ohne Zeitbegrenzung (und blöde Fragen) zwischen ihnen könnte da viel helfen, die Unterschiede deutlich zu machen. Aber dazu wird es nicht kommen, weil man ja den nächsten Rosamunde-Pilcher-Tatort nicht verschieben kann….

  • #3
    discipulussenecae

    Kevin Kühnert und die westdeutsche Antwort auf Margot Honecker würden im Fall der Fälle alles tun, um Olaf Scholz das Regieren so schwer wie möglich zu machen.

    Annalena Baerbock würde im Fall der Fälle sehr schmerzlich lernen müssen, daß eine Bundesregierung kein Ponyhof ist.

    Aber der rheinisch joviale Armin Laschet weiß, wie man geräuschlos eine Regierung führt, fällt nicht durch unnötige Großmäuligkeit auf und zeigt immer wieder eine Durchsetzungsfähigkeit, die seine politischen Gegner nicht nur parteiintern zu oft vergessen. Von daher ist er mein Mann!

  • #4
    Philip

    > unter der Last der Aufgaben in den kommenden Jahren zusammenbrechen

    Wir erleben seit über einem Jahr, wie die "etablierte" und "erfahrene" Politiker nichts auf die Reihe kriegen und sich dabei noch eher die Taschen vollmachen, als im Sinne der Bevölkerung zu handeln.
    Mit viel Neid blickt man gerade auf Neuseeland. Klar, eine Insel und so, aber wenn ich sehe, dass derzeit Deutsche aus Indien einreisen und lediglich gebeten werden, sich zuhause in Quarantäne zu begeben, während ihre Familienangehörigen weiterhin in Kita, Schule und Fleischfabrik gehen dürfen, frage ich mich doch, wie viel schlechter als die Klappspaten, die dieses Land in den letzten 40 Jahren in der unterschiedlichsten parteilichen Schattierung vor die Pumpe haben laufen lassen (Digitalisierung, Altersarmut, Pflegenotstand, Klimakatastrophe), kann man es denn machen?

    Abgesehen davon hat Baerbock auch einfach die besten Initialen.

  • #5
    sneaking_beauty

    Immer diese Fixierung auf Führungpersönlichkeiten… Vielleicht müssen wir in Deutschland mal lernen, dass wir nicht immer nur den "starken Mann" an der Spitze brauchen. Es wird doch nach der Wahl ohnehin auf eine Minderheitsregierung mit Tolerierung hinauslaufen und dafür wäre jemand wie Söder, dessen Regierungsarbeit ich übrigens nicht so schlecht finde wie vorher befürchtet (von den Waffen- und Psychiatriegesetzen abgesehen), der Falsche. Ohnehin funktioniert er wahrscheinlich nur in Bayern. Ich weiß, es gibt diese deutsche Urangst von "Instabilität", aber die Zeichen der Zeit sind nunmal so, dass es nirgendwo in Europa noch klare Mehrheiten gibt. Und da ist ein Sachverwalter oder Sachverwalterin an der Spitze wie Laschet oder Baerbock vielleicht ganz passend. (An den "Scholzomat" glaubt doch keiner ernsthaft, oder?)

  • #6
  • #7
    Robert Müser

    Die Auswahl zwischen Pest und Cholera wird dem Wahlvolk von Schwarz und Pseudogrün angeboten.

    Frustrierend ist aktuell der Punkt, dass der dritte Kandidat Scholz auf einmal als das geringe Übel erscheint und langsam wieder zu einer (denk-/wähl)baren Alternative zwischen Bruder Leichtfuß und Schwester Newbie wird.

  • #8
    Markus Schumann

    Es wäre jedenfalls – mit Popper – erfreulich, wenn die Regierung sich AUSSCHLIESSLICH aus einem der beiden Lager G/R/R oder C/A/F zusammensetzte, damit eine unfähige oder auch nur unglückliche Regierung jederzeit durch eine schlagfähige Opposition ersetzt werden kann – was zB zur Zeit als Merkelablösung nicht sichtbar ist: Entweder CDU oder SPD wird weiter regierungsamtlich dahinsiechen.

    Insofern GRR (wäre 2013 im Nachhinein gesehen das klar kleinere Übel gewesen, aber was hätten wir Rechten geschäumt, ohne je mit "2015" konfrontiert zu werden) oder CAF (Höcke tritt im September zwar leider an, aber wie gewohnt nur auf Landesebene), keineswegs jedoch Schwarzgrün oder Grünschwarz!

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