Das neue Jahr wie das alte? Nicht unbedingt

Triste Stimmung zum Jahresbeginn. Foto: L. Greven

Silvester habe ich diesmal nicht gefeiert. Nach den vergangenen 12 Monaten war mir nicht danach zumute. Das heißt aber nicht, dass es politisch so bleiben muss. 10 Gründe für Zuversicht

Was war 2025 für ein Jahr! Im Januar Trumps Rückkehr mit allen gefährlichen Verrücktheiten. Im Februar die vorgezogene Bundestagswahl mit halbem Farbenwechsel. Fortsetzung des russischen Terrorkriegs gegen die Ukraine. Israels Krieg gegen Irans Atomprogramm. Trumps Zollkrieg. Regierungskrisen in Berlin. Im Oktober endlich Freilassung der letzten israelischen Geiseln und Ende der Kämpfe in Gaza. Im Dezember dann der Anschlag in Sidney. Wird 2026 besser?

Danach sieht es vorderhand nicht aus. Die internationale Lage bleibt extrem schwierig. In Deutschland und Europa sieht es nicht viel besser aus. Doch es gibt auch Hoffnungszeichen:

1. Putin zeigt zwar keinerlei Bereitschaft, seinen Krieg gegen die Ukraine und Europa zu beenden. Aber Merz und den anderen europäischen Führern ist es immerhin gelungen, Trump daran zu hindern, völlig auf die russische Seite zu wechseln. Es bestehen weiter berechtigte Hoffnungen, dass die Ukraine überlebt, wenn Europa entschlossen bleibt. Und damit auch der alte Kontinent.

2. Die schwarz-rote Koalition scheint sich nach dem Beinahe-Bruch über das Rentenpaket gefangen zu haben. Vielleicht gelingen ihr 2026 sogar beherztere Reformen.

3. Die EU ist nicht zerfallen, auch wenn Putin-Freund Orbán (der möglicherweise in diesem Jahr abgewählt wird) Unterstützung aus der Slowakei und Tschechien erhält.

4. Die deutsche Wirtschaft könnte nach Jahren der Stagnation wieder leicht wachsen.

5. Die woke Bewegung hat ihren Höhepunkt wohl überschritten.

Dennoch wird auch 2026 nicht gemütlich werden. Der Krieg in der Ukraine dürfte in unveränderter Härte weitergehen. Von einem Waffenstillstand, gar Frieden keine Spur. Auch in Nahost stehen die Zeichen nicht auf Entspannung, solange die Hamas ihre Entwaffnung verweigert und Netanjahu an der Regierung bleibt. Im Sudan wüten die Kriegsparteien unverändert. In Syrien setzt das islamistische Regime seinen Bürgerkrieg gegen die Minderheiten fort. Und in Deutschland steht die AfD vor Wahlsiegen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und womöglich ihren ersten Ministerpräsidenten, was für weiteren Aufruhr sorgen würde.

Kippt die Welt also im begonnenen Jahr endgültig ins Autoritäre? Gemach!

6. Russlands Wirtschaft strauchelt unter der Last des Kriegs und der westlichen Sanktionen. Die Ukraine ist kriegstechnologisch, auch dank der westlichen Hilfe, mindestens gleichwertig, wenn nicht überlegen. Putins Armee kommt trotz extremer Verluste kaum voran. Der Verteidigungswille der Ukraine ist ungebrochen, die Unterstützung aus Deutschland auch.

7. Auch Chinas Wirtschaft schwächelt. Der neuen Supermacht geht die Luft aus, Putin könnte damit seinen wichtigsten Verbündeten verlieren.

8. Im Iran, dem anderen Verbündeten, gehen die Menschen gegen das islamistische Regime auf die Straße, das Israel mit seinen Luftschlägen mit US-Hilfe stark geschwächt hat. Womöglich fällt die Terrorkrake. Es wäre eine Erlösung für ganze Welt.

9. Trumps Macht beginnt zu bröckeln. Selbst in seiner republikanischen Partei regt sich Widerstand gegen seine Eskapaden und neoimperialen Allüren. Falls er einen offenen Krieg gegen Venezuela beginnt, was dem MAGA-Kurs zuwider liefe, und er absehbar die Zwischenwahlen im Herbst und damit die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verliert, könnte sich das zu einer Rebellion gegen ihn auswachsen.

10. Wenn dann auch noch Kanzler Merz zeigt, dass er aus seinen Anfangsfehlern lernt, und die SPD nach weiteren Schlappen bei den anstehenden Landtagswahlen endlich kapiert, dass sie mit Reformverweigerung nur weiter verliert, könnte man durchatmen. Gut wäre damit alles noch nicht. Weder in Deutschland noch in der Welt. Doch es gäbe immerhin Lichtblicke.

Das Beschwören von Katastrophen hat ohnehin nie geholfen. Das zeigt auch der Niedergang der Klimabewegung. Die Menschen möchten etwas haben, woran sie glauben können. Die Politik sollte ihnen das liefern. Nicht immer nur demonstrieren, wo man sich nicht einig ist. Sondern handeln und Hoffnung verbreiten.

Deutschland ist nicht über den Berg. Europa auch nicht. Doch untergegangen sind wir weder 2025 noch wird uns dieses Schicksal 2026 ereilen.

Deshalb: Mal ein paar Tage, vielleicht sogar Wochen die Miesepetrigkeit vergessen. Es müssen ja nicht gleich gute Vorsätze sein. Ein wenig Entspannung und weniger Dauer-Kritisieren und -Nörgeln an allem und jedem würde schon helfen.

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