Das war doch nicht alles – Herr RAG-Moron?

Gestern hat der Vize-Präsident des NRW-Landtages zugegeben, dass er für vier Stunden Kaffeetrinken 22.500 Euro von der Subventionsfirma RAG erhielt. Klack. Dazu habe er andere Zuwendungen eingestrichen, etwa aus der Tätigkeit im Aufsichtsrat der RWE Power AG, sagte Moron. Dann hat er auch gesagt, er und seine Frau hätten den größten Teil des RAG-Geldes genutzt, um insgesamt 25.000 Euro zu spenden.

Hört sich honorig an – ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn beim RWE kassiert Moron 20.000 Euro im Jahr. Als Vertreter der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat muss er davon in der Regel 15.000 Euro an die Gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung abgeben. Das sind die Bestimmungen unter denen die Gewerkschaften Politiker wie Moron in Aufsichtsräte wählen.

Nehmen wir zu seinen Gunsten an, Moron ist dieser Gewerkschaftspflicht unter Genossen nachgekommen. Dann hat er maximal 10.000 Euro aus den RAG-Einnahmen gespendet. Und 12.500 Euro, also den größeren Teil privat eingestrichen. Wenn das nicht so war, dann hat er die Gewerkschaft um ihren Geldanteil beschissen.

Klar hört sich das an, wie Korinthen zählen, aber im Ernst, wenn Moron mit seiner Pressemitteilung den Eindruck erwecken will, er habe ja eigentlich alles, oder zumindest den größten Teil seiner RAG-Einkünfte gespendet, und das sei doch toll, dann soll erlaubt sein, diesen schrägen Eindruck gerade zu rücken.

Dann noch eine nette Geschichte am Rande. Moron hat das Geld aus den Subventionskassen der RAG ja als Berater bekommen. Damit er im Beirat deren Kohleausstieg begleitet. Nun ist es nett zu wissen, dass der Geldempfänger Moron schon lange der RAG freundschaftlich verbunden. Als der SPD-Politiker noch Fraktionschef der Genossen war, da stand in seinem Büro im Landtag immer ein kleiner Bergmann im Regal. Eine schöne Szene, nicht wahr? Der Geldgeber schaute ihm sozusagen schon damals über die Schulter beim Politik machen.

Wie geht es jetzt weiter? Landtagspräsidentin Regina van Dinther hat jetzt auch gesagt, sie will 15.000 Euro von den RAG-Subventionen spenden. Toll.

Zudem wollen Moron und van Dinther jetzt von „externen“ Gutachter prüfen lassen, wie sie mit den Zuwendungen der Subventionsempfängerin umgehen wollen. Die Prüfer sollen prüfen, ob die beiden Politiker sich Befangenheit vorwerfen lassen müssen oder eine Bestechlichkeit. Das ist in meinen Augen ziemlich hilflos. Die „externen“ Berater sind nicht unabhängig, das Ergebnis steht von vorneherein fest. Ein billiger Versuch, Ruhe in den Sturm zu bringen. Zu bedenken ist zudem: Die Gutachter werden wieder von Steuergeldern bezahlt. Denn der Landtag kommt für sie auf.

Fast schon obszön. Die Verschwendung von Steuergeld und die Bereicherung von einzelnen Politikern soll mit Steuergeld weißgewaschen werden.

Es ist doch klar, dass wir hier ein Fall von fehlendem Anstand vor uns haben. Von Werten, Ehre, Ethik und Moral. Da sollte ein Politiker in der Position von Moron oder von Dinther keinen Gutachter brauchen, um zu erfahren, was richtig und was falsch ist. Da sollte er schon selber wissen. Stattdessen wird das alte Verfahren ausgepackt: Weiß Du nicht weiter, mach einen Ausschuss oder beschäftige einen Gutachter.

Was zählt schon Anstand, wenn man Kohle nebenher absahnen kann.

Ausgerechnet von der RAG. Tststssssssss………

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9 Kommentare

  1. #1 | Angelika sagt am 30. Januar 2010 um 15:37 Uhr

    „…Die Gutachter werden wieder von Steuergeldern bezahlt…“ (s.o.)

    Wie war das noch mit der steigenden Politikverdrossenheit, den Austritten aus Parteien usw.? Wundert sich da ernsthaft noch jemand? …

  2. #2 | Hans Czinzoll sagt am 30. Januar 2010 um 17:10 Uhr

    Das hört sich noch nicht einmal honorig, sondern strategisch, an, wenn ohne Not die bisher nicht betroffene Ehefrau ins Spiel gebracht wird.

  3. #3 | Klaus sagt am 30. Januar 2010 um 19:27 Uhr

    Dafür sollte es zur LTW im Mai eine saftige Quittung geben !

  4. #4 | zoom » Umleitung: Robert Zion, Dinther, Moron, Mövenpick, Alexander Lebenstein und mehr … « sagt am 30. Januar 2010 um 22:44 Uhr

    […] Moron und Dinther: War das alles Herr Moron? … ruhrbarone […]

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 30. Januar 2010 um 22:55 Uhr

    Schon zur Zeiten von Rot-Grün in NRW nannten viele Grüne Politiker wie Moron wegen ihrer Nähe zum Bergbau „Grubenponys“.

  6. #6 | Tweets die Das war doch nicht alles - Herr RAG-Moron? « Ruhrbarone erwähnt -- Topsy.com sagt am 1. Februar 2010 um 13:52 Uhr

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von ruhrbarone, Bottblog, POLITIK DISSOMAINIA, SPD Politik, Ralph Buttler und anderen erwähnt. Ralph Buttler sagte: RT @ruhrbarone: SPD Moron, CDU Dinther, RAG, Subventionen und Spenden – zweiter Teil https://www.ruhrbarone.de/das-war-doch-nicht-alles-h … […]

  7. #7 | Die RAG-Söldner | Post von Horn sagt am 10. Februar 2010 um 18:05 Uhr

    […] er sich herab, darauf hinzuweisen, dass er seit Sommer 2009 kräftig gespendet habe, unter anderem an gewerkschaftliche Stiftungen. Die RAG lebt in beachtlichem Umfang von Steuermitteln. Dass ihre Gelder über Morons Konto bei […]

  8. #8 | Martin Kies sagt am 28. Februar 2010 um 16:25 Uhr

    Als SPD-Mitglied seit 1973 habe ich das Ganze erst nicht glauben können (wollen). Meine Nachfragemails an Genosse Moron bzw Frau Kraft wurden einfach ignoriert. Blieb mir nur eine einzige Konsequenz: ich habe gerade die Kündigung meiner Mitgliedschaft an die SPD gemailt. Ich möchte in einer solchen Partei nicht mehr Mitglied sein, wo sich die höheren Tiere der eigenen Partei so ungeniert die Taschen füllen. Herrn Moron wirds allerdings sicher nicht weiter berühren…

  9. #9 | Der Fachmann für Honorar und Diäten | Post von Horn sagt am 21. Dezember 2011 um 22:37 Uhr

    […] aß. Prof. von Arnim kritisierte damals das Missverhältnis zwischen Honorar und Leistung. Der Skandal um das RAG-Honorar löste, wie jetzt die geplante Diätenerhöhung,  große Empörung aus. Moron mochte die Annahme […]

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