Das war es mit den Piraten

Erst Tauss jetzt Thiesen – Die Piraten haben ein paar Fehler zu viel in zu kurzer Zeit gemacht.

Der Jubel über den Eintritt von Tauss fand ich befremdlich, die Argumentation, er sei formal noch nicht verurteilt eine arg legalistische und nicht politische Argumentation, zumal er den Besitz und auch die Weitergabe von Kinderpornographie ja nicht leugnet, sondern sich nur anmaßt bei seinen „Ermittlungen“ weiter zu gehen als es der Polizei erlaubt ist. Ich hielt Tauss für einen Spinner, der sich heillos überschätzt hat – aber nicht unbedingt für einen Kinderschänder. Das Anhänger der Piraten hier in den Kommentaren Kinderpornographie lässig mit "KiPo" abkürzten fanden wir alle widerwärtig. (Und wir haben beschlossen solche Kommentare nicht mehr freizuschalten)
Ich hoffte bei Tauss er würde nicht aufgenommen und erklärte mir die Begeisterung über seinen Beitritt als ein Zeichen von Naivität und ging davon aus, dass Tauss ja wohl rausfliegt wenn er schuldig gesprochen wird.
Und jetzt Thiesen: Thiesen , ein Holocaust-Leugner und Geschichtsrevisionist,  der sich mit seinen Argument auch in der NPD wohl fühlen würde, wurde gestern auf dem Parteitag der Piraten als Ersatzrichter gewählt – OK, sicher nicht das wichtigste Amt, aber dass so eine dubiose Gestalt nicht hochkant aus der Partei fliegt ist nicht zu rechtfertigen.

Hier ein paar Aussagen von Thiesen:

Nun, bis vor einigen Monaten glaubte ich auch, daß diejenigen, die "Auschwitz leugnen" einfach nur pupertäre spinner sind. Damals hatte ich aber auch noch nicht Germar Rudolf gelesen. Sorry, aber das Buch prägt einfach – zumindest wenn man objektiv ran geht. –Bodo Thiesen 19:50, 15. Jul 2004"

Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland *jede* legitimation, Polen anzugreifen."

Quelle: Indymedia

Ich kann mich Chris von FIXMBR nur anschließen: „Wer will diese Partei noch ernsthaft wählen? Ich hoffe, niemand.“ Das Parteineugründungen Leute wie Thiesen anziehen wie Scheiße Fliegen ist nichts Neues: Auch bei Gründung der Grünen haben Rechtsradikale  versucht,  sich in der Partei zu etablieren, zum Teil waren, gerade auf Ebene der Ortsverbände, auch ziemliche Spinner unterwegs, aber sie wurden nicht auf  Bundesebene in irgendwelche Ämter gewählt sonder flogen sofort hochkant raus. Dass die Piraten Thiesen gewählt haben, nachdem sie seine Meinung kannten, macht sie unwählbar.

Offensichtlich fehlt es den Piraten an einer gemeinsamen Wertebasis. Schade.

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
137 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Sebastian Jürges
15 Jahre zuvor

Meiner Meinung nach ist das ein bisschen zu indifferenziert.

1) Was hat seine persönliche Meinung mit einer Parteiposition zu tun, zumal er kein Programmbestimmendes Amt hat, und bei der eh basisdemokratischen Ausrichtung der PPD auch alleine nie genug Einfluss hätte.

2) Ich finde seine Äusserungen zwar geschmacklos und falsch, aber er hat sich dazu ja auch schon geäußert:
https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Bodo_Thiesen/Stellungnahme_pers%C3%B6nliche_Meinung_vs._Parteimeinung

Ich finde das ganze wird gerade unnötig aufgeblasen. Wie sagte schon Evelyn Beatrice Hall: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“

In diesem Sinne,
einen schönen Montagmorgen wünsche ich:)

~~ sjuerges

Angelika
Angelika
15 Jahre zuvor

Bei diesen Thiesen-Zitaten dreht sich mir der Magen um.

„…Das die Piraten Thiesen gewählt haben, nachdem sie seine Meinung kannten, macht sie unwählbar.“ (s.o.) Richtig.

Schade! Es hatte so gut angefangen …

Sebastian Jürges
15 Jahre zuvor

erste kommentar wahr einmal danebengeklickt, bitte löschen

@Stefan Laurin
1) JürgES, nicht JürgeNS
2) Ich habe ihn nicht gewählt und würde auch nicht.
3) Mal rechechiert von wann seine anstössigen Aussagen sind? Ich schon:

Datum: 23.02.2003 03:46
Datum: 27.02.2003 16:23
Datum: 22.02.2003 15:51
Datum: 23.02.2003 12:11
Datum: 23.02.2003 12:11
Datum: 14.06.2003 13:01

Mag vllt. noch mehr geben, ich hab nichts mehr gefunden. 2003. 6 jahre her. Hat der Mensch nicht auch das Recht seine Meinung zu ändern ? (Sofern er das getan hat).

Haben wir nicht alle schonmal etwas dummes gesagt. Ok, vllt. nicht auf der selben Skala von dämlich, aber etwas dummes.

Und erneut die Frage: Ist das ein Grund die gesamte Partei als unwählbar hinzustellen ? In meinen Augen nicht.

~~ sjuerges

Oliver
15 Jahre zuvor

@Jürges: in dem von Dir verlinkten Beitrag findet sich ja auch nur noch mehr und mehr geschichtsrelativierender Unsinn. Er ist halt kein beliebiges Mitglied, das kann man schon festhalten. Aus einer demokratischen Partei wäre derjenige schon hochkant geflogen.

Zum Beitrag: Finde ich super. Auch ich glaube, dass das der selbsinizierte Genickbruch der Piratenpartei ist. Dieser Basisgedanke mit der Freiheit im Internet muss vielleicht von einer anderen oder neuen Partei aufgegriffen werden. Die Piraten sind meiner Meinung nach schon kurz nach dem Start zu sehr beschädigt.

kritiker
kritiker
15 Jahre zuvor

Ich finde das Programm der Piraten gut. Ich kenne Thiesen nicht. Ich habe seinen Wiki-Eintrag gelesen. Ich habe die Satzung der Piraten gelesen, dort steht in §1:

„Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab. “

Warum handeln die Piraten nicht konsequent danach ?

Der Krieg hat nicht stattgefunden oder war schön ? Fragt mal eure Großväter… oder warum es nach 1945 viele Großväter nicht mehr gab.

1. Hitler wollte einen Krieg
2. Hitler hat zig Millionen Juden und nicht-konforme Menschen in KZ’s vernichtet. Jeder, der einmal ein KZ besucht hat, hat ein ganz komisches Gefühl im Magen. Es muss unvorstellbar grausam gewesen sein.
3. Entweder die Piraten distanzieren sich von T. oder
4. T. distanziert sich von seinen Ansichten.

Der derzeitige Zustand in diesem „einen Punkt“ bzgl. T. bei den Piraten ist kein erstrebenswerter und sie sollten handeln.

Sebastian Jürges
15 Jahre zuvor

@Stefan Laurin
Ja, reicht. Ich behaupte ja auch nicht, der Typ sei kein Depp 🙂
Naja, wir werden ja sehen wie und ob der Vorstand reagiert.

~~ sjuerges

Jürgen Klute
15 Jahre zuvor

@Stefan Laurin: Wir sind politisch ja sonst sehr unterschiedlicher Meinung. Diesen Artikel finde ich aber ausgesprochen gut und ihren Positionen kann ich Ihnen in diesem Fall nur zustimmen.

@Juerges: Wenn Herr Thiesen seine Meinung geändert hätte, dann hätte er dies ja kundtun können. Ansonsten bin ich nicht bereit, im Blick auf den Nationalsozialismus die Rede von „dummen“ oder „dämlichen“ Äußerungen zu akzeptieren. Damit werden historisch beispiellose Verbrechen verharmlost. Vom Nationalsozialismus kann man sich nur eindeutig distanzieren – ohne wenn und aber. Und das gilt erst recht für Menschen, die politische Aufgaben übernehmen. Ihre Wertung der Aussagen von Thiesen tragen nur dazu bei, den Nationnalsozialismus bzw. Faschismus „salonfähig“ zu machen.

Zu Ihrem Verweis auf Evelyn Beatrice Hall: Faschismus bzw. Nationalsozialismus ist für mich keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Muriel
15 Jahre zuvor

@Stefan Laurin, 2: Ist das nicht ein bisschen überzogen? Vielleicht verachtest du einfach nicht so viele Meinungen wie ich, aber ich jedenfalls könnte nach diesem Maßstab keine mir bekannte Partei wählen und erst recht in keiner Mitglied sein. Eine Vollpappe findet sich doch immer, wenn tausende Menschen sich zusammenschließen.
Wobei man diese Person dann nicht in ein Amt wählen darf, da hast du wieder Recht.

Tueksta
Tueksta
15 Jahre zuvor

„formal noch nicht verurteilt“? Es wurde noch nicht einmal Anklage erhoben. Man sollte den Unterschied zwischen einem Ermittlungsverfahren wegen Anfangsverdacht und einem Gerichtsverfahren kennen, bevor man darüber mit falschen Behauptungen bloggt…

Noname
Noname
15 Jahre zuvor

„Das Anhänger der Piraten hier in den Kommentaren Kinderpornographie lässig mit „KiPo“ abkürzten fanden wir alle widerwärtig. (Und wir haben beschlossen solche Kommentare nicht mehr freizuschalten)“

Schön. Und wenn das nächste Mal eine Abmahnung ins Haus flattert, ist das Zensur-Geschrei bei euch wieder gross?

Kehrt mal vor der eigenen Türe, mit dem Spruch habt ihr euch selbst entlarvt.

Joerg Tauss
15 Jahre zuvor

Stehe auch Ihren Autoren gerne fuer Rueckfragen
gegenueber: Aber wie waere es einfach mit
etwas weniger
Schaum vorm Mund?? Ich habe Thiesen
beispielsweise nicht gewaehlt: Weil ich ihn
einfach nicht kannte. Joerg Tauss

Jürgen Klute
15 Jahre zuvor

@Tueksta: Stefan Laurin hat auf den Unterschied verwiesen, der zwischen einer rechtlichen und einer politischen Bewertung von Fakten besteht – doch wohl sehr zu recht. Strafrechtlich betrachtet kann sich ja herausstellen, dass Tauss sich noch so eben im Bereich des Tollerierbaren bewegt hat. Das wird sich zeigen. Politisch wäre er aber auch in diesem Fall deutlich beschädigt.

trackback
15 Jahre zuvor

Das Personal der Piraten…

Bei den Ruhrbaronen habe ich gerade gelesen, das Bodo Thiesen zum Ersatzrichter der Piratenpartei gewählt wurde – an sich kein Problem, jedoch sind Aussagen im Internet zu finden, in welchen Bodo Thiesen den Holocaust leugnet.
Ein angeblich Rech…

TomD
15 Jahre zuvor

@Stefan, 18: Ind ich finde den Ausdruck „Kinderpornographie“ Scheiße.
Da stimme ich mit Christian Bahls überein, daß es besser „dokumentierter
Kindesmißbrauch“ heissen sollte. Für meine Begriffe ist „KiPo“ auch schon nicht mehr viel schlechter als „Kinderpornographie“.

David Schraven
Admin
15 Jahre zuvor

„Dokumentierter Kindesmißbrauch“, „KIPO“ – diese Verniedlichung der Vergewaltigung und der Vergewaltiger ist abstoßend.

Kinderpornographie ist selber ein Verbrechen. Ist das so schwer in den Kopf zu kriegen? Da wird nichts dokumentiert. Da wird mit der Kamera vergewaltigt.

Grüße David

Freiheit
Freiheit
15 Jahre zuvor

Kinderpornographie mit „KiPo“ abzukürzen (ich hoffe, das mein Beitrag jetzt nicht wegen der bloßen Erwähnung dieser Abkürzung nicht freigeschaltet wird…), liegt meines Erachtens eher darin begründet, dass eine innere Blockade besteht, das Wort „Kinderpornographie“ auszusprechen. Es sind mit dem Wort eben doch allerhand widerwärtige Vorstellungen und negative Gefühle verbunden (zu Recht!).
Mit einem lässigen Herunterspielen hat dies wenig zu tun. Auch ich nutze lieber die Abkürzung, irgendetwas in mir sträubt sich dann eben doch.

Nickname
Nickname
15 Jahre zuvor
Freiheit
Freiheit
15 Jahre zuvor

@Stefan Laurin:
„Man wählt keine Partei in der Leute sind deren Meinung man verachtet und man ist auch nicht in einer Partei mit Leuten deren Meinung man verachtet.“
Dann dürfte man (oder zumindest ich) keine einzige Partei mehr wählen, denn in wirklich JEDER kann ich gleich mehrere Personen finden, deren Meinung ich für verachtenswert halte.

Jens-Wolfhard Schicke
15 Jahre zuvor

1. Bodo Thiesen wurde deswegen gerügt, siehe hier:

https://wiki.piratenpartei.de/2008-06-05_-_Vorstandssitzung#TOP_4.1:_Revisionismusdebatte:

2. Meine Einschätzung ist, dass er einfach nicht in der Lage ist zu verstehen, was in der politischen Landschaft gesagt werden darf, und was nicht, und wie das zu formulieren ist.

3. In seiner Stellungnahme steht: „Die Verfolgung war ein Verbrechen und jeder einzelne Mensch, der verfolgt und getötet wurde, war einer zuviel.“ Was willst man noch hören? Vielleicht dies (auch aus der Stellungnahme)? „Ich bin davon überzeugt, daß Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund grundsätzlich eine Bereicherung für unsere Gesellschaft darstellen. Ich zähle solche zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis, was diametral zu einer rechtsextremistischen Gesinnung stünde, die mir immer wieder vorgeworfen wird.“

4. Ich habe ihn nicht gewählt, weder zum stellvertretenden Protokollanten (denn den brauche ich nicht), noch zum stellvertretenden Richter, aber das letzte kann jeder behaupten, denn die relevanten Wahlen waren alle geheim.

Muriel
15 Jahre zuvor

@Stefan Laurin,20: Ich benutze die Abkürzung selbst nicht, aber von einer Verniedlichung zu sprechen, tut meiner Meinung nach den meisten Leuten Unrecht. Ich verniedliche doch auch amytrophe Lateralsklerose nicht, wenn ich sie ALS nenne, ich kürze einfach nur einen unhandlichen Begriff ab. Deshalb gleich Kommentare nicht mehr zuzulassen, scheint mir auch ein bisschen überzogen.
„Dokumentierter Kindesmissbrauch“ halte ich allerdings für richtig abartig. Das ist nicht nur ein fürchterliches Wortungetüm, das klingt wirklich wie ein Euphemismus.

Karsten
Karsten
15 Jahre zuvor

Das macht doch alles gar nichts, denn solche Leute gibt es auch in jedem Teil der SPD, CDU, Grüne, PDS usw Ortsvereine. Räsonnieren muss immer erlaubt sein und es gibt zu wenig offene Debatte ohne ein Medium wie ein Freies Netz. Ohne Kontrolle. Ohne Wahrheitsinstanz. Ohne Strafen gegen Geschichtsklitterung. Die Piratenpartei positioniert sich in diesen Fragen ja gar nicht inhaltlich genau wie das Netz. Insofern ist es auch vollkommen wumpe. Entweder man ist liberal wie das Netz in dem alles sich frei äußern können muss oder man hängt der reaktionären Vorstellung einer Kuscheldemokratie mit der Rute an, die nicht durch ihre technologischen Bedingungen (Zensurfreiheit für Vielfalt und Pluralität) erhalten wird, sondern mit „Eisen und Blut“, also durch Diskriminierung und Meinungsnormierung gesellschaftliche Wahrheit konstruiert wird und sich die Blöße gibt „unwahre“ politische Auffassungen an den Rändern verfolgen zu müssen, als könne man im freien und offenen demokratischen Diskurs nicht bestens bestehen; als sei es wirklich notwendig geschichtliche Tatsachen gegen Spinner zu verteidigen. Ausserdem soll man sich dann noch distanzieren von den politischen Auffassungen einer Person „mit der man Fussball spielt“. Aber dieses Guilt by association Schema ist ja beliebt bei den Leuten, die Politik mit Denunziantentum verwechseln. Ich finde es total wichtig, dass alles gesagt und gesprochen werden kann, mit dem ich nicht übereinstimme, damit man im vernünftigen Diskurs zur Wahrheit kommt. Damit Offenheit und Transparenz über Meinungen herrscht. Wer den Widerspruch nicht ertragen kann, der ist eben nicht liberal. Muss man ja nicht sein. Ich finde, der Faschismus muss in uns selbst bekämpft werden, nicht im Kasper und nicht im Intellektuellen mit Gefährdungsneigung. Ein freies Netz ist das Ziel, ein offener Diskus ohne verklemmtes Einhacken auf Leute, die mal – wenn auch nur angedeutet – politischen Schwachsinn äußern. Das können nämlich unsere Spitzenpolitiker auch sehr gut, Schwachsinn verzapfen und in manchem korrekten tugendhaften Komformisten schlummert der Rassist. Die Piraten wollen ein freies Netz, und einen freien, kreativen Umgang mit Medien. Wenn ein Kommunist das auch gut findet, weil er Eigentum abschaffen will, nun denn. Ist doch wumpe, sofern nicht alle so drauf sind. Oh, da ist jemand falsch im Internet… Diese deutsche Kultur des „Distanzierens“ von Meinungen und Trägern einer Auffassung regt mich ziemlich auf. Leider haben die Allierten bei der Re-education nur halbe Arbeit geleistet. Noch immer schläft der Deutsche wenn Poltiker die Freiheit mit den Füßen treten siehe VDS. Ist ja verständlich, dass man in der unmittelbaren Nachkriegszeit weniger liberale Standards angelegt hat aber heutzutage können wir eigentlich viel mehr Liberalität wagen. Sicher, wir wollen in Deutschland keinen TV-Demagogen wie Bill O’Reilly haben, aber ich sehe es so, dass die Piraten für den Geist des First Amendment in Europa kämpfen, indem sie auf die Veränderung der technologischen Grundlagen hinweisen. Solange man aus dem Offiziellen das raushält ist alles in Ordnung. Jede Freiheit birgt auch parasitäre und Missbrauchsmöglichkeiten. Die Freiheit des Webbürgers ist – so argumentiert der Feind seiner Freiheit – die Freiheit des Kinderpornottauschers. Ich sage, man muss die Existenz von Kriminalität ertragen, die man durch Aufgabe seiner Freiheit nicht beseitigen wird. Ein bestimmter Teil der Bevölkerung ist „kriminell“, „rechts“, „schwul“, „pervers“, „ufogläubig“, „kinderschänder“ etc. Ich bin nichts davon, aber ich muss akzeptieren, dass ich diese Neigungen, die teilweise strafbar sind (oder mal waren) nicht vollständig auslöschen kann.

Tharben
Tharben
15 Jahre zuvor

Ich habe den Videostream des Bundesparteitages der Piraten kontinuierlich verfolgt (von den Ausetzern abgesehen).

Punkte, die mir wichtig sind:

1.) Die Piraten liegen mir am Herzen, weil mir besonders wichtige Anliegen als Kernthemen in ihrem Parteiprogramm stehen.

2.) Die Piraten haben sich redlich auf dem Bundesparteitag engagiert, haben um einzelne Punkte und Formulierungen gerungen. Alles höchst (basis)demokratisch. Meine Hochachtung.

3.) Sie haben einen Menschen mit sehr fragwürdigem Standpunkt in ein (ziemlich unbedeutendes) Parteiamt gewählt.

Natürlich war das ein Fehler. Aber eine so junge Partei darf schwere Fehler machen. Ich vertraue auf die starken demokratischen Kräfte innerhalb der Piratenpartei, auf dass sie dieses Problem auf Sicht lösen werden.

Wie oft habe ich mich über übelste Lügen von Spitzenfunktionären anderer Parteien aufgeregt und habe diese Parteien schlussendlich mangels Alternative doch am Wahltag als kleinstes Übel gewählt?

Zur Causa Tauss: Der Tauss war zumindest naiv. Andererseits, wenn man sich anschaut, wie das mit dem Immunitätsausschuss, der Staatsanwaltschaft und der Presse so gelaufen ist und in welchem Kontext plötzlich die Ermittlungen aufgenommen wurden, hat diese Sache ein strenges Geschmäckle.

Fazit: Die Piraten sind trotz ihrer schweren Geburtswehen, die womöglich gerade wegen ihrer Basisdemokratie so schmerzhaft sind, für mich eine der vertrauenswürdigsten politischen Kräfte. Unwählbar sind für mich andere Parteien, die seit Jahren keinerlei Bezug mehr zu den Regierten haben und sich heillos in Inkompetenz verheddert haben.

Freiheit
Freiheit
15 Jahre zuvor

@Karsten:
„Neigungen“ sind niemals strafbar, höchstens Handlungen, die aus diesen Hervorgehen!

PV
PV
15 Jahre zuvor

Der Chaos Computer Club hat sich 2005 in einer Erklärung gegen Rechts positioniert. Dies sollte der Piratenpartei als Vorbild dienen.

https://www.ccc.de/updates/2005/unvereinbarkeitserklaerung

Freiheit
Freiheit
15 Jahre zuvor

@PV, siehe Kommentar #6:

§1 der Satzung:
?Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.?

Und jetzt muss sich noch jemand hinsetzen und das ganze mit viel Blabla aufblähen und ausschmücken?

trackback

Die Piratenpartei – Nur ein Haufen dummer Jungs!?…

Aufgrund der negativen Schlagzeilen frage ich mich, wer sind eigentlich diese Piraten?

……

Thomas
Thomas
15 Jahre zuvor

Nun, Ersatzrichter klingt mir jetzt nicht nach einem Amt wie Tafelputzer. Ich finde diese Wahrnehmung schon seltsam. Dass eine Partei solche Menschen als Mitglieder in ihren Reihen hat, läßt sich wohl nie ganz ausschließen. Dass sie sie aber in relevante Ämter wählt, halte ich für verlogen.

Pandur2000
15 Jahre zuvor

Die Aussagekraft einer Partei an einer Person zu messen ist nicht nur fragwürdig sondern zeugt von Dummheit.

Wer sich Basisdemokratie auf die Stirn schreibt muss auch mit solchen Menschen in seiner Basis leben, solange sie nicht wegen entsprechender Dinge verurteilt wurden. Auch wenn es wehtut. Davon ab glaube ich nicht, dass all zu viele Piraten überhaupt etwas von Herr Thiesens Äußerungen in der !Vergangenheit wussten – oder diese gelesen haben. Mich eingeschlossen.

MatthyK
MatthyK
15 Jahre zuvor

Ich finde es sehr bedenklich, dass es doch einige gibt, die an Äußerungen eines einzigen Mitgliedes ihre komplette Haltung gegenüber der Piratenpartei aufhängen. Aber alle gemeinsam haben wir doch aber irgendwie das Bedürfnis, in der Politik von Strukturen, die von Einzelpersonen getragen werden, wegzukommen!

Bodo Thiesen ist über Aktivität und Engagement in sein Amt (Ersatzrichter Bundesschiedsgericht) geraten – nicht weil seine Äußerungen in irgendeiner Weise Anklang gefunden hätten. Tatsächlich dürften nur den allerwenigsten Anwesenden auf dem Bundesparteitag diese Äußerungen überhaupt bekannt gewesen sein.

Herbert
Herbert
15 Jahre zuvor

Wenn ich jede Partei aus meiner persönlichen Liste der wählbaren Parteien wegen der Vergangenheit oder beknackter Äußerungen eines einzelnen Mitgliedes streichen würde wäre diese Liste immer leer.
Ich orientiere mich weiterhin an Parteiprogrammen und Absichtserklärungen. Diese spiegeln den parteiweiten Konsens wieder und *hoffendlich* auch das, wofür sie im Parlament einzutreten gedenken.

WB
WB
15 Jahre zuvor

Zitat MattyK“Bodo Thiesen ist über Aktivität und Engagement in sein Amt (Ersatzrichter Bundesschiedsgericht) geraten – nicht weil seine Äußerungen in irgendeiner Weise Anklang gefunden hätten.“

Anders ausgedrückt: B. T. ist ein Nazi, aber ein fleißiger. Offenbar reicht das, um in der Piratenpartei Karriere zu machen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese wertfreie Nerd-Partei Schiffbruch erleidet.

piratenwahl
15 Jahre zuvor

@karsten 27: besser kann man es nicht sagen. Die Piraten sind die erste deutsche Partei, denen Freiheit wichtiger ist als autoritäre Regulierung. Das Netz verändert den “ typisch Deutschen“ mit seiner Autoritätssehnsucht und dem Streben nach und dem Glauben an eindeutige Wahrheiten mehr, als es die 68-er-Generation geschafft hat. Vermutlich deshalb ist die taz auch schwer beim Tauss-bashing dabei, siehe https://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/pirat-nummer-2397/

Teiler Döhrden
Teiler Döhrden
15 Jahre zuvor

Ich soll also nur deshalb kein Mitglied meines Landesverbandes sein können, weil jemand in einem anderen Landesverband eine extrem andere Meinung (vieleicht sogar strafbare Meinung) vertritt? Interessant…

Dass sich nicht jeder, der Bodo Thiesen zum Ersatz(!)-richter gewählt hat, sich mit dessen Vergangenheit ausführlich beschäftigt hat, dürfte auch klar sein. Die meisten sind erst frisch in die Partei eingetreten und an solchen vergangenheitsbezogenen Diskussionen nicht so brennend interessiert, wie vielleicht ein Journalist, der einer einfach zu schreibenden story entgegenfiebert.

Das Gute an diesem Artikel ist ja, dass er ebenfalls noch in sechs Jahren nachzulesen sein wird. Das Netz vergisst nicht… Und bis dahin hat sich dann hoffentlich auch der Blogautor (und die hitzigen Kommentatoren) eingesehen, dass hier mal eine Revision angebracht wäre: Nämlich seines Bildes von einer Parteiendemokratie.

JL
JL
15 Jahre zuvor

Hi @David Schraven @Stefan Laurin
was ich in dieser Diskussionsrunde gelesen hab, hat mich dazu bewegt, blog/RSS-Feed-Abonements zu kündigen.
Eure Haltungen zu „KiPo“ und Meinungsfreiheit entbehren jeder rationalen und/oder durchdachten Grundlage, wie #22 sehr gut andeutet.
Eure darauffolgende Polemik macht es nicht besser.

Ciao,

Jan

Teiler Döhrden
Teiler Döhrden
15 Jahre zuvor

Ich stelle einfach fest, dass es den Kritikern offenbar immer seltener gelingt, die Piraten in einer sachlichen Diskussion zu stellen, so dass sie auf Personalien ausweichen müssen. Das ist zwar interessant, jedoch könnte ich genauso gut darauf verzichten.

Ich denke, es dürfte allen klar sein, wie diese Geschichte gestrickt wurde. Und dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Berichterstattung in Sachen Theisen. Im Fall Tauss haben wir ja einen ähnlich gelagerten Fall, der reichlich von der („interessierten“) Presse ausgeschlachtet wurde und wird.

Insofern kann ich die Enttäuschung einiger Leser über die Berichterstattung hier verstehen, da sie sich eine sachlichere Kritik wünschen und nicht mitabgeurteilt werden möchten, nur weil sie Mitglieder oder Anhänger der Piratenpartei sind.

DISCLAIMER: Teiler Döhrden ist Mitglied der Piratenpartei.

DanielC
DanielC
15 Jahre zuvor

Es gab schon vor einem Jahr eine Verwarnung für den Kram:
https://wiki.piratenpartei.de/2008-06-05_-_Vorstandssitzung#TOP_4.1:_Revisionismusdebatte:

WB
WB
15 Jahre zuvor

@Teiler Döhrden:
Der Umstand, dass die Piratenpartei Holocaustleugner und Geschichtsrevisionisten in Funktionen wählt, ist keine „Personalie“. Es ist ein Politikum. Aber schon das zu erkennen, scheint den Horizont wertfreier Piraten-Nerds zu übersteigen. Nach dem Motto: Der Bodo ist aber doch so fleißig und seine Meinung ist seine Privatsache…

Deliah
Deliah
15 Jahre zuvor

Fehler machen alle in den ersten Schritten auf einem neuen Gebiet. Das ist verständlich und von allen nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar wird es, wenn diese Fehler einfach totgeschwiegen werden, in der Hoffnung, dass sich das Thema irgendwann von selbst erledigt.

Jedes Mitglied einer Partei, dass ein öffentliches Amt begleitet, repräsentiert nach Außen die Partei und deren Ziele. Da können sich alle noch so sehr auf den Kopf stellen, es ist einfach so. Es ist also eine Sache, die individuellen Ansichten eines Mitgliedes zu tolerieren oder dieses Mitglied als Repräsentant einzusetzen.

Der Fehler liegt nicht nur bei den anwesenden Wählern, die womöglich aus Unwissen ihre Stimme abgegeben haben (ist das nicht eigentlich ein Widerspruch zum Piraten an sich, der sich nur zu dem äußern möchte, worüber er auch entsprechend Bescheid weiß?). Der Fehler hat schon im Vorfeld begonnen, indem man Mitglieder auf Wahllisten zulässt, von denen man weiß, dass ihre individuellen Ansichten als Repräsentant Probleme bereiten werden.

Egal wie „unbedeutend“ dieses Amt ist. Für mich – als noch nicht so politisch bewandert – ist es allein ein Hohn, dass hier auf der Position des Ersatzrichters eine Person zu finden ist, die sich als kritisch bezeichnet, aber augenscheinlich noch nicht mal kritisch genug dazu ist, einschlägige Literatur entsprechend beurteilen zu können, vielmehr die deutsche Geschichte, die durch Augenzeugen bestätigt wurde, behandelt wie ein Spaß ala „Bielefeld-Verschwörung“.

spagetten_johnny
spagetten_johnny
15 Jahre zuvor

@Teiler Döhrden

Ihr habt einen ziemlich üblen Geschichtsrevisionisten in ein Parteiamt gewählt und jetzt sind die anderen schuld?

Interessant. Langsam aber sicher bereue ich mein Kreuz bei der Europawahl…

Werbung