Der falsche Glanz des Ballon d’Or: Warum Dembélés Charakterfrage schwerer wiegt als seine Tore

Der Ex-Dortmunder Ousmane Dembele, hier noch im BVB-Trikot. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Der Ballon d’Or gilt als die prestigeträchtigste Einzelauszeichnung im Weltfußball. Wer ihn gewinnt, darf sich mit den ganz Großen der Fußballgeschichte messen. Es ist ein Symbol nicht nur für sportliche Klasse, sondern auch für Haltung, Verantwortung und Vorbildfunktion. Umso problematischer ist die diesjährige Entscheidung, Ousmane Dembélé diesen Preis zu verleihen. Denn so glänzend seine sportlichen Momente auch sind – charakterlich bleibt der Flügelspieler ein fragwürdiger, um nicht zu sagen ungeeigneter Preisträger.

Disziplinlosigkeit statt Professionalität

Seine bisherige Karriere war schon zu häufig begleitet von Negativschlagzeilen, die nicht nur sportliche, sondern vor allem menschliche Defizite offenbaren. Disziplinlosigkeit bei Borussia Dortmund, wo er Trainings schwänzte, um seinen Wechsel nach Barcelona zu erzwingen. Wiederkehrende Berichte über Unpünktlichkeit, mangelnde Professionalität und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Teamkameraden. Selbst bei Barça galt er jahrelang als „Problemfall“, der sein enormes Talent nur in Ansätzen abrief – auch, weil er die Grundregeln des professionellen Arbeitens allzu oft ignorierte.

Ein Preis ohne moralisches Gewicht

Natürlich lässt sich argumentieren, dass die Trophäe allein sportliche Leistungen honorieren sollte. Doch das greift zu kurz. Der Ballon d’Or ist eben kein rein statistischer Titel, er lebt auch vom Narrativ, von der Botschaft, die er vermittelt. Und hier offenbart sich die Schieflage: Wer Dembélé auszeichnet, sendet das Signal, dass charakterliche Reife, Professionalität und Integrität keine Rolle spielen. Dass man sich jahrelang unkollegial verhalten kann – solange man im entscheidenden Moment genug Glanzpunkte setzt.

Fragwürdiges Vorbild für die nächste Generation

Hinzu kommt, dass der Ballon d’Or ein Symbol für Vorbilder ist. Kinder, Jugendliche, junge Profis blicken auf den Gewinner als Orientierung. Was lernen sie, wenn jemand wie Dembélé prämiert wird? Dass man mit Egoismus, Nachlässigkeit und einem respektlosen Umgang mit Vereinen dennoch an die Spitze gelangen kann. Damit verliert die Auszeichnung ein Stück ihrer moralischen Legitimität.

Das soll nicht heißen, dass Dembélé kein außergewöhnlicher Spieler wäre. Seine Schnelligkeit, seine Dribblings, seine spielentscheidenden Szenen sind unbestritten. Aber der Ballon d’Or müsste mehr sein als ein technisches Gütesiegel. Er müsste auch eine Auszeichnung für jene sein, die ihre Fähigkeiten in den Dienst des Spiels, der Mannschaft und des Sports stellen. Bei Dembélé bleibt genau dieser Aspekt offen – und macht seinen Triumph fragwürdig.

So glänzt die Trophäe in diesem Jahr zwar in Gold, doch ihr Schimmer wirkt getrübt. Schade!

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Werbung