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DFB-Pokal-Finale zwischen RB Leipzig und Bayern München: Fußball ist eben kein Wunschkonzert

Der DFB-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Das DFB-Pokal-Finale in Berlin ist für Fußballfans stets einer der großen Höhepunkte des Jahres. Doch in diesem Jahr könnte das erstmals seit Jahren anders sein. Denn mit RB Leipzig und dem FC Bayern München treffen dabei zwar zwei der besten Fußballmannschaften Deutschlands im Olympiastadion aufeinander, doch polarisieren diese beiden Vereine auf der anderen Seite wie keine anderen. Entweder man mag sie, oder man ‚verabscheut‘ sie.

Als der vom Brausekonzern ‚Red Bull‘ geförderte Klub aus Leipzig am Dienstag mit einem 3:1-Sieg beim Zweitligisten Hamburger SV das Finale erreichte, da erntete er im Anschluss an das Weiterkommen einen mittleren ‚Shitstorm‘, als die Social Media-Abteilung der Ostdeutschen Hashtags in seine Beiträge einbaute, die auf den Sponsor schließen ließen (‚beflügelt‘).

Sky postete zudem, dass der Verein erstmals in seiner ‚knapp zehnjährigen‘ Vereinsgeschichte in das Finale in Berlin eingezogen sei, was ebenfalls fast ausschließlich negative Reaktionen auslöste. Jedermann wurde so noch einmal ganz bewusst, dass es sich hier um einen mit Millionen Euro gepimperten Versuch einer Limonadenfabrik handelt sein Produkt zu platzieren.

Will ein Fan, der nicht gerade selber aus Leipzig kommt, einen solchen ‚Verein‘ wirklich in einem Finale sehen, während das eigene Team bei diesem Spiel womöglich schon im Urlaub ist? In vielen Fällen dürfte die Antwort auf diese Frage schlicht ’nein, natürlich nicht‘ lauten.

Gegner der ‚Roten Bullen‘ in Berlin werden die Bayern sein, die sich im zweiten Halbfinale am gestrigen Mittwoch mit 3:2 beim SV Werder Bremen durchsetzten, nachdem sich die Norddeutschen in den Runden zuvor u.a. gegen Borussia Dortmund und den FC Schalke 04 durchgesetzt hatten.

Profitiert haben die Münchener dabei einmal mehr von umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen. Der Rekordmeister steht gefühlt jedes zweite Jahr im Finale in Berlin, konnte sich in den vergangenen Jahren für einen Pokalsieg nicht einmal mehr sonderlich begeistern. Dieser Wettbewerb wird vom deutschen Vorzeigeverein häufig so nebenbei mitgenommen. Begeisterung, wie sie im Vorjahr bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ausgelöst wurde, die hat man bei den Bayern jedenfalls schon ewig nicht miterleben dürfen.

Es treffen am 25. Mai in Berlin diesmal also zwei Mannschaften auf der großen Bühne aufeinander, deren Sympathiewerte beim neutralen Publikum fast bei Null stehen. Keine gute Nachricht für den Deutschen Fußball insgesamt.

Man stelle sich nur einmal vor, das Finale hätte stattdessen Werder Bremen gegen den Hamburger SV geheißen. Das wäre für alle ein Fest gewesen. Aber was soll es, Fußball ist eben kein Wunschkonzert….

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20 Kommentare zu “DFB-Pokal-Finale zwischen RB Leipzig und Bayern München: Fußball ist eben kein Wunschkonzert

  • #1
    PräsentiertvonirgendeinemHopfengesöff

    Ob in Berlin Wiesenhof gegen Kühne gespielt hätte oder Samstag Gazprom im Signal-Iduna-Park gastiert dürfte für das "neutrale Publikum" genauso emotional sein wie ein Pokalfinale zwischen den Bauern und nem Brauseproduzenten.

  • #2
  • #3
  • #4
    Robert Müser

    Ich könnte mich mit dem Gedanken anfreuden, dass "Rote Brause" gegen die Bauern gewinnt …

    … würde sich allein für die Gesichter der Vereinsführung des FC Mimimi lohnen.

  • #5
    Klaus Lohmann

    Ab wieviel Jahren Vereinsexistenz und Bundesliga "darf" denn ein Verein Pokalfinale?? Die fusions-geborene SpVgg Greuther Fürth ist grad mal 13 Jahre alt und gegen die als Pokalsieger hätte ernsthaft wohl Niemand etwas.

  • #6
    thomas weigle

    Die Leipziger spielen einen guten Fußball. Sie sind zu Recht im Finale.Das Gemähre und Genöhle um diesen Verein kann ich nicht nachvollziehen. V.a. wenn er von Skyabonennten kommt, die ja schließlich mit ihren Euros ebenfalls zur ungeliebten Kommerzialisierung des Fußballs beitragen.

  • #7
  • #8
    andreas

    Was sagt uns dieser „tiefsinnige“ Beitrag?
    „Keine gute Nachricht für den Deutschen Fußball insgesamt.“, dass eine Verein wie der FC Bayern, der den vergangenen Jahrzehnten Maßstäbe im deutschen Fußball gesetzt hat, gegen einen Verein spielt, der weiß wie man Geld effizient einsetzt.
    Der Autor sollte mal analysieren, wie emotional es ist die Gelder der Fans und Sponsoren durch Missmanagement zu verbrennen.
    Bundesliga Fußball ist nur bedingt Traditionspflege, diese beiden Clubs zeigen auf wie man international bestehen kann und so ganz nebenbei können die auch richtig gut kicken.

  • #9
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @#8: "diese beiden Clubs zeigen auf wie man international bestehen kann"

    Echt? Was hat Leipzig da zuletzt denn gerissen? 😉

    Mit hinterhergeschmissenem Geld eine Mannschaft schlicht zusammenzukaufen finde ich nicht so beeindruckend, ehrlich gesagt. Die über viele Jahre hinweg solide Arbeit bei Teams wie Frankfurt oder Mönchengladbach beeindruckt mich da jedenfalls deutlich mehr als die in Leipzig.

  • #10
    Robert Müser

    Über das Geschäftsgebaren des süddeutschen Vereins in den letzten Jahren muss man nicht viele Worte verlieren, diverse Fußballfans finden da Gründe keine positive Gefühle zu entwickeln.

    Auch der Plastikclub Rote Brause oder so ähnlich ist nicht gerade ein Liebling der Fans, außer ein paar Ostdeutschen, die sich so ein wenig in der (west)deutschen Fußballwelt wiederfinden.

    Was würde denn nun passieren, wenn man ein Gedankenexperiment startet …

    Stellen wir uns mal vor, der Großfleischer hat keine Lust mehr auf die Schalker Fußballkünstler und zieht sich aus dem Verein zurück und als neuer Großsponsor nimmt Rote Brause seinen Platz ein. Rote Brause steckt zig Mio. € in den Verein, baut die Mannschaft mit diversen Topspielern komplett um und plötzlich ist die langersehnte Meisterschaft und diverse Titel im internationalen Wettbewerb da – würde die Fans dann immer noch ihre ablehnende Haltung zeigen oder würde die Freude an diesen erreichten Zielen alles zukleistern? Die Basis wäre ein seit langen Jahren bestehender Geschichte und noch größerer Tradition, aber halt kein Marketing-Produkt vom Schreibtisch …

    Wie gesagt, nur ein Gedankenspiel – ich wage da keine Prognose …

  • #11
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Robert: Sponsorengelder wären sicherlich willkommen, denke ich. Der aktuelle Gasriese ist ja auch nicht gerade der beliebteste Sponsor der Ligageschichte. Gleiches gilt für den Geflügelschlachter, der Bremen unterstützt. Aber was Red Bull mit Leipzig macht, das geht ja weit über eine Unterstützung hinaus. Die nehmen nicht nur Einfluss, die sind der Klub. Das ist schon ein Unterschied. Auch zu dem gutbetuchten Bayern…

  • #12
    andreas

    Richtig, ich habe geschrieben: "diese beiden Clubs zeigen auf wie man international bestehen kann", ich habe nicht geschrieben, wie man international besteht.
    Vorab mal, ich bin kein RB Fan, aber man sollte die Arbeit von RB nicht nur emotional bewerten und RB Leipzig hat eben nicht: „Mit hinterhergeschmissenem Geld eine Mannschaft schlicht zusammenzukaufen“. Da ist mehr dahinter, da wurde clever in junge Spieler investiert und nicht nur über das Konstrukt Red Bull.
    Ich glaube, wir sind uns da einig, dass Frankfurt, Mönchengladbach, Dortmund, etc. eine gut Arbeit gemacht haben. Auf der anderen Seite, ist die Geldvernichtung anderer Clubs der BL unerträglich und es sind die Gelder der Fans und der Sponsoren. Auch andere Clubs haben Sponsoren, nicht nur RB Leipzig.
    Der deutsche Fußball steht, aus meiner Sicht, vor großen Herausforderungen gegen die internationale Konkurrenz und diese Herausforderungen sind eben nicht nur mit Geld zu bewältigen.

  • #13
  • #14
    Robert Müser

    Einen Punkt siehe ähnlich wie #12 @andreas:

    Rote Brause hat ziemlich sich geschickt mit relativ unbekannten Spielern einen Kader für die höheren Ziele zusammengeschiedet und will nun die Ernte einfahren. Das Marketing und Vereinsführung arbeiten sehr effizient und zielgerichtet, so mancher alter Bundesligaclub könnte sich da Anregungen holen. Auf der anderen Seite ist der Ausschluß der Öffentlichkeit aus diesem Verein schon mehr als interessant und n.m.E. sehr fragwürdig.

    Da sehe ich übrigens einen extrem großen Unterschied zu Hoffenheim, wo man in der Kaderentwicklung ähnlich vorgegangen ist. Allerdings hat der Sponsor Hopp nie seine Wurzeln vergessen. Dort kann man immer noch Mitglied des Vereins werden. Hoffenheim wird sich für meine Begriffe dauerhaft in der Liga halten können, während bei der Rote Brause-Truppe beim Versiegen des Geldhahns dieser "Verein" schnell von der Oberfläche verschwinden wird.

  • #15
    Klaus Lohmann

    Immer wieder gern in der immer wieder gleichen Diskussion übersehen: z.B.. der VfL Wolfsburg mit seiner seit 2001 ausgegliederten Lizenzspielerabteilung, deren Anteile zu 90% von der allgegenwärtigen Mama VW gehalten werden, die auch gleichzeitig als Hauptsponsor jedes Jahr 60-70 Mios in diesen Werksclub schießt – alles möglich durch die berühmten Ausnahmen von der 50+1-Regel für bislang 3 BuLi-Vereine, die seit Beginn ihrer Existenz von Unternehmen beherrscht werden.

    Und deshalb immer wieder die gleiche Schlussfolgerung: Sturm gegen RBL im Wasserglas.

  • #16
    Ke

    @15 K Lohmann
    VW, seine Töchter und BL Sponsoring bei verschiedenen Clubs? Da kann man jetzt ein Fass aufmachen

  • #17
    thomas weigle

    @ Klaus Lohmann Greuther Fürth? Nee, dass ist ja nun ein Verein mit Tradition, sogar mit großer Tradition und deutschen Meisterschaften .Insofern sicher nicht mit Leipzig vergleichbar, das nur als Standort eine große Tradition hat, aus dem der erste Meister und der zweite Pokalsieger kam.
    In den unteren Klassen gibt es ja mittlerweile Zusammenschlüsse von Vereinen, die sich früher gegenseitig nicht die Butter auf dem Brot gegönnt haben. Im Handball gibt es das ebenfalls. Auf ganz oben bezogen: man stelle sich eine Spielgemeinschaft BVB/S04 vor, hehe. Oder nur auf DO bezogen: BVB und jenem Verein aus dem betuchten Dortmunder Süden, von dem sich der BVB in der Zwischenkriegszeit lange benachteiligt fühlte.
    Wenn ich das recht erinnere gab es auch schon vor Jahrzehnten im Pott durchaus Versuche Vereine aus wirtschaftlichen und/oder sportlichen Gründen zu fusionieren, bspw in GE( STV Horst/Eintracht). Solche Versuche scheiterten immer wieder am entschlossenem Widerstand traditionsbewusster Mitglieder.

  • #18
    Klaus Lohmann

    @#17 thomas weigle: Die Lokalrivalen Horst-Emscher und Eintracht haben es ja nicht nur versucht, sondern richtig fusioniert. Dann liefen denen die Eintracht-Spieler und -Fans in Scharen weg, der Niedergang war vorprogrammiert. Beim Greuther Fürth lief die Story aber genau andersrum, aus Liga 4 (wo sie uns noch aus dem DFB-Pokal rausgeworfen hatten;-) über viele Jahre Liga 2, dann erste BuLi für 2 Jahre, danach mal wackelnd, mal stabil in Liga 2.

    Im Vergleich zu RBL spielte sich die Greuther-Fürth-Fusion natürlich auf medial fast unsichtbarer Ebene und ohne diese Geldsummen ab, aber die damalige, sehr traditionsreiche SpVgg Fürth wäre ohne die Lizenzspieler des TSV Vestenbergsgreuth genauso gescheitert wie letztendlich Horst-Emscher. Soll heißen: Fusionen ohne rührseliges Traditionsgehampel können durchaus Sinn machen.

  • #19
    Jiri

    Gibts auch noch eine posthume Abrechnung mit den gepimoerten Vereinen Wattenscheid 09, Westfalia Herne, Fortuna Köln…

  • #20
    thomas weigle

    @ Klaus Lohmann Da hat mich meine Erinnerung getäuscht, danke für die Berichtigung.
    @ Jiri Westfalia war 58-60 Meister und Vizemeister in der damaligen OL West und damit auch 2x Teilnehmer an der DM_Endrunde. Infolge dessen reichte man auch 1962 die Bewerbungsunterlagen für die im August 63 startende BL. ein. Herne wurde aber am im letzten Durchgang im Mai 63 aussortiert, als zu den bereits im Jänner nominierten BVB, FC Köln, BVB aus dem Westen noch Meiderich und Münster kamen.
    Das also lange bevor ein zwielichtige "Sponsor" und Steuerbetrüger Westfalia 1979 oder 80 ins sportliche Niemandsland stürzte.

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