15

Die Bandbreite – linksaußen, rechtsaußen, dazwischen nix

Wojna, Sänger und Texte der Duisburger "Bandbreite", ist nicht mehr zu stoppen. Nur noch dort, wo Antisemitismus laut und deutlich vernehmbar ist, fühlt er sich wohl. Und nur noch dort ist er willkommen.

Die Bandbreite

Nun hat sie also doch gespielt, die Bandbreite auf dem UZ-Fest, dem „Pressefest“ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Eigentlich hatte die DKP den Auftritt der Duisburger Hiphop-Band in letzter Minute abgesagt – aus Sorge, es könne zu „massiven Störungen und Auseinandersetzungen“ kommen. Schließlich hat Marcel Wojnarowicz – kurz: Wojna – mit seinem musikalischen Begleiter DJ Torben dann doch auf dem UZ-Fest gespielt, das am letzten Wochenende, also vom 24.-26. Juni, im Dortmunder Revierpark Wischlingen stattfand.

Das Wetter war – wir erinnern uns – schlecht bis miserabel am letzten Wochenende. Dennoch haben nach Angaben der DKP „mehrere Zehntausend Besucher“ ihren Weg in den Revierpark gefunden, was allerdings auch durch die auf der Website befindliche Fotogalerie nicht zweifelsfrei belegt wird. Wie auch immer: „mehrere Zehntausend“ sind „mehrere Zehntausend“, also so etwa um die …
Ist ja auch egal. Jetzt bloß keine bürgerliche Zahlenakrobatik! Entscheidend ist nicht die Quantität, sondern die Qualität, sprich: der Erfolg. Und ein Erfolg war es. Die DKP vermeldet stolz und auf unnachahmliche Art und Weise: „Erfolgreiches Fest führte zu guter Stimmung“. Großartig! Niemals geht man so ganz …

Und mittendrin: Die Bandbreite. Und tatsächlich: „Die Politpopper lösten Tumulte aus“, wie das der Linkspartei nahestehende Neue Deutschland (ND) berichtet. Allerdings handelte es sich bei den Störern nicht um die im Vorfeld verdächtigten sog. „Antideutschen“; vielmehr kamen die Unruhestifter aus den Reihen der Veranstalter selbst. Das ND schreibt: „Ein Mittzwanziger ging ans Mikrofon und verkündete spontan seinen Austritt aus der DKP.“
Bei den im Folgenden vom ND beschriebenen Personenkreis weiß man es freilich noch nicht so ganz genau: „Andere – meist junge Leute – riefen: ,Holt die Spinner von der Bühne.` Eine Frau rief Wojna wütend zu: ,Spiel mal ,Einlochen` – ein als sexistisch geltendes Lied der Bandbreite.“ Bezahlte Agenten? Provokateure? Oder doch „Antideutsche“? Oder wirklich irregeleitete Seelen, die ganz weit links sein wollten, sich dann aber bei der Bandbreite vorkamen wie im falschen Film?

Nun ist Wojna ohnehin ein wenig dadurch ins Gerede gekommen, dass er zwei Wochen vor dem UZ-Fest, nämlich am 10. Juni, auf einer Veranstaltung der – wie man heute so sagt – „rechtspopulistischen“ Schweizer Volkspartei (SVP) aufgetreten ist. Das sind die mit dem Minaretten-Verbot und der „Ausschaffungsinitiative“, wie sich das „Ausländerraus“ auf Schwyzerdütsch schimpft.
Gut, man kann nicht alles wissen. Und so konnte es passieren, dass der Bandbreite „die politische Richtung der SVP nicht klar war“, wie die Jungs gegenüber der DKP erklärten. Ja näh, iss klar: mal eben in die Berge gefahren und vergessen nachzugucken, wer einen da eigentlich eingeladen hat. Wissen ganz genau, dass die Amis 9/11 selbst gemacht haben, kennen aber die Blocher-Truppe aus den Alpen nicht.

Der ND-Redakteur wusste zu berichten, was Wojna auf der SVP-Veranstaltung dem geneigten Publikum mitzuteilen hatte. „Wir müssen zusammenarbeiten, das ist wichtig“, lautete die Botschaft des Duisburger Jungen, dem auf der Bühne vielleicht immer noch nicht so ganz klar war, bei welcher Sorte von Eidgenossen er gelandet war.
Oder doch? Laut ND notierte der Duisburger Hiphopper nach der Veranstaltung: „Der starke Beifall aus dem Publikum ließ uns spüren, dass die Besucher dieser Veranstaltung tolerant und weltoffen waren.“ Die Schweizer Volkspartei, tolerant und weltoffen. Und mittendrin Wojna, die superliberale Stimmungskanone aus dem Ruhrpott.

Die DKP, ob dieses lustigen Musikanten deutlich in Erklärungsnot geraten, erklärt selbst in der Not: Wir halten die Teilnahme an einer Veranstaltung mit Abgeordneten der SVP für politisch falsch.“ Boah! Mein Gott, wie links. Aber die DKP wäre nicht die DKP, würde sie nicht die Möglichkeit eigenen Irrens in Rechnung stellen. Die nächsten Superliberalen, im Original-Ton:
„Dass es ,politisch blauäugig` ist, dies durch Redebeiträge zwischen den Songs auch auf Veranstaltungen mit rechten, reaktionären Rednern und Publikum zu tun, ist unsere Auffassung, die allerdings nicht Allgemeingut sein muss.“ So kennt man sie, so liebt man sie: die DKP hat zwar eine Auffassung, betont aber zugleich, dass diese nicht Allgemeingut sein müsse.

Interessant ist jedoch, was bei der DKP sonst noch über die Bandbreite zu erfahren ist. Wojna hatte 2009 zur Europawahl kandidiert. Ich hörte zwar davon, hatte um diese Zeit auch noch Kontakt zu ihm, hatte aber dieser Kandidatur nicht die geringste Bedeutung beigemessen. Und deshalb auch nicht weiter hingesehen, für wen und mit wem er eigentlich zur Europawahl antritt. Die DKP allerdings schon:
Marcel Wojnarowicz kandidierte als „Kandidat für Duisburg bei dem ,Willi-Heise-Projekt`. Dieses politisch wahrlich sehr diffuse ,Projekt` war ein aus vielen Einzelpersonen bestehendes Wahlbündnis. Auf der Liste dieses Bündnis kandidierten u. a. auch solche Leute, die dem rechten Rand zugehörig sind, bzw. in deren Interesse auftraten.“ Der Sänger habe inzwischen seinen „Ausflug in die Politik“ beendet, fügt die Partei zur Legitimierung ihrer Einladung an.

Umgekehrt geht Wojna nicht ganz so gnädig mit der Splitterpartei um, die ihm am Wochenende die Bühne bereitet hatte. Auf der Homepage der Bandbreite kommen zwar von der Band begeisterte Teilnehmer, nicht aber die Veranstalter des UZ-Festes zu Wort. Kein Link zur Zeitung der DKP, dafür zur Konkurrenz, zur Roten Fahne.
Das ist die Zeitung der MLPD. Das ist der Stalinistenverein, der zu Wahlkampfzeiten immer die vielen erleuchteten Plakate klebt, die irgendwie immer an die hübschen  Bildchen der Zeugen Jehovas erinnern. Glückliche Arbeiter ziehen Fahnen schwenkend der Sonne des Sozialismus entgegen.

Auf der Startseite der Roten Fahne im Internet* geht es gegenwärtig nicht ganz so glücklich zu. Die meisten der großen Bilder und Schlagzeilen – Teaser für die einzelnen Artikel – befassen sich mit den „zionistischen Aggressoren“. „Stoppt die zionistische Querfront!“ Ein Foto von Gysi markiert den wirklichen Feind. Dazu die beiden weiteren Überschriften des Artikels*: „Das Drama geht weiter: Linkspartei und Zionismus“ heißt die eine; die andere wirft eine Frage auf: „Dialog mit Juden möglich?“
Absolut zum Kotzen. Wojna, der Typ von der Bandbreite hat jedoch offenbar Freude an den Stalinfreunden, wenn nicht gar seine politische Heimat gefunden. Am 31. März 2009 schrieb ich ihm: „Mensch Wojna! Du bist ein Linker! Komm uns bitte nicht abhanden!“ Da war es längst zu spät. Von mir war das wirklich blauäugig.

* Diese „Rote Fahne“ im Internet ist allerdings nicht die Zeitung der MLPD, wie ich beim Verfassen des Artikels irrtümlich angenommen hatte, sondern ein Internet-Projekt im Auftrag des ZK der KPD (Initiative).

RuhrBarone-Logo

15 Kommentare zu “Die Bandbreite – linksaußen, rechtsaußen, dazwischen nix

  • #1
    Thomas

    Jetzt mal Butter bei die Musik-Fische – bestenfalls auch auf youtube auffindbar.
    Wieso finde ich bloß unter den ganzen Links nicht einen Verweis auf eine Musikdatei?

    Ansonsten muss ich weiter Böhse Onkelz hören:
    http://www.youtube.com/watch?v=KbVFq_VfR3c

    Oder ich befinde mich Cochisemäßig „Unter Geiern“
    (Slime darf ich ja anscheinend nicht erwähnen – oder Toxoplasma…)

    Darf man heute noch Louis Ferdinand Celine lesen – PC-mäßig?

    Wieso so ein Lärm um so eine kleine Band, die im Prinzip keine Sau interessiert? Nix besseres zu tun? Oder ist das „eure“ Art von Promotion FÜR eine Gruppe?! 😀
    Sind ein paar witzige Lieder dabei – den verschissenen Rest muss man/frau sich ja nicht antun.

    Gruß
    Thomas

  • #2
    Thomas

    Und nur am Rande bemerkt, bzgl. des Liedes von „die Bandbreite“ bzgl. des SpOns, sehe ich mich durchaus mit dem Journalisten Burkhardt Schröder (burksblog.de), in bester Gesellschaft – der SpOn ist einfach Scheiße, da gibt es nix zu rütteln.
    Und die WAZ-Berichterstattung (in Teilen und insbesondere in den Orten) ist derartig grottig, dass selbst die Käseblättchen mehr Inhalt bieten.
    Das hat – IMO – nichts mehr mit Journalismus zu tun (in Teilen – ich will nicht über einen Kamm scheren).

    Es wäre nett, wenn mir über meine Email-Adresse (die euch ja bekannt ist) ein Antwort zukäme, wieso meine zwei letzten Beiträge nicht freigeschaltet wurden.

    Gruß
    Thomas

  • #3
    Thomas

    http://www.youtube.com/watch?v=ZTjXXu4gIUY&feature=related

    und das auch noch unter nem Pepsi-Sonnenschirm auf einer Bühne vor der Sparkasse Duisburg mit nem SPD-Schirm am linken Rand…^^

    Das müssen wirklich ganz pöhse Jungs sein…

  • #4
    Mechi

    Hallo,

    du hast leider die falsche Rote Fahne verlinkt, deswegen kann man der MLPD die von dir erwähnten Artikel auch nicht vorwerfen. Aber gibt ja genug anderes, was denen vorgeworfen werden kann.
    (Das ist die MLPD-Zeitung: http://www.rotefahne.info)

    P.S.: Ich hab noch nie so eine gute Beschreibung der Stalinsten-Wahlwerbung gelesen.

  • #5
  • #6
    Mir

    Ich war am ersten TAg auf dem Fest. Es gab teilweise gute Musik aus dem Zelt der Bayern, im WEstfalen STand gabs internationale Musik. Die engl. Band auf der Hauptbühne hat gerockt, dass die leute bis zum schluss getanzt haben. Auch zu Essen gab es leckeres wie im Hessenstand. Bei Die Linke. gab es druckfrisch die Programmarbeit von einem Jahr nrw landtag und man kam direkt mit den anwesenden ins Gespräch. Im Kubahaus gabs harte Drinks und ein netter flair. Bei der jungen Welt gabs Filme und Diskussionen darüber. Die Sdj waren stets unbekümmert und auf antinazi.
    An vielen Ständen hörte man die Vorwärtsreden von Vereinigung von Betrieben, Arbeiterlieder usw. Viele Flugblätter ….

    Einzig enttäuschend und für mich entscheidend nicht an den nächsten Tag wieder hinzugehen waren die fehlenden Schlosser, Verkäufer, Fach-Arbeiter…. Hier und da konnte man zwar einen Gewerkschaftsfunktionär erahnen. Aber eine Arbeiterbewegung ohne Arbeiter, das ist für mich nicht glaubwürdig.

  • #7
    Hans

    Lassen die Ruhrbarone diesem abseitigen Thema nicht ein bisschen viel Aufmerksamkeit zukommen? Eine Hip-Hop-Gruppe, die keiner kennt, mit irren verschwörungstheoretischen Texten schaukelt irgendwo zwischen rechts- und linksradikal hin und her und tritt … vielleicht … oder auch nicht beim Sommerfest der „Deutschen Kommunistischen Partei“ (dasset sowatt noch gippt…) auf. Geht’s noch irrer?

  • #8
    Stefan Laurin

    @Hans: Allein das Video „Selbst gemacht“ hat auf Youtube mehr als eine halbe Million Zugriffe gehabt.

  • #9
    Martin

    Was sich immer an solchen Zugriffszahlen aufgegeilt wird. *Kopfschüttel*
    Als ich irgendwann mal auf den Link zu dem Video gestoßen bin hab ich auch drauf geklickt, fand’s lustig bis naiv. Und hab den Tab wieder zu gemacht. Ich würde behaupten, von den anderen 500000, ging’s den meisten genauso…

  • #10
    Casi

    die DKP ist geschichte, das UZ-Pressefest ist eine nette (und durchaus interessante) veranstaltung, die ich auch schon des öfteren besucht habe.
    das engagement dieser band war ein griff ins klo, was sich vielleicht mit oben angedeuteten persönlichen beziehungen und sicherlich mit politischer „naivität“ erklären lässt und insofern äusserst peinlich ist (erst recht, wenn man die „avangarde“ des proletariats sein möchte..).
    ok. nächstes thema bitte.. 😉

  • #11
    Alex Schönborn

    Hier noch ein tendenziöser Nachtrag – vor allem die UnterstützerInnen für die Herrschaften finde ich spannend – sprich Kai Degenhardt, Frank Baier: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16688

  • #12
    Mechi

    Hey, dass mit der MLPD könnte man rein aus journalistischer Sorgfaltspflicht mal ausbessern…

  • #13
  • #14
    Werner Jurga Beitragsautor

    @ Mechi: Danke für den Hinweis und Sorry dafür, dass es mit der Korrektur etwas gedauert hat! Da ich ja aus der „falschen“ Roten Fahne zitiert hatte, war es erforderlich, die Verhältnisse im Milieu dieser Parteien / Initiativen und ihrer Zeitungen / Webseiten genau anzusprechen.

  • #15
    R.

    SVP? Kinderkram. Die Bandbreite tritt auch auf Veranstaltungen auf, zu denen verurteilte Holocaustleugner eingeladen werden, etwa dem sog. AZK-Kongress des Schweizer Sektenführers Ivo Sasek. Hintergründe in diesem Artikel, der anlässlich der vielkritisierten Einladung der Band beim zum Fest der „Sozialen Liste Bochum“:

    http://www.bszonline.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1915:heute-hier-morgen-dort&catid=42:urbi-et-orbi&Itemid=88

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.