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Die macht der Dose – RB Leipzig bestätigt auf Anhieb alle Befürchtungen seiner Kritiker

Ralf Ragnick, Sportdirektor von RB Leipzig. Quelle: Wikipedia, Foto: Werner100359, Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Ralf Ragnick, Sportdirektor von RB Leipzig. Quelle: Wikipedia, Foto: Werner100359, Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Die Bayern jagen in der Fußball-Bundesliga auch weiterhin von Sieg zu Sieg, bezwangen den Underdog aus Ingolstadt zum Auftakt des Oktoberfestes in der heimischen Arena recht emotionslos mit 3:1, haben nun die ersten sechs Pflichtspiele der noch jungen Saison allesamt gewonnen. Der BVB zaubert auch mit einer vermeintlichen B-Elf im Heimspiel gegen Darmstadt 98 und siegt damit, nach dem Erfolg in Warschau in der Champions League unter der Woche, nun tatsächlich zweimal in Folge mit 6:0. Das macht beim Anhang der Schwarzgelben zuversichtlich für die nächsten Wochen, dass die Umbauphase des Kaders vielleicht doch schneller erfolgreich als beendet angesehen könnte als von vielen vermutet. Doch die bisherige Mannschaft der noch jungen Bundesliga-Saison ist eigentlich RB Leipzig.

Nach drei Spieltagen noch ungeschlagen, bereits sieben Punkte auf dem Habenkonto, auch schon 7 Tore erzielt, sechs davon auswärts. Damit stellt das Team, welches vom umstrittenen Brausehersteller ‚Red Bull‘ organisiert wird, aktuell den erfolgreichsten Bundesligaaufsteiger seit 25 Jahren. Von vielen Fans im Vorfeld ja schon so befürchtet, aber nun eben auch tatsächlich mit aller Vehemenz in der Eliteliga des Landes angekommen, und so schnell wohl auch nicht mehr wegzudenken. Ob es einem nun persönlich gefällt, oder auch nicht.

Fanproteste der gegnerischen Teams begleiteten alle Spiele des Neulings bisher. Vom sportlichen Erfolg konnte dies das Team von Macher Ralf Rangnick bisher nicht abhalten.

Besonders pikant: Die beiden ersten Erfolge für die Ostdeutschen im Fußball-Oberhaus gelangen ausgerechnet gegen die Traditionsclubs aus Dortmund und Hamburg.

Mit einer für einen Aufsteiger unüblichen Abgebrühtheit sicherte sich Leipzig die drei Punkte in den Spielen gegen den BVB (1:0) und den HSV (4:0).

Streng genommen erfüllt man damit lediglich alle negativen Klischees, bestätigt so bereits in den ersten Wochen indirekt die Befürchtung aller Kritiker, dass man mit von außen massiv zugeschossenen Geld in einer solchen Größenordnung sportlichen Erfolg eben doch kaufen kann. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Klar, die Saison ist noch jung, Aufsteiger sind häufig gerade zum Ligastart stark, wenn ihre Aufstiegseuphorie sie noch ein Stück weit trägt, doch bei RB Leipzig dürfte all dies ein ganz anderes Kaliber haben.

Wer sich den mit etlichen Brausemillionen aufgehübschten Kader so ansieht, der sieht gleich, dass das wahrlich kein Team ist, welches sich mit Wettbewerbern wie Darmstadt, Ingolstadt, Bremen oder womöglich Frankfurt um den Klassenverbleib balgen muss.

Hier hat man es mit einer Ansammlung von hochtalentierten, ambitionierten Kickern zu tun, die, wenn man in der Teamführung keine gravierenden Fehler macht, vermutlich eher um die internationalen Plätze wird mitspielen können als sich im Klassenkampf bewähren zu müssen.

Das von Leipzig selbst geäußerte Understatement, man wolle in diesem Jahre das Saisonziel Klassenerhalt verfolgen, das wirkt für die Beobachter ja schon ein wenig deplatziert. Vielleicht macht man das so auch absichtlich und mit einer Portion Berechnung, um den Kritikern (gerade in dieser Eingewöhnungszeit in der Erstklassigkeit) nicht noch mehr Munition zu liefern.

Doch die sportliche Auftaktphase der Bundeliga hat die Tarnung des neuen Riesen im deutschen Fußball bereits ein Stück weit fallen lassen.

Hier hat man es unzweifelhaft mit einem Team zu tun, welches in den nächsten Jahren vermutlich dauerhaft zur Spitzengruppe in der Bundesliga gehören wird.

Der Kader von RB ist gewollt jung, hat noch viel Entwicklungspotential und Geld für zukünftige Verstärkungen dürfte im Brauseimperium kein wirkliches Problem darstellen, wenn es den Machthaber dieses ‚Projekts‘ denn in den Kram passt.

RB Leipzig ist kein Experiment, es ist ein generalstabsmäßig geplanter Angriff auf die Spitzenplätze im nationalen, und auf Sicht wohl auch auf den internationalen Fußball.

Was Red Bull mit Salzburg in den letzten Jahren nur bis zu einem gewissen Grade gelang, das hat man nun in verstärkter Form auf Leipzig übertragen.

In eine ‚ausgetrocknete‘, große Sportstadt, die nach Erfolgen dürstet, die seit Jahren bereits auf wirklich erfolgreichen Fußball wartet.

Nun hat sie ihn bekommen, wenn die Art und Weise vielen Fußballromantikern wohl auch weiterhin erst einmal die Zornesröte ins Gesicht treiben wird.

Vermutlich wird aber auch hier bald schon ein Gewöhnungseffekt einsetzen, die Wiederstände gegen den Brauseclub abebben. Das wissen auch dessen Macher, deshalb machen sie sich in dieser Anfangsphase im Oberhaus noch ein Stück weit selber klein.

Lange wird man das so aber nicht durchhalten können, wenn der sportliche Erfolg so weiterläuft, wenn die Traditionsclubs in Serie geschlagen werden können. Irgendwann wird der in vielen Umfragen unbeliebteste Club des Landes zum Establishment gehören, so wie Brausemilliardär Dietrich Mateschitz will. Geld schießt auf lange Sicht dann eben doch Tore… Und Kritiker werden nicht immer so motiviert sein wie aktuell.

Oder regt sich heute noch jemand wirklich ernsthaft über 1899 Hoffenheim auf, welche ja vor knapp 10 Jahren in einer ähnlichen Lage waren, ebenfalls bei jedem Spiel angefeindet wurden?

 

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18 Kommentare zu “Die macht der Dose – RB Leipzig bestätigt auf Anhieb alle Befürchtungen seiner Kritiker

  • #1
  • #2
  • #3
    leoluca

    Nach der Wende vor 25 Jahren haben die großen Westclubs die traditionellen Ostvereine mit ihrer dicken Kohle platt gemacht. Haben sich darum der DFB oder die DFL geschert? Nein. Hat uns das gejuckt? Nein. Selbst die russische Gazprom-Kohle suchte ja den Westen, nicht den Osten. Seither hat sich weder in der östlichen Provinz noch in den Großstädten Dresden und Leipzig, Magdeburg und Halle ein konkurrenzfähiger Fußballclub etablieren können, obwohl viele gute sportliche und vor allem Fan-Traditionen bis heute absolut da sind.

    Wenn ein österreichischer Weltkonzern nun dafür sorgt, dass in Leipzig wieder Spitzenfußball gespielt wird und das mit einer beeindruckenden Mannschaft vor über 40.000 Zuschauern im Stadion und ein paar Millionen vor dem Fernseher – was ist dagegen einzuwenden? Ich finde, die Kritik an RB Leipzig, die hauptsächlich aus dem Westen der Republik von den Fans der finanzkräftigen Clubs kommt, hat was Bigottes.

    Ist RB Leipzig vielleicht nur der Watschenmann für alle, die immer noch ganz fest daran glauben, der eingetragene, gemeinnützige Verein würde weiter den Profifußball beherrschen? Die Realität ist leider anders. Denn neben dem speziellen Leipziger Konstrukt mit seinen wenigen, Red-Bull-hörigen, stimmberechtigten Mitgliedern, lassen auch die Ausgliederungen in Kapitalgesellschaften bei vielen Vereinen große Zweifel aufkommen, ob der Vereinsgedanke überhaupt noch wichtig ist. Inzwischen gibt es Debatten, die zweifeln an, dass eingetragene Profivereine als Wirtschaftseinheiten überhaupt die Anforderungen an Gemeinnützigkeit erfüllen.

    Der Profifußball in Deutschland kennt mittlerweile eine Fülle von kreativen Möglichkeiten, sich dem Einfluss von Mitgliederversammlungen zu entziehen, die vielerorts sowieso nur noch Folklore sind. Wo ist denn die Grundidee des mitgliedergesteuerten Vereins noch wirklich zu erleben? Statt so zu tun, als würde jetzt soeben mit Red Bull der Turbo-Kapitalismus in den Profifußball einziehen, sollte man vielleicht mal darüber reden, welche Organisationsformen im Profifußball eigentlich heute am sinnvollsten die Balance zwischen Kommerz und Leidenschaft halten können, die Balance zwischen Geld und Tradition.

  • #4
    kE

    Eine Mannschaft spielt dank eines finanzkräftigen Sponsors erfolgreich.

    Das hat es immer gegeben, und es wird es auch immer geben.

    Das lokale Unternehmen der Provinz zieht es in die Randsportarten und kann dann auch mit wenig Geld erfolgreich Sport unterstützen.

    Wo ist das Problem?

    Fast alle europäischen Fußballclubs haben Sponsoren aus anderen Ländern, die den Sport nutzen, um die Bekanntheit und oft sicherlich auch das eine Ego der Sponsoren zu steigern.

    Ein interessanter Fall aus Frankreich:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/frankreich-wird-fc-metz-vom-tschad-gesponsert-a-1110913.html

    Wir kennen alle die Finanziers der großen europäischen Clubs:
    Die Quelle des Geldes ist egal, Hauptsache es fließt. Wenn dann immer wieder Spots zum Thema "No to racim" etc präsentiert werden, stellt sich die Frage, wie glaubwürdig solche Aktionen sind.

  • #5
  • #6
    Arnold Voss

    Erfolg kommt von Leistung und Leistung muss entsprechend bezahlt werden. Warum sollte das beim Sport anders sein. Kommen dann auch noch entsprechende Zuschauerzahlen dazu, sind wir mitten im Profifussball, und da war schon immer egal, wo das Geld herkommt.

  • #7
    Lukas N.

    Ich will mal versuchen, einige zentrale Punkte und Unterschiede herauszuarbeiten.
    Generell sind Profifußballclubs heutzutage, gerade wenn sie in der ersten oder auch zweiten Liga spielen, Wirtschaftsunternehmen, die zig Millionen Euro oder gar hunderte Millionen Euro jährlich umsetzen. Es ist nicht nur richtig, sondern sogar ganz klar notwendig, dass Profi-Fußballclubs ihre Profiabteilungen in Gesellschaften auslagern, also in eine GmbH, AG oder eine GmbH & Co. KG.
    @leoluca hat angesprochen, dass es Debatten gebe, wonach zweifelhaft sei, Profifußballclubs überhaupt noch in der Rechtsform des eingetragenen Vereines zu betreiben. Das ist nicht nur richtig, sondern es ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit so, dass ein Betreiben als e. V. derzeit nur noch geduldet wird bis es jemand rechtlich angreift. Denn § 21 des Bürgerlichen Gesetzbuches besagt, dass ein eingetragener Verein ein Verein sein muss, der nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet sein darf, der ja auch gemeinnützigen Zwecken dient. Ein Fußballproficlub aber, der zig Millionen oder gar hunderte Millionen Umsatz macht, ist natürlich auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet und dürfte deshalb laut Gesetz nicht als eingetragener Verein agieren, sondern müsste seine Profibateilung in eine Gesellschaft auslagern.
    In der 1. Bundesliga gibt es derzeit nur noch 4 Clubs, die ihre Profiabteilung noch nicht in eine Gesellschaft ausgelagert haben, nämlich Schalke 04, Mainz 05, SC Freiburg und Darmstadt 98. Diese Clubs können nur hoffen, dass nicht jemand deren Löschung als e. V. beantragt.
    Ansonsten gilt ja im deutschen Profifußball die 50 + 1-Regel, das heißt, der e. V. muss an der ausgelagerten Gesellschaft immer noch die Stimmenmehrheit haben, es sei denn, ein Investor ist bereits seit 20 Jahren im Verein aktiv, dann darf er die Mehrheit übernehmen (Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, demnächst Hannover).
    Investoren dürfen sich also bereits im Rahmen der 50 + 1-Regel an Fußballgesellschaften beteiligen und das ist ja bei einer Reihe von Clubs auch der Fall.
    Leipzig ist deshalb ein Sonderfall, weil nicht der Fußballzweck als erstes da war und der Fußball nicht der Hauptzweck der Clubgründung war, sondern die Clubgründung basiert auf einer international angelegten Marketingstrategie des österreichischen Großkonzerns Red Bull. Traditionell orientierte Fußballfans haben also vor allem deshalb ein Problem mit RB Leipzig, weil es als reines Marketinginstrument eines Großkonzerns gegründet wurde und das auch noch auf etwas fragwürdige Weise. Red Bull kaufte die Lizenz des Clubs Markranstädt auf und dann gründeten von Red Bull beauftgragte Leute RB Leipzig als eingetragenen Verein. Mit einem solchen Fall rechnete man bei der DFL nicht, deshalb galt die 50 + 1-Regel nur für Fußballgesellschaften, nicht für eingetragene Vereine. Man rechnete auch nicht damit, dass ein Großkonzern über eigene Leute einen Proficlub als eingetragenen Verein gründen könnte, der dann von diesem Konzern gesteuert wird. Mittlerweile hat die DFL die 50 + 1-Regel auch auf eingetragene Vereine ausgeweitet und RB Leipzig hat seine Strukturen angepasst, aber die Strippen zieht nach wie vor Red Bull.
    Bei allen anderen Clubs war der Fußball der Zweck der Vereinsgründung und Unternehmen haben sich erst später, als ein Proficlub entstanden war, daran beteiligt. Nicht mal Hoffenheim ist mit RB vergleichbar. Denn den Verein gibt es tatsächlich schon seit 1899 und Herr Hopp stammt aus Hoffenheim, hat selbst dort gespielt und er ist ja "Rentner", hat also Hoffenheim nicht als Werbeplattform für ein eigenes Unternehmen oder ein eigenes Produkt in Stellung gebracht. Dennoch muss man natürlich auch bei Hoffenheim von einem künstlich über wenige Jahre hochgezüchteten Club sprechen, der auch als einer dieser Plastikclubs wahrgenommen wird, der die Herzen der deutschen Fußballfans kaum erreicht.
    Dass RB Leipzig dennoch in der Stadt und Region angenommen wird, liegt daran, dass bei der Bevölkerung die Sehnsucht nach wieder großem Fußball da war und sich die Leute dort für den Club begeistern können, obwohl er als Marketinginstrument eines Großkonzernes gegründet wurde und auch in Zukunft vor allem eine Werbeplattform für Red Bull sein soll. Unabhängig von allen auch fragwürdigen Abläufen läuft das ganze natürlich auch unter dem Motto, dass die neuen Länder endlich wieder einen Erstligisten haben, was man auch verstehen kann.
    RB Leipzig hat professionelle Strukturen geschaffen, vom Trainings- und Top-Nachwuchsleistungszentrum bis hin zu klaren Strukturen und einer durchgängigen Strategie im sportlichen Bereich. Rangnick war und ist für die Umsetzung sicherlich einer der besten Leute. Daran können sich einige Traditionsclubs eine Scheibe abschneiden, die wie z. B. der HSV oder der VfB Stuttgart aus starken Standorten kommen, aber seit vielen Jahren Misswirtschaft betreiben, teilweise chaotisch geführt werden und weder ein klares Konzept noch eine Strategie haben. Der HSV kommt seit Jahren trotz der Millionen, die Gönner immer wieder zur Verfügung stellen, nicht wieder auf die Beine, weil zu viele Fehler gemacht wurden.
    RB Leipzig ist natürlich nicht der typische Aufsteiger, den man gleich als möglichen Absteiger sehen muss, sondern mit den Red Bull-Millionen und der Fachkompetenz eines Rangnick wurde da professionell ein Team zusammengestellt, welches sich gleich in seiner ersten Saison zumindest im Mittelfeld platzieren kann und welches das Zeug hat, sich in den nächsten Jahren im ersten Drittel der Tabelle zu etablieren. Um abschätzen zu können, was diese Saison bereits möglich ist, ist es noch zu früh. Diskussionswürdig ist schließlich, dass Red Bull den österreichischen Club Red Bull Salzburg als Zulieferbetrieb für RB Leipzig nutzt, was in Österreich zu massiven Protesten geführt hat und in Deutschland für eine Wettbewerbsverzerrung sorgt. Zuvor hatte Red Bull den Traditionsclub Austria Salzburg trotz massiver Proteste der Fans untergehen lassen und dann Red Bull Salzburg mit den neuen Red Bull-Farben aus der Taufe gehoben.
    Trotz allem, RB Leipzig ist da, wird professionell geführt (professioneller als mancher Traditionsclub) und man muss jetzt mit diesem Club leben, egal ob man ihn mag oder nicht. Vielleicht kann er sogar in den nächsten Jahren in den Bereich der Ligaspitze vordringen, aber um das abschätzen zu können, ist es noch zu früh.

  • #8
    Walter Stach

    1.
    Es fällt den alten (und mittelalten?) Fußball-Fans, – ich bin so einer- schon schwer, nachzuvollziehen, daß der sog. Spitzenfußball heute ein Produkt von – mittlerweile weltweit agierenden und dominierenden- Großunternehmen ist mit milliardenschweren Umsätzen und mit Beschäftigten, die für diesen Umsatz zu sorgen haben.
    Wie für vergleichbare Unternehme gibt es auch für die Fußball-konzerne Probleme und Fragestellungen, die z.B. das Thema unlauterer Wettbewerb , die z.B. das Thema Marktbeherrschung, die die Frage nach der "Vertretbarkeit" der Gehaltszahlungen für die "Leistungsträger" betreffen.
    Mir fällt es nach wie vor schwer, meinen Sport auf seiner Höchstleistungsebene unter diesem kapitalistisch-marktradikalen-unternehmerischen Aspekt zu erfassen, geschweige denn diesen Aspekt gutzuheißen. Nur ändert diese emotionalen Unbehangen nicht daran, daß ich die Fakten zur Kenntnis nehmen muß. Ich kann sie nicht ändern, selbst wenn ich das mit "Meinesgleichen" versuchen würde. Die Bundesliga-Vereine werden zunehmend Probleme bekommen, auf diesem globalen Markt mithalten zu können. Derzeit , so scheint mir, wird mittelfristig unter den " Fußball-weltkonzernen" nur der FCB wettbewerbsfähig sein -mit Abstrichen und mit Abstand zum FCB "mein" BVB.

    Ich verweise dazu a.) auf ein aktuelles Interview mit Rummenige im Spiegel und b.) auf eine Spiegel-Info über die Verteilung von rd. 2 Mrd (!!), die ab2o18 von der UEFA an die Champ.lig-Teilnehmern verteilt werden -derzeit sind es 1,3 Mrd.
    -Sh. DER SPIEGEL 38/2016 S.106/107-.

    2.
    Auf auf diesem Hintergrund erscheint es müßig, sich über relative Belanglosigkeiten zu streiten, nämlich darüber, ob und wie sich Bundesligisten in Deutschland bemühen sollten, bemühen dürfen (oder nicht dürfen sollten), sich finanziell/organisatorisch so zu positionieren, daß sie nicht nur auf dem deutschen Markt mit der deutschen Konkurrenz auf Dauer mithalten können, sondern auch international. OB das Reglement des DFB/der UFA, das diesem Wettbewerb -noch- einige Schranken setzt, auf Dauere überlebensfähig ist, bleibt abzuwarten. Jedenfalls sollte man die Macht der auf dem globalen Fußball-Weltmarkt bestimmenden Akteure nicht unterschätzen.
    RB Leipzig ist dabei, mit seinem Geschäftsmodell den Wettbewerb mit der Konkurrenz in der Bundesliga aufzunehmen und vielleicht in 2 Jahren sogar den Wettbewerb mit den " ganz Großen" auf europäischer Ebene. Das habe ich registriert . Was bleibt mir Anderes übrig?

    3.
    Trotz allem – sh.1, sh. 2-:
    Wir Fußball-Fans lieben weiterhin unseren Sport .Wir sind und bleiben ihm emotional verbunden . Gelegentlich frage ich mich, wie irritierend, wie irrational das auf Dritte -auf Nichtfuballer-wirken muß angesichts des unter 1. und 2. beschriebenen Zustände/Entwicklungen.

    (Emotional stehe ich dem RB Leipzig sehr, sehr kritisch gegenüber. Das hat u.a. mit Vorbehalten/Vorurteilen gegenüber dem Eigentümer zu tun, aber auch gegenüber dem, was mich derzeit umtreibt, wenn ich mit Sachsen und mit "Menschen und Mächten" aus Sachsen zu tun habe).

  • #9
    Lukas N.

    @Walter Stach
    Gerade der BVB ist ja kein Produkt von Großkonzernen, auch wenn er mittlerweile 300 Millionen Euro Umsatz und mehr pro Jahr macht. Aber man muss akzeptieren, dass Fußballproficlubs heutzutage, gerade wenn sie wie der BVB zu den europäischen Topclubs zählen, wie ein Wirtschatsunternehmen geführt werden müssen. Anders geht es bei mehreren hundert Millionen Euro Umsatz und den Anforderungen an die Geschäftsführung eines solchen Clubs auch nicht. Laut Gesetz ist es sogar rechtlich erforderlich, dass die Profiabteilungen der Fußballclubs, weil sie auch ein Wirtschaftsbetrieb sind, in Gesellschaften ausgelagert werden.

    Wichtig ist doch, dass sich der BVB zu 100 % unter dem Dach der 50 + 1-Regel bewegt und sich strategische Partner lediglich beteiligt haben. Puma und Signal Iduna haben nur je 5 % Anteil und selbst der größte Partner, Evonik, hat nur einen Anteil von 14 %.
    Für das operative Geschäft des BVB ist alleine die Geschäftsführungs-GmbH zuständig, an deren Spitze Herr Watzke agiert und die zu 100 % dem eingetragenen Verein BVB e. V. gehört, an dessen Spitze wiederum der ehrenamtliche Präsident Dr. Rauball steht, der von den Mitgliedern des e. V. gewählt wird. Der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft hat keinerlei Einfluss auf die Geschäftsführung, kann die Geschäftsführer auch weder einsetzen noch absetzen oder deren Verträge beeinflussen.

    Der BVB ist einer der mitgliederstärksten Vereine der Welt, hat den höchsten Zuschauerschnitt aller Fußballclubs weltweit, hat den Umsatz in den letzten 10 Jahren um 500 % gesteigert, ist heutzutage zum Glück schuldenfrei, hat sogar eine hohe Rücklage und ist sportlich gesehen laut UEFA-Rangliste unter den Top 10-Clubs in Europa angekommen, ist laut TU Braunschweig- Studie auch die stärkste Verinsmarke in Deuschland und der symphatischste Verein Deutschlands.

    Der BVB – wie auch andere Clubs – muss aber international mit Clubs konkurieren, die von Scheichs, Oligarchen, sowie anderen Milliardären und Investorengruppen übernommen werden durften, die dann hunderte Millionen in die Clubs pumpen.
    Der BVB kann sich nur dann im Bereich der europäischen Topclubs halten, obwohl er keinem Investor gehört und immer noch selbst über den eingetragenen Verein und die Fußballgesellschaft gesteuert wird, wenn er den Weg so weitergeht, keine großen Fehler macht und auch seine begonnene Internationalisierungsstrategie fortsetzt. BVB-Boss Watzke hat so schön plakativ von einem "Spagat zwischen Borsigplatz und Shanghai" gesprochen, bei dem die regionale Verankerung und die regeionalen Wurzeln immer die Basis bilden und erhalten bleiben sollen. Ich denke, dass das gelingen wird. Ginge der BVB diesen Weg nicht, würde er wieder deutlich zurückfallen.

    Der FC Bayern ist natürlich finanziell weit weg, auch deshalb, weil die Unternehmen Adidas, Audi und Allianz nach Auslagerung der Profis des FC Bayern in eine Aktiengesellschaft enorme 300 Millionen Euro für den Kauf von Anteilen in die Kasse des FCB einzahlten und Sponsoren wie die Telekom jährlich nochmals 50 Millionen Euro an den FCB zahlen. Deshalb kontne sich der FCB fiananziell und in Folge sportlich deutlich von allen absetzen. Nur der BVB schaffte es bisher, zumindest in Reichweite der Bayern bleiben zu können, aber einholen kann der BVB die Bayern nicht, finanziell auf keinen Fall.

    RB Leipzig hat deshalb soviel Kritik auf sich gezogen, weil es der erste Fall ist, dass ein Großkonzern unter Ausschöpfung von Regelungslücken einen eigenen Club als Marketingplattform für sein Brause-Produkt gründete. Bei RB Leipzig war also nicht der Fußball der Zweck des ganzen, sondern nur Mittel zum Zweck. Bei den anderen Clubs war der Fußball der Zweck der Vereinsgründung. Dennoch muss man sehen, dass RB Leipzig die Lizenz hat, da ist und sehr professionell, auch in sehr professionellen Strukturen, geführt wird und von den Leuten in Leipzig angenommen wird, die sehnsüchtig auf wieder großen Fußball warteten. Näheres dazu habe ich schon unter #7 erläutert. Mein Ding ist das nicht, aber RB Leipzig wird sich zu einem ernstzunehmenden Faktor der Bundesliga entwickeln.

  • #10
    Norbert Krambrich

    Geld schießt nun mal doch Tore und circences ist teuer, teurer als das Fass Bier, dessen Mythos schon die Ente entzaubert hat, ins Stadion geh ich eh nicht mehr, da mich weder Bengalos noch rechtsradikale Stadionübernahnen reizen.Zur Zukunft des Fussballs: Der HSV ändert seine wirren Vereinsstatuten, versilbert seine Imobillien ,kauft die europäischen Spitzenclubs auf und erklärt den Fussball für beendet- Hallenjojo hat ja auch seinen Reiz.

  • #11
    Walter Stach

    Lukas N.,
    der BVB ist kein Produkt von Großunternehmen, richtig, aber er ist mittlerweile selbst ein " Unternehmen", zumindest ein mittelgroßes. Deshalb muß der Vorstand auch unternehmerisch denken und handeln -z.B wenn er, wie in diesem Jahr , für rd. 100 Mio € Spieler kauft und verkauft.
    So manch alter Fußball-Fan wie ich muß sich gelegentlich an diesen Fakt erinnern oder auf ihn hingewiesen werden, also auch bezogen auf den BVB als "mittelgroßes Unternehmen" und über den neuen Konkurrenten aus Leipzig.
    Aber..
    wie schon unter 8 -sh.Ziffer 3 – angemerkt:
    Ich lasse mir den Fußball durch alldem nicht vermiesen und meine Emotionen, wenn es um den Fußballe im allgemeinen und "meinen" BVB im besonderen geht, nicht nehmen. Und so geht es offenkundig weltweit allen Fußball-Fans.

  • #12
    Lukas N.

    @Walter Stach
    Ja, es gibt ja auch nicht den geringsten Anlass, sich den Fußball vermiesen zu lassen und gerade wir BVB-Fans haben nicht geringsten Anlass dazu. Wir sind im Stadion und genießen die grandiose Stimmung oder schauen uns die Spiele am TV an. Für uns Fans ist doch vor allem entscheidend, was auf dem Platz passiert und was die Mannschaft zeigt. Außerdem haben wir seit rund 10 Jahren eine top Clubführung, die das professionell und seriös macht, erreichte, dass der BVB heutzutage schuldenfrei ist, noch eine Rücklage hat und zu den Top 10-Clubs in Europa gehört. In Dortmund wird der Fußball richtig gelebt und das Stadion ist jedes Mal mit 81.000 Zuschauern ausverkauft. Nicht jeder weiß, dass der BVB sogar den höchsten Zuschauerschnitt aller Fußballclubs weltweit hat und damit noch vor dem FC Barcelona liegt.
    In Sachen "Transfers" hatte der BVB ja vor dieser Saison eine Ausnahmesituation zu bewältigen, weil gleich drei Schlüsselspieler auf einmal wechselten und der BVB insgesamt den größten personellen Umbruch seit sehr langer Zeit vorgenommen hat. Ich finde, man hat das richtig gut gelöst und eine gute Mischung aus internationalen Toptalenten und schon international erfahrenen Spielern zum BVB geholt, hat sich zukunftsfähig aufgestellt. Und vor allem hat der BVB für die Transfers nicht mehr Geld ausgegeben als er eingenommen hat. Die Einnahmen für die Spieler waren ja auch sehr hoch, obwohl diese nur noch 1 Jahr Vertrag hatten. An der Spirale zu immer höheren Transfer- und Gehaltssummen lässt sich leider nichts ändern und gerade die englische Geldschwemme und die dortige Entwicklung beeinflusst vieles. Aber der BVB bewegt sich als europäischer Topclub doch noch eher in einem normalen Rahmen und lässt große Verrücktheiten sein, bewegt sich in einem Rahmen, der für den BVB noch akzeptabel ist. Man ist auch nicht das geringste fiannzielle Risiko eingegangen.
    Die letzten beiden 6 : 0-Siege waren toll, waren Fußballfeste, aber die richtigen Prüfsteine für den BVB kommen jetzt in den englischen Wochen, u. a. Wolfsburg, Madrid und Leverkusen. Dann weiß man, wo der BVB aktuell bereits steht, wie weit das neuformierte Team schon ist, für dessen Entwicklung man etwas Zeit und Geduld haben muss. Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass der BVB trotz des großen Umbruches sein Hauptziel, erneut einen CL-Platz belegen zu können, erreicht.

  • #13
    Klaus Lohmann

    Die Ultras in den sog. "Traditionsvereinen" brauchen ihre Feindbilder aus Fleisch und Blut, damit dem gemeinen Fan die Auseinandersetzung mit Fakten und historischen Wahrheiten bloß erspart bleibt. Und solange Marketing-Gebilde wie dieser "Rasenball" eine intakte und funktionierende Vereinsstruktur mit zielgerichtetem Management und Trainerstäben aufweisen, die alle an einem Strang ziehen, während "Traditionsriesen" ala Werder oder HSV sich in provinzieller Mittelmäßig- und Peinlichkeit selbst in die unteren Ligen bugsieren, soll’s mir recht sein. Irgendwer muss die sich demnächst dort auftuende Lücke ja schließen;-)

  • #14
    thomas weigle

    @ Klaus Lohmann Donnerwetter!!! Das hat sich ja schon mal anders angehört. Wenn ich daran denke, wie wir da bei diesem Thema weit auseinander lagen. Was Werder, HSV, VfB und Lautern als Traditionsvereine bieten, geht schon lange nicht mehr auf die berüchtigte Kuhhaut. Andere möchten aber auch scheint`s gerne in diesem Konzert der Hilflosigkeit mittrompeten. Ich will jetzt keine Namen nennen….

  • #15
    Klaus Lohmann

    @thomas weigle: Zugegebenermaßen war ich grade bei unserer Niederlage gegen die Brausepöhler ziemlich sauer, aber der dadurch beschleunigte Alterungsprozess macht auch weise;-) Ich will auch nicht darüber lamentieren, dass Mateschitz grade jetzt mit seiner Chemie-Plörre Rekordumsätze und -gewinne einfährt, was man im herrschenden BioGesundBet-Zeitalter eigentlich als Oxymoron und "Verbrechen gegen die Volxgesundheit" bezeichnen müsste.

    Trotzdem bleibt der in seiner künstlichen "Heimat" nun bejubelte Verein mit einer hochintelligenten internen Führung und Trainerriege, mit jungen, guten Spielern und Erfolgshunger ein legitimer Konkurrent für internationale Plätze am Saisonende – wenn Euphorie und Leistung mit den nun entstehenden Ansprüchen Stand halten können. Dass sowas gern mal in die Hose geht, sieht man ja nun am Turnhallennachbarn…;-))

  • #16
    thomasweigle

    Lieber Klaus Lohmann, eines haben die "Turnhallennachbarn" uns voraus und noch vor sich: sie dürfen sich noch auf den ersten Saisontorjubel freuen. Nach Lage der Dinge könnte das allerdings auch nur ein Ehrentorjubel sein. Schadenfreude ist die schönste Freude, jedenfalls im Fußball.

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