„Dieses Milieu versteckt den realen Antisemitismus heute hinter soziologischen Phrasen wie Postkolonialismus oder Intersektionalität“

Kemi Badenoch Foto: Simon Dawson / No 10 Downing Street Lizenz: OGL 3

Als Chefin der britischen Tories bezeichnet Kemi Badenoch den Judenhass als existentielle Gefahr für die Gesellschaft. Doch progressive Medien drängen die pro-israelische Schwarze systematisch aus der Nahost-Debatte – ein rassistisches Muster, das den öffentlichen Diskurs genau um jene überlebenswichtige Perspektive beraubt. Von unserer Gastautorin

Der westliche Kulturbetrieb spricht gern über Vielfalt, Repräsentation und marginalisierte Stimmen. Universitäten, Medienhäuser und politische Institutionen betonen regelmäßig die Notwendigkeit, Perspektiven sichtbar zu machen, die historisch übergangen wurden. Doch diese Offenheit endet oft dort, wo Minderheiten vom erwarteten Skript abweichen.

Wie tief dieser Graben ist, demonstriert der Spießrutenlauf der britischen Oppositionsführerin Kemi Badenoch. Denn Badenoch weigert sich, die ihr zugedachte Rolle der postkolonialen Anklägerin zu spielen. Stattdessen bricht sie ein Tabu, indem sie den Kampf gegen den Antisemitismus zur nationalen Überlebensfrage erklärt. Ihre Definition des Nahostkonflikts als »Stellvertreterkrieg im Namen des Vereinigten Königreichs« rückt Israel an die vorderste Verteidigungslinie westlicher Werte gegen den islamistischen Terror – eine kompromisslose Solidarität, die progressive Redaktionen mit gezielter Isolation bestrafen.

Doch es gibt noch eine weitere Komponente, die hier hineinspielt. Zu Zeiten der Premierministerin Margaret Thatcher, die als Eiserne Lady von 1979 bis 1990 eine noch zutiefst traditionell-elitäre Partei anführte, wäre eine afrikanischstämmige Chefin der Konservativen kaum denkbar gewesen. Nun hingegen bietet Badenochs Herkunft den Tories eine unanfechtbare Glaubwürdigkeit, die das Monopol der Linken auf die Repräsentation von Minderheiten kollabieren lässt.

Vorteile gegen Vorurteile

Geboren 1980 in Wimbledon als Tochter nigerianischer Einwanderer, wuchs Olukemi Olufunto Adegoke, so ihr Geburtsname, in Lagos auf – unter einer korrupten Militärdiktatur. In ihrer späteren Jungfernrede im Unterhaus berichtete sie ungeschönt von Hausaufgaben bei Kerzenlicht wegen kollabierter Stromnetze und vom schweren Wasserschleppen aus Brunnen. Als sie mit sechzehn Jahren inmitten des politischen Chaos Nigerias allein nach England zurückkehrte, schlug sie sich zunächst mit Gelegenheitsjobs bei McDonald’s durch.

Während sie parallel dazu ihr Abitur nachholte, lernte sie das britische System von ganz unten kennen – eine fundamentale Erdung, die sie gegen die moralisierende Herablassung wohlhabender Bildungsbürger immunisierte.

Genau dieses Milieu versteckt den realen Antisemitismus heute hinter soziologischen Phrasen wie »Postkolonialismus« oder »Intersektionalität«; Badenoch hingegen blickt durch diese rhetorischen Nebelkerzen hindurch. Ihre politische Sprache kreist um Ordnung, institutionelle Belastbarkeit und die Verteidigung liberaler Demokratien gegen extremistische Bewegungen. Ihre Haltung gegenüber islamistischem Antisemitismus entspringt nicht akademischer Theorie oder kultureller Pose, sondern einer politischen Weltsicht, die Fragilität und Gewalt nicht für abstrakte Kategorien hält.

Progressive Medien in Großbritannien werfen Badenoch vor, den Nahostkonflikt und den Kampf gegen Antisemitismus als innenpolitische Waffe zu nutzen. Die linke Labour-Abgeordnete Dawn Butler teilte auf X einen Beitrag, der Badenoch als »weiße Vormacht im Blackface« (»white supremacy in blackface«) diffamierte. Da man Badenoch aufgrund ihrer Hautfarbe nicht mit den üblichen Rassismusvorwürfen attackieren kann, greifen ihre linken Gegner über Umwege zur maximalen Entmenschlichung.

Seit November 2024 vereint Kemi Badenoch als Vorsitzende der Conservative Party und Oppositionsführerin im Unterhaus die zentralen Machthebel des Landes. In dieser Rolle steht sie Premierminister Keir Starmer als institutionell legitimierte Gegenfigur gegenüber – und das in einer Zeit, in der antisemitische Gewalt und islamistische Einschüchterung Großbritannien erschüttern. Während Starmer schweigt und stottert, nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Nach einer Messerattacke auf Juden vor knapp vier Wochen im Londoner Stadtteil Golders Green – einem traditionellen Zentrum jüdischen Lebens in England – erschien Badenoch gemeinsam mit dem Oberrabbiner am Tatort und beklagte, dass jüdisches Leben inzwischen von bewaffneten Sicherheitskräften geschützt werden müsse. Infolge weiterer Angriffe besuchte sie Synagogen in Manchester und London, traf Vertreter jüdischer Gemeinden sowie den Rettungsdienst Hatzola, der Opfer eines antisemitischen Brandanschlags geworden war.

Badenoch warf der Regierung Starmer vor, auf die Eskalation antisemitischer Bedrohungen zu zögerlich zu reagieren. Zudem fordert sie ein härteres Vorgehen gegen extremistische Netzwerke und jene pro-palästinensischen Demonstrationen, die sie wiederholt als »Hassmärsche« bezeichnet hat.

Ignoranz mit Methode

In Deutschland ist Kemi Badenochs Aufstieg weitgehend unbekannt. Linke sowie öffentlich-rechtliche Medien, die sonst bei jeder Gelegenheit die Hautfarbe und die Herkunft nichtweißer Persönlichkeiten als Diversitäts-Trophäen zelebrieren, schweigen hier auffallend laut. Nach dem Brexit ignoriert die kontinentale Berichterstattung die britische Bühne ohnehin gern – selbst wenn dort gerade eine fundamentale historische Zäsur stattfindet.

Diese Ignoranz hat Methode, denn eine ideologische Schwester im Geiste Badenochs erlebt direkt aus dem Herzen Europas eine ganz ähnliche mediale Marginalisierung: die EU-Parlamentarierin Assita Kanko.

Genau wie Badenoch bricht die in Burkina Faso geborene belgische Politikerin radikal mit dem progressiven Drehbuch. Als Vizepräsidentin der konservativen ECR-Fraktion nutzt Kanko ihre Stimme im EU-Parlament nicht für postkoloniale Schuldzuweisungen, sondern zur Verteidigung Israels und westlicher Grundwerte. Dass beide Frauen trotz ihrer identitären Symbolkraft medial totgeschwiegen werden, offenbart die Heuchelei des Establishments: Hautfarbe gilt der Linken nur dann als zu zelebrierender Aktivposten, wenn die Ideologie stimmt.

Dennoch wächst Badenochs und Kankos enthusiastische Anhängerschaft in der jüdischen Gemeinschaft Europas und der weltweiten Diaspora, wo ihre Videos in den sozialen Medien millionenfach geteilt werden. Indem sie Israel in Zeiten existenzieller Bedrohung bedingungslos den Rücken stärken, durchbrechen sie die mediale Isolation und werden zu den profiliertesten Stimmen einer wehrhaften Allianz für die westliche Zivilisation.

Dass insbesondere Badenochs Positionierung auch in nichtjüdischen Teilen der britischen Wählerschaft auf Rückhalt stößt, zeigen Daten des Meinungsforschungsinstituts YouGov vom Mai 2026. Vor dem Hintergrund einer Zunahme antisemitischer Vorfälle stufen mittlerweile 63 Prozent der Briten den Judenhass als massives gesellschaftliches Problem ein.

Der Text erschien bereits auf Mena-Watch

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