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Eingeständnis eines Nörglers: Corona hat mich wieder ein Stück weit mit der Politik versöhnt

Der Bundestag in Berlin. Foto: Robin Patzwaldt

Heute ist bekanntlich für Millionen von Menschen ein Brückentag. Das heißt, sie sind jetzt nicht im Büro. Das heißt aber auch, wir sind hier, weil die Ruhrbarone eben ein sogenanntes Büro-Blog sind, heute weitestgehend unter uns. Dass ihr hier mitlest, weist euch somit mit großer Wahrscheinlichkeit als Stammleser aus. Schön! Ihr könnt ein Stück weit stolz darauf sein, finde ich. 😉

Also, wo wir jetzt hier so schön unter uns sind, da kann ich euch ja gestehen, dass viele Mitmenschen mich für etwas zu negativ eingestellt halten. Ich würde ja fast immer nur herummeckern, sehr vieles zu kritisch sehen.

Ich selber sehe das natürlich nicht so, wenn ich auch gerne einräume, dass ich mit (aus meiner Sicht natürlich stets berechtigter) Kritik häufig nicht hinter dem Berg halte. Dass das nicht immer alle freut, das liegt in der Natur der Sache.

Worauf ich hinauswill: In den vergangenen Jahren hat auch die Politik von mir gerne mal ihr ‚Fett‘ abbekommen. Lokal, aber auch überregional. Kritik an den Abläufen und Zuständen habe ich auch hier im Blog im Laufe der vergangenen knapp zehn Jahre (ist das wirklich schon so lange 😉 ) immer wieder geäußert.

Letztendlich lief es darauf hinaus, dass es mir persönlich zuletzt immer schwerer gefallen ist an Wahltagen mein Kreuz bei einer bestimmten Partei zu machen. Im Laufe der gut 30 Jahre in denen ich nun wahlberechtigt bin, habe ich schon viele unterschiedliche Parteien und Kandidaten gewählt. Am Ende haben mich fast alle enttäuscht.

Ausgerechnet die Corona-Pandemie hat bei mir aber jetzt eine deutliche Trendwende herbeigeführt. Fast müsste ich ihr dafür ein Stück weit dankbar sein.

Als wir im März quasi von einem Tag auf den anderen in den Lockdown stürzten, da war guter Rat wirklich sehr teuer. Es trat eine Situation ein, die wir zu unseren Lebzeiten allesamt so noch nie erlebt hatten. Da war die Chance seitens der Politik große Fehler zu machen naturgemäß riesig groß.

Doch die führenden Politiker dieses Landes überraschten mich positiv. Fast ausnahmslos. Alle, die in dieser kritischen Phase an den Hebeln der Macht saßen und sitzen, schlugen und schlagen sich in diesen kritischen Wochen und Monaten seither wesentlich besser, als ich ihnen dies noch zuvor zugetraut hätte.

Natürlich wurden auch in dieser Phase von den Akteuren auf allen Ebenen große Fehler gemacht, doch letztendlich, und das wird jetzt im Juni immer klarer, scheinen die Regierenden dieses Landes maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass wir (bisher) relativ glimpflich davongekommen zu sein scheinen.

Im weltweiten Vergleich gute Zahlen in Sachen Corona, die Wirtschaft zwar im Würgegriff, aber größtenteils noch zukunftsfähig und auch in Sachen moralische ‚Führung‘ und Gemeinschaftssinn lief es bislang ganz ordentlich.

Egal ob Angela Merkel, Peter Altmaier, Olaf Scholz oder Armin Laschet, alle würde ich heute deutlich positiver beurteilen, als ich das noch im Februar getan hätte. Und selbst ein mir vor der Pandemie noch völlig unsympathisch erscheinender Markus Söder hat sich zumindest meinen Respekt erarbeitet.

Hätte ich mich noch zu Jahresbeginn recht ablehnend und ‚vernichtend‘ über die verbliebenen Führungspersönlichkeiten in diesem Lande geäußert, hat sich mein Eindruck von diesen Köpfen in den vergangenen gut drei Monaten geändert.

Ich bin regelrecht froh darüber, dass die Leute, die aktuell in der Regierungsverantwortung waren und sind für die Entscheidungen die im Zusammenhang mit Corona zu treffen waren, zuständig waren.

Im Vergleich mit der Politik in vielen anderen Ländern auf der welt sehen wir nicht nur in Gesundheitsfragen derzeit ganz passabel aus, das trifft auch auf die Entscheidungen der handelnden Personen zu! Danke dafür!

So, heute habe ich also einmal nicht gemeckert. Aber bitte nicht weitersagen! Wir waren ja quasi unter uns! 😉

 

 

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3 Kommentare zu “Eingeständnis eines Nörglers: Corona hat mich wieder ein Stück weit mit der Politik versöhnt

  • #1
    Arnold Voss

    Was für ein trauriges Land, in dem sich engagierte Bürger mit der Politik versöhnen, weil die politische Elite im Ernstfall verantwortungsvoll handelt.

  • #2
    yohak

    Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
    Die Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden, und die dadurch bedingte Wirtschaftskrise schon gar nicht.

  • #3
    Gerd

    #1:

    Wo hat die politische Elite im Ernstfall verantwortungsvoll gehandelt? Doch nicht etwa in Deutschland, wo Corona zwei, drei Monate lang ignoriert oder heruntergespielt wurde und man dann wegen der selbst verschuldeten Untätigkeit überreagiert hat? Oder wie hoch war der Reproduktionswert am Tag des Lockdown? 3, 2,1? Unter 1?

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