19

Einkaufszentren: Straßenmagazin BoDo für Citykiller-Verbot

 

Bastian Pütter (BoDo)

In der vergangenen Woche forderte der Einkaufszentrumsbetreiber ECE von der Stadt Dortmund zahlreiche Maßnahmen um die Innenstadt zu verschönern. Unter anderem will ECE, dass Betteln künftig verboten wird. Die Macher des Straßenmagazins BoDo wollen hingegen das Betteln erlaubt bleibt – aber Einkaufszentren, die großen Citykiller unserer Zeit, verboten werden.

In Dortmund sichert sich ECE schon einmal ab. Wenn es bald mit der Innenstadt bergab geht, soll klar sein, wer schuld ist: Bettler, Graffiti und die Außengastronomie. Denn im September eröffnet ECE die Thier-Galerie in Dortmund und dürfte damit den Verfall der Dortmunder Innenstadt einläuten. Wahrscheinlich wird die jetzt noch lebendige Mitte der größten Stadt des Ruhrgebiets bald so heruntergekommen sein wie Essen. Dort wirken große Teile der City nach der Eröffnung des ECE-Citykillers Limbecker Platz wie ein einziger, leicht schmuddeliger Schnäppchenmarkt.

ECE fordert von der Stadt laut Ruhr Nachrichten ein Bettelverbot, will Graffitis bekämpft sehen und mehr öffentliches Grün. Auch Werbung und Außengastronomie sollen auf Zack gebracht werden. Für Bastian Pütter, Chefredakteur des Straßenmagazins Bodo, ein Unding: “ECE setzt hier mit der Thier-Galerie einen Citykiller hin, der wahrscheinlich die Innenstadt ruinieren wird und schiebt die Verantwortung dafür auf Bettler, Wirte und ein paar Sprayer ab.” Pütter hat ganz andere Ideen, wenn es um die Revitalisierung der Innenstadt geht: “Statt sichtbare Armut zu verbieten, wäre es sicher hilfreicher, innenstädtische Shopping Malls wie die Thier-Galerie zu verbieten. Die Städte sollten endlich aufhören vor den Betreibern der Einkaufszentren zu kapitulieren und daran arbeiten, die Innenstädte für alle Bürger attraktiv zu machen – dazu gehören auch Menschen in prekären Lebensverhältnissen.” Das ECE sich als ein politischer Faktor in Dortmund gebärdet, findet Pütter unmöglich: “Es reicht schon, wenn die in ihren Einkaufszentren heile Welt spielen – wie die Stadt aussieht geht sie nichts an. ECE ist doch kein Freund von lebendigen Innenstädten sondern deren größte Gefahr.”

RuhrBarone-Logo

19 Kommentare zu “Einkaufszentren: Straßenmagazin BoDo für Citykiller-Verbot

  • #1
    Berry

    Ob und in wieweit die Thier Galerie die Innenstadt killt oder belebt ist noch völlig offen.

    Selbst wohne ich direkt in der Innenstadt. zentraler geht nicht, weil ich direkt am Westenhellweg wohne. Viele meine Nachbarn ziehen weg – es steht sehr viel
    leer – weil sie es satt sind am frühen morgen (insbesonders Sonntags) durch Massen junks und dealer zu waden.

    Auch macht es kein spass nahezu jeden morgen die Tür sauber zu machen, weil viele Obdachlosen genau da pissen wo sie schlafen.

    Stefen, ich erinnere nochmal kurz an deine Häuserwand wo einige Leute dir gedroht haben. Du hast das nicht witzig gefunden. In der Innenstadt pasiert das täglich.

    Ich muss aber sagen, die gesamte Situation hat sich etwas beruhigt seitdem die Thierbrauerei abgerissen wurde und die – auch von dir gelobte – Szenenkneipen verschwunden sind. Da lief die Pisse wirklich Freitags über den Westenhellweg. Überall Glasscherben und Abfall wie sonst nur bei der WM.

  • #2
    dr_Opir

    Ein Einkaufszentrum in der City soll die City killen? Hä?

    Wieso muss eine “noch lebendige Mitte” “revitalisiert” werden?

    Vor allem aber: Wieso und wofür brauchen “Menschen in prekären Lebensverhältnissen” attraktive Innenstädte? Ist das Dummheit oder schon Zynismus? Ich geh da immer nur durch, um zu gucken, denn leisten kann ich mir eh kaum was! Insofern ist es mir auch vollkommen wurscht, was da gebaut wird. Bzw. ich find’s ganz spannend, mal was neues zum Gucken, und es gibt vielleicht ein paar gute Eröffnungsangebote.

    BTW, Sonderpostenmärkte gibts doch schon genug in Dortmund, auch in der City, da wird wohl kaum was neues kommen, die Angst ist völlig unbegründet.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Berry @Dr_Opir: Die Dortmunder City ist zum gröten teil ok. Ein paar Schwachpunkte gibt es – die müssen Revitalisiert werden.
    Was die Zukunft betrifft: Die ist nicht offen. Es gibt viele Beispiele die zeigen, wie sich ein Einkaufszentrum auf einen Innenstadt auswirkt: Duisburg, Essen, Siegen, Wetzlar – die Liste ist lang. Nur sehr starke Standorte wie Hamburg, München oder Frankfurt profitieren in den A-Lagen von einem neuen Center. Natürlich erzählen ECE oder MFI oder Multi Development in jeder Stadt, dass sie die Innenstadt stärken werden. Das tun sie auch, was die gebundene Kaufkraft betrifft. Doch die konzentriert sich im Center – drumherum beginnt dann bald ein Verfall. Warten wir doch mal ein paar Jahre und ein paar abgelaufene Mietverträge ab, wie die Dortmunder Innenstadt dann aussieht. Ein Blick nach Essen ist ein Blick in die Zukunft Dortmunds: Die Essener Innenstadt erlebt eine massive Abwertung mit vielen Leerständen. Und Bochum und Recklinghausen, wo die nächsten Center hinkommen, werden das bald auch erleben. Dumm nur, dass die meisten Politiker glauben, ihre Stadt wäre so ganz anders als die anderen Städte. Ist sie nicht…

  • #4
    Klaus Paulus

    Die verschwindende Urbanität ist das Eine. Innen folgen die ECE einer klaren Verkaufsstrategie und -Verteilung. Da unterscheiden sich die Zentren in Dresden und Wroclaw überhaupt nicht von einander. Die Einzigartigkeit, die Individualität der Häuser bleibt auf der Strecke.

  • #5
    Mir

    Das Thier Gelände befindet sich in der Dortmunder City und nicht ausserhalb. Die Einkaufsmeile am Hellweg, Brückviertel und auch die superteuren Geschäfte hinter der Kleppingstr. werden von dieser Werbung profitieren. Die City wird auf jeden Fall dadurch attraktiver, vielfältiger und angebotsreicher. Davon können die Nachbarstädte um Dortmund nur träumen. Dass Geschäftemacher Bettler vertreiben wollen, ist eine alte Geschichte.

  • #6
    Berry

    Ich habe mir mal die Bilder aus Wroclaw und Dortmund angesehen. Unterscheiden sich nicht? Ich möchte gerne wissen, Klaus, wo die gemeinsamkeiten sind?

  • #7
    Berry

    Wenn ich durch die Dortmunder oder durch die Innenstadt von Essen spaziere. Da sehe ich kaum Unterschiede. Jeder Stadt braucht eine aufregende Architektur. Nenne hier einfach mal etwas spannendes in Do.

    Hier könnte nie Tatort laufen, weil abgesehen vom – ja was denn. – gibt es nichts.

  • #8
    Berry

    Der Ostenhellweg wird es schwer bekommen, Mir. Aber Konkurrenz schadet nicht. Ein bisschen mehr darf ruhig sein.

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mir: Die Nachbarstädte träumen nicht davon: Essen und Duisburg haben schon neue Center. Bochum und Recklinghausen werden bald folgen. Aber schon ok: ECE und MFI erzählt ja jeder Stadt, das jetzt eine einzigartige Entwicklung eintreten wird, die zu Wettbewerbsvorteilen gegenüber den Nachbarstädten führen wird. In denen allerdings auch Centren stehen :-).
    Ich bin mir sicher dass die Thier-Galerie ein Erfolg wird. ECE macht nahezu perfekte Center. Nur der Rest der Innenstadt wird leiden. Wie in fast allen anderen Städten. Dortmund ist nicht anders – es ist nur genau so dumm wie alle anderen das zu glauben. Aber tröste Dich: Bochum ist genau so dumm 🙂

  • #10
    Tara

    Ich kannte die Dortmunder Innenstadt bis vor kurzem gar nicht, war bei einem Bummel aber positiv überrascht. Mein Gedanke war allerdings auch, dass die mit Sicherheit erfolgreiche und bereits im Vorfeld massiv beworbene Thier-Galerie der Lebendigkeit in der Innenstadt nicht gut tun wird. ECE ist eine Macht in Deutschland. Die werden ihre Forderungen schon durchsetzen.

  • #11
    teekay

    Was ich immer raetselhaft finde ist, dass ich es mir schwer vorstellen kann, dass sich Kaufkraft durch Einkaufszentren erhoeht. Gerade im Ruhrgebiet. Duisburg, Bochum, Dortmund haben alle 100% Kaufkraft. Jetzt kommen neue Laeden (in welchem Rahmen auch immer) und dann werden ploetzlich 120% in der Innenstadt umgesetzt? Vielleicht weil Kaufkraft aus Nachbarstaedten/vom Land abgezogen wird? Natuerlich konsolidieren Laeden, also Kette A schliesst Filiale und zieht ins neue Zentrum, aber was kommt dann in den alten Laden? 1-Euro-Laden fuer 6 Monate? Leerstand? Aber mittelfristig geben doch Duisburger/Bochumer/Dortmunder nicht mehr Geld aus, gerade weil Konsum schwaechelt. Und da ‘alle’ Staedte mittlerweile ein Zentrum haben, hoert sich das sehr nach 0-Summenspiel an, bei dem grosse Ketten viel flexibler agieren koennen als Einzelhaendler. Die Starbucks-Filiale kann auch mal 6 Monate schlecht laufen, aber fuer Cafe Mueller an der Ecke wird es dann brenzlig…

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @teekay: Sehe ich genauso. Was ich auch merkwürdig finde sind die ganze Gutachter, die den Städten immer bestätigen, dass es bislang ein großes Flächendefizit im Einzelhandel gab. Komischerweise In jeder Stadt. Ich kann diese ganzen Hansel mit ihren schwurbeligen Gutachterbetrieben nicht mehr sehen und hätte stattdessen gerne mal eine Analyse von universitären Stadtplanern oder Wirtschaftsgeografen vor mir liegen.

  • #13
  • #14
    Berry

    Welche Café Mueller ist gemeint? Inhaber geführte Unternehmen gibt es hier nicht mehr. Und die übrig geblieben sind, befürchten nichts. (hilgering, postershop, sonst noch?)

    Internetshopping macht Probleme

  • #15
    Helmut Junge

    Erst mußten die Roma weg, jetzt sollen die Bettler weg, dann natürlich die Alkoholiker, Drogenabhängige sowieso, dann andere Minderheiten, usw.
    Später dann auch die SPD? Vielleicht auch nicht.
    Ich bin kein Prophet, aber das als Möglichkeit kann ich ganz klar voraussehen.
    Und zwar nur deswegen, weil ich mich mal mit Geschichte beschäftigt habe.
    Wer die Vergangenheit kennt, kennt die Zukunft?
    Bastians Idee ist doch gut!
    Es gibt genügend Einkaufszentren!
    Und schön zu wissen, dass die Betreiber von Einkaufszentren gewissen Minderheiten gegenüber so unduldsam sind.
    Das hat meine Meinung zu Einkaufszentren negativ beeinflußt.
    Weg mit denen! Mindestens aber keine zusätzlichen!

  • #16
  • Pingback: Pottblog

  • #18
    Carsten

    Hi,

    ich fürchte allerdings auch, dass der Osten- und Westenhellweg darunter leiden werden. Es ist ja jetzt schon fürchterlich, was sich da an Geschäften befindet, und ich kann mir kaum vorstellen, dass sich das durch dieses Einkaufszentrum ändern wird. Wieso sollte es?

    Die Leute werden direkt das (im ECE) parken, ihre Einkäufe erledigen, nach Hause fahren. Wieso sollte noch jemand über den Osten- bzw. Westenhellweg schlendern? Weil da in der Nähe ein Ärztehaus hinkommt, und ein renommierter Laden wie das Limericks dafür geschlossen wurde? Weil sie in den Kik und Penny Markt wollen, und das verrottete Karstadtgebäude besichtigen möchten? Welche “Attraktionen” bietet diese Meile? Nach der Eröffnung wird das für die ersten Wochen, zumal das Weihnachtsgeschäft langsam anfängt, noch nicht so offensichtlich sein, aber danach.

    Überaupt habe ich manchmal den Eindruck, dass gerade hier in Dortmund stadtplanerisch eine Menge schiefläuft.

    Ich verfolge nicht jeden Blog täglich, aber das hier ist einer der ersten kritischen Artikel die genau meine Befürchtung widerspiegeln. Ich dachte schon ich wäre alleine.

  • #19
    Arnold Voss

    http://www.ruhrbarone.de/der-staubsaugereffekt-oder-warum-shopping-malls-so-erfolgreich-sind/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.