#EM2016: Deutschland holt den Gruppensieg –Trotzdem kann es eigentlich nur besser werden!

Sebastian Schweinsteiger als 'Hologramm' im Fußballmuseum. Foto: Robin Patzwaldt
Bastian Schweinsteiger als ‚Hologramm‘ im Fußballmuseum. Foto: Robin Patzwaldt

Die Gruppenphase bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich hat die DFB-Elf nun also tatsächlich erwartungsgemäß auf Platz 1 in ihrer Gruppe beendet. Damit ist das Achtelfinale erreicht, ein erstes Zwischenziel seit gestern Abend erfolgreich abgehakt. Das unerwartet knappe 1:0 gegen Nordirland war dabei allerdings eindeutig die bisher beste Leistung der Löw-Truppe.

Doch wirklichen Grund zur Zufriedenheit lieferte auch dieses Ergebnis am Dienstagabend noch immer nicht. Der Erfolg hätte, gemessen an den Spielanteilen, natürlich deutlich höher ausfallen müssen.

So bleibt am Ende der Gruppenphase für die Deutschen zwar der erhoffte erste Tabellenplatz, allerdings eben auch die Erkenntnis, dass eigentlich kein einziges der drei Spiele die Erwartungen an einen Weltmeister wirklich erfüllen konnte. Und das stimmt einen als Beobachter im Hinblick auf die nun folgenden KO-Spiele so eher nachdenklich. Sollte es zumindest.

Klar, 7 Punkte aus drei Spielen, dazu noch immer ohne Gegentor die Vorrunde abgeschlossen zu haben, das liegt soweit auf dem Papier voll im Soll. Doch sollte man die diversen augenfälligen Schwachpunkte dabei natürlich auch nicht gänzlich übersehen.

Von den drei Gegnern war mit Polen in dieser Gruppe eigentlich nur ein Team dabei, welches wirklich den gehobenen Ansprüchen im Weltfußball gerecht werden kann. Die eher mageren Siege gegen die Ukraine (2:0) und Nordirland (1:0) waren, wenn man mal ehrlich ist, nicht mehr als klassische Pflichtsiege. Und beide waren ja nicht gerade überzeugend herausgespielt.

Gegen die Ukraine hätte man sich bei den Deutschen über ein Unentschieden letztendlich nicht beklagen dürfen, gegen Nordirland gelang es nicht die Überlegenheit in einen frühzeitig vorentscheidenden Vorsprung umzuwandeln.

So mussten beim amtierenden Weltmeister  in beiden Spielen letztendlich bis zum Schlusspfiff noch um die fest eingeplanten drei Punkte gezittert werden. Auch gegen die defensiv agierenden Polen konnte das DFB-Team beim mauen 0:0 in der Offensive kaum Durchschlagskraft entwickeln.

Das sah dann gestern gegen die Nordiren zwar schon deutlich besser aus, doch darf man dabei eben nicht außeracht lassen, gegen wen man da gespielt hat.

Drei Tore in drei Spielen, das ist in dieser Gruppe am Ende eigentlich eine ziemlich indiskutable Torausbeute. Und auch die Tatsache, dass man hinten drei Mal zu Null gespielt hat, sollte bei diesen Gegnern natürlich nicht überbewertet werden.

Diese sehr defensiv agierenden Kontrahenten, welche allesamt mit einem torlosen Remis gegen den Weltmeister schon vollauf zufrieden gewesen wäre, erarbeiteten sich ja kaum mal eine eigene Torchance. Wie soll man da Gegentore kassieren?

So hat diese Vorrunde eigentlich aus Sicht der deutschen Mannschaft streng genommen mehr Fragezeichen aufgeworfen als sie wirkliche Antworten geliefert hat.

Gewinner der Gruppenphase waren beim DFB so neben Manuel Neuer, Mats Hummels und Jerome Boateng, allesamt für das Verhindern von Gegentreffern zuständig, kaum zu entdecken.

Ob ein Joshua Kimmich, der gestern überraschend viele positive Akzente setzte, diese auf Dauer wird liefern können muss ebenso abgewartet werden, wie die Frage, ob ein Bastian Schweinsteiger seine Nominierung noch wird weiter rechtfertigen können. Seine bisherigen Kurzeinsätze mögen zwar besser gelaufen sein als von vielen befürchtet, doch waren es eben bisher auch nur die Ukraine und Nordirland, die seine Fitness überprüft haben.

Positiv aus Sicht der DFB-Elf ist aber wohl unzweifelhaft auch die Tatsache zu beurteilen, dass es bisher auch noch keiner anderen Mannschaft im Turnier gelungen ist in allen drei Spielen des Turniers zu überzeugen.

Egal ob Spanien, Frankreich, England oder Belgien, alle genannten Favoriten offenbarten schon so einige deutliche Schwächephasen. Die DFB-Truppe befindet sich mit ihren Schwachpunkten aktuell also noch in bester Gesellschaft. Wer in diesem Jahr den Titel gewinnen wird? Nahezu unmöglich bisher zu prognostizieren…

Eine Tatsache, die wohl auch dieser aufgeblähten Vorrunde mit 24 Teilnehmern geschuldet ist. Wer sich die Spiele bisher regelmäßig angesehen hat, dem dürfte ja nicht verborgen geblieben sein, dass dieser neue Modus sich nicht gerade positiv auf die Qualität der Spiele ausgewirkt hat. Wenig Tore, viel Kampf und Krampf.

Kann man als erwartungsfroher Fußballfreund eigentlich aktuell nur hoffen, dass sich das nun in den nächsten Tagen, wenn die KO-Spiele beginnen werden, endgültig verbessert, dann hoffentlich auch deutlich mehr Offensivkraft und Spannung in das Turnier kommt. Auch aus Sicht der DFB-Auswahl…

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18 Kommentare

  1. #1 | Klaus Lohmann sagt am 22. Juni 2016 um 13:22 Uhr

    Auch ein Gewinner der Vorrunde ist der BvB, der mit Emre Mor wohl den "heißesten" Newcomer der EM für die nächste Saison an Land gezogen hat: http://www.t-online.de/sport/fussball/em/id_78193300/tuerkei-tschechien-tuerken-feiern-neu-bvb-spieler-emre-mor.html

    😉

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juni 2016 um 13:25 Uhr

    Ja, Klaus. Jetzt zeigt sich warum es klug ist manchen Transfer noch vor der EM 'einzutüten'. Dürfte wohl ein kluger Schachzug gewesen sein in diesem Fall. 🙂

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 22. Juni 2016 um 13:38 Uhr

    Richtig, Robin;-) Allerdings ist Mor zumindest in det Türkei auch schon vor der EM in den Himmel gelobt worden: http://sportbild.bild.de/bundesliga/vereine/bundesliga/emre-mor-ohne-tuchel-waere-ich-nicht-in-dortmund-46298426.sport.html
    Und Tuchel scheint ja auch eine sehr überzeugende Rolle gespielt zu haben – so wie der gesamte Einkauf dieses Jahr einfach gut zu Tuchels Ambitionen passt.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juni 2016 um 13:43 Uhr

    Ja, klar. Auch ich hatte, obwohl ich mich mit diesen vermeintlichen Riesen-Talenten gar nicht so groß beschäftige schon vorher von ihm gehört. Aber nach der EM wäre die Liste der Top-Clubs, welche ihn hätten verpflichten wollen, nun sicherlich noch länger geworden. Ähnliches Denken schien ja auch im Falle von Bartra usw. beim BVB vorhanden gewesen zu sein. Gut so. Dass es auch anders geht, dass zeigt aktuell der Fall Neustädter, der sich extra nach Russland hatte einbürgern lassen um mit zur EM fahren zu können, nun aber trotzdem Schalke verlassen will/muss/darf. Nach den gezeigten Leistungen in Frankreich allerdings so wohl auch keine Sensation…

  5. #5 | Walter Stach sagt am 22. Juni 2016 um 15:03 Uhr

    Klaus, Robin,
    hat mich auch sehr, sehr gefreut, daß der neue BVBer Emre Mor so überschwänglich in den internationalen Fußballmedien gelobt wird!!! Wenn er hält, was man sich danach von ihm im Trikot des BVB versprechen kann,dann…..

    Leistungsbilanz nach der Vorrunde für die DFB-Elf?
    Irgend jemand hat heute irgendwo(?) der DFB-Elf die Schulnote 3 gegeben.
    Scheint mir vertretbar.

    Was mir heute besonders zu denken gegeben hat -war mir selbst nicht aufgefallen ist:
    Nach einem Bericht bei SPIEGEL-online haben es die sog. großen im europäischen Fußball geschafft -konkret die jüngsten Ergebnisse der Spanier und der Engländer-, daß nur eine Mannschaft aus dem Kreise der Großen- Spanien, Italien, England, Frankreich, Deutschland – ins Endspiel kommen kann -und dazu ein sog. Außenseiter .
    Wir werden, wenn das so zutrifft, also schon vor dem Endspiel oftmals zu hören bekommen: " Vorweg genommenes Endspiel" , was für den Fußball-Fan ja durchaus reizvoll ist.
    Und ich denke, wenn z.B. die Belgier oder die Kroaten zu den Außenseiter zählen, daß die durchaus in der Lage sind, gegen eine der sog. "großen Mannschaften" zu gewinnen, zumindest ein spannendes Endspiel abzuliefern.

  6. #6 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juni 2016 um 15:10 Uhr

    Das bereits feststehende Achtelfinale Spanien vs. Italien ist ja schon ein echter Kracher, Walter! Hoffentlich hält die Ansetzung dabei auch endlich mal was sie verspricht…. 🙂

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juni 2016 um 15:44 Uhr

    Woanders ist die Laune rund um diese EM aber offenbar deutlich schlechter 😉

  8. #8 | Klaus Lohmann sagt am 22. Juni 2016 um 19:17 Uhr

    Und da wir vorhin noch beim BvB waren, freut es mich grad ungemein, dass einer meiner persönlichen Lieblinge der Achtziger, der kompromisslose Bernd "Bernie" Storck, grad mit seinen Ungarn die CR7-Portugiesen nass macht:-)))))))

  9. #9 | Klaus Lohmann sagt am 22. Juni 2016 um 19:19 Uhr

    Kaum schreib ich's – 3:3. Aber is ja noch was hin;-)

  10. #10 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juni 2016 um 19:21 Uhr

    Endlich mal ein wirklich packendes Spiel! 🙂

  11. #11 | Walter Stach sagt am 22. Juni 2016 um 20:25 Uhr

    Robin,
    bis gestern konnte ich mir noch ein Endspiel Spanien – Italien gut vorstellen . Ich habe sogar "heimlich" darauf gehofft, da mich bis dahin beide Mannschaften mit ihren Leistungen überzeugt hatten -im Gegensatz zur DFB-Auswahl.

    Klaus,
    ja, toll, was Stork erreicht hat. Gibt es da bei der ungarischen Nationalmannschaft nicht noch einen Ex-Borussen in irgend einer "Assistenten Funktion" für Storck? -Andy……?
    Leider ist mir Storck, obwohl ich seinerzeit bei allen Heimspielen des BVB dabei war, als "Figur auf`m Platz" nicht mehr so präsent, daß ich ihm gedanklich noch nahe kommen kann.

  12. #12 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juni 2016 um 20:39 Uhr

    Das mit den Trainern ist ja insgesamt ein interessanter Aspekt, Walter. Wenn man die Trainer der Nationalmannschaften mal so durchgeht, dann entdeckt man ja sehr häufig Leute, die sich auf Clubebene nicht wirklich durchsetzen konnen, die eher aus der zweiten Reihe der Übungsleiter stammen. Das zeigt ja auch recht deutlich, wie die Nationalmannschaften sportlich so eingeschätzt werden. Wer kann, der arbeitet im Regelfall lieber bei einem Top-Club in einer Liga. Auch Storck und Möller sind als Profitrainer ja nicht wirklich in der ersten Reihe zum Zuge gekommen. Nun haben sie hier 'ihr Glück' gefunden. Es sei ihnen gegönnt. Als Bundesligatrainer kann man sich beide aber wohl nicht wirklich vorstellen. Trifft auch auf viele Trainer anderer Auswahlmannschaften zu.

  13. #13 | Klaus Lohmann sagt am 22. Juni 2016 um 20:55 Uhr

    @Walter Stach: Vielleicht wird mich Thomas Weigle steinigen, aber Andy Möller (ist Co-Trainer von Bernie) ist für mich gefühlt kein echter Ex-Borusse, eher eine historische Randerscheinung;-)

    Storck (beim VfL Bochum gelernt) war auch keiner der großen Rampenlicht-Stars beim BvB, eher so der klassisch-klotzige Abräumer mit ab und an aufblitzenden "brasilianischen" Einlagen – aber einer, der sich im Gegensatz zu manchem heutigen Jungspund damals den Begriff Authentisch ehrlich verdient hat. Leider war beim ihm nach dem Pokalsieg 89 wg. schlimmer Sprunggelenksverletzung Karriereende auf'm Platz.

  14. #14 | thomas weigle sagt am 23. Juni 2016 um 11:43 Uhr

    @ Klaus Lohmann In Frankfurt und Umgebung wird nicht gesteinigt, es wird gevierteilt.

  15. #15 | Walter Stach sagt am 23. Juni 2016 um 12:16 Uhr

    Klaus Lohmann,
    ja, über den "Andy" haben wir Fans schon zu seiner BVB-Zeit oftmals heftig gestritten. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Mathias Sammer ihn einmal während eines Spieles heftig zusammen gesch…hat.
    Ansonsten
    Immerhin ist er jetzt Assistent des Trainers der ungarischen Nationalmannschaft, die die Vorrunde überstanden hat und nach meiner Wahrnehmung und nach meiner Prognose spielerisch durchaus zu überzeugen wußte ; wer hätte das dem "Andy" zugetraut.

    Robin,
    ich versuche, mich möglichst zurückzuhalten, wenn es um eine Diskussion über die Trainer der Nationalmannschaften geht.
    Einige von ihnen finde ich großartig -als Trainer und vor allem als Persönlichkeiten, die über den Fußball hinaus Charisma zeigen. Löw gehört nicht dazu!

  16. #16 | Robin Patzwaldt sagt am 23. Juni 2016 um 13:24 Uhr

    Wer sich mal mit der Zeit von Löw vor der Zeit als Klinsis Assi beim DFB beschäftigt, der sieht ja sehr schnell was mit seiner Karriere los war, Walter… Seine Assistenten Schneider und Sorg sind auch solche Fälle. Im Vereinsfußball rasch 'gescheitert', dann beim DFB untergekommen. Nochmal Glück gehabt!

  17. #17 | Walter Stach sagt am 23. Juni 2016 um 16:17 Uhr

    Robin,
    ich muß trotz meines persönlich sehr"distanzierten Verhältnisses" zu Löw -als Persönlichkeit und bezogen auf seinen Job als Bundestrainer-registrieren, daß sehr , sehr viele Fußball-Fans ihn für einen überdurchschnittlich qualifizierten Fußballtrainer halten und darüberhinaus in Löw zudem eine herausragende (vorbildliche) Persönlichkiet ausmachen. Ähnliches gilt für die meisten Medien!!

    Das hat sicherlich mit dem Gewinn des WM-Titels 2o14 zu tun, wobei m.E vergessen wird, daß Löw doppeltes Glück hatte , und zwar a.) mit dem damals in Hochform befindlichen Personales und b.) mit Spielen, das Endspiel eingeschlossen, die "mit weniger Glück" hätten verloren gehen müssen. . Es gab nur zwei Spiele, die die DFB-Auswahl nicht nur hoch verdient gewinnen konnten -Portugal, Brasilien-, sondern in denen sie auch meisterlich gespielt hat.
    Vielleicht ist dem Bundestrainer, jetzt, wenn es Ernst wird bei der EM ,wieder ähnliches Glück beschieden; sei's ihm gegönnt.

    "Eigentlich" wollte ich mich ja -sh.15 zu Beginn- in Sachen Nationaltrainer -Löw eingeschlossen- zurückhalten, aber…..

  18. #18 | Robin Patzwaldt sagt am 23. Juni 2016 um 16:31 Uhr

    Das aus meiner Sicht mit Abstand Bemerkenswerteste an Löw ist, dass er sich einen Werbevertrag mit Nivea gesichert hat. Wie ihm das gelungen ist, das ist mir bis heute noch immer vollkommen schleierhaft. 😉 Aber lassen wir das…

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