Energieversorgung: Habeck muss sich ehrlich machen

Robert Habeck Foto: rawpic@protonmail.com Lizenz: CC BY-SA 4.0


Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat viele Ideen, wie er die Energieversorgung sichern will. Leider werden sie alle nicht ausreichen, um die Bürger und Unternehmer in den kommenden Jahren mit Strom und Gas zu versorgen.   

Die erneuerbaren Energien sollen massiv ausgebaut werden, die Großbagger weiter Braunkohle abbauen und wenn es hart auf hart kommt, will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Energieversorger enteignen.

Doch das wird nicht reichen, um 80 Millionen Menschen und die Industriebetriebe einer der größten Volkswirtschaften der Welt sicher und wenigstens halbwegs bezahlbar mit Strom und Gas zu versorgen. Und die Bereitschaft der Bürger im dunklen zu sitzen und zu frieren ist gering. Die FAZ zitiert heute aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach: Nach der bereiten nicht nur die Preissteigerungen im Energiebereich 71 Prozent große Sorgen: „62 Prozent äußerten die Besorgnis, dass die Energieversorgung nicht gesichert sein könnte. In derselben Umfrage sagten 86 Prozent, sie fürchteten, dass es in den nächsten Jahren Schwierigkeiten bei der Energieversorgung geben werde; 2019 hatte der Wert noch bei 26 Prozent gelegen.“

Nur noch jeder Vierte glaubt, dass Deutschland seine Energieversorgung bis 2050 auf die Erneuerbaren umstellen kann. Eine Mehrheit ist für die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken.

Silke Mertins schreib vor wenigen Tagen in der taz: „Ich nehme an, die Electricity Map,die tagesaktuell den CO2-Ausstoß farblich darstellt, muss sich ­irren. Sie zeigt nämlich Frankreich mit all seiner Atomkraft knatschgrün an, während Klimavorreiter Deutschland unverändert bräunlich daherkommt – Tag für Tag. Und weil ja oft argumentiert wurde, die überwältigende Mehrheit der Deutschen sei gegen Atomkraft: 72 Prozent sind inzwischen für eine Laufzeitverlängerung, darunter nicht weniger als 64 Prozent der SPD-Anhänger und sogar 32 Prozent der Grünen-Anhänger.“

Die Energiepolitik der vergangenen Jahre ist am Ende. Putins Panzer sind auch über das deutsche Bullerbü hinweggerollt. Der Plan, den Ausbau der nicht zuverlässig Energie liefernden Erneuerbaren mit Strom aus Gaskraftwerken abzufedern ist Makulatur. Die grüne Ideologie, der auch CDU, SPD und FDP in den vergangenen Jahrzehnten mal mehr, mal weniger begeistert, folgten ist am Ende. So gut der Ausbau und Windkraft und Sonnenenergie ist, er wird nicht ausreichen, das Land zu versorgen. Auch ohne den Krieg in der Ukraine mit seinen energiepolitischen Folgen wäre es fast unmöglich gewesen. Jetzt ist es pure Utopie.

Natürlich müssen die Erneuerbaren massiv ausgebaut werden. Aber wir brauchen auch die Kernenergie, müssen mittels der CCS-Technologie CO2 aus konventionellen Kraftwerken abscheiden und mehr Gas fördern. Auch mit dem noch unbeliebten Fracking. Selbst wenn wir jetzt alles auf den Weg bringen, werden die kommenden Jahre hart. Die Abhängigkeit vom russischen Gas wird sich noch lange rächen.

Es wird Zeit, dass Robert Habeck das den Bürgern und den Wählern der Grünen erklärt. Einfach wird das nicht, weder für ihn noch für die vielen, die an die grünen Träumereien geglaubt haben. Aber je schneller sich Habeck ehrlich macht, umso besser ist es. Für ihn, für die Bürger und die Grünen.

 

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4 Kommentare

  1. #1 | Burger sagt am 14. April 2022 um 18:38 Uhr

    Den Artikel kann ich inhaltlich leider nicht nachvollziehen. Habeck sollte daran arbeiten die vielen Knüppel einzukassieren, die den Erneuerbaren immer noch zwischen die Beine geworfen werden. Allen voran die 10H-Regel, nach der selbst im Flächenland Bayern im letzten Jahr kaum mehr neue gebaut werden konnten. Der Autor lässt zudem völlig die Brisanz der Klimakrise vermissen. Anstatt die gegenwärtig schmerzliche Abhängigkeit von russischen fossilen Energieträgern als Booster zum Ausbau der Erneuerbaren zu verstehen plädiert er für die Rolle rückwärts.

  2. #2 | SvG sagt am 15. April 2022 um 08:54 Uhr

    @1; Burger: "…die vielen Knüppel einzukassieren, die den Erneuerbaren immer noch zwischen die Beine geworfen werden."
    Dem kann ich nur zustimmen: Wer als Immobesitzer optimieren will, muß für jede Maßnahme bei einer anderen Stelle Anträge stellen, Gutachten vorlegen, die 20% der Fördersumme verschlingen. Welche von "Energieberatern" erstellt werden, die vorher in der Finanzdienstleitungsbranche, der Versicherungswirtschaft oA gearbeitet haben, und jetzt auf diese ebenso einträgliche wie einfache Art des Geldscheffelns umgestiegen sind.
    Dann dürfen selbst einfachste Tätigkeiten nur von "Fachbetrieben" ausgeführt werden. Was in der Praxis bedeutet, daß der Meister mal kurz gucken kommt, um die Arbeiten dann von einem Gesellen und zwei Ungelernten ausführen zu lassen.

  3. #3 | Werner Hopf sagt am 15. April 2022 um 17:14 Uhr

    Da Problem ist der Verbraucher, bzw. Kunde, bzw Wähler.

    Vor einigen Jahren, zu Zeiten Fukushima, als es den großen Knall gegeben hat. Wurde der Bevölkerung bewusst wir haben Kernenergie im Land. Die aktuell regierende Partei hat (besser musste) relativ schnell umschwenken, um noch einigermaßen Stimmen (die ins grüne Lager schwenken wollen) zu bekommen.
    Danach war logischerweise alles machbar, obwohl von der technischen Seite, schon einige Spezialisten (besonders von den Energieversorgern, weil das ebene deren Geschäft ist) sagten es wäre schwierig.
    Nun haben wir jetzt den Fall das wir schneller auf "umweltfreundliche" Energie umschwenken müssen. Die Gaspreise wurde außerdem auch durch die (Strom-)Energieversorger in die Höhe getrieben und haben (fast) rund um die Uhr die Gaskraftwerke laufen lassen, um Strom zu produzieren, pardon Gewinn zu machen.
    Über diesem Weg wurden auch unsere Gasspeicher leergesaugt, was auch nicht in der Presse steht.
    Den Irrsinn auch dem Strommarkt kann mach in den Adhoc-Meldungen (es wurden schon ca. 8000 EUR/MWh a) für positive Regelleistung aufgerufen.
    D.H ein Anbieter hat sich verkalkuliert, Großverbraucher müssen solche "Lastschwankungen" anmelden und werden heute teilweise von den Lastverteilern abgewiesen, weil dieser das Netz schützen will. Aber das kann er teilweise nicht mehr, weil z.B. Kleinstkraftwerke (der bekannte Balkon) machen darf was er will !

    Der Wähler/Bürger/Bewohner muss sich klar machen was er will.
    Entweder Versogungssicherheit oder grüne Energie, oder ein Kompromiss davon. Ich kenne ich Deutschland genug erneuerbare Energie Projekte, die von einer grünen Seite geförder werden, aber von der anderen grünen Seite blockiert werden.
    Und wenn der gemeine Bürger glaubt die Kohlekraftwerke könnten länger laufen, dann kann ich ihm be(un)ruhigen. Wie bei den Atommeilern die wegen sicherheitskritischen Strukturen (aka TÜV) nicht länger laufen (können), wird das gleiche mit den Kohlekraftwerken passieren (müssen). Die Betreiber könnten die Laufzeit in geringem Maße verlängern. Aber da spricht der Kaufmann in mir eine andere Sprache
    Und Hand auf Herz oder die Bremse, wer hat nicht die wiederkehrende Fahrzeugprüfung etwas hinausgezogen, weil er einen Neuwagen anvisiert hat ?. Dieses Schemata geht leider nicht im großen Still. Wer investiert 30 Millionen EUR in einen Anlage, die nach 2 Jahren abgeschaltet werden soll/muss/wird

  4. #4 | Berthold Grabe sagt am 16. April 2022 um 12:13 Uhr

    Nun Habeck war in den Emiraten, um genau diesen Mangel auszugleichen. was mir fehlt ist eine Strategie, wie Habeck gedenkt das schlimmste zu verhindenr, sollte russland vorzeitig dne Gashahn abdrehen.
    Das ist zwar gerade etwas unwahrscheinlicher geworden, aber kann im Fortgang des Krieges wieder sehr schnell aktuell werden.
    Ich bin mir nicht sicher ob Habeck den Ernst der Lage wirklich verstanden hat, in dem er die Ausweitung der heimischen Gasförderung verhindert.
    Es ist zu bezweifeln, das wir uns leisten können energiepolitisch kurz- mittelfristig wählerisch zu sein.
    Bei manchen lange blockierten Vorhaben wie z.B. den Stromleitungen wäre durchaus eine ordnungspolitische Brechstange angebracht und die Verfahren extrem zu beschleunigen.

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