
Wann feierte der Frauensport seinen ersten Triumph? 396 vor Christus, und das natürlich im antiken Griechenland: Damals nahm die spartanische Königstochter Kyniska als Wagenlenkerin erstmals an den Olympischen Spielen teil und gewann das Wagenrennen. Ein Zufall war das nicht, erklären Alina Schwermer und Elke Wittich in dem Buch „Erste Frauen“, denn Frauen absolvierten in Sparta dasselbe Training wie Männer: Sie sollten schließlich die künftigen Krieger gebären. Und das taten sie, sonst hätten die Griechen, auf deren Seite viele Spartaner kämpften, kaum 479 vor Christus in der Schlacht von Plataiai mit dem Sieg über die Perser und dem Opfergang ihres Königs Leonidas ein Jahr zuvor bei der Schlacht an den Thermopylen dafür sorgen können, dass sich in Europa Ideen wie Demokratie und Aufklärung entwickeln konnten.
Seit 2019 stellen Schwermer und Wittich in ihrer taz-Kolumne „Die ersten Frauen“ Sportpionierinnen vor. Das gleichnamige Buch ist eine Sammlung der dort erschienenen Texte, die jeden Monat die Leser überraschen: Ihnen begegnen Maya-Frauen, die beim Pok-Ta-Pok zusammen kicken, einem Ballspiel, das als einer der Ursprünge des heutigen Fußballs gilt.
Wir lernen die holländische Dienstbotin Jitske Gaastra kennen, die 1912 als erste Frau beim Elfstedentocht-Rennen mitlief und zum Star der Veranstaltung wurde. Der Elfstedentocht ist ein bekanntes Event für Amateursportler, findet aber nicht allzu oft statt: „Das durch elf friesische Städte führende Schlittschuh-Rundrennen von Leeuwarden nach Leeuwarden kann nur gestartet werden, wenn so strenger Frost herrscht, dass Kanäle und Flüsse zugefroren sind. Der letzte der insgesamt 15 Elfstedentochts fand im Jahr 1997 statt.“
An den gut gemeinten Rat ihrer Mutter „Fahr schön langsam und gewinne“ hielt sich die Italienerin Maria Teresa de Filippis in doppelter Hinsicht nicht: „1958 schaffte de Filippis es in die Formel 1 und ging als Letzte ins Ziel. Insgesamt fünf Anläufe unternahm sie, zweimal scheiterte sie in der Qualifikation, zweimal blieb sie im Rennen mit Motorschaden liegen.“ 1958 war ein hartes Jahr in der Formel 1: Vier Fahrer starben. Und auch wenn de Filippis raste, ohne zu gewinnen, wurde sie von anderen Rennfahrern wie Tony Brooks anerkannt: „Sie hatte Mut, und sie wurde von ihren Konkurrenten dafür respektiert. Sie fuhr nicht vorne mit, aber sie war sehr kompetent.“
Mut hatte auch die Dänin Ellen Osiier: „Als einzige aktive dänische Sportler boykottierten 1936 Ivan Osiier und der ebenfalls jüdische Ringer Abraham Kurland die Olympischen Spiele in Berlin.“ Ellen Osiier starb 1962 im Alter von 72 Jahren. So alt wurden viele Mitglieder des weiblichen Turnteams der Niederlande, das bei den Olympischen Spielen 1928 die Sportfans begeistert hatte, nicht: „Fünf der Sportlerinnen, ihr Trainer sowie ihre Familien wurden später von den Nazis ermordet.“ Als einzige Jüdin im Turnteam überlebte Elka de Levie die Nazizeit. Sie starb 1978 im Alter von 74 Jahren.
Man muss sich nicht besonders für Sport interessieren, um das Buch von Alina Schwermer und Elke Wittich mit Gewinn zu lesen. Sein Hauptthema ist die Geschichte des Frauensports, und die ist oft beeindruckend, manchmal witzig, aber häufig auch tragisch.
Erste Frauen
Alina Schwermer und Elke Wittich
Edition Entwurf, 19.99 Euro
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