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Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 10: Sachsen

Das Wappen des Freistaates (Quelle: Wikipedia)

Sachsens Wappen  (Quelle: Wikipedia)

Es ist Montag. Und das heißt? Ein neuer Teil unserer Serie “Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?” findet seinen Weg ins Netz.

Nach Mecklenburg-Vorpommern ist nun Sachsen, pardon, der Freistaat Sachsen, dran.

Von bösen Zungen immer noch als “Tal der Ahnungslosen” verunglimpft, kann Sachsen heute zeigen, wie weit man in Wissenschaft und Forschung wirklich ist.

(Am Rande: auch die Homöopathie-Lobby fragt bei Politikern nach. Kurz nach Start unserer Serie wurde nachgezogen. Und heute in einem Blogbeitrag kritisiert, dass auch die Piraten sich zur Homöopathie geäußert hätten, ohne dass man darum geben hätte. Herzlich willkommen im Neuland, liebe Homöopathen – hier muss man nicht aufgefordert werden, um sprechen zu dürfen!)

Und das soll es auch schon an Vorrede gewesen sein.

Staatsministerin Clauß (Quelle: Wikipedia.de)

Staatsministerin Clauß
(Quelle: Wikipedia.de)

Heutiges Bundesland:
Sachsen

Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz:
Christine Clauß (63)

Parteibuch:
CDU

Die Bewertung:
Für jede Antwort werden 0 bis 5 Globuli vergeben. Je mehr Globuli, desto esoterischer das Gesundheitsministerium. Insgesamt können also 15 Globuli erreicht werden, wobei dies wohl nur der DHU erstrebenswert erscheinen dürfte.

 

 

 

1. Wie steht Ihr Ministerium zur Alternativmedizin? Sieht es darin “zu überwachende Quacksalberei” oder eine “gleichzuberechtigende Alternative zur Schulmedizin und Naturheilverfahren”?

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) ist nicht die Institution, die über die Wirksamkeit bzw. den Nutzen von medizinischen Diagnose- oder Therapieverfahren befinden muss. Dafür sind wissenschaftliche Einrichtungen, die Studien durchführen bzw. bewerten können, besser in der Lage. Für die Entscheidung, ob medizinische Leistungen über eine ausreichende fachliche Bewertung verfügen, die Wirkungen/Nebenwirkungen- und Kosten/Nutzen-Vergleiche positiv ausfallen und somit eine Aufnahme in die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse erfolgt, ist der gemeinsame Bundesausschuss G-BA zuständig.
                               
Das SMS befürwortet alle medizinischen Leistungen, die Patienten in ihrer Heilung tatsächlich unterstützen. Dies können neben Leistungen der „Schulmedizin“ auch Naturheilverfahren oder Verfahren der Alternativmedizin sein.

Bewertung: 2 Globuli

 

2. Wie steht das Ministerium zur evidenzbasierten Medizin? Welche Rolle schreibt es allgemein empirischen Wirkbefunden zu?

Das SMS bekennt sich zur Sinnhaftigkeit der EbM, d.h. der beweisgestützten Medizin. Dieser wissenschaftliche Ansatz bietet die größte Sicherheit für die Patienten. Empirische Beobachtungen sind Bestandteil der modernen Naturwissenschaft. Durch den Prozess der Verallgemeinerung von Erkenntnissen aus empirischen Einzelbeobachtungen können neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Die einerseits oft erfolgreiche empirische Beobachtung des Zusammenhangs von hypothetischer Ursache (Exposition) und einer Wirkung, zum Beispiel Krankheitsentstehung, kann allerdings auch falsch gedeutet sein. Daher muss der kausale Zusammenhang zwischen den Vorgängen durch entsprechende Studien nachgewiesen werden, um wissenschaftlich Bestand zu haben und in die EbM-Therapieempfehlungen aufgenommen zu werden.

Bewertung: 0 Globulus

 

3. Was empfiehlt das Ministerium in Fällen, in denen alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin sind, bspw. im Bereich des Impfschutzes?

Das SMS hat bisher keine „alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin“  unterstützt. Anfragende Institutionen wurden auf die Notwendigkeit der Durchführung wissenschaftlicher Studien hingewiesen, um die Wirksamkeit vorgestellter alternativmedizinischer Methoden nachzuweisen. Anfragende Bürger wurden auf entsprechende wissenschaftliche Veröffentlichungen verwiesen.

Im Bereich Impfschutz wird das SMS durch die Sächsische Impfkommission (SIKO) beraten, die evidenzbasierte Methoden anwendet, um Impfempfehlungen zu erstellen. Auf die Empfehlungen dieses Gremiums werden Anfragende verwiesen.

Bewertung: 0 Globulus

 

Soweit die Antworten aus dem Freistaat Sachsen.
Wir kommen auf eine Esoterikwertung von 2 Globuli.

 

Erläuterungen

Die Antworten aus Sachsen liessen lange auf sich warten. Wir mussten mehrfach nachhaken und schließlich telefonisch auf den Leib rücken. Dabei scheinen die Ministerialen in Sachsen doch gar keinen Grund zu haben, zurückhaltend in ihrer Auskunft zu sein. Aber der Reihe nach.

Zunächst ging es wie immer um die generelle Haltung des Ministeriums zur Alternativmedizin. Die Aussage, dass dieses “nicht die Institution (sei), die über die Wirksamkeit bzw. den Nutzen von medizinischen Diagnose- oder Therapieverfahren befinden muss” ist nur eingeschränkt richtig. Denn das SMS stellt selbst fest, dass unter seinen Aufgaben u.a. der “gesundheitliche Verbraucherschutz (..)  im Vordergrund” stünde. Allerdings kann man zustimmen, dass “wissenschaftliche Einrichtungen, die Studien durchführen bzw. bewerten” besser in der Lage sind, diese Fragen zu beantworten.
Falsch hingegen ist die durchklingende Annahme, dass nur solche Leistungen ihren Weg in den Leistungskatalog gesetzlicher Krankenversicherung finden, für die es Wirknachweise gebe. Dem ist nicht so, und das Stichwort hierzu ist der “Binnenkonsens“. Ein Gesundheitsministerium muss dies wissen. Deswegen wird diese Antwort als kleine konsensheischende Nebelgranate gewertet, ebenso wie vordergründig davon gesprochen wird, die Schulmedizin zu unterstützen, um dann Naturheilverfahren und Alternativmedizin nachzuschieben. Ein wenig diffus all dies –  und unserem Wertungsprinzip folgend mit 2 Globuli zu bedenken.

Dem gegenüber beschreibt die zweite Antwort fast schon mustergültig, wie man in der EbM zu gesicherten Erkenntnissen kommt – und wieso die Aussage “Wer heilt, hat Recht” eben falsch sein kann. Deswegen sind auch solche Studien das Nonplusultra in der EbM, die viele gut gemachte Einzelstudien verdichtend betrachten – Metaanalysen nennt das der Wissenschaftler. Und da es hier nix zu meckern gibt, gibt es auch keinen Globulus, so einfach ist das.

Klar bekennt sich das SMS auch zu Impfungen – und den Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission, wobei es schon ein kleines Lächeln erzeugt, dass der Freistaat sich eine eigene Impfkommission gönnt, und nicht, wie viele andere Bundesländer, auf die Impfkommission des Bundes verweist. Besonders beeindruckend erscheint, dass “auf die Notwendigkeit der Durchführung wissenschaftlicher Studien hingewiesen (wird), um die Wirksamkeit vorgestellter alternativmedizinischer Methoden nachzuweisen.” So klar hat dies an dieser Stelle bisher kein Ministerium formuliert. Von wegen “Tal der Ahnungslosen”…

 

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4 Kommentare zu “Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 10: Sachsen

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