Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 11: Bremen

Wappen der Stadt Bremen (Quelle: Wikipedia)
Wappen der Stadt Bremen
(Quelle: Wikipedia)

Letzte Woche waren wir ja im tiefsten Osten der Republik mit unserer allseits beliebten Serie „Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium?„.
Doch heute wird es seltsam. Oder zumindest „anders“. Oder „besonders?“

Es geht um Bremen.
Bremen, Du Stadt an der Weser.
Bremen, Du Stadt der vielen Flaggen.
Bremen, das Du stolz Deinen Wahlspruch
buten un binnen – wagen un winnen
(draußen und drinnen – wagen und gewinnen) trägst –
so behauptet zumindest die allwissende Müllhalde.

Wie kommt der Autor dieser Zeilen zu einem solchen Pseudo-Pathos? Was soll das Rumgeschwurbel?

 

Die Fragen sind berechtigt und werden flugs erklärt, bevor der Leser die Geduld verliert. Vor einigen Wochen berichteten wir darüber, dass einige Bundesländer gar nicht geantwortet hatten – und andere sich nicht einmal in der Lage sahen, ihre Antwort auf die drei bekannten Fragen aufzuschlüssen. Mittlerweile liegen uns alle Antworten vor. Mittlerweile liegen uns fast alle Antworten vor – nur Hessen und Thüringen sind in Verzug.

Bremen hingegen gehört zu denen mit den kurzen Antworten. Und bevor wir uns den Schriftsatz anschauen, sei noch einmal darauf hingewiesen, dass wir übereinkamen, dass diejenigen, die gar nicht, oder nur allzu knapp, antworten, keinen Vorteil gegenüber denen haben sollen, die ihre Position genauer, und damit angreifbarer präsentieren. Jetzt aber wirklich los!

 

Dr. Schulte-Sasse, Gesundheitssenator (Quelle: bremen.de)
Dr. Schulte-Sasse, Gesundheitssenator
(Quelle: bremen.de)

Heutiges Bundesland:
Bremen

Senator für Gesundheit:
Dr. Hermann Schulte-Sasse (65)

Parteibuch:
parteilos

Die Bewertung:
Für jede Antwort werden 0 bis 5 Globuli vergeben. Je mehr Globuli, desto esoterischer das Gesundheitsministerium. Insgesamt können also 15 Globuli erreicht werden, wobei dies wohl nur der DHU erstrebenswert erscheinen dürfte.

 

Wie immer sind unsere Fragen:

1. Wie steht Ihr Ministerium zur Alternativmedizin? Sieht es darin „zu überwachende Quacksalberei“ oder eine „gleichzuberechtigende Alternative zur Schulmedizin und Naturheilverfahren“?

2. Wie steht das Ministerium zur evidenzbasierten Medizin? Welche Rolle schreibt es allgemein empirischen Wirkbefunden zu?

3. Was empfiehlt das Ministerium in Fällen, in denen alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin sind, bspw. im Bereich des Impfschutzes?

Und die Antwort:

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage.

Wie Sie sicherlich auch wissen, ist das Gebiet der Alternativmedizin ein großes und zugleich unbestimmtes.
Dies macht es sehr schwierig sich verallgemeinernd mit den von Ihnen gestellten Fragen zu befassen.
Insofern möchten wir dankend auf eine Beantwortung der Fragen verzichten.

Und nun? Wollten wir Ruhrbarone die Bremer nicht der Lächerlichkeit Preis geben, insb. da Herr Dr. Schulte-Sasse doch selbst Oberarzt am Institut für Klinische Pharmakologie am Klinikum Bremen-Mitte und Stabsstellenleiter „Medizin“ beim AOK-Bundesverband sowie Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium – sprich: eine Vita hat, die ihn als Fachmann auszeichnet.

Wir hakten nach:

…nochmals erlaube ich mir, mich an Sie in unten stehender Sache zu wenden.
Die Antworten vieler anderer Gesundheitsministerien zu den benannten Fragen bereiten wir nun in einer wöchentlichen Serie auf:

Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 1: Hamburg


Ist es vielleicht doch möglich, zu den drei Fragen einzelne Antworten zu erhalten?

Doch nichts, nein, gar nichts, geschah.

Deswegen schreiten wir nun zur Wertung der Antwort aus Bremen.

Es ergibt sich eine Esoterikwertung von 12 Globuli.

 

Erläuterungen

Die Antwort gibt nichts her. Allenfalls kann man zu „Dies macht es sehr schwierig sich verallgemeinernd mit den von Ihnen gestellten Fragen zu befassen.“ erwidern, dass es scheinbar 10 anderen Gesundheitsministern gelang, sich  mit den Fragen zu befassen. (Und weitere werden in den nächsten Wochen folgen.) Ausserdem ist es eben nicht schwierig, sich bei Frage 2 zur evidenzbasierten Medizin ebenso zu bekennen wie bei Frage 3 zum Impfschutz – oder eben dies abzulehnen, auszudifferenzieren, zu erläutern. Was im übrigen auch für Frage 1 gilt.

Von dem Ministerium eines Mannes, der u.a. zeitweise Vorsitzender eines Unterausschusses der Ärzte und Krankenkassen für Fragen des Leistungskataloges der Gesetzliche Krankenversicherung war und seine Dissertation zur „Geschichte der deutschen pharmazeutischen Industrie“ verfasst hat, hätte man hier nicht nur mehr erwarten können, sondern sogar müssen.

Deswegen 4 Globuli pro Antwortmöglichkeit. Und Thüringen und Hessen seien gewarnt: Arbeitsverweigerung macht es noch schlimmer…

Seltsam? Aber so steht es geschrieben….

 

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5 Kommentare

  1. #2 | Thorsten Stumm sagt am 2. September 2013 um 22:53 Uhr

    Vielleicht ist Dr. Schulte-Sassen ja einfach nur ein ignoranter Arzt von der Sorte „Na wie geht es uns denn heute “ oder er ist vielleicht gar kein Fachmann weil seine Doktorarbeit ein Plagiat ist ( IRONIE Herr Schulte – Sassen ) oder er denkt das mit dem Internet setzt sich eh nicht durch, dass liest doch keiner….oder ihr hättet dreimal nachfragen müssen, denn dreimal ist Bremer Recht…..

  2. #3 | Connie sagt am 3. September 2013 um 01:51 Uhr

    Hallo Bremen!

    Antworte folgendes:

    „Unsere Gesetzgebung wird ständig dahingehend erweitert, dass
    den Menschen ein Maximum an Gesundheitsvorsorge zuteil wird.
    Der gut informierte Patient soll selbst eine Entscheidung zwischen
    den verschiedenen Heilungsmöglichkeiten treffen.“

  3. #4 | Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 12: Schleswig-Holstein | Ruhrbarone sagt am 9. September 2013 um 21:04 Uhr

    […] Serientag. Letzte Woche war das Ergebnis in Bremen ja eher mau. Irgendwie hatten die Nordlichter nicht verstanden, worum es in unserer Serie “Wie […]

  4. #5 | Serie: Wie esoterisch ist mein Gesundheitsministerium? Teil 13: Hessen | Ruhrbarone sagt am 16. September 2013 um 23:54 Uhr

    […] wir ehrlich: die letzten zwei Wochen waren nicht so prall für Bremen und […]

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