Frust im Sport: Bundesligavereine sägen am Ast der Medien

Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt. Foto(s): Michael Kamps


Noch bevor die neue Bundesliga-Saison heute startet, ist der Frust in den Redaktionen groß.

Im Fokus der Kritik steht die Öffentlichkeitsarbeit vor allem der großen Fußballvereine. Die erreichen mit ihren eigenen Videos, Interviews und exklusiven Beiträgen auf den unterschiedlichen Plattformen inzwischen Millionen Nutzer. Dabei geht eines verloren – die unabhängige Einordnung. Es wirkt wie ein richtiges Interview, das die Eintracht Frankfurt auf Twitter teilt.

Mit Mario Götze wird ein Star im Studio interviewt, der auch im Westen beliebt ist und der an Rhein und Ruhr auch noch viele, viele Anhänger hat. Mario Götze wirkt locker, die Fragen sind locker, die Antworten auch, alles wirkt echt sympathisch und locker. Darauf steht der Fan, das will der Fan wissen. Mit Journalismus hat das aber nichts zu tun.

Solche Interviews sind aber nicht anderes, als wenn Vonovia-Boss Rolf Buch sich in ein Vonovia-Studio in Bochum oder Berlin stellen würde und Fragen aus seinem Presseteam beantwortet. Sie wirken frei, sind aber gestellt. Sie sind eine Scheinwelt, die sich in der Optik des unabhängigen Journalismus kleidet

Gerade Fußball ist aber ein Quotenbringer, eine Erfolgsgeschichte auch für klassische Printmedien. Sie verkaufen damit ihre Zeitungen, ihre E-Paper, die Menschen klicken die Artikel im Netz, gerade wenn sie exklusiv sind, wenn sie Neues finden. Damit wollen jedoch auch die Fernsehsender punkten, die die Spiele teuer einkaufen und damit auch ihre Abonnenten am Ball halten möchten.

Wenn also die Fernsehsender exklusiv sein wollen, die hauseigenen Werbemedien der Sportvereine exklusiv sein wollen, und dann sind ja noch die eigenen Kanäle der Sportler, was bleibt da noch für die unabhängigen Medien übrig, deren Verlage keine Millionen als Sponsoren ausgeben wollen oder können?

Sie fallen hinten rüber und müssen aus der Werbe-Berichterstattung der Vereine eine Einordnung liefern, ohne den direkten Kontakt zu den Sportlern zu haben. Nur,  ganz ehrlich, wer will für Berichterstattung bezahlen, wenn sie immer nur ein Nacherzählen von anderer Leute Interviews ist, ohne echten eigenen Mehrwert?

Peter Müller, Sportchef der „WAZ“, ist deshalb zu Recht frustriert, wenn er es für einen „Schlag ins Gesicht unabhängiger Medien“ hält, wenn Vereine wie Eintracht Frankfurt eigene Inhalte „rotzfrech als exklusiv“ betiteln.

Nur hat der Sport-Journalismus sich nicht selbst in diese Rolle gebracht? Mit Anbieder-Fragen für eine gefällige Nähe zu den Vereinen gesorgt, als die Arbeit der Verantwortlichen kritisch zu hinterfragen?

Die Bundesliga-Saison 2022/2023 wird heute eröffnet. Es liegt an den Vereinen zu entscheiden, wieviel unabhängigen Journalismus sie zulassen. Oder ob sie fröhlich weiter am Ast der Medien sägen.

Wenn die Vereine unabhängigen Redaktionen aber Kontakte versperren und keine oder immer weniger direkten Kontakt für Interviews mit Sportlern und Vereinsführung einräumen, werde ich auf den schönsten Sport der Welt nach dieser Saison verzichten.

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2 Kommentare

  1. #1 | SvG sagt am 5. August 2022 um 18:37 Uhr

    @ Autor: „…,werde ich auf den schönsten Sport der Welt nach dieser Saison verzichten.“
    Solange sich genug Fans der privatwirtschaftlich-kapitalistisch agierenden „Vereine“ finden, die absurde Summen für „Fan-Artikel“, Eintrittskarten und TV-Abos zu zahlen bereit sind, werden die „Vereine“ das verschmerzen. Und solange es noch „Fußballromantiker“ gibt, die an Märchen wie „Traditionsvereine, Malochermentalität oder echte Liebe zum Verein“ glauben, wird es die geben. Früher Kirche, heute Fußball.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 5. August 2022 um 22:20 Uhr

    Wirklich verstehen kann ich die Aufregung um dieses Beispiel jetzt hier auch nicht. Auch die Vereine aus dem Ruhrgebiet produzieren schon seit Jahren regelmäßig ihren exklusiven Content mit den Spielern. Wer einmal versucht hat für ein Blog wie dieses hier ein Interview zu bekommen, der hat vermutlich auch mehrfach erlebt, wie schwer das ist. Schon lange. Das mag man kritisieren, aber das ist weder neu, noch ein Problem speziell der Eintracht. Ich persönlich versuche seit 2012 mit BVB-Spielern ein Interview für die Ruhrbarone zu bekommen. Ich kam bisher nur mit Neven Subotic direkt in Kontakt, der mir einst exklusiv Fragen zu seiner Stiftung beantwortet hat. Das war es dann aber auch….

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