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Gastronomie im Lockdown: “Bei Uschi” wird wieder ausgeschenkt

Mit neuen Konzepten durch den Lockdown: "Bei Uschi" in Mülheim; Foto: Peter Ansmann

Mit neuen Konzepten durch den Lockdown: “Bei Uschi” in Mülheim; Foto: Peter Ansmann

Deutschland, im April 2021: Die Gastronomie ist, pandemiebedingt, geschlossen. Nicht ganz. Bei Uschi ist seit wenigen Tagen wieder zeitweise geöffnet. Legal.

„Gemütliche und familiäre Atmosphäre“ umschreibt die Stimmung „Bei Uschi“, einer kleinen Traditionskneipe im Grenzgebiet Mülheim/Duisburg, ganz gut: Außerhalb von Seuchenzeiten, in denen Cholera, Spanische Grippe, Pest oder – aktuell – Corona besondere Hygienevorschriften vorschreiben, wird man hier per Handschlag begrüßt. Seit 30 Jahren gibt es den Laden. Seit fünf Jahren empfängt nicht mehr Uschi die Gäste, sondern Gastwirt Michael Völkel.

Überleben im Lockdown

Vorgestern Abend, kurz vor 20.00 Uhr, ist vor dem Ausschank wenig los: Einzelne Gäste stehen an, unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes und mit korrekt sitzenden Mund-Nasen-Schutz. Paare, die gemeinsam erschienen sind, verschwinden mit ihren Getränken in den naheliegenden Wald und genießen an diesem schönen Aprilabend ihr Bier oder andere Flüssignahrung auf Alkoholbasis. Bis 22.00 Uhr hat man Zeit, danach gilt hier, genau wie in anderen Städten, die Ausgangssperre.

Die meisten Anwesenden sind offensichtlich Stammgäste Bei Uschi.

In den letzten Monaten fiel die Kneipe besonders wegen der Aktivitäten auf Facebook auf: Es gab Solidaritätsveranstaltungen, mit guter Musik von lokalen Künstlern und Karaoke-Einlagen von Stammgästen. Und viele Grußworte.

Den Humor hat Michael Völkel auch in der Zeit des Lockdowns nicht verloren; Foto: Peter Ansmann

Den Humor hat Michael Völkel auch in der Zeit des Lockdowns nicht verloren; Foto: Peter Ansmann

Die Ruhrbarone waren vor Ort und haben sich mit Michael Völkel, dem Pächter und Wirt der Traditionskneipe, unterhalten.

Ruhrbarone: Herr Völkel, als Wirt und Betreiber der Kneipe “Bei Uschi” dürften Sie aktuell nicht besonders glücklich sein wegen des Lockdowns. Wie ist es, seit dem ersten Lockdown im letzten Jahr, bisher gelaufen?

Michael Völkel: Puh, das ist schwer in Worte zu fassen, es war eine Achterbahn der Emotionen. Die Existenzangst besteht definitiv noch bis heute und wird auch noch lange anhalten. Nach dem ersten Lockdown, wo man mit Auflagen wieder aufmachen durfte, dachte man, okay es ist besser als gar nix, natürlich nicht wie früher, aber es war so schön alle wiederzusehen und alle waren treu und haben mich mega unterstützt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich die Krise schaffen wir. Doch dann hieß Ende Oktober, dass der Novemberlockdown kommt, der bekanntlich bis heute andauert.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Und da war die Angst wieder da und noch größer. Auch wenn ich staatliche Hilfen bekommen haben, reichen die von vorne bis hinten nicht. Und Ich bin froh, dass ich nach einem Jahr endlich das To-Go-Geschäft betreiben darf. Ein Jahr habe ich für die Genehmigung gebraucht, was schon sehr traurig ist. Jetzt kann ich wenigstens etwas verdienen und vor allem meine Gäste wiedersehen, auch wenn es nur zur Getränkeübergabe ist. Das gibt mir einfach die Motivation durchzuhalten und weiter zu kämpfen, weil meine Gäste meine Motivation und Unterstützung sind.

Ruhrbarone: Das To-Go-Konzept haben wir ja gestern erlebt. Dazu später mehr. Was aufgefallen ist während des aktuellen Lockdowns, waren vor allem Ihre Online-Aktivitäten. Wie kommt man als Barkeeper auf die Idee, seine Tätigkeit online zu verlagern?

Michael Völkel: Ich wollte einfach weiterhin, in so einer negativen Zeit, Ablenkung und Unterhaltung bieten. Was ich auch Bei Uschi mache. Ich finde es wichtig, wie soll ich es sagen, das Beste aus der ganzen Scheiße zu machen. Habe dann mit meiner Band “Der Michi und der Sprenz” ein Livestream-Projekt gemacht und halt auch als Kneipe Livestream-Events gestartet.

Ruhrbarone: Was mich an den Shows überrascht hat: Die Professionalität der Videos und die Interaktion mit den Fans. Sie haben auch viele Kulturschaffende in Ihre Show eingebunden.

Michael Völkel: Was die Professionalität angeht,  sage ich Danke. Ich habe mir das als Laie im Lockdown erst angeeignet. Man lernt nie aus. Mein bester Freund, der Sprenz, hat mir bei der Organisation und Durchführung der Livestreams sehr geholfen und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Und zu den Kulturschaffenden: Man überlegt sich, was man machen kann und ich dachte mir, wir fragen einfach mal alle  Künstler und nehmen sozusagen alle mit ins Boot. Und jede Livestream-Show war für einfach immer ein sehr emotionaler Moment.

Michael Völkel ist Pächter der Traditionskneipe "Bei Uschi"; Foto: Peter Ansmann

Michael Völkel ist Pächter der Traditionskneipe “Bei Uschi”; Foto: Peter Ansmann

Ruhrbarone: Welche Online-Events gab es während des Lockdowns?

Michael Völkel: Der Michi und der Sprenz, das Weihnachtskonzert, ein Bingoabend, die ultimative Uschi-Musik-Show, die Michi & Sprenz-Oster- Show. Ich war auch zwischendurch mal so live, um allen einfach zu zeigen dass ich noch da bin.

Die größte Resonanz waren ca. 80 Zuschauer live bei der ultimativen Uschi Musik Show, was ich schon mega finde. Und wie viele das noch danach schauen, da es ja online bleibt, kann ich nicht sagen. Aber ich bin schon happy wenn ich drei Leute glücklich machen und unterhalten kann.

Ruhrbarone: Jetzt gibt es gute News. Gestern waren wir bei Euch auf ein Bier. Ihr habt auf – trotz des Lockdowns. Wie sieht Ihr Konzept aus?

Michael Völkel: Ja, wie gesagt, ein Jahr war ich am kämpfen damit ich auch mit meiner Kneipe das To-Go-Geschäft machen darf. Aber es hieß immer, als Schankwirtschaft darf man das nicht. Jetzt habe ich schriftlich die Genehmigung bekommen. Das Konzept erklärt sich von selbst, anhand der Auflagen vom Infektionsschutzgesetz. Das Getränk wird mit nach Hause genommen oder halt 50 Meter von der Location entfernt verzehrt. Somit kann man endlich ein bisschen was verdienen und alle mal wiedersehen, auch wenn es nur bei der Übergabe des Getränks ist. Das ist ein kleiner Lichtblick.

Ruhrbarone: Seit wann läuft der To-Go-Betrieb?

Michael Völkel: Am 16. April war der erste Tag, es werden wetterbedingte Öffnungszeiten und auch nur eine gewisse Zeitspanne, am Weekend von 15 Uhr bis 20:30 Uhr. Es ist natürlich kein Vergleich zu einem Event ohne Coronauflagen wie früher, aber ich bin einfach froh wieder im Laden sein zu können und Getränke to go anbieten zu dürfen.

Sicherheit geht vor Foto: Peter Ansmann

Sicherheit geht vor Foto: Peter Ansmann

Ruhrbarone: Sind Sie zufrieden mit der Resonanz?

Michael Völkel: Ich bin mit allem zufrieden, gerade weil alles ist besser als gar nicht tun zu können und machtlos zu sein. Jetzt habe ich einen kleinen Lichtblick und hoffe, dass bald alles überstanden ist und wir ohne Auflagen wieder zusammen Bei Uschi feiern können.

Ruhrbarone: Bis wir alle durchgeimpft sind, wird es ja leider noch etwas dauern. Viel Glück für Ihr Konzept – und bleiben Sie gesund.

Michael Völkel: Danke. Das wünsche ich euch auch. Auf diesem Wege möchte ich auch nochmals der ganzen Uschi-Familie für die Treue und große Unterstützung in dieser schweren Zeit danken.

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