Grüne wollen noch einmal über „Selbstbestimmungsgesetz“ diskutieren

Hier findet der nächste Parteitag der Grünen statt:
World Conference Center Foto: Wolkenkratzer Lizenz: CC BY-SA 3.0

Geht es nach der Ampel, kann bald jeder einmal im Jahr seine Geschlechtsidentität wechseln. Dafür sind dann nach der Verabschiedung des „Selbstbestimmungsgesetzes“ kein ärztliches Attest oder ein Beratungsgespräch vorgeschrieben. Grüne und FDP scheiterten mit einem solchen Gesetzesvorhaben in der vergangenen Legislaturperiode im Bundestag an den Stimmen von CDU und SPD. Jetzt ist die Mehrheit sicher. Nun wollen zahlreiche Mitglieder der Grünen über den Plan noch einmal diskutieren. In einem Antrag heißt es:

„Repräsentantinnen und Repräsentanten von Bündnis 90/Die Grünen bereiten ein
‚Selbstbestimmungsgesetz‘ vor. Bislang wurde lediglich ein Eckpunktepapier vorgestellt
(https://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/News/Artikel/220630_Eckpunkte_SelbstbestimmungsG-
.pdf?__blob=publicationFile&v=2
 ), so dass die Einzelheiten des neuen Gesetzes noch nicht
bekannt sind. Viele Fragen ergeben sich für uns daraus, die es unbedingt zu beantworten
gilt. Die dem Eckpunktepapier beigefügte Liste des bmfsfj mit Fragen und Antworten
beantwortet weder die dort gestellten Fragen zufriedenstellend noch beinhaltet sie weitere
relevante Fragen. Wir befürchten, dass die Veröffentlichung des konkreten Gesetzentwurfs
erst kurz vor der Verabschiedung geplant ist, so dass es dann für eine breite Debatte zu
spät ist.

Wir sind heute der Meinung:

• Ja, es gibt Handlungsbedarf. Das bestehende TSG entspricht nicht mehr den
gesellschaftlichen Werten und bedarf einer Anpassung, die transsexuellen Menschen
Erleichterung einräumt und mehr Akzeptanz in der Gesellschaft verschafft

• Die geplante Veränderung, Recht auf Selbstdeklaration des Geschlechtes in der im
Eckpunktepapier beschriebenen Form, ist so fundamental, dass sie Auswirkungen auf andere,
nicht transsexuelle Erwachsene und insbesondere auf Kinder und Jugendliche hat, und deshalb
nicht ohne eine breite gesellschaftliche Zustimmung umgesetzt werden sollte.

• Wir möchten daran erinnern, dass große Reformen (wie zum Beispiel die Abschaffung des
Verbots von Homosexualität, die ‚Ehe für Alle‘, das Abtreibungsrecht, das Sterberecht usw.)
in Deutschland in den meisten Fällen mit breiten überparteilichen Mehrheiten durchgesetzt
worden sind. Diese Akzeptanz braucht auch das geplante Selbstbestimmungsgesetz. Weshalb wir
für eine neue Regelung der Rechte von transsexuellen Menschen eine breite Mehrheit,
bestenfalls unter Einbeziehung von Abgeordneten aller Parteien, anstreben.

• Dies erfordert, dass Fragen gestellt und beantwortet werden, Argumente ausgetauscht werden
können, Bedenken und Ängste aller Menschen ernst genommen und respektiert werden. Eine
breite gesellschaftliche Debatte sollte deshalb zuvor ermöglicht werden. Es ist nicht
hinnehmbar, dass Menschen, die Einwände gegen das geplante Selbstbestimmungsgesetzt
vorbringen, öffentlich diffamiert, bedroht und mundtot gemacht werden. Weder parteiintern
noch in der öffentlichen Debatte.

• Gute Argumente müssen gehört werden, damit für wirklich alle Seiten das Beste entstehen
kann. Folgen und Spätfolgen müssen bedacht werden, damit in der breiten Bevölkerung nicht
nur die Akzeptanz für transsexuelle Menschen wächst sondern bestenfalls auch die
Unterstützung derer.

Deshalb beantragen wir:

• eine innerparteiliche Debatte zu diesem Gesetz, die auch in aller Breite und Offenheit
möglich gemacht werden muss.

• Diffamierungen sind zu unterlassen.

•Eine breit angelegte Rechtsfolgenabschätzung für die geplanten Regelungen , sowie
belastbare quantitative Studien und aktuelle wissenschaftliche Leitlinien müssen das Bild
abrunden und gehören zur Meinungsbildung dazu. Deshalb müssen diese im Gesetz Niederschlag
finden.

• Alternativen bzw. Änderungen zu dem geplanten Gesetz (die dieselbe Intention verfolgen,
aber andere gesetzliche Bestimmungen vorschlagen) müssen ergebnisoffen diskutiert werden
können.“

Genug Unterstützer um auf dem Parteitag der Grünen im Oktober in Bonn diskutiert zu werden hat der Antrag. Nun müssen nun „nur noch die Antragsteller*in die Einreichung bestätigen, die den Antrag in Antragsgrün angelegt hat.“ Eine Formalie. Die Diskussion verspricht spannend zu werden.

Dir gefällt vielleicht auch:

19 Kommentare

  1. #1 | Felix Krupp Materna sagt am 23. August 2022 um 14:01 Uhr

    Uns geht das Gas aus, viele Leute können ihre Rechnung nicht bezahlen und das sind die Themen, mit denen sich linksgrün beschäftigt.

  2. #2 | Roland Mitschke sagt am 23. August 2022 um 14:11 Uhr

    Diese Initiative wird sicher die Umfragewerte der Grünen nach oben treiben. Warum sprechen Habeck und Baerbrock eigentlich bei ihren medienwirksamen Auftritten nicht darüber? Passt wohl nicht zum bürgerlichen Deckmantel!

  3. #3 | Arnold Voss sagt am 23. August 2022 um 14:27 Uhr

    Vielleicht sollten die Grünen mal eine Nobelpreisträgerin zum Thema einladen.

    https://www.emma.de/artikel/viele-geschlechter-das-ist-unfug-339689

  4. #4 | Jürgen sagt am 23. August 2022 um 15:36 Uhr

    Da haben wohl ein paar Grüne mitbekommen, dass der Partei dieses Vorhaben um die Ohren fliegen kann. Interessant der Hinweis: Diffamierungen sind zu unterlassen. Das ist wohl eher Wunschdenken. Der Shitstormgenerator wird schon fleißig gewartet.

    Ich finde es gut, dass man da noch mal in die Diskussioneinsteigen will.

    #1 | Felix Krupp Materna
    Nicht jedes Bundestagsmitglied der Partei Bündnis90/Die Grünen beschäftigt sich mit Energiefragen. Da hat dann jeder sein eigenes Steckenpferd, über das er seine Daseinsberechtigung nachweisen kann, will und muss. Und, der Bundestag allgemein muss ja auch ständig neue Gesetze erlassen und alte Gesetze neu diskutieren, denn wir wissen ja alle: Stillstand bedeuted Rückschritt, vorwärts immer, rückwärts nimmer.

  5. #5 | paule t. sagt am 23. August 2022 um 21:38 Uhr

    Zitat aus dem Artikel:
    „Diffamierungen sind zu unterlassen.“

    Immerhin – Humor haben sie, die Antragsteller:innen. Ist es doch eines ihrer wiederkehrenden Stilmittel, fast grundsätzlich jede:n, der/die ihre Positionen kritisiert, als „frauenfeindlich“ zu diffamieren (man google zB den Namen der Antragstellerin zusammen mit der in der antitransaktivistischen Szene höchst aktiven E. Engelken und schaue sich ein paar der zum Vorschein kommenden Texte an).

    Zur Überschrift: Der Beginn „Grüne wollen …“ ist, ich formuliere mal vorsichtig, missverständlich. Von den meisten Leser:innen dürfte das zunächst als eine Verkürzung von „Die Grünen“ verstanden, also als Bezeichnung der Partei als solcher (in Überschriften ist es ja ziemlich üblich, den bestimmten Artikel wegzulassen, auch wenn er in ganzen Sätzen inhaltlich notwendig wäre). Tatsächlich bedeutet es hier ja aber „ein paar Dutzend Mitglieder der Grünen“, die es entweder nicht geschafft oder gar nicht erst versucht haben, irgendeinen Kreisverband, ein Gremium oder eine Arbeitsgemeinschaft der Partei von ihrem ANliegen zu überzeugen.

    ————————————-

    @ #3 | Arnold Voss, Zitat:
    „Vielleicht sollten die Grünen mal eine Nobelpreisträgerin zum Thema einladen.“

    Ich weiß nicht, ob eine Nobelpreisträgerin, die anscheinend nicht verstanden hat, dass es nicht um Keimzellen, sondern um Personen geht, und deren Verständnis von trans gerade mal bis „Ich wäre als Teenagerin auch gerne ein Junge gewesen, weil die mehr durften“ reicht, viel beizutragen hat. Ihr Nobelpreis war halt nicht zu diesem Thema, und das merkt man.

  6. #6 | SvG sagt am 23. August 2022 um 22:15 Uhr

    @1; Felix Krupp Materna: „Uns geht das Gas aus, viele Leute können ihre Rechnung nicht bezahlen und das sind die Themen, mit denen sich linksgrün beschäftigt.“ Na und? Ich bin weder links noch grün, dennoch bin ich willens und in der Lage, mich damit zu beschäftigen. Das ist auch gut so: Gerade in Krisenzeiten sollten wir nicht den Apologeten des Weltuntergangs folgen, sondern auch die Tagesgeschäfte wie immer erledigen.
    Denn wenn irgendwann wieder Ruhe eingekehrt sein wird, wird die Zeit, in der wir uns nicht mit diesem oder anderen Themen beschäftigt haben, für die mittel- und unmittelbar Betroffenen eine verlorene sein.

  7. #7 | Alexandra Möckl sagt am 24. August 2022 um 11:42 Uhr

    Ich finde eure Initiative zur breiten gesellschaftlichen Debatte über das Selbstbestimmungsgesetz sehr gut und wichtig, danke!

    Die meisten, so auch ihr, machen den Fehler dabei zu glauben, es würde um Transsexuelle gehen, dabei betrifft es vor allem „Transgender“. Transsexualität, „im falschen Körper sein“, ist sehr selten und löst einen großen Leidensdruck aus, so dass extreme Schritte wie enorme Hormongaben und Amputation gesunder Körperteil für die Betroffenen die bessere Lösung sind. Und da besteht sicherlich ein leicht desinteressierter Konsens, dass man diesen paar Leuten das Leben nicht noch schwieriger machen will.
    In deren Windschatten segelt nun noch eine größerer Gruppe mit, die irgendwie ein „Geschlechtsgefühl“ haben, viele sind Autogynophile, also Männer, die sexuelle Erregung erleben bei der Vorstellung eine Frau zu sein. Dies sind heterosexuelle Männer, die außer vielleicht Brüsten, engen Kleidern und High Heels nichts verändern wollen und voll funktionsfähig bleiben, selbsterklärte Lesben mit Penis. Dazu kommen noch andere Fetische.
    Wenn man nun die Bevölkerung fragt, ob man es ok findet, das diese Menschen ab jetzt durch reinen Sprechakt auf dem Rathaus sogar jährlich ihr Geschlecht ändern können, dann z.B. als Frau behandelt werden müssen mit Zugang zu öffentlichen Duschen, Saunen, Umkleiden, Gefängnissen, Frauensport, Frauenquotenplätzen, Frauenhäusern… und wenn jemand dem dann widerspricht auf der Basis des biologische Geschlechts, dann drohen 2.500€ Strafe für „Misgendering“ – dann würde die Mehrheit den nicht zustimmen. Vor allem wenn dazu kommt, wie sehr Kinder und Jugendliche bei der Umsetzung einer solchen Ideologie sind, wie der Skandal um die inzwischen geschlossene Tavistock-Klinik in UK zeigt.

    Und das was ich geschrieben habe, ist nicht graue Theorie sondern traurige Realität in den Ländern, die die Transideologie schon länger gesetzlich und gesellschaftlich implementiert haben. Von denen beginnen einige wegen schlechter Erfahrungen inzwischen deutlich zurückzurudern.

    Es ist unnötig, die Fehler anderer Länder zu wiederholen.
    Deshalb: Tarnkappenmodus weg und alles auf den Tisch.

  8. #8 | CS sagt am 24. August 2022 um 12:33 Uhr

    Ich hoffe sehr, dass bei den Grünen langsam ankommt, welche Folgen das Selbstbestimmungsgesetz haben wird. Wie sollen Männer mit Paraphilien aller Art daran gehindert werden, sich in Umkleideräumen, Frauentoiletten oder auch Frauenzentren Zutritt zu verschaffen, wenn sie sich selbst zur Frau erklären können? Wie soll in Zukunft Missbrauch verhindert werden? Wie soll Frauenförderung für biologische Frauen funktionieren, wenn sich ein Mann zur Frau erklären und sich auf die Frauenlisten setzen lassen kann? (Beispiele gibt es) Wie schützen wir Leistungssportlerinnen vor dem Vergleich mit trans* Frauen, die aufgrund ihrer Biologie im Wettbewerb Vorteile haben? Es gibt nicht nur die nette trans* Frau, sondern auch eine ganze Menge biologische Männer mit anderen Interessen, die unter dieser Flagge segeln. Ich hoffe, Vernunft kehrt ein. Es sind immer noch mehrheitlich Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft Opfer von sexualisierter Gewalt und Diskriminierung. Die teilweise sehr unsolidarischen und frauenfeindlichen Kampagnen einiger trans* Akteurinnen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es berechtigte Bedenken von Feministinnen gibt.

  9. #9 | paule t. sagt am 24. August 2022 um 21:04 Uhr

    Ein paar Anmerkungen zu dem ganzen „Es wird alles ganz furchtbar“-Gerede der Antitrans-Aktivist:innen, nur beispielhaft an #15:

    Zitat: „Wie soll Frauenförderung für biologische Frauen funktionieren, wenn sich ein Mann zur Frau erklären und sich auf die Frauenlisten setzen lassen kann?“

    1. Ich kenne nur ein einziges Beispiel. Und da hat sich nicht ein Mann zur Frau erklärt, um illegitimerweise einen Frauenplatz zu bekommen, der sonst aber in keiner Weise als Frau auftritt. Es hat vielmehr ein Antitrans-Aktivist eine Komödie aufgeführt, um zu zeigen, dass angeblich Männer einen Frauenplatz auf diese Weise bekommen können. Passiert ist dann aber, dass man die Kandidatur zwar satzungsgemäß akzeptiert hat, ihn anscheinend aber kaum eine:r ernst genommen hat und seine Kandidatur mit einer sehr geringen Zahl von Stimmen abgeschmettert wurde.
    Es ist also eigentlich ein Beispiel dafür, dass sich eine Partei mit Frauenförderung auch bei einer Selbstidentifikations-Regel wunderbar gegen so einen Quatsch wehren kann. Trotzdem wird dieses eine, scheinbare Beispiel von Antitrans-Aktivist:innen von einem Text in den anderen gereicht, um das Gegenteil zu „belegen“.
    2. Frauenförderung _soll_ ja nicht _nur_ für „biologische Frauen“ (im üblichen Wortgebrauch der Diskussion: Cis-Frauen) funktionieren, sondern ganz bewusst auch für Trans-Frauen. Das ist kein Fehler, sondern gewollt. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass Trans-Frauen genauso sehr diskriminiert werden wie Cis-Frauen, je nach Kontext noch mehr.

    Zitat: „Wie sollen Männer mit Paraphilien aller Art daran gehindert werden, sich in Umkleideräumen, Frauentoiletten oder auch Frauenzentren Zutritt zu verschaffen, wenn sie sich selbst zur Frau erklären können?“

    Wie werden sie denn jetzt daran gehindert? Indem Frauen, die sich belästigt fühlen, sie rausschmeißen. Es wird ja auch jetzt weder eine Personalausweis- noch eine Unterhosenkontrolle vorgenommen.
    Unter der Maßgabe, dass Trans-Frauen nicht rausgeschmissen werden sollen: Wie kann man also die Selbstidentifikation missbrauchende Männer erkennen und rausschmeißen?
    Zwei Szenarien: Die entsprechenden Räume sind tatsächlich 100%ig öffentlich. Dann sind die wirklich intimen Bereiche ja aber i.d.R. sowieso als Einzelkabinen abgetrennt. Und aus den anderen Bereichen schmeißt man die Kerle eben raus, wenn sie sich belästigend verhalten.
    Oder die Räume sind nicht wirklich öffentlich, sondern es kann, wenn es persönlich nicht passt, der Zutritt verwehrt werden (Gemeinschafts-Umkleideräume in Sportvereinen, Frauenzentren, Frauenhäuser etc.pp.). Dann kann man Leute, die einem komisch vorkommen, ja erst recht rausschmeißen.
    Das mag nicht alle Fälle ganz unproblematisch lösen, aber die klar missbräuchlichen schon, wenn man denn will. Die wenigen Fälle, die vielleicht übrigbleiben könnten und mehr Mühe machen, sind für mich kein Grund, Transpersonen unnötig schwierigen und entwürdigenden Prozeduren zu unterwerfen.

    Zitat: „Die teilweise sehr unsolidarischen und frauenfeindlichen Kampagnen einiger trans* Akteurinnen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es berechtigte Bedenken von Feministinnen gibt.“

    Klassischer Move – wer in dieser Debatte nicht der gleichen Meinung ist, wird direkt als „frauenfeindlich“ diffamiert, ohne dass man sich Mühe gibt, das näher zu belegen. Ich hatte auf diesen Debattentrick ja schon in #5 hingewiesen – insofern danke für die Bestätigung.

  10. #10 | Thomas Baader sagt am 24. August 2022 um 22:49 Uhr

    @ paule t.: „Passiert ist dann aber, dass man die Kandidatur zwar satzungsgemäß akzeptiert hat, ihn anscheinend aber kaum eine:r ernst genommen hat und seine Kandidatur mit einer sehr geringen Zahl von Stimmen abgeschmettert wurde.“
    Das war aber dann ein Fehler. Denn es steht Ihnen oder irgendjemand anderen ja gar nicht zu, die Selbstdefinition dieses Mannes zu hinterfragen. Sie können nicht in Köpfe gucken, können doch also gar nicht wissen, ob der Genannte das aus Berechnung tut (mit einem andern Ziel), oder ob er sich wirklich so identifiziert. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Wie kann man den Genannten denn nicht ernst nehmen (wie Sie sagen), er hat sich doch als trans definiert, und das ist doch laut Grünen das einzige Kriterium. Sehen Sie da den inneren Widerspruch nicht?

  11. #11 | paule t. sagt am 25. August 2022 um 16:41 Uhr

    @ #10: Natürlich steht das den Wähler:innen zu. Sie können das Gesamtverhalten des Kandidaten/der Kandidatin beurteilen und diese Beurteilung in ihre Wahlentscheidung einfließen lassen. Wie die Wähler:innen ja auch insgesamt, auch anhand aller möglichen anderen Einzelfragen, immer entscheiden können und müssen, ob jemand seine Kandidatur wohl ernst meint oder aus irgendwelchen Gründen die Partei trollen möchte.

    Ich verstehe übrigens ihr Problem nicht. Der Einwand gegen das Prinzip der Selbstidentifikation war, dass es dann keine Möglichkeit gebe, Kandidaturen von Cis-Männern, die sich fälschlich als Trans-Frauen ausgeben, zu verhindern. Daraufhin zeige ich eine solche Möglichkeit auf, die zielgenauer konkrete Fälle des Missbrauchs der Regel verhindert. Und jetzt sagen Sie mir: „Ätschibätschi, das darfst du aber auch nicht?“ Während Sie selbst eine viel weitgehendere und ungenauere Methode des Ausschlusses präferieren? Was ist _das_ denn für eine Logik?

  12. #12 | Marie Frühwirt sagt am 26. August 2022 um 15:58 Uhr

    Antwort auf #9 Paule t.

    Ihr Kommentar zu 1. :“Ich kenne nur ein einziges Beispiel. Und da hat sich nicht ein Mann zur Frau erklärt, um illegitimerweise einen Frauenplatz zu bekommen, der sonst aber in keiner Weise als Frau auftritt. Es hat vielmehr ein Antitrans-Aktivist eine Komödie aufgeführt, um zu zeigen, dass angeblich Männer einen Frauenplatz auf diese Weise bekommen können.“

    Antwort zu 1.:Sie ignorieren also bewußt Herrn Markus Ganserer, der über einen Frauenlistenplatz als als Frau verkleidete „Tessa“ ins Parlament gekommen ist.. Nachzulesen: https://geschlecht-zaehlt.de/wahl-2021-frauen-erheben-einspruch/

    Ihr Kommentar zu ihrem Zitat: „Wie sollen Männer mit Paraphilien aller Art daran gehindert werden, sich in Umkleideräumen, Frauentoiletten oder auch Frauenzentren Zutritt zu verschaffen, wenn sie sich selbst zur Frau erklären können?“
    Ihre Antwort darauf: „Wie werden sie denn jetzt daran gehindert? Indem Frauen, die sich belästigt fühlen, sie rausschmeißen. Es wird ja auch jetzt weder eine Personalausweis- noch eine Unterhosenkontrolle vorgenommen. “

    Antwort darauf: Genau! Rausschmeißen! Nur die Männer, die behaupten Frauen zu sein, und in Frauen-Umkleiden etc. eindringen, dürften ja qua geplantem Offenbarugsverbot nicht einmal mehr straflos als Männer benannt werden . Sie von den Orten zu entfernen, die aus gutem Grund für Männer tabu sind, wäre also strafbar..Das ist der Unterschied!!!

  13. #13 | paule t. sagt am 26. August 2022 um 17:44 Uhr

    #12 | Marie Frühwirt „Sie ignorieren also bewußt Herrn Markus Ganserer, der über einen Frauenlistenplatz als als Frau verkleidete „Tessa“ ins Parlament gekommen ist.“

    Nein, ich ignoriere Tessa Ganserer nicht. Tessa Ganserer hat sich nicht als Frau „verkleidet“, um auf einem Frauenplatz ins Parlament gewählt werden zu können; das ist einfach eine bösartige Verleumdung. Tessa Ganserer ist – damals noch als Mann – schon lange vorher in den bayerischen Landtag gewählt worden, hat dort gearbeitet und das Coming-Out als Transfrau gehabt, und ist dann später als Frau auf einen Frauenplatz gewählt worden, und lebt seitdem durchgehend und konsistent als Frau. Das ist kein _Miss_brauch der Selbstidentifikationsregel, sondern der genau so gewollte _Ge_brauch. Der Gedanke, dass jemand in dieser Weise sein komplettes Leben umstellen könnte, um sich eine Parlamentskandidatur zu ergaunern, während sie schon längst immerhin ein Landtagsmandat hat, ist einfach lächerlich.

    Das Märchen der Transfeinde geht ja so, dass angeblich Cis-Männer die Selbstidentifikationsregel missbrauchen würden. Dafür gibt es keine mir bekannten, realen (und nicht getrollten) Beispiele. Was es natürlich gibt, sind Transfrauen, die sich als Frauen identifizieren, als Frauen leben und dann auch völlig regulär als Frauen kandidieren.

    Und es gibt Transfeinde wie Sie, die die Identität von Transpersonen bewusst nicht anerkennen, das Trans-Sein vielmehr als „Verkleidung“ herabwürdigen und Transpersonen bewusst durch Misgendering und Deadnaming beleidigen, wie Sie es gerade getan haben. Zur Ahndung dieser Beleidigungen wird es im neuen Gesetz Bußgelder geben. Ich freue mich darauf.

  14. #14 | Anna sagt am 26. August 2022 um 18:26 Uhr

    Es ist doch so dass nach neuer ICD Fassung gar keine Pathologie mehr vorliegt wenn man sich einem anderen als das eigene biologische Geschlecht zuordnet.
    Auch nach Gesetz macht sich ein Mann erst durch Exhibitionismus strafbar. Wenn es um Strafrat des Exhibitionismus geht, man passe die Klausel an in „Personen die ihre Sexualorgane vorzeigen“.

  15. #15 | Thomas Baader sagt am 26. August 2022 um 18:45 Uhr

    @ #11: „Ich verstehe übrigens ihr Problem nicht. “ Ja, das ist der Punkt. An wem von uns beiden liegt es?

    Ich versuche es nochmal:
    – Grüne: „Es soll bei uns gelten: Frau ist, wer sich als Frau definiert. Nichts anderes.“
    – Kandidat: „Ich definiere mich als Frau.“
    – Sie (und Teile der Grünen): „Zum Glück nahm den keiner Ernst, seine Kandidatur wurde durch die gerine Anzahl der Stimmen abgeschmettert.“

    Finden Sie den Fehler?

  16. #16 | paule t. sagt am 26. August 2022 um 21:13 Uhr

    #15 | Thomas Baader, Zitat: „Finden Sie den Fehler?“

    Ja. Der Fehler ist, dass Sie nicht erkennen, dass es sich um zwei verschiedene, gut unterscheidbare Szenarien handelt.

    Nr. 1:
    – Grüne: „Es soll bei uns gelten: Frau ist, wer sich als Frau definiert. Nichts anderes.“
    – Kandidat:in A (lebt konsistent als Frau, hatte ein Coming Out als trans): „Ich definiere mich als Frau.“
    – Ich (und Teile der Grünen): „OK, du darfst kandidieren. Viel Glück.“

    Nr. 2:
    – Grüne: „Es soll bei uns gelten: Frau ist, wer sich als Frau definiert. Nichts anderes.“
    – Kandidat:in B (lebt konsistent als Mann, niemand hat bisher je davon gehört, dass diese Person trans wäre): „Ich definiere mich als Frau.“
    – Ich (und Teile der Grünen): „„OK, du darfst kandidieren. – [später:] Zum Glück nahm den keiner Ernst, seine Kandidatur wurde durch die geringe Anzahl der Stimmen abgeschmettert.“

    Der Satz aus dem Frauenstatut ist erst einmal einfach eine Satzungsregel, die ganz formal gilt. Dass das Frauenstatut dadurch etwas schwammig wird, wird bewusst hingenommen, um trans Personen zu inkludieren, und es wird dabei auf die Partei vertraut, evtl. auftretende Probleme im lkonkreten Einzelfall zu lösen. Und ja, damit darf sich zunächst mal jede:r als Frau definieren und entsprechend kandidieren. Er hindert aber niemanden daran, die ernsthafte Kandidatin A und den Troll B dadurch zu unterscheiden, was man konkret über diese Personen und ihr Leben weiß, und entspredchend abzustimmen.

    Aber ich habe eine andere Geschichte:

    Transfeinde: „Selbstidentifikation ist ganz furchtbarschrecklichschlimm, Frauenförderung wird unmöglich, man kann es nicht verhindern, dass Männer auf Frauenplätze gewählt werden!“
    Ich: „Äh, doch, das kann man verhindern. Man kann sie einfach nicht wählen. Ist praktisch erprobt.“
    Sie: „Das gildet nicht!“

  17. #17 | Thomas Baader sagt am 28. August 2022 um 16:44 Uhr

    @ #16 Sie arbeiten mit einem Scheinargument.

    Sie erfinden gerade ein Kriterium dazu. Das Kriterium lautet: „lebt konsistent als Frau, hatte ein Coming Out als trans“

    Dieses Kriterium taucht aber in der Argumentation der Grünen gar nicht auf. Damit sind all Ihre weiterführenden Ausführungen hinfällig und führen zu keinem Ziel. Die Grünen nennen Selbstidentifizierung als einziges Kriterium.

    Ich mache ein Beispiel, damit Sie es besser verstehen. In den USA haben die Demokraten und Gleichgesinnte gesagt (im Zuge der Me Too-Debate): „Glaubt allen Frauen.“

    Dann tauchte im Wahlkampf eine Frau auf, die behauptet, Joe Biden habe sie sexuell belästigt. Die Demokraten haben das zurückgewiesen und gesagt, dies sei eine Lüge des Trump-Lagers.

    Die Demokraten könnten Recht damit haben, aber in jedem Fall haben sie damit ihr eigenes Prinzip „Glaubt allen Frauen“ als falsch herausgestellt.

    Ist das wirklich so schwer zu verstehen? Genau dasselbe passiert im Hinblick auf Trans-Identität bei Ihnen gerade.

  18. #18 | paule t. sagt am 28. August 2022 um 20:42 Uhr

    Was ist eigentlich daran so schwer zu verstehen, dass es für diese angebliche, große Gefahr der Regelung kein einziges Beispiel gibt außer einem klar erkennbaren und darum gescheiterten Troll?

  19. #19 | Thomas Baader sagt am 29. August 2022 um 08:23 Uhr

    @ #18 Sie sind jetzt in der Phase, dass Ihnen die Argumente ausgehen. Statt mein Argument zu widerlegen, ignorieren Sie es. Sie wiederholen lediglich einen Satz, der bereits entkräftet wurde.

    Ich hätte Ihnen da mehr zugetraut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung