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Hat der FC Bayern München inzwischen jegliches Augenmaß für die Realitäten verloren?

Am Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

Man muss sich wirklich wundern, wie scheinbar selbstgerecht und offenbar arg verblendet von den eigenen sportlichen Erfolgen führende Köpfe des FC Bayern München in diesen Tagen wiederholt öffentlich auftreten.

Da regt sich beim deutschen Rekordmeister zunächst von vielen als unangebracht empfundener Protest gegen das allgemein gültige Nachtflugverbot in Berlin, welches der Mannschaft ein paar Stunden Warterei am Flughafen BER einbrachte. Dann redet Karl-Heinz Rummenigge völlig instinktlos öffentlich von einer Bevorzugung seiner Mannschaft in Sachen Impfreihenfolge, und nun legt sich auch noch Cheftrainer Hansi Flick auf ziemlich unsachliche Art und Weise und in einem überraschend respektlosen Ton mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach an. Was bitteschön ist denn da los?

Es kommt schon überraschend, dass Hansi Flick in seiner Rolle als Trainer der Bayern kurz vor dem Bundesligaspiel seiner Mannschaft gegen Arminia Bielefeld die Rolle des scharfen Kritikers im medizinischen Bereich einnimmt und sich mit einem Vertreter der anerkanntesten Gesundheitsexperten im politischen sektor einlässt.

Üblich ist es wahrlich nicht, dass ein Fußballehrer sich so wortgewaltig auf das politische Glatteis begibt. Und es ist auch im Falle von Flick, ebenso wie in den Fällen rund um die Sonderrechte für Nachtflüge und in der Impfreihenfolge, abermals gründlich zu Ungunsten des großen FC Bayern ausgegangen.

„Ich finde sowieso in der Diskussion mit Corona, so langsam kann man die sogenannten Experten gar nicht mehr hören. Auch Herrn Lauterbach: Er hat immer zu irgendwas etwas zu sagen, immer ein Thema, wo er sich wieder meldet“, hatte Flick auf der Pressekonferenz zur Partie gegen die Ostwestfalen gesagt. Und er ergänzte: „Ich finde die sogenannten Experten, die Politik, die sollen sich zusammensetzen, und wirklich mal eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann mal wieder Licht im Tunnel sieht. Das ist aktuell zu wenig, finde ich.“

Die Reaktion auf solch harsche Aussagen des Coaches war ein regelrechter Shitstorm in den sozialen Medien gegen Flick und die aus Sicht vieler Mitbürger aktuell extrem privilegierten Profikicker. Der Dritte (!!!) innerhalb weniger Tage. Alle ausgelöst vom FC Bayern München.

Und Flick legte weiter nach: „Der Herr Lauterbach hat immer zu irgendwas einen Kommentar abzugeben und oftmals ist es immer dann, wenn ich nicht in der Verantwortung stehe, und mir dann das Ergebnis angucke, dann kann ich das immer leicht bewerten.“

Erstaunlich, dass jemand dessen Aufgabe es ist eine Sportmannschaft zu trainieren, sie auf diese Bühne begibt.

Natürlich kann man sich zu vielen Aussagen von Lauterbach kritisch austauschen, Dinge anders sehen usw.. Der SPD-Politiker gehört bekanntlich zu den größten Mahnern in Sachen Corona in diesem Lande.

Vielfach hat er sich im Laufe der vergangenen Monate auch schon geirrt. Das hat er selber eingeräumt. So hätte es, wenn es nach Lauterbach gegangen wäre, im vergangenen Frühjahr wohl keine Fortsetzung der Bundesligasaison nach der Spielunterbrechung im März/April mehr gegeben. Lauterbach hielt das Ganze damals für zu gefährlich und unrealistisch.

Es kam anders. Die DFL hat ein Hygienekonzept ausgearbeitet das hielt. Die Spielzeit 20129/20 konnte ein sportliches Ende finden, wenn auch ohne Fans in den Stadien.

Mag sein, dass Flick dies noch mit im Hinterkopf hatte, als der Frust über den seiner Meinung nach leicht daherredenden Karl Lauterbach nun vor dem Spiel gegen Bielefeld aus ihm herausbrach. Verständlicher wird seine persönlich werdende und ziemlich inhaltsleere Äußerung dadurch nicht.

Flick verstärkte lediglich den Imageschaden, den sich die Bayern in den vergangenen Tagen ohnehin schon durch ihre Reise zur umstrittenen Klub-WM und ihre Gedankenspiele zu einer möglichen Bevorzugung der Fußballprofis in Sachen Corona-Impfung selber zugefügt hatten.

Man sollte doch eigentlich meinen, dass einer der größten und erfolgreichsten Vereine der Welt auf allen Ebenen von echten Profis geführt wird…. Auch und gerade in Bezug auf seine Öffentlichkeitarbeit. Offensichtlich ist dem aber nicht so….

Die peinliche und geradezu historische Pressekonferenz vom Oktober 2018 war also, wie wir inzwischen sehen mussten, längst kein einmaliger Ausrutscher.

Wirklich bemerkenswert!

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10 Kommentare zu “Hat der FC Bayern München inzwischen jegliches Augenmaß für die Realitäten verloren?

  • #1
    Klaus

    hoffentlich kriegen die Bayern heute Abend einen drauf…selbst ein Unentschieden tät mir gut…nachdem ganzen Theater…Welche Anmaßung …meiner Meinung nach…
    Erst wollen sie sich wegen angeblicher Vorbildfunktion die Impfungen erschleichen…2 Tage später treten sie mit der Rückkehr von Müller jede Vorbildfunktion mit Füßen…Mit Coronainfektion darf man halt z.zt.nicht einreisen…aber bei Bayern gibt’s ja immer ne Extrawurst…und dann noch die etwas unverschämten Äusserungen vom Flick…so das musste mal raus…😊😊😊

  • #2
    Holgaaaa

    Anerkannter Gesundheitsexperte? Der Lauterbach? Der labert doch nur Mist. Wenn es nach dem ginge läge die deutsche Wirtschaft komplett in Schutt und Asche. Der will die komplette Wirtschaft inklusive Industrieunternehmen wegen Corona dicht machen. Der ist noch schlimmer als der Tierarzt an der Spitze des RKI. Aber mal abgesehen davon zeugen die Aussagen der Bayernvetreter von Arroganz. Aber das ist ja nix neues und wird sich auch nicht mehr ändern. Die fahren ja scheinbar schon seit Jahrzehnten ganz gut damit.

  • #3
    Werntreu Golmeran

    Die leben in einer anderen Welt. Also sollten wir uns fragen, wer ihnen das erlaubt hat.

    Wenn ich mich richtig erinnere, sitzt der ehemalige Ministerpräsident Stoiber im AR der Bayern. Angie "liebt" aus taktischen Gründen ja auch die überbezahlten Männer in kurzen Hosen und weil Fussballspielen in Deutschland wichtiger ist, als eine ordentliche Gesundheitsversorgung, ein vernünftiges Impfkonzept oder eine Epidemieprävention, die eine ausreichende Bevorratung von Masken vorsieht, gibt es in jeder der 16 Landes-Corona-Schutz-Verordnungen eine Ausnahmeregelung für "Spitzensportler".

    Aber was soll man auch anderes erwarten? Man möge sich bitte immer daran erinnern, dass es Herrn Laschet im vergangenen Frühjahr, als die Gefahr von der WHO bereits klar benannt war, vor allem wichtig war, dass er den Aachener-Jecken-Orden "Wider den tierischen Ernst" in Empfang nehmen konnte, und dass er als der erste Hotspot Gangelt heiss lief, in unmittelbarer Nachbarschaft, die Bundesliga Partie Gladbach gegen den BVB hat stattfinden lassen.

    Dass dee Mann noch MP von NRW ist und demnächst auch noch Kanzlerkandidat werden will, sagt viel über seine mangelnde Selbstkritik und noch mehr über die geistig-moralische Situation unseres Landes aus.

    Diese kann man nach der letzten Kanzlerrunde vielleicht auch wie folgt zusammenfassen:

    "Wenn wir den Virus eh nicht in den Griff bekommen, dann aber bitte mit ordentlich frisierten Haaren!"

  • #4
    Hollis Brown

    Ja, 15 Punkte Rückstand nach nur 21 Spieltagen können schon echt weh tun. Vielleicht klappt es ja noch mit dem Platz in der "Europe League"…

  • #5
    Robert Müser

    „Hat der FC Bayern München inzwischen jegliches Augenmaß für die Realitäten verloren?“

    Die Antwort lautet: Ja!

  • #6
    Walter Stach

    Robet Müser,
    zu den Realitäten gehört allerdings auch, daß der FCB sich darauf verlassen kann, medial für Alles was er will, für Alles was er verlauten läßt, Zustimmung/Beifall findet. Ärgerlich,, bedenklich, befremdlich jedenfalls für die Nicht-FCB-Fans, , aber Realität, die der "Mir san mir " Einstellung des FCB jeden Tag neue Nahrung liefert,; leider auch wenn es um den Kampf gegen die Corona-Pandemie geht.

  • #7
    Werntreu Golmeran

    Und wenn die Bayern, was ich mir wünschen würde, was aber leider in der 2. Halbzeit voraussichtlich verhindert werden wird, gegen Bielefeld verliert, ist wahrscheinlich auch Karl Lauterbach schuld.

  • #8
    Enno

    „Ich kann die sogenannten Experten nicht mehr hören. Die sollen sich mal zusammensetzen, eine Strategie entwickeln, damit man irgendwann mal ein Licht im Tunnel sieht“

    Da hat Hansi Flick also seine Meinung verkündet und gefordert das etwas passieren muss. Diese Forderung halte ich jetzt für nicht so abwegig, denn genau die geforderte Strategie fehlt komplett, die Politiker fahren ja "auf Sicht" – ohne Plan – in die Nebelbank. Mehr als umfragegetriebene Symbolpolitik wurde in den letzten Monaten nicht realisiert.

  • #9
    Jürgen

    Naja, was soll man von den Aussagen eines über 50-jährigen halten, der immer noch wie ein Wellensittich gerufen wird?

  • #10
    Emscher-Lippizianer

    Ich kann die Frage nicht nachvollziehen. Die Realität des FCB sieht, wie bei #3 zu Anfang geschrieben ganz einfach aus:

    1) Regeln, die für alle gelten, gelten für uns noch lange nicht

    2) Regeln, die uns nicht passen, müssen passend gemacht werden

    3) Geschieht 2) nicht ausreichend schnell, haben wir das Recht stinksauer zu sein und andere Menschen zu bepöbeln

    4) Öffentliche Äußerungen, wie die Jüngsten, sind ein hervorragendes Mittel um die Sachverhalte von 1) bis 3) als Stärke zu demonstrieren

    Dies sind die Realitäten. Und ich kann nicht erkennen, daß der FCB -wie in der Überschrift suggeriert- das Augenmaß hierfür verloren hat.
    Der Autor hätte von Helmut Schmidt die Antwort bekommen: "Sie haben die Frage falsch gestellt." 😉

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