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Karl Lauterbach: Überbringer der Covid_19-Wahrheit – Der Fußball kann nur verlieren!

Marcel Reif und Thomas Helmer im Doppelpasss bei ‘Sport1’. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Der ‚Doppelpass‘ auf Sport1 ist im Regelfall eine Fußball-Talkshow, bei der die versammelten Sportfreunde ihre Leidenschaft in Bezug auf das runde Leder ungestört ausleben können. Am Ostersonntag war das anders.

‚Schuld daran‘ war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der sich nicht scheute eine ungeliebte Wahrheit vor hunderttausenden Fußballfreunden auszusprechen und ihnen damit unverblümt klarmachte: Normal wird auch im Fußball so schnell nichts mehr werden. Ganz im Gegenteil!

Als die zweistündige Sendung am Sonntagmittag schon fast vorbei war, das schaltete die Redaktion Moderator Thomas Helmer mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbauch zusammen. Lauterbach ahnte wohl schon, dass seine Worte bei den Diskutanten und den Zuschauern nicht gut ankommen würden, weshalb er, bevor er die Bombe platzen ließ, minutenlang betonte, dass er ja nicht der Spielverderber sein wolle, er selber auch ein leidenschaftlicher Freund der Bundesliga sei.

Dann jedoch sprach er aus, was kritische Beobachter der Situation ohnehin schon länger befürchten: Der Ball sollte im Profifußball noch nicht wieder im Mai rollen. Auch nicht mit Geisterspielen. Frühestens im Herbst wäre es, ginge es nach dem SPD-Politiker, wohl wieder möglich die Bundesliga mit Geisterspielen in Gang zu setzen.

Zuvor sei es schlicht nicht wirklich zu vermitteln. In Anbetracht der zu erwartenden Materialknappheit im Gesundheitswesen und in der hohen Ansteckungsgefahr im Bereich des Kontaktsports Fußball, sieht Lauterbach keine Möglichkeit den offenbar von der Liga angestrebten Start im Mai tatsächlich so umzusetzen. Zumindest nicht mit dem gebotenen Verantwortungsbewusstsein.

Der Gesundheitspolitiker betonte bei Sport1, dass auf die Politik in Berlin aktuell seitens der Vereine großer Druck auf die Entscheider ausgeübt werde. Über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die die derzeitige Spielunterbrechung viele Profivereine führt, hatten wir auch hier im Blog kürzlich ja schon ausgiebig diskutiert. Trotzdem sieht Lauterbach die Pläne den Spielbetrieb schon in wenigen Wochen wieder aufzunehmen mehr als kritisch.

Es wäre schlicht nicht zu erklären, wenn die Fußballszene eine Sonderrolle einnehmen würde. Sollten die Versorgungsmaterialien für Infizierte und Verdachtsfälle in Bezug auf eine Covid-19-Infektion knapp werden, womit er rechne, könne man es schlicht nicht rechtfertigen, dass Profisportler eine eindeutige Vorzugsbehandlung erhalten würden. Dies würde dem Ansehen der Vereine und der DFL zudem schaden.

Wie könnte man diesen Überlegungen ernsthaft wiedersprechen?

Es wird also in den kommenden Tagen einen Abwägungsprozess geben müssen, bei dem die Entscheider die Wahl haben zwischen einem baldmöglichsten Ligastart unter Missachtung aller als vernünftig anzusehenden Gesundheitsbedenken sowie diverser moralischer Aspekte und einem Aufschub des Neustarts um mindestens rund ein halbes Jahr, was wohl die Pleite vieler Vereine zur Folge hätte und die Fußballlandschaft in Deutschland nachhaltig verändern würde.

Wie man es also auch dreht und wendet, der Fußball kann eigentlich nur verlieren dabei, so wie es aktuell aussieht….

 

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12 Kommentare zu “Karl Lauterbach: Überbringer der Covid_19-Wahrheit – Der Fußball kann nur verlieren!

  • #1
    ke

    Herr Lauterbach hat wohl eine sehr gute Glaskugel.
    Was soll im Herbst anders sein?
    Warum sollten im Mai Kapazitäten eng werden?
    Herr Lauterbach muss da schon konkreter werden, warum er zu diesen Aussagen kommt. Nachvollziehbar sind sie für mich nicht. Es ist Panikmache, wenn er die Aussagen nicht belegt.

    Wenn sich die großen Vereine bspw. komplett isolieren und ständig testen, könnte auch ein Geister-Spielbetrieb durchgeführt werden. Warum nicht?
    Das würde auch demonstrieren, wie mit dem Virus gelebt werden kann.

    Fußball ist ein Geschäftsmodell. Es ist ein Beruf.

    Ich finde dort solche Prognosen, die auch einen Monat in die Zukunft gehen, extrem unseriös.
    Dafür ist die Situation zu dynamisch.

  • #2
    Björn Wilmsmann

    @ke #1: Die Situation im September wird aller Wahrscheinlichkeit nach besser sein als jetzt. Vielleicht legt er da ein bestimmtes Modell zugrunde. Vielleicht auch nicht. Vielleicht auch einfach, weil’s ungefähr die Zeit ist, zu der die Bundesliga für gewöhnlich neu startet.

    Das Problem beim Fußball ist, dass es sich um einen Kontaktsport und damit ein unnötiges Risiko handelt. Und eine Infektion ausschließen kann man mit Tests nicht, nur einen Infizierten damit möglichst schnell ausfindig machen, um ihn dann zu isolieren.

    In der Konsequenz würde dies bedeuten, dass man alle Spieler und alle Personen, mit denen diese regelmäßig Kontakt haben (Trainer, Zeugwart, die eigenen und deren Familien …), für die Dauer der Geistersaison weg sperren müsste, um die Allgemeinheit keinem zusätzlichen durch Fußball verursachten Risiko auszusetzen. Und spätestens da wird’s entweder absurd oder mit Menschenrechten nicht mehr vereinbar.

    Ja, Fußball ist ein Geschäft und ein Geschäftsmodell, aber aktuell so ziemlich das letzte, bei dem man sich darüber Gedanken machen kann, ob es wieder wie normal weiter laufen kann.

    Wie wäre es begründbar, dass König Fußball sein Geschäft wieder aufnehmen kann, aber Restaurants, Clubs, Konzerte und Konferenzen nicht? Dort kann man das Risiko mit Gesichtsmasken und entsprechender Hygiene immerhin reduzieren, was beim Fußball nur schwerlich möglich sein dürfte.

  • #3
    ke

    @2 B Wilmsmann
    Trainingslager über lange Zeiträume gab es bisher auch.
    Ein Kurzsaison-Abschluss evtl. an wenigen Orten mit Spielen alle 3 Tage wäre denkbar.

    Clubs, Konzerte, Konferenzen sind doch eine komplett andere Liga.
    18 Mannschaften mit Betreuer kann man isolieren. Ebenso ist es Freiluftsport.

    Final hängt es davon ab, ob man das Modell Bundesliga weiterführen will, wenn auch unter anderen Voraussetzungen- oder ob man es als Kontaktsport lange ruhen lässt.
    Die Beteiligten können sich entscheiden. Bei den Summen werden sie vermutlich bereit sein, ein paar Einschränkungen hinzunehmen.

    Es stellt sich auch noch die Frage, was sich bis zum September ändern soll. Warum soll es besser sein? Aktuell sind die offiziellen Zahlen doch sehr gering.
    Gibt es dann das Wundermedikament? Gibt es die Impfung?
    Das ist doch realistischerweise nicht zu erwarten.

  • #4
    Björn Wilmsmann

    > Clubs, Konzerte, Konferenzen sind doch eine komplett andere Liga.

    Inwiefern? Wenn jeder einen Mundschutz trüge, nur eine bestimmte Anzahl an Personen zugelassen und auch auf sonstige Hygieneregeln geachtet würde, hielte ich das für deutlich weniger bedenklich, als einen Mannschaftssport wie Fußball, bei dem es aufgrund der Natur der Sache zu Körperkontakt und Tröpfchenverteilung kommt.

    Allein wenn man sich anschaut, wie Fußballer während des Spiels gerne mal in der Gegend rum rotzen, wäre das höchst bedenklich. Wobei, vielleicht wäre eine direkte rote Karte bei der derlei Verhalten eine Lösung. Auch für die Zukunft. Denn auch zu normalen Zeiten ist es vermutlich eher unappetitlich, in den Sekreten des Mitspielers rumzurutschen …

    > 18 Mannschaften mit Betreuer kann man isolieren. Ebenso ist es Freiluftsport.

    An so einer Bundesligamannschaft hängt ja schon ein ganzer Tross an Betreuern dran. Die sollen alle isoliert werden? Inklusive ihrer Familien? Für wie lange? Und wer übernimmt dann deren Versorgung mit Einkäufen und Co.? Der Verein? Oder wie beim Fußball leider so üblich in Deutschland doch wieder die Allgemeinheit?

    > Das ist doch realistischerweise nicht zu erwarten.

    In der Tat. Realistischerweise müsste man zum aktuellen Stand eher davon ausgehen, dass die nächste Saison die in 2021 / 2022 sein wird. Alles andere ist Glaskugelei.

    Anders sieht es aus, sobald man sich allgemein auf eine Containment Strategie statt einem bloßen "flatten the curve" verlegt (was hoffentlich bald der Fall sein wird, weil man mit der bisherigen Strategie nur Zeit gewinnt, aber das Problem nicht wirklich löst, sondern nur in die Zukunft verschiebt).

    Aber auch dann kann es keine Sonderrechte für Fußballvereine geben, sprich: Würde ein Spieler positiv getestet, würden direkt alle Mannschaften und deren Betreuer, mit denen dieser Spieler innerhalb von 14 Tagen in Kontakt kam, für mindestens 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden müssen.

    Ob so ein Spielbetrieb nach Gusto von DFL und Fans aufrecht zu erhalten wäre, müsste sich dann zeigen.

  • #5
    Max

    Fallen die Fernseheinnahmen halt weg und sind die Einnahmen eben geringer. Warum muss ein Fussballer das mehrfache pro Jahr verdienen was andere im ganzen Leben verdienen?
    Einfach Änderungskündigung auf ein Gehalt unter 100k pro Jahr und schon kommt man auch mit einem Bruchteil des Budgets aus.
    Nach 1-2 Jahren kann man schauen wie viele Sponsoren und TV Gelder da sind und wieder nach oben ändern.

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