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DFL: Der ‚Brot und Spiele‘-Faktor – Kicken entgegen jeder Vernunft

Foto: Robin Patzwaldt

Sie werden es tatsächlich tun. Nachdem am Mittwoch bereits die Politik grundsätzlich ‚grünes Licht‘ für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga ab Mitte Mai gegeben hat, wird heute die DFL über die Details beraten und dann konkret beschließen.

Dass es in wenigen Tagen wieder losgehen wird, das gilt damit als sicher. Eigentlich ein Irrsinn, wenn man nur ein wenig darüber nachdenkt. Über die zahlreichen Bedenken, die offenkundig nun allesamt hinweggewischt wurden, hatten wir auch hier im Blog im Laufe der vergangenen Tage, Woche, ja sogar Monate, schon mehrfach diskutiert.

Die Geschäftsinteressen der Klubs und der beteiligten Geschäftspartner haben sich am Ende durchgesetzt. Das wird viele Bedenkenträger in ihrem Verdacht bestärken, dass für den Fußball hier (einmal mehr) eine ‚Extrawurst‘ gebraten wird.

Spieler, die mit den Plänen der DFL womöglich nicht so ganz einverstanden sind, werden sich nicht in die Öffentlichkeit trauen. Die ihnen drohenden Konsequenzen sind wohl zu gravierend. Großen Widerstand aus den eigenen Reihen wird es gegen die Pläne folglich nicht geben.

Ob der Plan, die verbleibenden neun Ligaspiele, sowie die Halbfinalbegegnungen und das große Finale im DFB-Pokal, bis Ende Juni austragen zu wollen, am Ende tatsächlich Realität werden kann, das ist in Anbetracht der Tatsache, dass es im Bereich der 36 Klubs schon vor Beginn eines regelmäßigen, echten Mannschaftstrainings offiziell zehn positive Coronafälle gab, dann aber doch aktuell eher unwahrscheinlich.

Der wirtschaftliche Druck war offenkundig aber so groß, dass man das Risiko eingehen wird. Die Realität heißt ab Mitte Mai dann für alle Fußballfreunde: Geisterspiele! Noch vor wenigen Wochen eine absolute Horrorvorstellung, werden sich ungeachtet der vielen kritischen Stimmen Millionen von Fans an den Spielen erfreuen, sich in Zeiten eines absoluten Unterhaltungsnotstandes vermutlich sogar zahlreich wie nie auf die angesetzten Bundesligaspiele stürzen. Zumindest eben vor den Bildschirmen und Radiogeräten. Ein Stadionbesuch ist ja leider auf absehbare Zeit nicht drin.

Wenn man die Tatsache, dass überall im Lande aktuell Lockerungen der Corona-Beschränkungen vorangetrieben werden, die ein eher vorsichtig veranlagter Mensch so garantiert lieber nicht vorgenommen hätte, mit in die Überlegung mit einbezieht, kann man mit der Entwicklung im Profifußball sogar als Bedenkenträger ganz gut leben.

Es läuft in diesen Tagen eben nicht alles so, wie man es selber womöglich entschieden hätte. Die Bundeliga reiht sich da nur in eine ganze Reihe von Branchen und Lebensbereiche ein.

Und wenn ab heute Kinderspielplätze wieder in Betrieb gehen können, wo man sich als Beobachter ja auch kaum vorstellen kann, dass dort die Abstände eingehalten werden, ab Ende Mai auch andere Kontaktsportarten in diesem Lande vielfach wieder möglich sein sollen, warum sollte dann in rund zehn Tagen nicht auch wieder Profifußball gespielt werden dürfen?

Dann legt halt los, auch wenn ich persönlich die Entscheidung für falsch halte. Auf die mit den Spielen verbundene Unterhaltung freue ich mich dennoch.

Man darf dann dabei halt nur nicht zu viel grübeln. Hat dann nämlich rasch irgendwie was von ‚Brot und Spiele‘…. Aber war das nicht eigentlich eh schon immer so, wenn es um Profifußball ging?

 

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7 Kommentare zu “DFL: Der ‚Brot und Spiele‘-Faktor – Kicken entgegen jeder Vernunft

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  • #2
    Emscher-Lippizianer

    Müssen Arbeitgeber (Vereine) ihre Mitarbeiter (Spieler) nicht schützen? Was passiert, wenn ein Spieler Coronabedingt Folgeschäden an Herz, Lunge oder Nieren behält? Kann er seinen Geld-geilen Arbeitgeber haftbar machen?
    Was passiert, wenn Spieler positiv getestet werden? Muß dann nicht die gesamte Mannschaft einschließlich der Gegner in Quarantäne?
    Ich hoffe sehr, daß dieses korrupte System implodiert.

  • #3
    Jürgen

    Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass man beispielsweise mit einer Erkältung nur bedingt Sport treiben sollte. Es besteht wohl die Gefahr, dass sich bei Sport mit einer Erkältung Viren am Herzmuskel festsetzen mit der Gefahr späterer Herzmuskelerkrankungen. Ich meine mich zu erinnern, dass in den letzten Jahren tatsächlich einige Berufssportler eben wegen dieses Umstandes lange nach Genesung auf einmal Herzprobleme bekommen haben.
    Wenn ich die Berichte zu diesem neuen Virus richtig im Kopf habe, besteht wohl auch bei diesem Virus die Möglichkeit, dass er sich in verschiedenen Körperteilen festsetzt und dort in der Zeit seiner Aktivität Probleme bereiten kann. D.h. für mich, auch bei diesem Virus besteht wahrscheinlich die nicht geringe Möglichkeit, wenn man ohne Symptomatik diesen Virus in sich trägt und so intensiv wie Fußballer Sport treiben, eines Festsetzen des Virus am Herzmuskel mit der Gefahr späterer gravierender Folgeschäden.
    Ob solche Folgen auch berücksichtigt wurden bei diesem Virus, der ja zum jetzigen Zeitpunkt als sehr leicht übertragbar bewertet wird, scheint niemand zu fragen.
    Letztlich werden die Profifußballer genauso behandelt wie die rumänischen Schlachter in dem Schlachthof im Enzkreis oder das Personal im Skigebiet in Ischgl. Es sind Arbeitskräfte, die zu funktionieren haben. Und die eingebundenen Ärzte und Gesundheitsbehörden sorgen solange dafür, dass der Laden rundläuft, wie nichts an die Öffentlichkeit gelangt.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Jürgen: Sehr bedenklich finde ich auch die Tatsache, dass eine Infektion mit dem Virus jetzt offenbar auch nicht mehr automatisch zu einer mindestens 14-tägigen Quarantäne des Betroffenen und seiner unmittelbaren Kontaktpersonen zu führen scheint, so wie man uns das vor Wochen noch als zwingend geboten dargestellt hat….

  • #5
    Tagedieb

    @#4
    Das kommt noch hinzu. Diese Vorgehensweise hatte ja auch der Spieler vom 1.FC Köln kritisiert.
    Ich überlege (ch wohne in Berlin), mal das Gesundheitsamt Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf und die Senatsverwaltung für Gesundheit anzuschreiben und zu fragen, wie man mit einer etwaigen Quarantäne eines Spielers umgehen wird, wenn das Gesundheitsamt überhaupt über eine Infektion informiert wird. Die DFL hat ja schon verlautbaren lassen, die Vereine sollten mögliche Infektionen nicht bekannt machen.
    Wahrscheinlich muss man jedes Gesundheitsamt (wie auch die für Sport und/oder Gesundheit zuständigen Landesministerien) getrennt anschreiben und die Rückmeldungen gesammelt veröffentlichen. Medien Tagesspiegel, faz, SZ, taz oder kicker werden das ganz sicher nicht machen.
    Mal schauen, ob ich am Wochenende Lust dazu habe.

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