5

Corona-Ausbruch beim 1. FC Köln: Üble Zwickmühle für die DFL!

Das Stadion in Köln. Quelle: Wikipedia, Foto: Sascha Brück, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Pläne der DFL den derzeit unterbrochenen Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga möglichst schon im laufenden Monat Mai wieder aufzunehmen, haben in dieser Woche einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Kaum hatten die Klubs mit den regelmäßigen Corona-Tests begonnen, tauchten erste gravierende Probleme und erneute, heftige Diskussionen auf.

Beim Erstligateam des 1. FC Köln wurden drei Personen positiv auf Covid-19 getestet. Ein Fiasko für die Ambitionen der Liga und Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Zwei Profis und ein Betreuer sollen dem Vernehmen nach betroffen gewesen sein. Namen wollte der Verein mit Rücksicht auf die Infizierten nicht nennen.

Und doch stellt sich jetzt natürlich direkt die entscheidende Frage: Kann bzw. darf man so tatsächlich daran denken mit dem Rest des Teams weiter zu trainieren? Darf man das den Beteiligten wirklich zumuten? Ist das auch gegenüber dem Rest der Gesellschaft moralisch zu vertreten?

Die Kritiker werden sich jedenfalls bestätigt sehen in ihrer Ansicht, dass die Bundesliga hier einen Irrweg beschreitet. Und auch bei den Aktiven werden inzwischen erste Stimmen laut, die das ‚Weiter so‘ massiv hinterfragen.

Köln-Profi Birger Verstraete zum Beispiel hält die Maßnahmen nach drei positiven Corona-Tests beim Bundesligisten für extrem leichtsinnig. „Wir sollten vorerst nicht unter Quarantäne gestellt werden, und das ist ein bisschen bizarr“, sagte der belgische Mittelfeldspieler dem TV-Sender „VTM“.

„Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet“, wird Verstraete zitiert.

Die Konsequenzen sind für ihn daher eindeutig. Ihm stehe der Sinn derzeit gar nicht nach Fußball, betonte er. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison hält Verstraete den Berichten zufolge sogar für „naiv“. Worte, die man in Frankfurt bei der DFL und auch bei seinem Arbeitgeber in Köln nicht gerne hören wird, durchkreuzen sie dich die eigenen Pläne, drohen weiter Unruhe in die Debatten zu bringen.

Das Kuriose an der Entwicklung rund um den 1. FC Köln ist zudem: Lediglich die drei Betroffenen waren in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Der Rest des Teams setzte das Training wie bisher in Kleingruppen fort.

Die DFL, die stets betont hatte keine gesellschaftliche Sonderrolle in Corona-Fragen spielen zu wollen, macht sich mit dieser inkonsequenten Regelung natürlich unglaubwürdig. Ganz abgesehen von den Ängsten, mit denen die Mannschaft und der Betreuerstab jetzt leben müssen.

Konsequent wäre es nämlich gewesen sämtliche Personen, die mit den Infizierten zuletzt in Kontakt standen aus dem Trainingsbetrieb zu nehmen und in eine 14-tägige Isolation zu verbannen.

Es steht jedoch zu befürchten, dass auch seitens der Verantwortlichen natürlich jedem längst klar sein dürfte, dass die verbleibenden Spieltage dann wohl nicht wie notwendig und auch nur einigermaßen sportlich fair durchgeführt werden könnten.

Also lockert man diese bisher auch für viele Normalbürger geltenden Quarantäne-Regeln für die Profimannschaften besser. Überzeugend ist das nicht. Ganz im Gegenteil!

Es wird dadurch schon weit im Vorfeld einer möglichen Wideraufnahme des Spielbetriebs offensichtlich, dass die DFL hier auf einem Holzweg ist.

Ein Verzicht auf die Fortsetzung des Spielbetriebs, zumindest bis sich die Situation deutlich verbessert/geklärt hat, wäre wohl die sinnvollste Lösung. Doch massive wirtschaftliche Zwänge scheinen das Handeln der DFL zu beherrschen.

Hinzu kommt: Der drohende Imageschaden für die Liga bei einer zu frühen Fortsetzung der Spiele, er wäre vermutlich auch nicht kleiner als die Bedrohung durch massive Umsatzrückgänge im Falle einer vorzeitigen Beendigung der Runde.

Eine klassische Zwickmühle, in der sich die DFL und der Profifußball in diesem Lande befinden!

RuhrBarone-Logo

5 Kommentare zu “Corona-Ausbruch beim 1. FC Köln: Üble Zwickmühle für die DFL!

  • #1
    ke

    Wir erfahren immer noch wenig über reale Übertragungswege.

    Das Verhalten der Behörden und auch des 1. FC Köln ist für mich nicht nachvollziehbar.
    Die Kanzlerin war doch nach einem Arztbesuch für eine Impfung in Quarantäne. Dann so eine Sorglosigkeit bei Fußballern?
    Die Politik/Behörden müssen die Gesellschaft mitnehmen. Mit solchen Aktionen wird jede Anstrengung einzelner Bürger torpediert.

    Erschreckend ist, dass es eine Ansteckung im Bereich Betreuer im medizinischen Bereich und Spieler gegeben haben muss, wenn sich nicht beide Gruppen zufällig zur gleichen Zeit extern angesteckt haben. . Offen ist, in welcher Richtung.

    Ein so kritischer und unter Beobachtung stehender Bereich hat Probleme mit dem Schutz. Was wird dann bei Friseuren etc. passieren?

    Die ganzen Corona Verbote sind einfach nur wirr. Es fehlt die Strategie.

  • #2
    Christian

    Es geht nicht einmal mehr um einen möglichen Imageschaden, auch nicht um die aktuellen
    Umsatzrückgänge. Das Geschäftsmodell "Bundesliga" steht vor einem womöglich disruptiven
    Schock. Das Geschäft ist nämlich auf mehr und mehr und mehr ausgerichtet. Mehr Einnahmen
    durch TV Rechte, mehr Einnahmen durch Zuschauer, mehr Einnahmen durch Marketing.
    Und jetzt besteht die Gefahr, dass der bezahlte Fußball nicht nur eine einmalige Corona Delle
    erleiden muss, sondern auf Dauer mit weniger Einnahmen klar kommen muss. Und ich weiß nicht
    ob das runde Schneeballsystem der DFL diese Wende hinbekommt. Die TV Rechte machen den
    Löwenanteil der jährlichen Einnahmen der DFL / Vereine aus. Sie sollten jetzt neu ausgeschrieben
    werden. Die Vorstellungen der DFL gingen natürlich in Richtung "mehr Geld". Aber wie realistisch
    ist dieses Szenario jetzt? Mit Eurosport ist schon ein Bieter abgesprungen. Und innerhalb der
    SKY Gruppe war Deutschland immer das schwächste Geschäft. Warum sollte also SKY wieder
    mit ca. 900 Mill p.a. einsteigen und das wo niemand erkennen kann, wie sich das Thema Fußball
    in den kommenden Jahren darstellen wird? Ich tue mich schwer zu glauben, dass da jetzt viele
    Milliarden Angebote bei Herrn Seifert auf dem Tisch liegen werden. SKY wird sich beteiligen ja,
    aber man wird dort auch die Chance nutzen, das Produkt Bundesliga deutlich günstiger zu
    erwerben und ich glaube auch nicht das Amazon das € Füllhorn öffnen wird. Das Thema Geld
    und Bundesliga Vereine wird am Ende spannender sein, als viele Fußballspiele.

  • Pingback: DFL: Bereits zehn Corona-Infektionsfälle identifiziert | Ruhrbarone

  • Pingback: DFL: Der ‚Brot und Spiele‘-Faktor - Kicken entgegen jeder Vernunft | Ruhrbarone

  • Pingback: Trotz aller berechtigten Bedenken: Die Entscheidung der DFL die Saison fortzusetzen war richtig! | Ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.