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BVB empfängt S04 im Corona-Ausnahmezustand: Ein Revierderby für die Tonne?

Ein Derby für die Tonne? Foto: Robin Patzwaldt

Seit Ende der 1970er-Jahre ist das Revierderby zwischen ‚meinem‘ BVB und dem Erzrivalen Schalke 04 für mich schon eines der absoluten Highlights in (fast jedem) Fußballjahr. Diese Spiele versprühten, egal wie die Tabellensituation und die Form der Teams zuvor auch war, stets eine besondere Magie.

Tage- und wochenlang wurde im Vorfeld stets darüber diskutiert, steigerte sich die Vorfreude in beiden Fanlagern bis zum Spieltag ins schier Unermessliche. In diesem Jahr ist das alles anders. Und ich befürchte, nicht nur bei mir.

In Zeiten der Corona-Pandemie ist es einem fast schon egal, dass am Samstagnachmittag das nächste große Revierderby steigen wird. Die Fußballstimmung ist dahin. Wohl für längere Zeit.

Und das längst nicht nur, weil keine Fans im Stadion mit dabei sein dürfen, sich das ‚Vergnügen‘ zwangläufig auf die Bildschirme und Radiogeräte beschränken wird.

Dass die DFL den Profifußball in diesem Lande so scheinbar überhastet und voreilig wieder anlaufen lässt, schmeckt Millionen von Fußballfreunden in diesem Land gar nicht. Nicht nur, dass es scheinbar total unvernünftig ist, offenbar sind viele Leute auch (noch) nicht bereit für ein Produkt namens Profifußball.

Erstmals in rund 40 Jahren meiner Fußballleidenschaft habe ich in diesen Tagen wirklich niemanden im Vorfeld des Spiels über ein Derby diskutieren hören. Der BVB wird ohne vier Stammspieler antreten müssen. Interessiert das noch wen? Scheinbar nicht!

Die Leute diskutieren aktuell darüber, dass Heiko Herrlich, der neue Trainer des FC Augsburg, gegen das Hygienekonzept der Liga verstoßen hat, in der Quarantänephase unerlaubt das Teamhotel verließ um sich Zahnpasta und Handcreme zu kaufen. Das ist die traurige Realität!

Und in einer solchen Phase sollen wir uns am Wochenende darüber freuen, dass der Ball wieder rollt. In Anbetracht solcher Missverhältnisse fällt es auch dem hartgesottensten Fußballfan schwer sich auf das einzulassen, was er bis März 2020 doch so sehr liebte: Das Spiel!

Wenn es offenkundig nur darum geht die finanziellen Interessen der Vereine zu befriedigen, schlicht weil ihnen sonst die ‚Luft‘ ausgeht, wenn plötzlich ohne große Diskussionen fünf statt bisher drei Spieler einer Mannschaft in einem Spiel ausgewechselt werden sollen, wenn die DFL ganz offen betont, dass der Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga auf ‚Biegen und Brechen‘ bis zu einem halbwegs sportlichen Ende ‚durchgeprügelt‘ werden soll, dann fällt es auch dem hartgesottensten schwer dafür ein Mindestmaß an Begeisterung zu entwickeln.

Ob Dortmund oder Schalke am Samstag gewinnt? Klar würde ich persönlich mich über drei Punkte für meine Schwarzgelben freuen. Doch wohl noch nie im Leben war es mir im Vorfeld eines Spiels so egal, wie der Kick enden wird.

Dazu kommt: Sollte es die Bundesliga in ihrer altbekannten Form im Herbst tatsächlich nicht mehr geben, sie müsste sich wohl nur in eine ganze Reihe von lieb gewonnenen und vertrauten Unternehmen einreihen, die sich in ähnlichen Existenznöten befinden. Eine Sonderrolle hat der Profifußball schlicht nicht verdient. Doch das scheint eben nicht nur Augsburg-Trainer Herrlich bisher nicht verstanden zu haben.

Corona ist und bleibt über viele weitere Monate unsere Realität, der es vieles unterzuordnen gilt. Dass der Fußball das noch immer nicht zu verstehen scheint ist ein Grund mit dafür, dass sich für den Spielausgang des Revierderbys an diesem Wochenende wohl so wenige Leute begeistern können, wie vielleicht noch niemals zuvor.

Es droht ein kompletter Spieltag für die Tonne, der nur dazu dient die von den Klubs zur Existenzsicherung dringend benötigten Fernsehgelder fließen zu lassen. Um guten, unterhaltsamen Sport geht es offenkundig dabei nicht wirklich. Warum also über etwas offenkundig völlig banales wie ein Spielergebnis aufregen?

 

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2 Kommentare zu “BVB empfängt S04 im Corona-Ausnahmezustand: Ein Revierderby für die Tonne?

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