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Heilige Krieger: bin Laden, al Qaida und die Hamas

Ismail Hanija, der Hamas-Führer im Gazastreifen, hatte gestern den "Mord an dem heiligen Krieger Osama Bin Laden" klipp und verurteilt.

Osama bin Laden weilte noch unter uns, als ich vorgestern eine differenzierte Sicht der Dinge, in diesem Fall auf die Palästinenser-organisation Hamas, angemahnt hatte. Am Beispiel der Charta der Hamas versuchte ich aufzuzeigen, dass die Herren des Gazastreifens nicht nur – freilich indiskutable – antisemitische Stereotype verbreiten, sondern auch – hierzulande teilweise gern gehörte – „antizionistische“ Positionen vertreten. Wichtiger als Programme – wir kennen dies von zuhause – sind jedoch Personen, die Personen, die die Politik umsetzen müssen.

Bei der Hamas gilt es zu unterscheiden beispielsweise zwischen der politischen und militärischen Führung, die in Damaskus ihr Exil bezogen hat, und den im Gazastreifen verbliebenen Kollegen, die dort die Regierungsgewalt innehaben. Während in Damaskus die Hardliner sitzen, deren martialische Sprache schier unübertrefflich ist, pflegen die Regierenden in Gaza ein etwas abgewogeneres Wort. Der ewige Konflikt zwischen Partei und Regierung/Fraktion; auch dies kennen wir irgendwie von zuhause.

Was nun das US-amerikanische Killerkommando gegen Osama bin Laden betrifft, so handelt es sich hier eindeutig um eine Angelegenheit, die in den Kompetenzbereich der politischen Führung in Damaskus fällt. Also: ein martialisches Statement dazu zu formulieren. Was will man sonst auch machen?! Nur: selbst dazu fehlt momentan so recht die Zeit. Diese „Unruhen“ in Syrien, Sie wissen schon. Angeblich überlegt die Hamas-Führung, Damaskus zu verlassen und nach Qatar zu ziehen. Die Umsiedlungspläne sind inzwischen dementiert; mal abwarten …

Qatar böte freilich ungeahnte Vorteile. Man hätte den direkten Draht zum Fernsehsender Al Jazeera, der von Qatar finanziert wird und über den man die arabischen Massen blitzschnell erreichen könnte. Osama bin Laden hat das ja vorgemacht. Und dann die Fußball-WM 2022 in Qatar … – okay, das ist ja noch etwas hin. Jetzt muss man erst einmal sehen, wie man aus Syrien einigermaßen unbeschadet rauskommt.
Wie dem auch sei: umständehalber fiel der – innerhalb der Hamas als Weicheier verschrienen – Führung in Gaza die Aufgabe zu, zum Ableben Osama bin Ladens ein paar warme Worte zu finden. Also ergriff der Hamas-Chef im Gazastreifen, Ismail Hanija, das Wort. Ausgerechnet Hanija, der Oberrealo der Hamas. Hanija gilt, wie Wikipedia schreibt, „als relativ pragmatische Figur innerhalb der Hamas. So war er schon früh bestrebt, die Hamas in die palästinensische Befreiungsorganisation PLO einzubinden.“

Umso erstaunter waren Freund und Feind, dass Hanija den „Mord an dem heiligen Krieger Osama Bin Laden“ gestern klipp klar und verurteilt hatte. Hanija wörtlich: „Wir betrachten dies als Fortsetzung der amerikanischen Politik, die auf Unterdrückung und dem Vergießen von muslimischem und arabischem Blut gründet.“
Klare, deutliche Worte. An dieser Stelle dürfte kein großer Beratungsbedarf entstehen. Kein Problem, am Samstag in Wuppertal dürfte es genug zu besprechen geben.
Freilich nur Dinge, die öffentlich besprochen werden können; denn der zionistische Feind hört mit. Zum Beispiel: die Frage, warum Hanija erst vor kurzem Hunderte Al-Qaida-Kämpfer im Gazastreifen abschlachten ließ, hat in Wuppertal nichts verloren. Warum schon vor Jahren die Hamas Tausende von Fatah-Anhängern getötet hatte, sowieso nicht.
Es wird um schöne Sachen gehen: die Gaza-Hilfsflotille im Juni, das Ausrufen eines Palästinenserstaates im September und schließlich, das Allerschönste: die Befreiung Palästinas. Ganz Palästinas, versteht sich.

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