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Kampf gegen Israel – differenzierter gesehen

Wichtig ist es, gerade in der Politik, die Dinge differenziert zu betrachten. Insbesondere, wenn es um Israel geht. Eine Glosse


Wichtig ist es, gerade in der Politik, die Dinge differenziert zu betrachten. Am besten: differenzierter. Insbesondere, wenn sich die Sachlage ein wenig komplizierter darstellt, kommt es ganz wesentlich darauf an, die Dinge differenzierter zu sehen. Nehmen wir – nur mal so als Beispiel: Israel. Ganz kompliziert. Wenn Sie da nicht höllisch aufpassen …

Angenommen, Ihnen ist danach, Israel zu boykottieren. Also den Kauf israelischer Produkte. Kein Problem, können Sie machen. Aber, und jetzt kommt´s: die Begründung muss stimmen! Wenn Sie also beim nächsten Mal im Supermarkt statt der Jaffa-Orangen die Apfelsinen aus Spanien nehmen, ist das so weit absolut in Ordnung … wenn Sie dieses kritische Verbraucherverhalten differenziert begründen können.
Klare Sache: Sie weisen die Kassiererin auf Ihre fortschrittlichen, antiimperialistischen und humanistischen Motive hin, und machen darauf aufmerksam, dass Sie jegliches Wiederaufleben des alten Antisemitismus richtiggehend anwidert. Sollte die Kassiererin wegen der der kapitalistischen Ausbeutung geschuldeten Arbeitshetze oder wegen ihres defizitären sozialistischen Bewusstseins nicht das rechte Interesse an Ihren Erläuterungen zeigen, kein Problem: Hauptsache bei den Zionisten kommt die Botschaft an.

Und die, also die Zionisten, bekommen so etwas ganz genau mit. Davon können Sie mal ausgehen! Ihr Bestreben, die Existenz Israels zu beenden, oder sagen wir besser: Palästina zu befreien, ist ihm nämlich ein Dorn im Auge,

dem Zionisten. Wenn dagegen so Rechtsradikale oder Neonazis daherkommen und den Holocaust leugnen, dann kommt ihm das im Grunde sehr entgegen. Denn das ist ja sozusagen Wasser auf die Mühlen seiner Propaganda. Man muss sich beinah fragen, ob er nicht selbst dahintersteckt, wenn mal wieder so ein antisemitischer Unfug erzählt wird.
Merke also: Holocaust Leugnen, brauchen wir gar nicht groß drüber zu reden, geht gar nicht. Man sagt auch nichts gegen Juden. “Zionisten” heißt das! Mein Gott noch mal! Wann kriegt man das endlich in die Köpfe, dass Juden und Israel zwei ganz verschiedene Angelegenheiten sind?! Wie gesagt: ein Beispiel dafür, dass es manchmal kaum ausreicht, die Dinge differenziert zu sehen. Man sollte sie differenzierter sehen.
Das findet auch Hermann Dierkes, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Duisburger Stadtrat. Als kürzlich so ein gänzlich undifferenziertes Flugblatt auf der Website der Duisburger Linkspartei gelandet ist, hat er seine Fraktion sogleich beschließen lassen: “Berechtigte Kritik an der israelischen Unterdrückungspolitik gegenüber den Palästinensern darf nicht mit antisemitischen Klischees und der Leugnung des Holocaust vermengt werden.”

Man mag es für ein wenig undifferenziert halten, dass nun ausgerechnet die Ratsfraktion zu dem ”fälschlich veröffentlichten” Flugblatt Stellung bezieht, weil in Duisburg insbesondere in Bezug auf Dierkes´ Aktivitäten (bislang?) die eiserne Regel gegolten hat, dass das Thema Israel / Palästina nichts, aber auch gar nichts mit Kommunalpolitik zu tun habe. Wie dem auch sei: das Grundprinzip ist richtig erkannt.
“Berechtigte Kritik” ja, “an der israelischen Unterdrückungspolitik” gern, aber bitte nicht vermengen “mit antisemitischen Klischees und der Leugnung des Holocaust”! Dass es ohnehin irgendwie besser wäre, auf antisemitische Klischees und der Leugnung des Holocausts gänzlich zu verzichten, findet sich zwar nicht ausdrücklich im Statement, dürfte aber der Duisburger Linksfraktion im Rahmen einer Koalitionsrunde abzuringen sein.
Nun gut, dies soll uns hier nicht weiter interessieren. Duisburger Kleinigkeiten, die im weltweiten antiimperialistischen Kampf nicht weiter ins Gewicht fallen. Wir merken uns einfach: auf die richtige Begründung kommt es an. Im Juni macht sich die nächste Gaza-Hilfsflotille auf, dann stehen auch hier wieder einige Aktionstage an. Ich möchte, dass das bis dahin sitzt! Noch einmal so eine Peinlichkeit wie jetzt mit diesem Fascho-Flugblatt, und ich drehe ab.

Das Beste ist, wir üben das mal. Was ist progressiv, antiimperialistisch, oder mit einem Wort: gut? Und was geht total nicht, weil objektiv irgendwie faschistisch? Wie ist es zum Beispiel damit?
“Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Denn auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten; der Nationalismus der Islamischen Widerstandsbewegung ist Bestandteil ihres Glaubens.” (1)
Richtig! Das ist voll okay. Sicher, für unseren Geschmack ein bisschen viel Religion und Nation; doch der Revolutionär hat immer auch die nationalen Besonderheiten zu beachten. Nächstes Beispiel:
“Die zionistische Invasion ist auf verschlagene Weise bösartig. Sie schreckt nicht davor zurück, verschlungene Wege zu wählen und alle verabscheuungswürdigen und widerwärtigen Mittel anzuwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Um sich einmischen und Spionageaktivitäten vornehmen zu können, ist sie in großem Maß auf die Geheimorganisationen angewiesen, z.B. die Freimaurer, die Rotary Clubs, Lions und andere. All diese Geheimorganisationen, von denen einige auch offen arbeiten, agieren für die Interessen des Zionismus und wollen unter dessen Anleitung die Gesellschaften zerstören, Werte vernichten, Verantwortlichkeiten ausschalten, Tugenden ins Schwanken bringen und den Islam auslöschen. Sie steht hinter der Verbreitung von Drogen und Giften aller Art, die ihr Machtausübung und Machtausdehnung erleichtern sollen.” (2)
Und? Sie sind unsicher. Aha. Nehmen wir noch ein Beispiel:
„Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: ‚Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!’“ (3)

Ganz genau: das war jetzt einfacher. Richtig: da brauchen wir gar nicht groß drüber zu reden, das geht gar nicht. Ich merke schon: das kriegen wir hin bis Juni, bis zur Gaza-Hilfsflotille. Jetzt schon diese differenzierte Sicht der Dinge, das lässt doch hoffen! Zumal alle drei Zitate aus ein und demselben Dokument entstammen. Da sieht man mal wieder, wie weit man es bringen kann, wenn man sich angewöhnt hat, alles viel differenzierter zu sehen.

(1) Charta der Hamas, von 1988, nach wie vor gültig, Artikel 13.
(2) Hamas-Charta, Art. 28.
(3) Hamas-Charta, Art. 7.

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5 Kommentare zu “Kampf gegen Israel – differenzierter gesehen

  • #1
    mehrdad

    hallo „ruhrbarone team“,

    ich weiss ja nicht, aber darf man youtube videos bei euch verlinken?

    wenn ja, dann sagt das eigentlich alles aus über den modernen antisemiten:

    http://www.youtube.com/watch?v=3ME4DDqBvdU

    der vortrag broders vor dem dt. bundestag. man kann ja von broder halten, was man will, abder die rede ist absolut zutreffend.

    antisemtismus ist es eben auch, wenn:
    -linke besessen von israel sind, IMMER nur negatives über israel bringen, während reale und sehr schlimme verbrechen der linken am a.. vorbeigehen und die regime (kuba, iran, china, sudan, syrien, libyen….) sogar verteidigt werden.
    -israels recht auf selbstverteidigung verneinen
    -grundsätzlich israel die schuld dafür geben, dass dessen zivilisten gezielt angegriffen wird.
    -ihre verschwörungstheorien fast immer gegen israel gerichtet sind und sie in sachen israel grundsätzlich imemr von vrschwörungen ausgehen

    daneben noch ein paar nebelkerzen in form von mitmachen bei „stolpersteine“ und „holocaust-gedenkfeier“.

  • #2
    h.f.ullmann

    Die Hilfsflotillen erinnern mich immer an die Mobro 4000 (http://en.wikipedia.org/wiki/Mobro_4000), ein Schiff welches eh niemals in einen Hafen einlaufen sollte und voll mit nutzlosem Zeug war.
    zu 1) Jerusalem ist deswegen Teil des islamischen Glaubens, weil Mohammed in einem Traum die ferne Moschee besucht haben soll. Er soll in nur einer Nacht (http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Isra) die Distanz von 1.000 Kilometer auf einem Pferd mit Menschenantlitz (http://de.wikipedia.org/wiki/Buraq) überwunden und die ferne Moschee (http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Aqsa-Moschee) besucht haben. Dies geschah ein Jahr vor seinem Tod, also im Jahre 631. Die Mosche wurde erst im Jahre 638 aus Holz gebaut und im Jahre 705 in Stein fertiggestellt. Ein Jahr nach seinem Tod sei er dann obwohl in Medina begraben auf einem Pferd in Jerusalem in den Himmel emporgestiegen (http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Nachtreise_des_Propheten_Mohammed).
    zu 2) Wenn es all diese Geheimorganisationen geben soll, dann muß man sich fragen warum fast jeder Integrationsbeauftragte ein Türke oder Araber ist, die dann hergehen und verkünden die Kriminalität sei unter ausländischen Jugendlichen um 35% zurückgegangen, dabei dann verheimlichen, dass diese einen deutschen Pass von ihnen erhalten haben und dadurch nicht mehr in der Statistik auftauchten; Warum Linksaktivisten beim Bundesverfassungsgericht erwirkt haben, dass bei der kommenden Volkszählung Fragen zu Religion und Migrationshintergrund verboten wurden.
    zu 3) Interessant ist hierbei dass dies mehrfach im Koran gefunden werden kann, es gibt alleine 94 Stellen in denen gegen Juden gehetzt, sie verflucht, sie beleidigt und herabgewürdigt werden, bis hin zu der These, dass sie Betrüger, Lügner und Verführer seien, die man sich nicht zum Freunde machen solle. Geradezu witzig ist hierbei, dass in Sure 5 Vers 12 den 12 Stämmen Israels versprochen wird, sie sollen in wasserreichen Gärten leben, sollten sie das Gebet verrichten, Almosen und Spendengelder für Kriege geben.
    Das hat man in Israel vollkommen ohne Gebet und Gottes Hilfe geschafft, einfach nur mit Köpfchen, dafür in keinem islamischen Staat der Welt.

    Zu ihrem Schlußkommentar, ich komme nicht umhin sie auf die Rede des Bundespräsidenten Wulff im türkischen Parlament hinzuweisen. Er zitiert hierbei Goethe, wobei Goethe aus dem Koran übersetzte. Hätte Wulff dies mal nachgelesen, er hätte eine Zeile weiter Hetze gegen die gefunden, die daran glauben dass Gott einen Sohn zur Erde geschickt hätte. Sollte ihnen ein Moslem sagen es stände im Koran „jedem seine Religion“, dann müssen sie nur nachfragen was danach steht. Sie werden feststellen, dass direkt dahinter ihnen dann brennende Zelte oder das ewige Feuer als Wohnung angedroht wird.

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  • #4
    Bentsch

    @mehrdad:
    „antisemtismus ist es eben auch, wenn:
    -linke besessen von israel sind, IMMER nur negatives über israel bringen

    -grundsätzlich israel die schuld dafür geben, dass dessen zivilisten gezielt angegriffen wird.
    -ihre verschwörungstheorien fast immer gegen israel gerichtet sind und sie in sachen israel grundsätzlich imemr von vrschwörungen ausgehen“

    All das gibt es, das ist richtig. All das gibt es leider aber auch in der exakten Umkehrung. Ein Beispiel wäre hier z.B. das zynische Geschreibsel von Broder. Oder der obige Kommentar von Herrn Jurga: Israel-Boykott-Aufrufe der Linken und Hamas-Pamphlete in einen Topf, und dann kräfrig umrühren, gelle?.

    Meine Frage: Wenn die einen Antisemiten sind, wie darf ich dann die anderen beschimpfen?

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