35

Karl Lauterbach nicht zum SPD-Gesundheitsminister der Ampel zu machen, wäre ein Unding!

Kann es sich Olaf Scholz als Bundeskanzler leisten Karl Lauterbach nicht zum Gesundheitsminister der Ampelkoalition zu machen? Foto: Roland W. Waniek

Eines vorweg: Ich bin grundsätzlich kein Freund von Quotenregelungen. Meiner Meinung nach ist es immer besser, wenn sich Qualität durchsetzt. Unabhängig von der Geschlechterfrage. Mich hat es auch nie gestört, dass Frauen in meinem Berufsleben meine Vorgesetzten waren. Das kam häufiger vor. Als gelernter Verlagskaufmann war man in einem sogenannten Frauenberuf aktiv. Rund drei Viertel der früheren Kollegen, als ich noch in diesem Bereich aktiv war, waren Frauen. Das war für mich nie wirklich ein Thema, auch wenn ich damals häufiger von Außenstehenden darauf angesprochen wurde.

Aktuell sorgen die laufenden Diskussionen rund um die sich abzeichnende Ampelkoalition in Berlin aber wieder einmal dafür, dass ich mich in meiner grundsätzlich ablehnenden Haltung gegenüber Quotenregelungen bestätigt fühle.

Für das Amt des Gesundheitsministers wird seit Monaten über die Person von Karl Lauterbach diskutiert. Und egal wie man persönlich zu seiner Person steht, dass Lauterbach grundsätzlich sehr gut geeignet sein dürfte, dieses Amt von Jens Spahn für die kommenden vier Jahre zu übernehmen, dürfte unstrittig sein. Doch der Gesundheitsexperte der SPD droht bei der Vergabe der Ministerämter, obwohl sein Fachbereich an die eigene Partei gehen soll, leer auszugehen. Aufgrund seines Geschlechts. Das wäre, ein Unding!

Der kommende Bundeskanzler Olaf Scholz hat stets betont, dass sein Kabinett paritätisch besetzt werden soll. Es soll ebenso viele männliche wie weibliche Minister in seiner Regierung geben. Was auf den ersten Blick ein nachvollziehbarer Ansatz sein mag, könnte ausgerechnet in Bezug auf Lauerbachs Ambitionen auf den Posten des Gesundheitsministers sein entscheidender Nachteil werden.

Glaubt man den kursierenden Spekulationen und Durchstechereien, kommt die SPD, da Grüne und FDP bei der Besetzung ihrer zugesprochenen Ministerien bisher mehr Männer als Frauen nominieren werden, unter Zugzwang mehrheitlich Frauen für ihre Ministerposten zu benennen, um das Ziel einer paritätischen Besetzung nicht aus den Augen zu verlieren.

Das klingt in Anbetracht der bereits durchgesickerten Namen auch logisch. Nur, warum am Ende ausgerechnet Lauterbach, einer der vielleicht renommiertesten und erfahrensten Kandidaten für das Amt des Gesundheitsministers dabei  ins sprichwörtliche ‚Gras‘ beißen soll, das ist für Außenstehende schlicht nicht nachvollziehbar.

Lauterbach selber betonte zwar in Interviews zuletzt stets, dass es ihm nicht um seine Person gehe, dass auch andere SPD-Politiker/innen für den Posten gut geeignet wären, doch wäre alles andere als ein SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach für viele Leute in diesem Lande schlicht nicht nachvollziehbar. Für mich auch nicht.

Da ließe sich sicherlich ein anderer Posten, der entgegen der bisherigen Planung mit einer Frau statt einem Mann besetzt werden könnte, wenn man der Idee einer Quote bei der Verteilung der Posten denn schon unbedingt umgesetzt werden soll, finden. Lauterbach nach all seinem Engagement in den vergangenen Jahren zu übergehen, nur weil er das ‚falsche Geschlecht‘ hat, wäre schlicht nicht nachvollziehbar und würde der Ampel schon den ersten Knacks versetzen, bevor es richtig losginge. Deutschland sollte sich glücklich schätzen, in Zeiten der Corona-Pandemie einen Minister für dieses undankbare Amt zur Verfügung zu haben, der so gut im Thema eingearbeitet ist. Andere Minister müssen als Laien erst langsam in ihr zugeteiltes Ministerium finden. Bei Lauterbach wäre das anders.

Nicht zu glauben, dass die SPD offenbar ernsthaft mit dem Gedanken spielt, hier nicht auf eine ihrer wenigen verbliebenen Kapazitäten und Persönlichkeiten zu setzen.

RuhrBarone-Logo

35 Kommentare zu “Karl Lauterbach nicht zum SPD-Gesundheitsminister der Ampel zu machen, wäre ein Unding!

  • #1
    Kai

    Ein Gesundheitspolitiker soll Gesundheitsminister werden? Sowas geht doch nicht. Das würde die Wähler nur verwirren.

    Ich habe die Tage " Das hat man nun davon" mit Heinz Erhardt gesehen. 50 Jahre alt, aber immer noch sehr aktuell.
    https://www.youtube.com/watch?v=kGIUTnxWUyQ

    […]dem eigentlichen Landwirt Kuhländer, der mit seiner Rolle als Finanzminister völlig überfordert ist, der neue Landwirtschaftsminister Dr. Finz, der eigentlich aus der Finanzbranche kommt und von Landwirtschaft keine Ahnung hat[…]

  • #2
    Ke

    Das wäre ein Armutszeugnis.
    Der einzige potenzielle Fachexperte muss Minister werden.
    Die Diversity Fans kamen bisher im Kabinett noch nicht auf ihre Kosten.

  • #3
    Helmut Junge

    Der wäre womöglich der einzige kompetente Minister, und wer will das schon?
    Die Nullen würden die Eins sowieso absäbeln.
    Vermutlich muß es an der Stelle jetzt gerade eine Frau sein, damit die Quote stimmt.
    Genau jetzt.
    Wenn er nur Karla hieße und nicht Karl.
    Aber da das Geschlecht sowieso ein soziales Konstrukt ist, muß ihm vielleicht gerade nur so zumute sein. Dann wäre es ja gut. Ich würde sein Befinden wahrscheinlich akzeptieren.

  • #4
    rwetroja

    Lauterbach ist Gesundheitsökonom, mit der Betonung auf Ökonom, und das letzte was man will, ist das Gesundheit zur Ware wird und der Wert nur noch nach dem Preis bestimmt wird.

    Er ist gut in der Pharmaindustrie vernetzt. Auch wenn er ein Studium in anderen Bereichen (Humanmedizin und Epidemiologie) hat, so hat er dort nicht veröffentlicht oder gearbeitet.

    Also im Prinzip der Friedrich Merz im Gesundheitswesen.

    Ein guter Startpunkt für weitere Recherche ist hier: https://www.lokalkompass.de/dortmund/c-politik/skandale-des-spd-gesundheitsexperten-lauterbach_a1551122 und hier

    https://www.doctors.today/a/die-ansichten-des-karl-lauterbach-1591773 oder da

    https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/nebentaetigkeiten/karl-lauterbach-und-das-versteckspiel-mit-dem-nebenverdienst-update

    Viel Spaß beim Lesen

  • #5
    discipulussenecae

    Irgendwann habe ich mal gelernt, daß es eine Errungenschaft der Demokratie gewesen sei, das nach Ständen gestaffelte Wahlrecht abgeschafft zu haben. Wenn jetzt aber den rot-grünen Quotenfetischistinnen+außen Gruppenzugehörigkeit zu Frauen, Migranten, FLINTAs und sonstigen wichtiger als die fachliche Qualifikation ist, bedeutet das schlicht die Wiedereinführung eines bereits überwundenen Systems.

    Im übrigen wurde die DDR-Volkskammer nach genau diesem Prinzip bestückt, nur wurden jeweils andere Gruppen bevorzugt. Aber das ist wahrscheinlich noch niemandem aufgefallen …

  • #6
    ccarlton

    Echt? Hier wird ernsthaft erwartet, dass politische Ämter nach Qualifikation vergeben werden? Wo wart ihr die letzten Jahre?

    Wir haben einen Bankkaufmann als Gesundheitsminister.
    Wir hatten eine Arbeitsministerin, die nie gearbeitet hat(außerhalb der Partei).
    Wir hatten eine Verteidigungsministerin….

    Die Liste ließe sich fortsetzen.

  • #7
    Wolfram Obermanns

    "Und egal wie man persönlich zu seiner Person steht, dass Lauterbach grundsätzlich sehr gut geeignet sein dürfte, dieses Amt von Jens Spahn für die kommenden vier Jahre zu übernehmen, dürfte unstrittig sein."
    Hier!
    Ich halte ihn für untauglich.
    Als Dauertalkgast ist er sicher total qualifiziert. Als Kommunikator bei einer eher semitödlichen epidemischen Lage (0,8% laut Wieler) erscheint mir eine Kassandra aber klare Nachteile für eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit mitzubringen.

  • #8
    Robert Müser

    Wo kommen wir denn hin, wenn nach Chaos-Andy und dem Verwirrten Jens auf einmal Menschen auf die Ministerposten kommen, die einen Grundfunken Ahnung von ihren Fachbereichen haben?

    Das Wahlvolk sollte mit solcher Kompetenz nicht überfordert werden.

  • #9
    Helmut Junge

    @Wolfram Obermanns, von den 735 Abgeordneten verteten 13 (Dreizehn) die Naturwissenschaften. Mehr nicht. Zufällig oder nicht zufällig sind das alles Ärzte. Keine Physiker, Chemiker, keine Mathematiker. Vermutlich auch keine Ingenieure.
    Siehe hier:https://www.welt.de/wirtschaft/article234058756/Bundestagswahl-Das-sind-die-Berufe-der-neuen-Abgeordneten.html
    Wenn du dir diese Tebellen ansiehst, kannst du vielleicht verstehen, was ich meine. Ich hätte mich auch noch riesig gefreut, wenn da jemand dabei sein würde, der weiß und versteht, was passiert, wenn man einen Motor startet, das Licht anknipst, oder telefoniert. All diese Leute werden Entscheidungen treffen, von denen sie nichts verstehen. Das macht mir Sorgen.

  • #10
    Walter Stach

    Robin,
    ich verstehe Dein Engagement für Prof. Dr.med. Lauterbach als neuen Gesundheitsminister und teile Deine Enttäuschung , wenn er es als Mediziner und Gesundheitsökonom mit langjährigen Erfahrungen als Gesundheitspolitiker nicht werden sollte.

    Dass sich Parteien/Fraktionen nicht nach solchen bzw. nicht nach vergleichbaren Kriterien richten, wenn sie jemanden für die Berufung in ein Ministeramt vorschlagen, ist weder neu noch außergewöhnlich, sondern jahrzehntelange Praxis -nicht nur hierzulande. Und diese Praxis hat sowohl erfolgreiche Minister als auch krasse Versager produziert.

    "Wir " werden also sehen und abzuwarten haben, ob Lauterbach oder XY einen "guten Job" als Gesundheitsminister machen wird oder sich als krasser Versager erweisen wird.

    (Robin,
    wenn Du Dir alle mittlerweile bekannten Vorschläge der Parteien für die Ministerämter ‘mal näher ansiehst, könnte es durchaus sein, daß Du ähnlich wie in Sachen "Gesundheitsminister" ins Grübeln kommst. Ich werde dieses "Fass" aber hier nicht weiter aufmachen.)

  • #11
    Andreas Belle

    Der einzige Politiker der SPD der mich bisher überzeugt hat wird nicht berücksichtigt. Kein guter Start in die Ampelregierung.

  • #12
    abraxasrgb

    Ausnahmsweise finde ich die Frauenquote gut, wenn sie Deutschland vor dem Klabauterbach bewahrt 😉
    Der ist mit seiner Paranoia völlig ungeeignet!

  • #13
    Thomas Baader

    "Und egal wie man persönlich zu seiner Person steht, dass Lauterbach grundsätzlich sehr gut geeignet sein dürfte, dieses Amt von Jens Spahn für die kommenden vier Jahre zu übernehmen, dürfte unstrittig sein."

    Ich widerspreche. Mit Nachdruck.

    Und da dürfte ich nicht der einzige sein.

  • #14
    Wolfram Obermanns

    #9 Helmut Junge
    Mehr naturwissenschaftlich, technischer Sachverstand im Bundestag wäre sicher nicht schlecht, nur sind Techniker und Wissenschaftler meiner Einschätzung nach für das politische Tagesgeschäft verdorben, man könnte auch sagen fehlqualifiziert.

    Bei Lauterbach kritisiere ich auch weniger seinen Sachverstand zu Virologie und Exponentialfunktionen, da lag er mit seinen Prognosen nicht signifikant häufiger daneben als andere Fachleute, die am Thema dran sind (Drosten, Streeck). Als Politiker hätte er wissen können/sollen, bei gegebener Sterblichkeit wird die Gefahr für viele eine abstrakte sein und bleiben. Für diese Bürger ist Lauterbach einfach hysterisch und damit unglaubwürdig.

    Berufshysterikern gefällt die Masche natürlich genauso gut wie ein "Macher". Nur das Berufshysteriker Macher nicht von Maulhelden wie Söder unterscheiden können. Meine Annahme ist, Lauterbach würde ähnlich wie der Bayer scheitern, seine Rhetorik lässt sich nicht in anwendbare Politik umwandeln.

  • #15
    Robert Müser

    @13:

    Jede Arzthelferin dürfte den Job des Gesundheitsminister besser ausfüllen als unser aktueller Amtsträger.

  • #16
  • #17
    ke

    Lauterbach hat seinen Wahlkreis mit einem guten Ergebnis gewonnen.
    Deckung durch die Landesliste hatte er nicht.

    Die SPD demontiert sich selbst, wenn sie ihren Experten mit starken Ergebnissen bei den Wahlen nicht auch eine Chance gibt.

  • #18
    Tagedieb

    Ich weiß nicht.

    Mir fällt Herr Lauterbach als schrille Kassandra auf, die sich in einer medialen Aufmerksamkeitsblase genüsslich räkelt. Seine schrillen Warnungen sind jetzt kein Hexenwerk, sprich, dafür muss man nicht unbedingt einen Doktor in Medizin haben, um die Entwicklung des Infektionsgeschehens vorherzusagen. Seine Vorschläge zum Umgang mit dieser Pandemie sind jetzt auch nicht besonders differenziert. Da sollte man als Mediziner schon mehr drauf haben, als pauschal alles ruhig stellen zu wollen. Und er scheint leicht wahnhafte Züge zu besitzen (Ablehnung von Salz im Essen).

    Ob das gute Voraussetzungen für einen Gesundheitsminister sind? ich weiß wirklich nicht.

  • #19
  • #20
    Andreas Flenker

    #19

    Steigerung:
    Vermutlich auch der Patient Roboter Müser einer Artzpraxis…..

    Edit
    Merkste selber, ne!?

  • #21
    thomas.weigle

    @ke Nicht zu vergessen, dass Lauterbach mit Frau Güler eine sehr respektable Mitbewerberin hatte.

  • #22
    Angelika, die usw.

    #18
    "…Mir fällt Herr Lauterbach als schrille Kassandra auf,…"

    Mir fiel seit Beginn der Pandemie dies auf:
    Alles andere als schrill, nämlich in ruhiger, besonnener Art (vielleicht für den einen, die andere etwas spröde, aber L. geht es nicht um einen Beliebtheitswettbewerb, er möchte mithelfen, dass die Menschen gut durch die Pandemie kommen, dass Todesopfer und Long-Covid vermieden werden) twittert Lauterbach seit Beginn der Pandemie mit Marathon-Fähigkeiten und größter Fairness (Angriffe ignorierend (Angriffe zu seinem Äußeren, seiner Ernährung, seiner Parteizugehörigkeit,…) zum Thema Covid19. Er liest Forschungsberichte u.v.a.m., gibt die Quellen bei tw. an, fasst das wesentliche zusammen – die Hypothesen, die Ergebnisse, die Fehlannahmen, die Misserfolge, die Erfolge. Er berichtet, dass er aufgrund neuerer Erkenntnisse (immer Verweis auf Quellen) nun von Ansatz A, zu B kam usw. usw.. Er gibt zu, wo er falsch lag (und das kann nicht jeder!). Und das alles immer wieder mit dem Hinweis, dass er nicht auf einzelne Antwort-tweets eingehen kann (zeitlich), aber die Antwort-Tweets liest, berücksichtigt, die Fragen der Twitterer in sein Lesen hineinnimmt usw..

    Mir fiel bei twitter oft auf, dass sich Fachärzte (Intensivmediziner in Krankenhäusern, andere Fachärzte in Krankenhäusern, niedergelassene Ärzte) mehrheitlich positiv zu Lauterbach äußern.

    Dass Herr Lauterbach salzlos isst, ist seine Sache. Wenn er täglich eine Stunde oder länger auf einem Bein stünde, wäre das auch seine Entscheidung.

  • #23
    Helmut Junge

    Ich empfinde Lauterbach garnicht als schrill. Er warnt aber. Und das scheint zu stören.
    Sachlich auf eine Katastrophe hingewiesen hat vielleicht auch die antike Kassandra. Man stellt sie sich nur schrill vor, weil niemand gern Warnungen hört. Wer gestört wird, empfindet jede Warnung als schrill. Das will man doch nicht hören, sondern lieber weiter spielen.

  • #24
    Arnold Voss

    @ Angelika # 22

    Lauterbach war nicht der einzige, der bei der Pandemie leben retten wollte. Aber er war der einzige, der das am laufenden Band in jede Kamera und jedes Mikrofon gesagt hat und noch sagt. Wer sich wie er permanent in die öffentliche Diskussion einmischt ist auch nicht ruhig und besonnen sondern manisch darauf bedacht, dass er auf keinen Fall überhört wird. Und so redet er auch.

    Das Ergebnis dieser Art zu kommunzieren war, dass er eben nicht das erreicht hat, was er wollte. Dass seine Warnungen zwar gehört aber nicht befolgt wurden. Und dass das sich, obwohl er mehrfach recht behielt, bis heute nicht ernsthaft geändert hat. Ruhig und besonnen zu sein und das heißt vor allem weniger zu sagen und dafür eindringlicher und vor allem weniger kassandrisch, hätte ihm diesbezüglich sehr wahrscheinlich mehr Erfolg beschieden.

    Vor allem hätte man ihm dann seine Fehlprognosen, die es ja auch gab, bzw. wo er auf Grund der von ihm vorher nicht genau geprüften Fakten zurückrudern musste, eher verziehen. So aber hatte er sehr bald eine bestimmtes Immage weg, dass dem, was er ja zweifellos an guten Absichten hatte, entgegen arbeitete. Seine wenigen Fehler wurde im nämlich höher angerechnet als sein vielen richtigen Warnungen. Aber wer kein Maß kennt, der nervt eben auch und gerade wenn er recht hat.

  • #25
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Arnold: Das sehe ich komplett anders. Ich rechne es Lauterbach sogar sehr hoch an, dass er nicht wie Drosten irgendwann den Rückzug angetreten hat, als er merkte, dass viel zu viele Leute eben nicht auf ihn gehört haben, obwohl er fast immer richtig lag, sondern unverdrossen weitergemacht hat, das zu sagen, was er richtig und wichtig fand. Es wäre für ihn doch auch deutlich einfacher gewesen, wie Drosten, irgendwann den Rückzug anzutreten, als er sich immer wieder ‘überhört’ fühlte. Ich bin ihm für sein ungewöhnlich großes Durchhaltevermögen als Mahner dankbar.

  • #26
    Helmut Junge

    Was sagt ihr denn zu simplen Zahlen? Germany liegt hinter den USA plötzlich auf Platz 2. Noch vor Großbritannien, vor Rußland.
    https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/dashboards/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

  • #27
    abraxasrgb

    Helmut Junge, ganz ehrlich?
    Das Deutschland, als ehemaliges Hochtechnologie-Land mit ehemals funktionieredem politischen System, dem Parlamentarismus als Methode der gesellschaftlichen Entscheidungsfindung, im Krisenmanagement völlig versagt hat. Das ist eine Altlast der vorherigen Bundesregierung, unserer autoritären Kultur und der sturen mehr-von-denselben-Methoden. Plus papieraffiner Verwaltung, Regelarbeitszeiten der Verwaltung (Krisen haben eine 35 Stundenwoche und pausieren am Wochenende, das Freitags nach dem Mittag anfängt) und Aberglaube an eine einzige Lösung. Ach ja, ich vergass die heilige Kuh des Datenschutzes bzw. wie er als Ausrede instrumentalisiert wird.

    Herzlichen Glückwunsch Mutti, hast du echt prima gemacht 🙁

    Wobei ein Ranking nach absoluten Zahlen schon etwas suggestiv ist 😉 peinlich und dämlich ist der Sachverhalt allemal. Nein, diesmal keinen Hinweis aus das skandinavische Land, dafür auf Taiwan, die ich lange aus den Augen verloren hatte. Taiwan ist von Anfang an und bis heute anscheinend recht unbeschadet durchgekommen. Ist aber eine Insel, insofern isoliert und nur schwer vergleichbar. Aber Taiwan und viele andere asiatische Länder haben eine völlig andere Strategie gewählt.
    Ich würde mir Debatten, Diskussionen und Dialoge über in vielen Dimensionen (Krankheit, Freiheit, Maßnahmen) erfolgreichere Strategien wünschen. Scheint hierzulande mal wieder nicht zu funktionieren. Aber wir haben ja die gesellschaftlichen Sündenböcke schon identifiziert, was muss man da noch diskutieren, wenn das #alternativlos geglaubt wird. 🙁
    Es wird, da bin ich mir sicher, auch nicht wesentlich besser werden, wenn wir eine Impfquote/Impfpflicht von 100% haben und dann noch den gesamten Haustier- und Wildtierbestand mitimpfen und boostern. Das Problem Deutschlands liegt, da bin ich mir sicher, völlig woanders. Leider ohne genau benennen zu können, wo es liegt, denn es scheint mir eine sehr komplexe, unglücksselige Verkettung von mehreren Faktoren zu sein, die in ihrer Wechselwirkung dieses buchstäblich fatale Ergebnis hervor bringen. Einige davon sind durchaus personalisierbar, andere eher systemischer Natur und damit auch deutlich schwieriger zu verstehen, als eine- sorry- eigentlich triviale Exponentialfunktion.

  • #28
    Arnold Voss

    @ Beitragsautor # 25

    Das darfst du gerne komplett anders sehen. Aber entscheidend ist doch, was bei diesem Durchhaltevermögen herausgekommen ist, oder nicht? Zur Beantwortung dieser Frage ist es – tut mir leid – völlig egal, was du an Lauterbach überzeugend findest, sondern wieso so viele ihn nicht überzeugend fanden. Oder meinst du, dass die alle einfach nur viel blöder und / oder fahrlässiger sind als du?

    Offensichtlich scheint dir deine Begeisterung für Lauterbach die schlichte, aber doch durchaus berechtigte Frage zu verbieten, ob er nicht selbst daran (mit) schuld sein könnte. Ob das, was von dir, als hier immer wieder auftretendes Mitglied des "Teams Vorsicht", als Durchhaltevermögen glorifiziert wird, bei anderen – egal ob es seine Absicht war oder nicht – eher als Mediengeilheit rübergekommen ist .

    So oder so wäre Lauterbach ohne Corona nur einer der vielen Fachsprecher seiner Partei geblieben. Allerdings einer, der beratend und führend an der Veränderung genau der Rahmenbedingen mitgewirkt hat, die eben die Verknappung an Intensivbetten zur Folge hat, die im Moment die Krise massiv verschärft. Dazu habe ich übrigens bis heute kein Wort von ihm gehört. Auch nicht, dass er sich, zumindest seit Beginn von Corona, massiv für eine Aufstockung der entsprechenden Reserven und ein massive Besserbezahlung des Pflegepersonals eingesetzt hätte.

  • #29
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Arnold ’28: "Aber entscheidend ist doch, was bei diesem Durchhaltevermögen herausgekommen ist, oder nicht?"

    Na, dann würden/werden aber viele allgemein hochgeschätzte Vertreter der Menschheit(sgeschichte) in deiner Bewertung ziemlich übel wegkommen. 😉

  • #30
    Angelika, die usw.

    #24 @Arnold Voss
    "…Aber er war der einzige, der das am laufenden Band in jede Kamera und jedes Mikrofon gesagt hat und noch sagt…"

    Diese Aussage beinhaltet, dass Sie Ihr Fernsehgerät ab und zu mal ausschalten sollten …

    Ich schau nicht Lanz, Illner, Anne Will, Maischberger und so … (kann ich nicht, zu langweilig, schaffe nur fünf Minuten – ich kann ModeratorInnen nicht ausstehen, die dauernd unterbrechen -> I do like PHOENIX … und da saß nicht nur Lauterbach … ach ja, Beisenherz war auch interessant, da dürfen die Leute zeitweise auch ausreden). Lauterbach in tv-news da und da und da konnte ich ‘verpacken’. Mein Kommentar bezog sich auf twitter, Hinweise auf Fachaufsätze u.a., Erklärungen usw. (siehe vorher).

    Wenn L. sich nun an die Straßenecke stellte, laut wegen seiner früheren Aussagen (Krankenhauskapazitäten usw.) "War falsch!" riefe, dann hätt der Kölsche Jung halt gerufen, aber es ändert nichts daran, dass er z.Z. kompetent informiert (Thema Covid19) und darum ging es in meinem tweet.

  • #31
    Arnold Voss

    @ Autor # 29

    Lesen hilft. Es geht in meinem Kommentar eindeutig darum, wieviel er selbst Schuld an seinem Mißlingen trägt. Nicht darum, dass auch kluge Menschen scheitern können.

  • #32
    Arnold Voss

    @ Angelika .. # 30

    Sie brauchen nicht jeden Tag die Glotze anmachen, um zu wissen wie oft Lauterbach sich wo äußert. Googeln sie ihn einfach. Das geht schneller Und natürlich muss man ihn sich auch anhören um sich ein Urteil bilden zu können.

    Um es nochmal klar zu sagen: Lauterbach ist Teil eines alarmistischen Dauerbeschusses der sein Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern im Gegenteil mit zur Verschärfung der Krise beigetragen hat.
    Dahinter stehen sehr schlichte psychologische Gesetzmäßigkeiten die jeder kennen kann, der sich mit Massenkommunikation beschäftigt. Knapp gefasst: Ab einer bestimmten Stufe erreicht man das Gegenteil von dem, was man bezweckt hat. Sprich man erreicht nur noch die, die sowieso schon so denken. Die anderen wenden sich ab und werden eher fahrlässiger.

  • #33
    Arnold Voss

    @ Angelika..# 30

    P.S. Er war sogar ein exponierter Teil dieses alarmistischen Dauerbeschusses, weil er perfekt ins Tableau der darauf getrimmten Medienmacher passte und passt. Das ist auch der eigentlich Grund für seine mediale Dauerpräsenz die er allerdings in den sozialen Medien nocheinmal selbst verstärkt hat. Mit dem Ergebnis, dass seine Follower im jedes Wort von den Lippen ablesen und ihn sich als Gesundheitsmisnister wünschen, während er den Rest kaum noch erreicht. Schade eigentlich, aber wie gesagt, zu einem großen Teil selbst verschuldet. Drosten hat diesen Mechanismus begriffen. Lauterbachs Persönlichkeit lässt das leider nicht zu.

  • #34
    der, der auszog

    Abgesehen, davon, dass mir eine Außenministerin Annalena Baerbock wesentlich größere Zahnschmerzen bereitet als ein Gesundheitsminister Karl Lauterbach je bereiten könnte, frage ich mich trotzdem, welche Kriterien ausgerechnet Lauterbach zum Mann der Stunde machen sollte.

    Hat Lauterbach Qualitäten als Redner? – Lauterbach ist ein Vielredner.
    Mit der Qualität von Politikeraussagen ist es aber ähnlich bestellt wie mit Damenunterwäsche: Weniger ist oft mehr. Ein Mensch, der sich in Schweigen hüllt, um im entscheidenden Moment die Sache auf den richtigen Punkt zu bringen, ist als Ministerin oder Minister wesentlich reizvoller, als jemand, der sich immer mal wieder entschuldigen muss, weil er bei jeder Gelegenheit erzählt, was ihm gerade durch den Kopf geht, auf dem Herzen liegt, über die Leber läuft oder sonstige Körperorgane in Wallungen bringt. Immerhin hat man als Bürger erfahren, dass Lauterbach nicht nur nach Lösungen in der Pandemie sucht, sondern darüber hinaus auch nach einer Frau.

    Hat Lauterbach Qualitäten, weil er Arzt ist?
    Als Bürger könnte man meinen, dass Ärzte aufgrund ihres Berufes eine besondere Gabe haben müssten, eine Bedrohung der Volksgesundheit, ja der ganzen Menschheit zu beurteilen, einzuschätzen und die bestmöglichen Lösungsansätze zu präsentieren, um gegensteuern zu können. Aber eigentlich haben alle Ärzte in der Coronakrise, die gleichzeitig ein politisches Amt mit Entscheidungsbefugnissen hatten, kläglich versagt und die Situation teilweise verschlimmert. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Lothar Wieler, Chef des Robert Koch Instituts, der nicht in der Lage war, die Dimension der Pandemie frühzeitig zu erkennen, obwohl dies eines der Hauptaufgaben der von ihm geleiteten Behörde ist, und der den Bürger im Zusammenhang mit der Wirkung von Schutzmasken wochenlang an der Nase herumgeführt hat. Da ist der Arzt Helge Braun, den die Noch-Kanzlerin aufgrund seines Berufs zum Kanzleramtsminister gemacht hat und da ist die Ärztin Ursula von der Leyen die von derselben Kanzlerin zur EU Kommissionspräsidentin gemacht wurde, nachdem sie die Bundeswehr vor die Wand gefahren hat, um anschließend in ihrer neuen Position als EU Chefin auch noch den Einkauf von Vakzinen für den ganzen Kontinent zu versemmeln.

    Der Vorteil, den Lauterbach im Vergleich zu oben genannten Politärzten hat liegt lediglich darin, dass er mit seinem Reden und Tun in der Corona Pandemie keine nennenswerten Schäden anrichten konnte, da ihm schlichtweg ein Amt mit weitreichender Verantwortung, wie es beispielsweise eine Behördenleitung oder ein Ministeramt wäre, fehlt. Insofern ist es einfacher, ihm seine Fehler zu verzeihen.

    Im Gegensatz zu Braun und von der Leyen ist Lauterbach allerdings nicht in einer so komfortablen Situation, dass ihm eine Kanzlerin oder sonst wie wohl gesonnene Person den Weg in eine neue, möglicherweise noch höhere politische Position ebnet, etwa als Kandidat für den Parteivorsitz der größten Volkspartei Europas oder als Präsident der Europäischen Kommission.
    Um Minister zu werden kämpft Karl Lauterbach ganz allein auf weiter Flur und kann sich noch nicht einmal auf seine Partei verlassen. Wahrscheinlich sind deshalb die vielen Mikrophone für ihn so wichtig.

    Und wenn Cem Özdemir Landwirtschaftsminister werden muss, weil es wichtiger ist, einer hochstapelnden Frau, die trotz völlig vergeigter Performance und mehrfach dokumentierter Unfähigkeit den Vortritt im Ausweiten Amt zu lassen, nur weil sie eine Frau ist, statt einen auf dem internationalen Parkett erfahrenen Politprofi, mit schwäbisch-anatolischem Hintergrund, dann wird es sicherlich auch für Karl Lauterbach ein tolles Pöstchen geben. Muss ja nicht mit Gesundheit zu tun haben. Unter Umständen reicht schon Quotenmann.

  • #35
    Helmut Junge

    @abraxasrgb (27), ich hab heute wenig Zeit, und es gibt viel zu sagen. Darum muß ich meinen Kommentar aufteilen. D.h. ich kann heute nicht auf jeden deiner Gedanken eingehen.
    Erstens: es gibt zwischen uns keinen Streit über die Merkelzeit. Die wird schon sehr bald selbst von ihren bisherigen Verteidigern als Zeit der Versäumnisse bezeichnet werden. Das kommt sicher, weil zukünftige Regierungen sich immer rechtfertigen mit Fehlern der Vorgängerregierung. Und tatsächlich gibt es viele wichtige Versäumnisse. Kritik an Merkel wird m.A. schon sehr bald zur billigen Ausrede.
    Nur hilft uns das nicht weiter, wenn wir erklären wollen, warum wir uns zur Zeit derart massig anstecken, daß wir uns an die Spitze der Ansteckungsraten der Welt katapultieren. Und das geschieht. Wir hören zwar Warner wie Lauterbach, aber gleichzeitig auch immer, fast beruhigend, daß es woanders noch viel schlimmer wäre.
    Aber das ist nicht wahr. Wir sind so sehr an der Spitze, daß mein brasilianischer Freund Ulysses mir schreibt, daß die Brasilianer sich fragen, wie das sein kann, daß sie trotz ihres unfähigen Diktators derzeit besser dastehen als Deutschland. Wir sind einem Dauerfeuer von Warnern und von Besänftigern ausgeliefert. Und das macht mürbe. Der kassandra hatte niemand mehr geglaubt, weil sie immer wieder gewarnt hatte. Trotzdem ist die Katastrophe gekommen. Die Frau wurde als störend empfunden. aber wie kommt es zu den massenhaften Ansteckungen? Und danach müssen wir uns wirklich befragen. Versäumnisse in der Vergangenheit sind nicht die Antwort, denn letztes Jahr standen wir trotz dieser Versäumnisse deutlich besser da. Glück? Kann sein. Spahn hatte es sich als seine Leistung gut geschrieben. Das blinde Huhn an sich.
    Jetzt kommt die neueste Variante aus Südafrika von Fernreisenden, und die Malleurlauber kann man nicht verantwortlich machen. Mal sehen, wer dann die Schuld hat. Die Impfunwilligen kann man vielleicht auch nicht schuldig sprechen, falls die bisherigen Impfungen nicht wirken. Die Größe der Gefahr ist noch nicht bekannt, aber die Medien fantasieren schon was das Zeug hält. Das bedeutet, daß wir nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Betroffenheitsorgan argumentieren.
    Unser Betroffenheitsorgan ist zur Zeit Häuptling.
    Ich will deshalb mal sachlich darüber etwas sagen, was ich bisher verstanden habe.
    Wir werden mit Krankheiten, die kurze Inkubationszeiten haben sehr gut fertig. Die meisten Seuchen, wie Beulenpest, aber auch Grippe haben kurze Inkubationszeiten.
    Wer sich damit ansteckt, wird schnell krank. Bei Corona dauert es länger bis man die Krankheit spürt. Bis Corona erkannt wird, dauert es deutlich länger als bei Grippe. Die Krankheit ist daher heimtückischer als andere Krankheiten, die durch einen übertragbaren Erreger verbreitet werden. Ein Mensch, der sich infiziert hat, läuft u.U. 14 Tage durch die Gegend, ohne Symptome der Krankheit aufzuweisen. In dieser Zeit überträgt er sie aber. Niemand sieht es ihm an, daß er eigentlich schon krank ist. Das ist bei Pest und Grippe anders. Wer Gippe hat, liegt nach 2 Tagen mit Fieber im Bett. Jeder weiß es. Jeder meidet ihn. Bei der Bekämpfung von Corona und den damit zusammengehörigen Schwierigkeiten geht es um die Zeit zwischen Ansteckung und der von außen erkennbarem Ausbruch der Krankheit. Als es noch keine -Impfung gab, ging es überall nur darum, diese Zeit sinnvoll zu überbrücken. Einziges Mittel war die Quarantäne. Jetzt gibt es eine Impfung, die nur wenige Monate wirkt. Danach sind Geimpfte wieder gefährdet. Das ist traurig, aber Fakt. Nur fühlten sich Geimpfte bisher sicher. Unsere Impfungen müssen daher aufgefrischt werden. Bis das geschehen ist, wird es noch lange dauern. Bei einer halben Million Impfungen dauert es 160 Tage bis die Bevölkerung durchgeimpft ist. Dann aber ist die Impfung bei denen, die zuerst geimpft wurden bereits wieder Wirkungslos. Den Rest meines Kommentars schreibe ich vielleicht morgen weiter. Es wird sonst zuviel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.