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Katastrophenschutz: „Ein Fehler war, dass der Kreis Heinsberg nicht abgeschottet wurde“

Magnus Memmeler Foto: Privat

Vergangene Woche interviewten wir Magnus Memmeler zur Situation des Katastrophenschutzes und Rettungswesens. Heute nach der Entwicklung der letzten Woche haben wir die Lage im Land neu bewertet.

Ruhrbarone: Ist die noch immer angespannte Lage mittlerweile als Katastrophenschutzfall zu bewerten?

Magnus Memmeler: Beginnen wir ruhig mit der Bewertung. Nach allem was ich weiß, befinden wir uns ganz sicher in einer sehr angespannten Lage. Von einer Katastrophe – nach Definition – sind wir immer noch weit entfernt, wenn alle Bürger die bekannten Empfehlungen befolgen. Das größte Risiko ist gerade tatsächlich die vorhandene oder eben auch nicht vorhandene Vernunft der Bevölkerung. Wir alle müssen jeden Tag wieder und wieder deutlich machen, dass körperliche Distanz, persönliche Hygiene und soziale Verantwortung beim Einkauf und auf der Straße dazu beitragen, diese Situation nur zu einer ernsten Lage werden zu lassen.

Ruhrbarone: Wie bewerten Sie die bisher einleiteten Maßnahmen zur Reduzierung der Neuinfektionen?

Memmeler: Die bisher eingeleiteten Maßnahmen sind gut, in Teilen jedoch verbesserungswürdig Es gab und gibt Fehler, es gibt Potential zur Verbesserung und es gibt Erkenntnisse, die zu einem Lernprozess führen müssen, um die Resilienz der Daseinsvorsorge zu verbessern.

Ein Fehler war und ist eindeutig, dass der Kreis Heinsberg nicht abgeschottet wurde. Zu lange sind hier Bürger in den Kreis Heinsberg hinein und wieder heraus gefahren, obwohl die Folgen einer für das Rheinland recht kleinen Karnevalsveranstaltung bekannt waren.

Es kann nicht sein, dass Städte wie Düsseldorf Unternehmer auffordern müssen, Mitarbeitende aus dem Kreis Heinsberg freizustellen. Hier wurde und wird behördliche Verantwortung der Freiwilligkeit von Unternehmern übertragen, statt als Land NRW für Rechtssicherheit zu sorgen und die Region mit den meisten Infektionsfällen vom Rest des Bundeslandes abzuschotten. Durch diese Maßnahme, das ist meine persönliche Überzeugung, hätten viele Neuinfektionen vermieden werden können.

Katastrophenschutz heißt Logistik zu denken und ein wenig, wie beim Schach, die nächste Situation vorauszudenken. Ja, es ist richtig, dass Lokale geschlossen wurden. Es heißt aber auch, dass Rasthöfe nicht mehr durch LKW-Fahrer genutzt werden können, obwohl diese einen enormen Beitrag dazu leisten, dass wir alle noch Einkäufe tätigen können. Eventuell könnten hier die Mitarbeitenden der BAG den Zutritt regeln, statt die Mautpflicht zu überwachen?

Dies ist ein Beispiel für Verbesserungspotential, da die Durchhaltefähigkeit nicht nur in Kliniken vorhanden sein muss.

Ruhrbarone: Bitte lassen Sie uns bei der Logistik im Katastrophenschutz bleiben, bevor Sie die notwendigen Lernprozesse ausführen. Welches Verbesserungspotential besteht und wer kann oder muss was tun, damit es besser wird?

Memmeler: Im Katastrophenschutz muss man Ketten denken. Was bewirkt was und welche Handlung oder Information löst was aus. Bleiben wir beim derzeit meist diskutierten Thema der gesundheitlichen Versorgung. Derzeit stecken wir alle Kraft in den Erhalt des letzten und sicherlich extrem wichtigen Gliedes in der Kette – die klinische Versorgung von Erkrankten. Dass die Kliniken und deren Versorgungsmöglichkeiten gestärkt werden ist extrem wichtig. Was aber, wenn wir dabei die ambulante Versorgung in der Kranken- und Altenpflege vergessen? Wenn die ambulante Pflege Menschen nicht mehr versorgen kann, weil Schutzkleidung, Mundschutz und Einmalhandschuhe fehlen, wir die ambulante Versorgung eingestellt und die derzeit daheim sehr gut aufgehobenen Menschen, müssten aufwendig stationär versorgt werden.

Zur Aufrechterhaltung der ambulanten Versorgung – auch in Arztpraxen – können viele beitragen. Medien könnten die Nähanleitung für Mundschutz veröffentlichen, damit der Mangel in diesem Bereich dadurch gemildert werden kann, dass viele Menschen nähen, statt Vorabendserien zu verschlingen. Die Uniklinik Essen lässt derzeit solche Masken im eigenen Wäschereibetrieb fertigen. Hier sollte zum Beispiel die Bildzeitung recherchieren, statt die Spargelernte zu thematisieren. Ich bitte das nicht falsch zu verstehen – natürlich muss auch der Landwirtschaft geholfen werden. Kinos, Theater und andere Bereiche könnten das Desinfektionsmittel bereit stellen, welches sie eventuell haben, um ambulante Gesundheitsdienste zu unterstützen, bis ausreichend Apotheken Desinfektionsmittel produzieren und die Industrie nachsteuern kann. Händler müssten meiner Meinung nach den Verkauf von Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln an Privatpersonen stoppen, um diese Ressourcen der ambulanten Versorgung zur Verfügung zu stellen.

Sie sehen, viele Menschen und viele Bereiche könnten wichtige Unterstützung leisten, ohne dass sofort die Regierung gefordert ist. Das Schöne daran ist, dass sich viele Bereiche aktiv einbringen können, statt sich, wie bisher handlungsunfähig zu fühlen.

Ruhrbarone: Was kann aber der Staat, das Land und jede einzelne Behörde verbessern?

Memmeler: Einfache Denkfehler müssen vermieden werden und die Durchhaltefähigkeit der Menschen, die zur Daseinsvorsorge beitragen muss gestärkt werden. Konkret – in meinem Heimatkreis sind die Anlaufstellen für Tests inmitten von Behördenbauten eingerichtet worden, statt, wie in anderen Bereichen, auf dem Parkplatz.

Alle Hilfsorganisationen verfügen über sogenannte mobile Sanitätsstationen, die derzeit nicht benötigt werden, da kein Sanitätsdienst bei beispielsweise Konzerten geleistet werden muss. Diese Sanitätsstationen und gegebenenfalls auch Baucontainer könnten genutzt werden, um Ansammlungen in Gebäuden zu vermeiden – besonders dann, wenn es sich um potentielle Verdachtsfälle handelt. Extrem wichtig ist es jetzt, die zu stärken, die die Versorgung leisten sollen. Es kann nicht sein, dass der Rettungsschirm nur die Wirtschaft retten soll, Sozialverbände, die zum Beispiel die ambulante Versorgung sicherstellen, jedoch außen vor bleiben sollen

Ruhrbarone: Was macht eine solche Aussage mit den Menschen, die wir gerade dringend benötigen?

Memmeler: Wer zur Durchhaltefähigkeit des Systems beitragen will, muss hier schnell eine positive Antwort für das eingesetzte Personal finden. Kliniken finanzieren sich über erbrachte Leistungen, zum Beispiel OP`s, welche derzeit reduziert wurden, um Intensivbetten zur Verfügung stellen zu können. Auch diese finanziellen Einbußen müssen vermieden werden, wenn man Konkurse in Kliniken vermeiden will, damit das System auch in 2022 noch funktioniert. Sie sehen, auch hier muss in Ketten gedacht werden. Was kann mein Handeln / meine Aussage oder Nichtaussage anrichten oder im positiven Fall bewirken. Zivilgesellschaftliches Engagement muss koordiniert werden, damit möglichst viele daran teilhaben können. In meiner Heimatstadt hat die Kommune eine Hotline zur Vermittlung dieser Angebote eingerichtet. Das ist gut und vorbildlich, da den Menschen so gezeigt wird, dass die bestehenden Strukturen stabil sind und die bedürftigen Menschen nicht gefordert sind zu recherchieren, wo ist wer bereit mir zu helfen.

Ruhrbarone: Das klingt zunächst nach Selbstverständlichkeiten – wieso konnte das alles nicht von Beginn an so geregelt werden?

Memmeler: Bei einigen Dingen verstehe ich das tatsächlich nicht – beispielsweise bei Räumen für Abstrichen inmitten von Gebäuden. Bei anderen Dingen müssen wir fair bleiben. Tatsächlich war es ein Freitag der 13., der vieles, was zuvor selbstverständlich war, verändert hat und die Erkenntnisse, die zu diesem Zeitpunkt vorhanden waren, haben zu Handlungen und Maßnahmen geführt. Wie Sie eingangs völlig richtig sagten, muss die Lage ständig neu bewertet werden. Diese Tatsache führt dazu, dass in vielen Bereichen kontinuierlich nachgebessert werden muss und in manchen Bereichen bekannte Maßnahmen zunächst als ausreichend angesehen wurden. Das System der Daseinsvorsorge lernt jeden Tag und das ist auch gut so. Manche Entwicklungen hängen aber tatsächlich von der Vernunft der Allgemeinheit ab. Kein normal denkender Mensch konnte ahnen, dass die Menschen der eigene Stuhlgang mehr beschäftigt, als die persönliche Hygiene. Dieses Beispiel mag banal sein, zeigt jedoch recht deutlich die Mechanismen, die von Behörden nur bedingt bei der Planung berücksichtigt werden können.

Ruhrbarone: Warum besteht derzeit ein wahrzunehmender Mangel an Schutzkleidung?

Memmeler: Weil vieles davon in Asien produziert wird und dort zuerst die Produktion benötigt wurde. Daraus sollten wir lernen, dass Resilienz auch bedeutet Unabhängigkeit zu erzeugen. Nach Corona müssen wir uns fragen, was muss tatsächlich und in Gänze dem in Teilen brutalen Markt unterworfen werden? Wie Sie wissen, habe ich diese Frage auch schon oft und laut beim Thema Rettungsdienst gestellt. Hier erfolgte durch die Hartnäckigkeit vieler Beteiligter eine Klarstellung des EuGH. Der Rettungsdienst darf keinem extremen Vergaberegime unterliegen, wenn wir eine sichere rettungsdienstliche Versorgung in Anspruch nehmen wollen. Keine Krankenschwester, kein Pfleger, keine Verkäuferin und auch kein LKW-Fahrer oder Müllwerker kann seine Miete vom derzeit ehrlich gemeinten Applaus oder der Kerze im Fenster bezahlen. Auch hier müssen wir lernen und uns fragen, warum in derzeit systemrelevanten Berufsgruppen keine allgemeingültigen Tarife gelten oder eine Unsicherheit besteht, ob Sozialverbände unter den Rettungsschirm fallen sollen. Lernen heißt hier konkret, dass die Berufszufriedenheit bei diesen Berufsgruppen erzeugt wird, die erforderlich ist, um auch zukünftig in diesen Berufsgruppen arbeiten zu wollen. Sonst droht sich der schon vor Corona bestehende Pflegenotstand weiter zu verstärken um nur eine Berufsgruppe zu nennen. Zusätzlich muss für die Zukunft natürlich geklärt werden, dass der Vertrieb von erforderlichem Hygienebedarf eventuell früher für systemrelevante Bereiche gesichert werden muss, wenn dessen Bedarf erkennbar wird. Bitte fragen Sie mich nun nicht, wie das in der freien Marktwirtschaft funktionieren soll. Ich kann hier nur meinen Wunsch äußern, dass diese Regelungen bitte nicht durch die Personen stattfinden sollte, die in der Vergangenheit dazu beigetragen haben, dass der Markt in der jetzigen Härte zentrale Stellen in der Gesundheitsvorsorge beherrscht.

Ruhrbarone: Herr Memmeler, das klingt eher nach Sozialkritik denn nach Katastrophenschutz. Was macht die Lage gerade mit Ihnen? Sind Sie noch immer gut vorbereitet?

Memmeler: Wie wir alle verfolge ich die Nachrichten aber auch die sogenannten Sozialen Medien. Selbstverständlich hinterfrage ich deshalb das Ist und versuche deshalb schon an die Zukunft zu denken. Durch meine berufliche Vergangenheit habe ich erlebt, was der Druck des Marktes mit Mitarbeitenden im Rettungsdienst gemacht hat. Dies übertrage ich nun natürlich auch auf die übrigen Bereiche, da ich denke und in Teilen auch weiß, dass dort die gleichen Sorgen bestehen. Eine Äußerung im Netz verdeutlicht das: „Genau die, die uns jetzt anflehen durchzuhalten, haben unser Flehen in der Vergangenheit überhört und wenn alles vorbei ist, wird es sein wie zuvor.“ Mit Verlaub, das beschäftigt mich natürlich und zeigt mir, dass wir diese Sorge für die Zukunft beseitigen müssen. Ja, Sie haben Recht – diese Nachrichten berühren mich und ich hoffe, nicht nur mich.

Persönlich fühle ich mich noch gut aufgehoben und ich baue auch darauf, dass alle zuvor genannten Potentiale der Verbesserung und vieles, was ich hier nicht genannt habe zur Verbesserung von Konzepten führen wird. Das sage ich so überzeugt, da ich viele Menschen kennenlernen durfte, die in Ministerien und Organisationen dazu beitragen, dass der Katastrophenschutz und die Gesundheitsversorgung so gut sind, wie sie es gerade sind. Deshalb werte ich meine Aussagen, mit Ausnahme der fehlenden Handlungen im Fall des Kreises Heinsberg, auch nicht als Vorwurf, sondern als Anregung von außen. Ich weiß, dass richtig viel Fachkompetenz vorhanden ist, um die wichtigen Handlungsketten aufrecht zu erhalten und diese auch weiter zu entwickeln, bis entdeckte Lücken geschlossen sind.

Ruhrbarone: Zum Abschluss – was wäre Ihre größte Bitte an unsere Leser und denken Sie wirklich, dass sich nach dieser Krise etwas ändern wird?

Memmeler: Verwendet nicht mehr den grausamen Begriff „Soziale Distanz“! Haltet einfach den erforderlichen Abstand voneinander – besonders beim Einkauf. Zeigt soziale Nähe durch Übernahme von Verantwortung. Schickt den Leuten positive Nachrichten und keine Videos wo gescherzt wird, dass man Einkäufe mit einer Waffe erlangt hat. Überlegt Euch bereits jetzt, ob Ihr Euch zukünftig nicht dauerhaft ehrenamtlich engagieren wollt, denn genau das Ehrenamt in Hilfsorganisationen und anderen Bereichen trägt gerade dazu bei, dass unsere Daseinsvorsorge funktioniert. Und natürlich: Wascht Eure Hände!

Ich hoffe, dass sich nach der Krise viele daran erinnern werden, wie schön es war, dass es Menschen ohne soziale Distanz gab, die am Telefon oder im Netz zugehört haben. Und ich hoffe, dass möglichst lange Zeit nicht mehr alles als selbstverständlich angesehen wird. Wir sollten uns einfach darauf freuen, möglichst bald wieder lebendige Städte zu erleben. Deshalb bleibt bitte alle vernünftig.

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6 Kommentare zu “Katastrophenschutz: „Ein Fehler war, dass der Kreis Heinsberg nicht abgeschottet wurde“

  • #1
    DoqueRoque

    Sehr ansprechend.
    Hilfreich für den geneigten Leser wäre ein kurzer Satz dazu, wer Herr Memmeler ist und was ihn als Katastrophen-Experten auszeichnet. Das ist keine Kritik an den Inhalten, nur am journalistischen Handwerk.

    ———–

    Aus dem im ersten Satz verlinkten vorherigen Interview mit Magnus Memmeler: „Magnus Memmeler aus Kamen, 52 Jahre, ist seit 31 Jahren Mitarbeiter im Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Davon 25 Jahre hat er diverse Leitungsfunktionen eingenommen. Er war beauftragt zur Organisation des Sanitätsdienstes beim DEKT in Dortmund und Verantwortlicher einer großen Hilfsorganisation bei der Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten in den Jahren 2013 – 2018. Mitglied bei der Stabsarbeit von Bezirksregierungen und Mitglied in Arbeitskreisen des Innenministerium bei der Konzeption von Katastrophenschutzkonzepten.“

    Hoffentlich konnten wir Ihnnen weiterhelfen.

    Liebe Grüße von der Redaktion.

  • #2
    Werntreu Golmeran

    Nur zur Information. Der Faktor, mit dem sich die Fallzahlen seit der Veröffentlichung des Artikels pro Tag erhöht hat liegt trotz der getroffenen Maßnahmen immer noch im Durchschnitt bei ca. 1,2.

    Den Faktor von 1,2 hatte ich hier auch für meine realistischen Analyseverwendet:
    https://www.ruhrbarone.de/corona-und-bundesliga-hoffen-wir-dass-moenchengladbach-richtig-entschieden-hat/179771#comment-1212462

    Im Nachhinein wird man feststellen, dass vor allem folgende Fehler gemacht wuden:

    1. Der Kreis Heinsberg wurde nicht schnell und konsequent isoliert.

    2. NRW oder der Kreis Heinsberg wurde nicht als Risikogebiet eingestuft, so dass eine Isolierung und Testung unzähliger Kontaktpersonen, die den Virus im ganzen Bundesgebiet verbreitet haben, nicht stattfand.

    3. Die Effektivität des Fiebermessens wurde zu spät erkannt. Vor allem an den Grenzen und in den Krankenhäusern hätte man so potentiell Erkrankte besser erkennen, testen und ggf. isolieren können.

    4. Die Schulen wurden zu spät geschlossen und die Großveranstaltungen zu spät abgesagt. Gleiches gilt für die Amateurligen.

    5. Die Medien haben in den ersten Wochen sich zu wenig mit der tatsächlichen Situation in China befasst, zu wenig auf die Zahlen und die Wissenschaft geschaut und wie in China oder Südkorea effektiv die Situation beherrscht wurde, d. h. durch Isolation (Sperrgebiete u. Ausgangssperre), Schutz (jeder trägt Atemmasken), Kontrolle (Fiebermessen). Stattdessen wurde vor allem durch naturwissenschaftlich nicht ausgebildete Kultur- und Politiktedakteure eine "Panik vor der Panik" inszeniert und dadurch die natürliche Besorgtheit der Menschen nicht in vernüntige Bahnen gelenkt (Isolation der Älteren, Selbstschutz) und sie auch zu wenig auf die kommenden Entwicklungen vorbereitet. Jedesmal, wenn ich den Satz gehört habe, die Maßnahmen aus China seien in unserem Kulturkreis nicht durchsetzbar, habe ich mir an den Kopf gefasst. Welcher Grund – ausser dass es derzeit zu wenig Atemschutzmasken gibt – spricht dagegen, dass alle eine Maske tragen. Wenn die vor zwei Wochen in genügender Anzahl an die Bevölkerung verteilt worden wären, würden heute alle mi Maske rumlaufen. Auch wenn Atemmasken defensiv nicht ser effektiv gegen eine Ansteckung schützen, verhindern sie bei unentdeckt Erkrankten relativ effektiv eine Weiterverbretung.

    Letztendlich frage ich mich auc, wieso es bisher noch keine "repräsentativen Testungen" in der Fläche gibt, um z. B. in NRW die tatsächliche "Durchseuchung" festzustellen. Ich bin mir sicher, dass Epidemiologen mit so einem Wert viel genaurere Prognosen und Modelle entwickeln könnten.

    Wenn man 1.000 Leute testen würde, käme man wohl auf Kosten zwischen 100.000 bis 300.000 Euro, je nachdem, ob die Tests von den Wissenschaftlern direkt durchgeführt würden oder dafür das Kassenarztsystem genutzt würde. Bei den Milliardenbeträgen, die derzeit mit der Gießkanne verschüttet werden, wären diese Tropfen in die Forschung sinnvoll angelegt.

    Ich weiss, dass es vom RKI ein Screeningystem zusammen mit den Kassenärzten gibt, in das auch Corona aufgenommen wurde. Was da rausgekommen ist und ob das repräsentativ ist, weiss ich leider nicht.

  • #3
    Helmut Junge

    @Werntreu Golmeran,
    "5. Die Medien haben in den ersten Wochen sich zu wenig mit der tatsächlichen Situation in China befasst, zu wenig auf die Zahlen und die Wissenschaft geschaut und wie in China oder Südkorea effektiv die Situation beherrscht wurde, d. h. durch Isolation (Sperrgebiete u. Ausgangssperre), Schutz (jeder trägt Atemmasken), Kontrolle (Fiebermessen). Stattdessen wurde vor allem durch naturwissenschaftlich nicht ausgebildete Kultur- und Politiktedakteure eine "Panik vor der Panik" inszeniert und dadurch die natürliche Besorgtheit der Menschen nicht in vernüntige Bahnen gelenkt (Isolation der Älteren, Selbstschutz) und sie auch zu wenig auf die kommenden Entwicklungen vorbereitet. Jedesmal, wenn ich den Satz gehört habe, die Maßnahmen aus China seien in unserem Kulturkreis nicht durchsetzbar, habe ich mir an den Kopf gefasst."

    Ich war mit meiner Frau, beide mit Mundschutz, letzten Donnerstag im Berocenter Oberhausen einkaufen. Außer uns hat das niemand gemacht. Wir hatten auch Handschuhe. Das haben zeitgleich mindestens drei Personen auch gemacht. Zur Frage der Tradition: In allen alten japanischen Filmen tragen alle Darsteller Mundschutz, oder? Das wäre Tradition. Ist aber nicht so. Mundschutztragen hat sich in Ostasien entwickelt. Jemand hat angefangen, so wie meine Frau und ich, und andere Leute haben das auch gemacht. Jetzt ist es Tradition. Als wir vor vielen Wochen den Mundschutz in einer Apotheke in Oberhausen gekauft hatten, habe ich der Apothekerin gesagt, daß die zumindest gröbste Tröpfchn abfangen werden. Ärzte, die das abstreiten, möchte ich mal sehen. Die nackten Viren gehen durch, aber die Ärzte sagen jagen ja unisono, daß die Infekzionen über Tröpfchen erfolgen. Dann aber ist sogar das gröbste Filter richtig. Ich hatte einen naturwissenschaftlich technischen Beruf ausgeübt und sage, daß fast jedes Tuch der Welt Tröpfchen aufhält. Wenn Ärzte das verneinen, sind sie auf dem Gebiet Laien. Sie sagen, daß die Viren selber da durchgehen. Ein Virus, das nicht in einem Tröpfchen steckt, geht tatschächlich durch. Wenn mich jemand anhustet, ist das Virus aber in einer Wasserhülle, Erst wen diese verdunstet ist, schwirrt es allein herum. Aber das dauert lange, weil solche kleinen Partikel ihre Hülle nur sehr langsam verlieren. So funktioniert in der Luft schließlich die Regenbildung. Um den Kondeskeim (Virus) wird der Tropfen sogar größer, bis die Schwerkraft in nach unten lenkt. Wenn also Ärzte sagen, daß das alles Quatsch ist, was ostasiatische Ärzte empfehlen, müssen sie schon bessere Heilerfolge als die erzielen. So war das jahrhundertelang und ostasiatische Ärtzt habe von europäischen Ärzten gelernt. Heute aber sieht es eher so aus, als als die europäischen Ärzte wegen ihrer mangelnden Heilerfolge von den ostasiatischen Ärzten lernen sollten. Der Heilerfolg macht es nämlich. Der allein. Aber ich habe schon viele Ärzte kennengelernt, die alles besser wußten.

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