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Keine Aufregung! Raucht euch lieber noch eine….

Kann zukünftig teuer werden…. Quelle: Wikipedia, Foto: Sillyputtyenemies, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es gibt Meldungen, bei denen weiß man nicht ob man weinen oder lachen soll, wenn man sie liest. So auch gestern. Da wird spektakulär verlautbart: „Eine weggeschnippte Zigarettenkippe oder eine achtlos auf die Straße geworfene Burger-Verpackung sollen die Bürger in Nordrhein-Westfalen künftig teuer zu stehen kommen. Das sieht der neue Bußgeldkatalog vor, den Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Dienstag in Düsseldorf veröffentlicht hat“, meldete zum Beispiel NTV.de.

Um dann relativierend fortzusetzen: „Für kleine gedankenlose Unachtsamkeiten wird den kommunalen Behörden empfohlen, 100 Euro Bußgeld zu kassieren – bislang lag die Empfehlung bei nur zehn bis 25 Euro. Bindend ist der Bußgeld- und Verwarnkatalog allerdings nicht. Die Bandbreite der Sanktionsvorschläge reicht von 100 Euro für rechtswidrig weggeworfenen Alltagsmüll – etwa Einweg-Kaffeebecher oder Pappteller – bis zu 50 000 Euro für die vorsätzliche gewerbsmäßige Ablagerung größerer Mengen umweltgefährdender Stoffe wie Altöl, Farben oder Bauschutt. “Der öffentliche Raum ist kein Mülleimer”, mahnte die Ministerin. “Und die oftmals acht- und rücksichtslose Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt.”

Eine Meldung, die im Laufe des Abends auf diese oder ähnliche Art quer durch das Netz verbreitet wurde. Am heutigen Mittwoch diskutieren viele Zeitgenossen im gesamten Lande immer noch leidenschaftlich über diese angedrohten 100 Euro Geldbuße für eine weggeworfene Zigarette.

Es droht offensichtlich zu dem Thema eine ähnliche Hysterie auszubrechen, wie das seinerzeit beim Hundekot der Fall war, den man ja per DNA-Analyse zu seinem Verursacher zurückverfolgen wollte.

Fällt den Leuten eigentlich gar nicht auf, dass das reine Symbolpolitik ist?

Die Ordnungsbehörden kommen doch schon seit Jahren mit den schier unzähligen wilden Müllkippen, den Hundehaufen, den Falschparkern oder der illegalen Reklametafeln in den Städten hier im Westen der Republik nicht mehr klar.

Bei mir am Wohnort, in Waltrop, hat die Stadtverwaltung kürzlich zum Beispiel mit großem Tamtam eine Mängel-App für diese Dinge eingeführt. Da glaubt doch wohl auch niemand, dass eine solche die Mängel zu beseitigen hilft. Diese dient offenkundig lediglich zur Beschwichtigung der erbosten Bürger. Außerdem hilft sie nebenbei diese ‘Meckerköppe’ von den Telefonen und den Schreibtischen der Ordnungsamtsmitarbeiter fernzuhalten. Die ‘App’ als Puffer, sozusagen.

Ganz ähnlich verhält es sich hier jetzt auch mit der angedrohten höheren Geldbuße für achtlos weggeworfene Zigarettenkippen. Die Ordnungsämter in den finanziell darbenden Stadtverwaltungen des Rurpotts haben doch auch gar nicht das Personal um diese strengeren Regeln durchzusetzen. Und das wissen die Planer natürlich auch. Oder hat schon einmal jemand beobachtet, wie ein Zeitgenosse für diese Dinge belangt wurde? Wie sollte sich an der Situation durch höhere Strafen etwas grundlegendes ändern?

Hier geht es offensichtlich lediglich darum den Leuten vorzugaukeln, dass etwas getan wird gegen die zunehmende Vermüllung unserer Städte. Also, regt euch doch bitteschön nicht so auf. Raucht lieber noch eine. Aber die Kippe müsst ihr danach trotzdem nicht einfach achtlos in die Gegend feuern. 😉

 

 

 

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19 Kommentare zu “Keine Aufregung! Raucht euch lieber noch eine….

  • #1
    ke

    Wieso aufregen?
    Wir machen einen auf Öko, schmeißen aber unsere Kippen durch die Gegend, die Autobahnen sehen wie kleine Filialen von Müllkippen aus.
    Dann regen wir uns über Plastik im Ozean auf und bekämpfen die Vermüllung im Pazifik.

    Ja, natürlich ist es Symbolik, weil die Politik einfach zu viele wichtigere offene Flanken hat.
    Die Müllbeseitigung kostet enorme Summen. Wer sich um die Pazifik sorgt, sollte vor der eigenen Haustür zuerst kehren.

    Ich finde diese Initiative gut. Mich nerven die Umweltverschmutzer, die meine Umgebung versauen, weil sie einfachste Regeln des Zusammenlebens ignorieren. Ebenso ist es ein Respekt vor der Umwelt und vor den Leuten, die den Müll beseitigen.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @ke: Ohne deutlich mehr Ordnungsamtsmitarbeiter wird das alles nichts. Wer soll die hohen Strafen denn abhalten, wenn keiner mehr auf der Straße ist? Hier am Ort kreist das Ordnungsamt jedenfalls fast ausnahmslos um den Marktplatz. Wer sollte die Müllsünder in den Randbezirken denn so zur Kasse bitten? Da hilft weder ein neuer Strafenkatalog noch ‘ne App….

  • #3
    Peter Ansmann

    Ein einfache Lösung: Mehr öffentliche Mülleimer. Bei uns im Kaff – ich meine jetzt nicht Duisburg, sondern die tiefe schwäbische Provinz – gab es dieses Problem auch: Generell mit liegen gelassenen Müll (An Bushaltestellen etc.). Das Problem verschwand weitgehend, nachdem da mal Mülleimer platziert wurden.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Peter: Die Anzahl der Mülleimer wurde hier über die vergangenen Jahre hinweg sogar drastisch reduziert. Ich sag’ ja, so alles Quatsch!

  • #5
    Robert Müser

    Typischer deutscher Politiker-Aktion:

    Aktionismus in Form eines Verbotes, wo dann die Überwachung und Durchsetzung des Verbotes am mangelnden Personal scheitert.

    Die Alternative in Form von mehr Mülleimern wird es gar nicht in Betracht gezogen, da dies auch wieder zu Mehrkosten führt.

    Schön zu sehen, dass auch Vertreter der Alt-Parteien gerne zu Verboten greifen …

  • #6
    Ke

    Am Dortmund Ems Kanal ist der fehlende Mülleimer auch ein Thema. Nur kann man natürlich den Müll auch mitnehmen. Es muss ja nicht immer alles mit hohen Kosten durchorganisiert sein.

    Autos habe auch Aschenbecher. Warum werden dann trotzdem Kippen in der Umwelt entsorgt.

    Das Problem steht vor dem fehlenden Mülleimer.

  • #7
    Thommy

    Der beuerdings zu beobachtende ungemein wegweisende innovationsfreudige und zukunftsorientierte ökologische Enthusiasmus der schwarz-liberalen NRW-Regierung scheint keine Grenzen zu kennen. Erst macht man heldenhaft dem schädlichen ( unversteuertem) Tabakkonsum in Shishabars den Gar aus, nun wird den Zigarettenwegschnipsern der Kampf angesagt – wir befinden uns unversehens schnurstracks auf dem Weg in eine schwarz-liberale ökofaschistische Saubermann- Diktatur.😏

    Gut, dass NRW sonst keine Probleme hat….

  • #8
    R. Wagner

    Natürlich geht es mal wieder gegen die bösen Raucher… – ich darf gerne auf einen höchst interessanten Erfahrungsbericht aus GB verweisen – hier zu lesen:
    https://smokingbandits.com/2018/06/abfall-ordnungsdienst-ein-neuer-angriff-auf-raucher/
    mit sehr eindeutigen Zahlen.

    @ ke: Klar haben Autos Aschenbecher – aber nur wenn bei der Neuwagenbestellung das als Aufpreis mit bestellt wurde – bei VW seit 2003 so der Fall. Bei Mietwagen/Carsharing werden Sie keine finden – das 11te Gebot (Du sollst nicht Rauchen) soll ja durchgesetzt werden…

    Kein Problem ohne Ursache: Stellen Sie sich vor, in der Kneipe dürften Sie Rauchen – käme die Kippe auf die Straße? Würden alle die, die in Gebäuden das Rauchen verbieten mal gezwungen, vor selbigen Aschenbecher aufzustellen – das größtwichtigste Problem wäre um einiges kleiner.

    Und noch eines: Ja es gibt zu wenige Mülleimer und dann auch noch mit grauer Farbe bestens getarnt. Dann gibt es noch die Exemplare an denen sich offensichtlich Nichtraucher verkonstruiert haben: Besser die Kippe auf der Erde austreten – man läuft nämlich Gefahr mal ein Feuerchen zu verursachen…

  • #9
    ke

    @8 R Wagner:
    Wenn ich draußen unterwegs bin entsorge ich meinen Müll korrekt. Wenn kein Papierkorb in der Nähe ist, nehme ich ihn mit.

    Es gibt Aschenbecher. Die kann man auch im Auto unterbringen. Etc. Raucher finden immer und überall Zigaretten und Feuer. Da wird also genügend Potenzial vorhanden sein, seinen Müll nicht in der Umwelt zu entsorgen und sie zu vergiften.

    Raucher sind mir komplett egal, wenn sie mich nicht zuqualmen und ihren Müll korrekt entsorgen. Es gibt genügend risikoreiche Verhaltensweisen, deshalb macht es auch keinen Sinn, einzelne zu verurteilen/zu verbieten, wenn Menschen Volljährigkeit sind.

    Es geht nicht gegen Raucher, sondern gegen sinnlose Umweltverschmutzung. Ich möchte nicht auf einer Müllkippe leben.

  • #10
    Klaus Lohmann

    Mehr Möglichkeiten zur Entsorgung und es läuft… Ein Teil unserer Mieter raucht seit ein paar Monaten wg. Nachwuchs nur noch draußen auf der Haustreppe und hatte bislang das schöne Kippen-Schnippspielchen auf Bordsteinkante oder Laternenmast im Repertoire. Ein paar nette Worte, ein neuer outdoorfester "Aschebescher" (Zitat Martin Schneider;-) und das Thema war erledigt. Geht doch.

  • #11
    ke

    @10 K Lohmann
    Natürlich können wir überall Mülltonnen aufstellen. Nur kostet das, und sie müssen dann noch geleert werden.

    Was ist eigentlich so schwer daran, den Müll nicht in der Umwelt zu entsorgen? Insbesondere, wenn er giftig ist, was bei Kippen der Fall ist.

    Ich habe langsam immer mehr das Gefühl, dass auch Selbstverständlichkeiten nur noch mit Nudging, Verboten etc. funktionieren. Da bin ich aktuell noch nicht bereit, dies zu akzeptieren.

    Man darf auch ein paar grundlegende Verhaltsweisen einfordern.

  • #12
    thomad weigle

    @ ke Das ist doch genau das Problem, dass grundlegende Verhaltensweisen nur noch mit Sanktionen durchgesetzt werden können. Gaffer, Behinderer von Rettungs-und Feuerwehreinsätzen, Rauchen, wo es eigentlich verboten ist, undsoweiterundsofort.

  • #13
    Stefan Laurin

    @thomad weigle: Blöd nur, dass immer mehr verboten wird um einen ganz bestimmten Lebensstil durchzusetzen und gleichzeitig alle anderen abzuwerten. Ich mag kein braver Ökodoitscher sein. Bei “Am grünen, deutschen Wesen soll die Welt genesen” werde ich nicht mitmachen.

  • #14
    thomad weigle

    @ Stefan Laurin Welche real existierenden Verbote außer Rauchen und Biertrinken in der Duisburger Innenstadt schränken Dich in Deiner Lebensweise ein? Fährst Du einen Diesel?

  • #15
    Nina

    Robert Müser bringt es auf den Punkt:
    "Aktionismus in Form eines Verbotes, wo dann die Überwachung und Durchsetzung des Verbotes am mangelnden Personal scheitert."
    Ich persönlich würde mich freuen, wenn Bußgelder tatsächlich verhängt werden, aber ich habe es noch nie gesehen und auch noch nie gehört, weder in der City noch in den Bahnhöfen. Die Möglichkeiten bestehen unlängst, jetzt hat man die Höhe nach oben geschraubt. Ehm ja.
    Und liebe Raucher, seid doch ehrlich-man kann den Weg alle zwei Meter mit Aschenbechern säumen….Ihr schmeisst die Kippe dennoch auf den Boden. So sieht es doch aus. Ich habe in meinem Leben genau einen Raucher mit Taschenaschenbecher kennen gelernt. Diese Accessoires sehen übrigens sehr schick und edel aus, regelrecht sexy wie ich als Frau finde. Also kriegt Euch ein, liebe Raucher, Ihr seid selbst hysterisch, so hysterisch wie die Verbote, die Ihr angstvoll über Euren Häuptern schweben seht und die Euch drohend in die Knie zwingen wollen… MiMiMi 😀
    Kauft Euch so hübsche Accessoires.
    @ke: Du bist ein verantwortungsbewusster Mensch, freut mich. Ich ticke auch so und nehme Müll mit, sogar Schnippsel. Aber leider sind die meisten Menschen anders gestrickt, das werden wir nicht ändern können. Aber wir können Logistik bereit stellen und Bußgelder tatsächlich (!) verhängen. Nur durch einen spürbaren (finanziellen) Nachteil korrigieren Leute ihr Verhalten.

  • #16
    Wolfram Obermanns

    Wo blitzt das Ordnungsamt, an Gefährdungsstellen oder wo es sich lohnt?
    Wenn es sich lohnt, werden auch Spontanentsorger zur Kasse gebeten.
    Und falls es gegen diese Form der Inkontinenz hilft, soll es mir Recht sein. Das Mimmimi der Betroffenen kann ich nur mit völligem Unverständnis zur Kenntnis nehmen.

  • #17
  • #18
    ke

    @16 W Obermanns
    Das Ordnungsamt sehe ich auch eher dort, wo Konfrontationen nicht zu erwarten sind, d.h. im Auto sitzen und blitzen, Parkverstöße in Wohngegenden etc.

    Parkkontrollen vor der Schule mit vielen hektischen Mamas und Papas habe ich bspw auch noch nie gesehen.

  • #19
    Wolfram Obermanns

    #17 Helmut Junge
    Auch wieder wahr! Obwohl, wie ist das mit der präadulten?

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