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Kroatische Staatsspitze will weiter Faschisten betrauern

(c) Christoph Baumgarten, balkanstories.net

Die kroatische Staatsspitze und die katholische Kirche in Kroatien protestieren dagegen, dass die katholische Kirche in Österreich die traditionelle Gedenkmesse am Loibacher Feld in Bleiburg/Pliberk in Kärnten untersagt.  Bei der Messe gedenken kroatische Nationalisten und Neofaschisten der Ustaša-Truppen, die 1945 von britischen Truppen an die Tito-Partisanen ausgeliefert worden waren.

Kolinda Grabar-Kitarović ist traurig.

Sie bedauere die Entscheidung der österreichischen Diözese Gurk, die traditionelle Gedenkmesse in Bleiburg/Pliberk zu verbieten.

Sie hoffe, dass die kroatische Bischofskonferenz eine Lösung finden werde, damit Kroaten weiter „der Opfer von Bleiburg und des Opfers des Allerheiligsten Kreuzes“ gedenken können, sagte sie in einer ersten Reaktion gegenüber kroatischen Medien.

Kolinda, wie sie alle nennen, ist nicht nur eine patriotische und gläubige Katholikin.

Sie ist vor allem auch Präsidentin der Republik Kroatien, eines Mitglieds der EU.

Kolinda ist auch Mitglied der klerikal-nationalistischen Regierungspartei HDZ.

Auch Gordan Jandroković, Parlamentspräsident und prominenter HDZ-Politiker zeigte sich betroffen von der Entscheidung.

Wie der kritische Sender N1 berichtet, wird er sich mit der kroatischen Bischofskonferenz und dem Gedenkverein beraten, der die Messe seit Jahrzehnten organisiert.

Man will überlegen, wie man die Gedenkmesse für die Ustaša-Truppen weiterführen kann, die britische Besatzungstruppen 1945 an die Tito-Partisanen ausgeliefert hatten.

Tausende der faschistischen Truppen wurden ohne Gerichtsprozess ermordet. Viele von ihnen waren am brutalen Ustaša-Regime beteiligt gewesen, das unter anderem 750.000 Serben, Roma und Juden ermordet hatte.

Die Diözese Gurk hatte am Freitag verkündet, die Messe am Loibacher Feld nicht mehr zuzulassen.

Jandroković war im Vorjahr einer der kroatischen Spitzenpolitiker gewesen, die an der Veranstaltung teilgenommen hatten.

Unterstützung signalisiert auch Marija Pejčinović Burić, kroatische Außenministerin.

Sie deutete an, wie man die umstrittene Messe retten könnte: Es ginge um ein Gedenken an alle Weltkriegsopfer oder zumindest an alle kroatischen Soldaten, die für den mit den Nazis verbündeten faschistischen „Unabhängigen Staat Kroatien“ (NDH) gefallen waren. „Für uns ist Bleiburg ein Ort der Erinnerung und Erinnerung an die Opfer dort. Der beste Weg zum Gedenken ist die heilige Messe“.

Die Entscheidung der katholischen Kirche in Österreich, die Messe zu verbieten, wollte sie ausdrücklich nicht kommentieren.

Bei der Messe war es im Vorjahr trotz diverser Auflagen erneut zu offenen faschistischen Umtrieben gekommen, wie unter anderem Balkan Stories in einer Reportage dokumentierte.

Die katholische Kirche in Kroatien will von diesen Umtrieben nichts mitbekommen haben.

Wie der als Rechtsausleger geltende Bischof Petar Palić sagte, habe sich die katholische Kirche in Kroatien ohnehin ausreichend von den Ustaša distanziert.

Kritiker könnten diese Aussage als Widerspruch zum Engagement ebendieser Kirche sehen, die Messe am Loibacher Feld zu retten.

Die Bischofskonferenz hat einen offiziellen Protesbrief gegen das Verbot an die katholische Bischofskonferenz in Österreich geschrieben.

Man möge das Verbot doch bitte überdenken, fordern die Bischöfe mit Unterstützung der katholischen Bischöfe Bosniens.

„In all den vergangenen Jahren und insbesondere im Jahr 2018 war die Eucharistiefeier würdig und stand im Einklang mit dem höchst erhabenen Gebet der Kirche“, heißt es in einer Stellungnahme.

Das „Gebet für die Opfer dieser großen Tragödie des kroatischen Volkes“ zu verbieten, sei respektlos „gegenüber dem Opfer und dem Leiden der Unschuldigen.“

Das ist der klassische kroatisch-nationalistische Narrativ, der die Auslieferung der faschistischen Truppen an die Tito-Partisanen und die Ermordung tausender Faschisten ohne Prozess zum eigentlichen Gründungsmoment der kroatischen Nation im 20. Jahrhundert hochstilisiert.

In der aufgeheizten Stimmung, die von der Trauer der Nationalisten und Neofaschisten um ihre geistigen Vorgänger geprägt ist, melden sich freilich auch Stimmen der Vernunft zu Wort.

Davor Bernardić, Vorsitzender der sozialdemokratischen SDP, forderte am Samstag, dass in Kroatien endlich faschistische Symbole verboten werden sollten und kritisierte die Fokussierung auf Bleiburg/Pliberk.

„Es ist inakzeptabel und belastet nicht nur die Menschen, die hierher kommen, sondern unser ganzes Land enorm, und wir brauchen das nicht. Wenn wir Teil eines freien und modernen Europas sein wollen, muss sich Kroatien der Zukunft zuwenden“, sagte der Sozialdemokrat. „Die Verherrlichung nationalsozialistischer und faschistischer Ideologie ist im 21. Jahrhundert unzulässig „,

Womit er sehr vielen Kroatinnen und Kroaten aus dem Herzen spricht, die die Verharmlosung des Faschismus und seine Instrumentalisierung durch konservative und nationalistische Bewegungen zutiefst ablehnen.

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