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Marcel Schmelzer ‚vergisst‘ Neven Subotic – Ist er so wirklich der richtige Kapitän für den BVB?

Neven Subotic wurde von Teamkapitän Marcel Schmelzer ‚vergessen‘. Foto: Robin Patzwaldt

Dass das mit den sprichwörtlichen ‚11 Freunden‘ innerhalb einer Profifußballmannschaft natürlich im Regelfall nur eine reine Wunschvorstellung vieler Fans ist, die in der Realität so wohl kaum einmal in einer Mannschaft anzutreffen ist, das dürfte spätestens bereits jedem klar sein, der sich einmal aktiv im Amateurfußball getummelt hat.

Ist ja auch völlig logisch, dass man nicht mit jedem Mannschaftskollegen gleich gut befreundet sein kann, teilweise eben auch Neid und Missgunst in einer Gruppe von über 20 Leuten herrschen müssen. Schließlich geht es hier ja auch um viel persönlichen Ruhm, umkämpfte Einsatzzeiten und nicht zuletzt auch um sehr viel Geld.

Und auch wenn sich die Fans eines Profi-Teams natürlich nur zu gerne vorstellen, dass der eigene Club doch bitte bestmöglich als eine verschworene Einheit agieren möge, die Realität ist häufig genug dann eben doch eine völlig andere.

Zuletzt zu erleben war diese unangenehme Wahrheit auch bei der Posse rund um den Abgang von BVB-Trainer Thomas Tuchel, der trotz eines Finalsieges im DFB-Pokalfinale mit seinem Team, nur wenige Tage später entlassen wurde.

Viele Fans des Revierclubs konnten das in den vergangenen Wochen nicht verstehen, waren doch alle sportlichen Ziele von Tuchel und seinem Team auf beeindruckende Art und Weise im Saisonendspurt erreicht worden.

Am Finaltag des DFB-Pokalendspiels in Berlin war vielen Beobachtern bereits ein Interview von BVB-Teamkapitän Marcel Schmelzer kurz nach dem Schlusspfiff, in der Stunde des großen Triumphes also, sehr unangenehm aufgefallen, worin dieser zusammen mit einigen Teamkameraden live im TV-Studio die Nichtnominierung seines persönlichen Kumpels Nuri Sahin für den 18er-Kader der Schwarzgelben öffentlich kritisiert hatte. (Und dafür seitens der Vereinsführung ungewöhnlicher Weise danach nicht ansatzweise kritisiert wurde.)

Die ohnehin von vielen bereits vermuteten Gräben innerhalb der Dortmunder ‚11-Freunde‘ wurden so wirklich für ein Millionenpublikum ganz deutlich sichtbar.

Durch den kurz darauf folgenden Wechsel auf der Trainerposition von Tuchel hin zu Neu-Coach Peter Bosz und die sich damals dann direkt anschließende Sommerpause, wurden diese Cliquenbildung im Team des Pokalsiegers erst einmal verdrängt bzw. rasch vergessen gemacht. Denn natürlich hatte auch der von Schmelzer und Co. kritisierte Coach Tuchel seine Fans innerhalb der Mannschaft. Doch darauf kam es dann gar nicht mehr an. Fakten wurden geschaffen. Die Saison war zudem bereits Geschichte, die Mannschaft zerstreute sich kurzzeitig in alle Richtungen.

Heute nun ist Schmelzer jedoch erneut mit einem zumindest arg unglücklichen Interview auffällig geworden: Gegenüber dem Sportnachrichtensender ‚Sky Spor News HD‘ zählte Schmelzer scheinbar unschuldig und auch nur eher beiläufig die aktuell immer kleiner werdende Gruppe von langjährigen Borussen um ihn herum im Team auf.

Er erwähnte neben dem ihm nahestehenden (nun gerade in Richtung Leverkusen abgewanderten) Sven Bender, auf den die Frage des Interviewers wohl abzielte, namentlich nur noch seine Kumpels Roman Weidenfeller (seit 2002 beim BVB),  Łukasz Piszczek (seit 2010 in Dortmund) und erneut seinen persönlichen ‚Spezi‘ Nuri Sahin.

Neven Subotic, abgesehen von einer halbjährigen, kurzen Leihe nach Köln zuletzt, ebenfalls bereits schon neun Jahre im Team der Borussen (seit 2008), erwähnte er hingegen nicht!

Dabei war Schmelzer-Spezi Sahin doch zwischenzeitlich sogar für zwei Jahre an Real Madrid und den FC Liverpool (2011-13) abgegeben worden. Sooo vereinstreu war er also beileibe nicht.

Nur ein unglücklicher Zufall?

Kann man natürlich sagen, doch an diesen glaube ich in dem Falle nun nicht mehr. Vieles deutet darauf hin, dass hier nun erneut eine Art Schmelzer-Hackordnung öffentlich wurde.

Und damit ist das Ganze, selbst wenn so nicht beabsichtigt gewesen sein sollte, zumindest erneut sehr unglücklich von Schmelzer.

Hier werden offenbar wiederholt Hierarchien innerhalb des Clubs und des Teams erkennbar, welche nicht wirklich leistungsbezogen begründet werden können. Schließlich war gerade auch Sahin zuletzt nur selten aufgrund guter sportlichen Leistungen auf dem Platz aufgefallen.

Ist Sahin also in den Augen des Teamkapitäns mehr ‚Borusse‘ als Subotic?

Die Mehrzahl der Fans schätzen den zuletzt häufig von Verletzungen zurückgeworfenen Abwehrrecken wohl mindestens ebenso sehr, wie der vielumjubelte Auftritt des Serben beim Gastspiel des 1. FC Köln kurz vor Saisonende ja bewiesen hat.

Wer mag, der kann hier also leicht abermals eine sehr ungesunde Grüppchenbildung innerhalb des BVB-Teams erkennen. Offenbar sind für Schmelzer eben doch längst nicht alle Spieler im Kader gleich bedeutend, ist die Rückendeckung für ihn bei Zorc und Watzke zuletzt sogar größer gewesen als die für den sportlich erfolgreichen Trainer.

Insgesamt wohl, so oder so, kein gutes Zeichen…

Der Teamkapitän Marcel Schmelzer wirkte auf mich zuletzt zu häufig wie ein Kämpfer für Einzelinteressen, speziell eben auch für seine eigenen und die von von persönlichen Freunden im Kader, wie Nuri Sahin.

Peter Bosz sollte sich die Strukturen im Team möglichst rasch und intensiv einmal genauer anschauen, und dann gut überlegen, ob Schmelzer denn wohl tatsächlich der richtige Kapitän für seinen zukünftig doch besser wieder möglichst ‚verschworenen Haufen‘ ist…

Mir kämen da als Beobachter von außen aktuell jedenfalls doch gehörige Zweifel!

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39 Kommentare zu “Marcel Schmelzer ‚vergisst‘ Neven Subotic – Ist er so wirklich der richtige Kapitän für den BVB?

  • #1
    Seb

    Trifft es aus den Punkt! Die Aussage nach dem Pokalfinale war schon ein Unding. Wenn man sich dann noch an die Vorsaison erinnert, als es einen mutmaßliche Dissenz zwischen Hummels und Tuchel gab und man um die enge Freundschaft zwischen Hummels und Schmelzer weiß, dann wird das Bild noch klarer. Auch die Aussagen von Watzke, der Hummels trotz seines Wechsels über alle andere Abgänge als den "moralisch" saubersten dargestellt hat, sprechen da für eine offensichtliche Seilschaft aus den erfolgreichen Klopp Tagen. Man kann nur hoffen das sich Bosz von diesen befreien kann und das der offensichtliche Einfluss eines als Kapitän sehr ungeschickten Schmelzers nicht weiter ausweitet. Denn nach einem Pokalfinale zu sagen, dass eigentlich nur Sahin die Position eines Weigls angemessen ausfüllen kann, zeigt doch wie wenig sportliche Reflektion dahinter steckt und wieviel persönliches Eigeninteresse.

  • #2
    Lukas N.

    @Robin
    Mit diesem Artikel lieferst Du reichlich Stoff für eine kontroverse Diskussion und da will ich mich – wie meistens – mit einem ausführlichen Beitrag beteiligen. In Teilen kann ich Dir zustimmen, aber das eine oder andere sehe ich auch anders oder habe es anders wahrgenommen. Wir müssen auch aufpassen, dass wir jetzt nicht zuviel in einzelne Vorgänge hineininterpretieren.

    Dass sich nach dem Wechsel von Hummels eine Lücke in Sachen „Führungsspieler“ auftun würde, war klar. Eine Führungsfigur vom Kaliber eines Kehl oder Hummels war nicht mehr da. Es war dann nur die Frage Schmelzer oder Reus. Und da hat sich Tuchel für Schmelzer entschieden, auch mit der Begründung damals, dass Reus über Monate nicht zur Verfügung stehen werde. Und aktuell fehlt er erneut Monate.
    Zu einem Zerwürfnis zwischen Tuchel und Schmelzer könnte es gekommen sein als Tuchel plötzlich in der Winterpause das Kapitänsthema nochmals aufmachte und nach der Rückkehr von Reus meinte, man müsse nochmals neu darüber nachdenken. Das hat dann Wellen geschlagen und Tuchel beeilte sich, zu sagen, dass Schmelzer Kapitän bleibe.
    Das kann man so natürlich nicht bringen. Wenn man einen Kapitän festlegt, muss das für die gesamte Saison gelten. Anderenfalls hätte Tuchel sagen müssen, dass Schmelzer vorläufig Kapitän sei bis Reus wieder von seiner langwierigen Verletzung zurückkehre. Das aber hat er nicht gemacht.
    Es ist ja kein Geheimnis, dass die Mehrheit der Fans in Schmelzer nicht den geeigneten Kapitän sieht, weil er nicht als Führungspersönlichkeit und auch nicht als unumstrittener Stammspieler wahrgenommen wird.
    Andererseits ist er jetzt schon seit rund 9 Jahren beim BVB, hat dem BVB immer die Treue gehalten und nochmals bis 2021 verlängert. Gegen Konkurrenten auf der Linksverteidigerposition konnte er sich bis jetzt immer durchsetzen. Und aktuell hat er das Glück, dass Guerreiro verletzt ausfällt und der neue Trainer die Variante noch nicht in seine Überlegungen einbeziehen kann. Guerreiro ist evtl. auch im Mittelfeld wertvoller und hat defensiv noch Schwächen.

    Was die Trennung von Tuchel angeht, habe ich mir wirklich mal die Mühe gemacht, alles auszuwerten, was so berichtet wurde, was vor allem auch die seriöse Presse und seriöse Fachpresse dazu berichtete.
    Demnach kann man nicht davon ausgehen, dass Tuchel von einem Teil der Mannschaft unter Anführung von Schmelzer gekippt wurde. Vielmehr sind wohl intern mit der Zeit zu tiefe Gräben entstanden, u. a. zwischen den Bossen und Tuchel, nicht nur zwischen Watzke und Tuchel, sondern auch zwischen Zorc und weiteren wichtigen Leuten des BVB und Tuchel, sicherlich auch zwischen Teilen der Mannschaft und Tuchel.
    Zwischen mehreren wichtigen Leuten in der Führung und Tuchel stimmte es offenbar auch zwischenmenschlich nicht und man hatte Probleme, in Sachen „Kommunikation nach innen und außen sowie Strategie“ auf einen Nenner zu kommen, musste da offenbar immer wieder viel Kraft aufwenden, um einigermaßen eine gemeinsame Linie zu finden.
    Darauf deuten auch Aussagen hin, die Watzke schon Monate vor Saisonende machte als er immer wieder davon gesprochen hat, dass man schauen müsse, ob man in Sachen „Kommunikation, Strategie und Vertrauen“ auf einen Nenner komme. Man schaffte es offenbar nicht, zwischen den Bossen und Tuchel eine tragfähige Vertrauensbasis herzustellen.

    Es ist bei verschiedenen Klubs immer mal wieder vorgekommen, dass ein sportlich erfolgreicher Trainer aus anderen Gründen gehen musste oder dass ein menschlich und persönlich total überzeugender und beliebter Trainer wegen sportlichen Misserfolges entlassen worden ist.
    Das Problem hier war die Art und Weise. Denn da hat besonders Watzke wirklich keine gute Figur abgegeben und Fehler gemacht. Wenn man keine ausreichend gute gemeinsame Basis gesehen hat, mit Tuchel über die Saison hinaus weiterzumachen, hätte man das besser, geräuschloser und ohne öffentliche Auseinandersetzungen lösen müssen. Man hätte dann einfach feststellen können, dass es eben nicht passe ziwschen dem BVB und Tuchel, dass man an Tuchel rein sportlich nichts auszusetzen habe, aber dass man in wichtigen Fragen einfach zu weit auseinander sei und es auch nicht gut genug harmoniere.
    Statt dessen hat sich Watzke in Niederungen von Ansätzen eines öffentlichen Kleinkrieges begeben, in denen er als Geschäftsführer nichts zu suchen hat. Da muss er über den Dingen stehen und das so lösen und abwickeln, wie man sich das von einem so gut geführten Klub wie dem BVB vorstellt.
    Indiskutabel war auch, dass Watzke bis zum Gespräch mit Tuchel öffentlich betonte, das Ergebnis des Gespräches sei offen und er gehe ohne Vorfestlegung in dieses Gespräch, wobei gelichzeitig meherere offenbar gut informierte Journalisten berichteten, dass das Aus Tuchels längst beschlossen sei und so wurde ihm auch nur noch die Entlassung verkündet.
    Immerhin hat Watzke nie einen Zweifel daran gelassen, dass man rein sportlich gesehen an Tuchels Arbeit kaum etwas auszusetzen habe.

    Watzke leistet seit mehr als 10 Jahren wirklich beste Arbeit für den BVB und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der BVB seit Jahren wieder wirtschaftlich und sportlich bestens dasteht und hat deshalb auch weiterhin Kredit als Boss verdient.
    Aber in Sachen „Tuchel“ hat er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert und – freundlich ausgedrückt – sehr unglücklich agiert. Deshalb steht auch er diese Saison unter Druck.

    Die harte öffentliche Kritik Schmelzers an Tuchel nach dem Pokalfinale, weil der Sahin nicht berücksichtigt hatte, war natürlich deplatziert, in dieser Form überzogen und nicht angebracht. Schmelzer wusste wohl, dass die Trennung von Tuchel bevorsteht und wagte daher ein öffentliches Nachtreten, was man aber gerade nach einem gewonnenen Pokalfinale so nicht macht.
    Rein sportlich gesehen, hatte Schmelzer aber nicht ganz unrecht, denn Weigl fehlte verletzt und als Vertreter kam Sahin in Frage, der zumindest auf der Bank hätte sitzen müssen. Aber Tuchel hat ihn komplett aus dem Kader gestrichen und dann Ginter auf die 6 gestellt, der sich überfordert zeigte.

    Gestört hat mich auch Schmelzers Aussage: „Wenn Julian Weigl ausfällt, ist Nuri Sahin der einzige Spieler, der es auf dieser Position mindestens genauso gut kann.“ Mindestens genausogut? Das sehe ich nicht so. Sahin ist ein guter Kicker und Stratege, aber ihm fehlt es an Tempo und Handlungsschnelligkeit. Ich bin sehr gespannt, ob ihn der neue Trainer als Vertreter Weigls auf die 6 stellt und ob er doch mit seiner Erfahrung und seinen fußballerischen Fähigkeiten überzeugen kann oder ob evtl. Dahoud oder ein anderer Spieler die Nase vorne hat.

    Ohne Zweifel hätten die Bosse Schmelzers deplatzierte Trainerkriitik nach dem Pokalfinale öffentlich tadeln müssen. Da stimme ich Dir zu.

    Generell ist der Eindruck entstanden, dass Tuchel mit mehreren Spieler über Kreuz gekommen ist, die zu den Meinungsführern im Team gehören. Einige andere Spieler schwärmten aber auch von Tuchel oder äußerten sich zumindest positiv, gerade junge Talente wie Pulisic oder Dembélé, aber auch Bartra, Bürki und Weigl, selbst Aubameyang.
    Dass die Führungsstruktur im Team nicht optimal ist, macht schon deutlich, dass Schmelzer, Sahin, Bender, Reus und Weidenfeller dem Mannschaftsrat angehörten, also Spieler, die schon länger beim BVB sind oder wie Reus als gebürtigem Dortmunder und Weltklassespieler automatisch eine herausgehobene Stellung haben.
    Sahin war oft verletzt und spielte in den letzten Jahren selten, wollte vor Jahren auch – wie Du richtig sagtst – woanders sein Glück suchen, was nicht klappte. Weidenfeller ist nur noch die Nummer 2 im Tor. Bender hat bei den Fans ein hohes Ansehen, war aber auch immer wieder verletzt und nur noch Ergänzungsspieler, wechselte jetzt leider zu Leverkusen. Und zu Schmelzer habe ich schon einiges gesagt.
    Auch Sokratis und Piszczek haben eine hervorgehobene Stellung im Team und sind aber auch Leistungsträger.

    Ob jetzt Schmelzer seinen Mannschaftskollegen Subotic absichtlich in der Aufzählung derjenigen vergessen hat, die schon sehr lange beim BVB sind, ist Spekulation.
    Dessen Wechsel nach England war vor der Saison schon perfekt, aber dann kam die Rippen-OP. Und zuletzt spielte er ja auf Leihbasis beim 1. FC Köln. Aber der 1. FC Köln hat ihn nicht verpflichtet, was sportlich eine Aussage ist. Und der neue Trainer des BVB hat, was Innenverteidiger angeht, ähnliche Vorstellungen wie Tuchel. Da dürfte es Subotic schwer haben, der ja sagte, er wolle regelmäßig auf dem Platz stehen und wenn das beim BVB nicht mehr möglich sei, wolle er wechseln. Vielleicht weiß Schmelzer auch was von einem bevorstehenden Wechsel.
    Ich gehöre zu denjenigen Fans, die Subotic sehr schätzen, aber auch er muss sich natürlich dem sportlichen Wettbewerb stellen.
    Klar war die Aussage Schmelzers ohne Erwähnung seines Kollegen Subotic unglücklich, aber man sollte da nicht gleich Absicht unterstellen. Es kann immer passieren, dass man in einem Interview mal jemand unabsichtlich vergisst zu erwähnen.

    Was die Kameradschaft und den Zusammenhalt im Team angeht, denke ich schon, dass das beim BVB ausgeprägter ist als bei einigen anderen Teams. Ich gebe Dir aber Recht, dass man sich von der Vorstellung verabschieden muss, alle Spieler im Kader seien Freunde und das sei eine verschworene Einheit. Innerhalb einer Mannschaft gibt es viele Einzelinteressen, jeder will natürlich auch spielen und es gibt auch Gruppen sowie Spieler, die sich mit einigen anderen eng verbunden fühlen und mit anderen weniger. Das aber ist auch normal.

    Weigl z. B. schwärmte schon mehrfach vom besonderen Teamgeist beim BVB: „Einem jungen Spieler wird die Nervosität hier sofort genommen. Als ich an meinem ersten Tag in die Kabine kam, saßen da Stars wie Marco Reus, Mats Hummels oder Pierre-Emerick Aubameyang. Aber alle Spieler kamen auf mich zu und fragten Sachen wie: ‚Hast du schon eine Wohnung gefunden? Ich kenne da jemanden, soll ich dir helfen?‘ oder Was machst du heute Nachmittag?
    Weigl weiter: „Am ersten Tag hat mich Sven Bender heimgefahren, am zweiten Tag war ich mit Erik Durm in der Stadt. Das zeigt einfach, wie hier aufeinander geachtet wird. Auch abseits des Trainings und der Spiele wird viel Zeit miteinander verbracht. Ich zocke dann auch mal mit Aubameyang, Ousmane Dembélé und Raphael Guerreiro auf der Playstation."

    Auch Bartra betonte schon mehrfach den guten Zusmamenhalt im Team und meinte „Es ist für mich wie eine Familie.“ Gerade die jungen Talente betonen ja immer wieder, dass sie in der Mannschaft bestens aufgenommen wurden und werden.
    Und da war auch schon der eine oder andere Satz zu hören ,de darauf schließen lässt, dass sich da auch Schmelzer bemüht und eine soziale Kompetenz hat.

    Fakt ist aber auch, dass Schmelzer mittlerweile von zumindest einem Teil der Fans noch kritischer betrachtet wird als zu vor und dass man genau darauf achtet, was er macht und sagt. Mit dem Eindruck, dass Schmelzer eine Art engste Kumpel-Prinzip pflegt, muss er jetzt leben, ob berechtigt oder nicht.
    Kapitän wird er wohl bis auf weiteres bleiben. Denn da drängt sich kein anderer auf und der neue Trainer wäre auch schlecht beraten, gleich den bisherigen Kapitän abzusetzen, auch wenn sich nicht wenige das wünschen.
    Aber es bleibt zu hoffen, dass sich eine neue Hierarchie im Team herausbildet und andere Spieler als bisher noch stärkeres Gewicht bekommen.
    Interessant wird auch sein, ob sich Schmelzer auch weiterhin als Stammspieler auf der linken Seite behaupten kann.
    Bosz gilt auf jeden Fall als sehr konsequenter Trainer, der seine Vorstellungen durchsetzt, auch personell. Warten wir mal ab. Bisher macht er einen ganz guten, souveränen und unaufgeregten Eindruck. Er kann auf jeden Fall nichts für die Abläufe in der letzten Saison und die Trennung vom Trainer. Bosz hat eine faire Chance verdient und bald wird man seine Arbeit noch besser beurteilen können.

    Ansonsten scheint sich ja die immer mehr Fans nervende Transfer- und Wechselposse rund um Aubameyang auf der Zielgeradne zu befinden. Denn Boss Watzke erlärte, man warte allenfalls noch einige Tage, dann müsse eine endgültige Entscheidung fallen, wobei man Aubameyang möglichst behalten wolle.
    Die Wechseloptionen Aubameyangs sind ja wie Seifenplatzen zerplatzt und man darf gespannt sein, ob doch noch ein Klub auf den letzten Drücker ein Mega-Angebot auf den Tisch legt, zu dem Auba auch wechleln möchte. Auba war zumindest so clever, einen Wechsel nicht öffentlich offensiv zu forcieren und auch einen Verbleib beim BVB immer als möglich dargestellt zu haben. Zudem verhält er sich im Gegensatz z. B. zum Kölner Modeste professionell und erledigt unverändert seinen Job beim BVB.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Lukas: "Mit diesem Artikel lieferst Du reichlich Stoff für eine kontroverse Diskussion…"

    Danke! Das war die Absicht. 🙂 Ich denke nämlich auch, dass das Thema durchaus eine ausführlichere Diskussion wert ist.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Lukas: Ich sehe zwischen unseren Standpunkten auch keine nennenswerten Unterschiede. Kann deinen Kommi inhaltlich so weitestgehend teilen. Es geht mir im heutigen Beitrag ja auch gar nicht darum ob Schmelzer da nur gedankenlos war, oder ob es sogar Absicht war, dass er Subotic vergessen hat o.ä. Aber die Tatsache, dass er Sahin darin erneut so massiv nach vorne schubst, und auch der BVB ihn neuerdings übrigens sehr viel mehr in den PR-Aktionen zu präsentieren scheint, trotz sportlich eher kleiner Rolle zuletzt, das zeugt doch von einer gehörigen Schieflage in der Sache, wie mir scheint. Einige Spieler haben im Club einen scheinbar unverhältnismässig hohen Status, der in keinem Verhältnis zur gezeigten Leistung mehr steht. Das ist bedenklich. Da sollte Bosz nun um einen möglichst unvoreingenommenen, neutralen Blick bedacht sein. Könnte sich lohnen, wenn er nicht die von einigen praktizierte Hierarchie einfach so übernimmt und die zuletzt offenbarten Gräben im Verein damit auch einfach so übernimmt. Anhaltspunkte für diese Gräben im Team haben wir ja jetzt beide schon so einige aufgelistet. Aber Bosz ist ja auch kein blutiger Anfänger in der Branche mehr. Hoffen wir mal, dass er sich da nicht so einfach von einigen Aussagen und Werbeaktionen blenden lässt. Darüber grundsätzlich aber mal zu diskutieren, das lohnt sich aus meiner Sicht in jedem Fall. Denn der aktuelle Zustand der Truppe erscheint unverändert kritisch. Trotz Tuchels erzwungenem Abgang im Mai.

  • #5
    Peter Kulpe

    Was spielt es für eine Rolle ob der mit dem oder der mit jenem am besten kann. Auf’m Platz ist entscheidend. Der Trainer stellt auf und dementsprechend wird gespielt. Intern händelt man es so wie es gehändelt werden muss. Der Trainer hat das entscheidende Wort. Und sollte der Trainer Unstimmigkeiten bemerken hat er ohne Rücksicht auf Position und Name der Person für Ruhe zu sorgen. Der Trainer hält seinen Kopf dafür hin. Die Spieler sind Angestellte des Vereins und haben sich dementsprechend zu verhalten, da Sie in der Hierarchie nach dem Trainer kommen. Also liegt es am Trainer dafür zu sorgen das es zu keiner Gruppenbildung innerhalb der Mannschaft kommt.

  • #6
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Peter Kulpe: Sollte man meinen. Ja. Aber was war denn dann im Falle von Tuchel am Ende los? Das ist ja genau die Frage hier…. Offenbar hat man dem Trainer nicht mehr diese ‚Macht‘ eingeräumt, sondern die ihm unterstellten Angestellten sogar ungestraft ihren Chef öffentlich kritisieren lassen. Ob man dieses Ungleichgewicht in der Ordnung nun beseitigt bekommt? Ich bin gespannt. Schmelzers jüngste Äusserungen lassen mich zweifeln….

  • #7
    Lukas N.

    @Robin zu #4
    Auf jeden Fall lohnt es sich über die von Dir angesprochene Punkte zu diskutieren und das mal näher zu beleuchten. Ich bin auch sehr gespannt, wie sich das Mannschaftsgebilde unter Bosz entwickelt und wie der neue Trainer agiert.
    Ich stimme Dir zu, dass der eine oder andere Spieler einen unverhältnismäßig hohen Status im Klub hat, der nicht mit seiner Leistung übereinstimmt. Es ist auch tatsächlich auffällig, dass Sahin in letzter Zeit immer mehr nach vorne geschoben wird.
    Der für den BVB zuständige Sky-Reporter Stephan Schäuble ging in seinem Kommentar vor Wochen sogar soweit, zu sagen, dass er die Vertragsverlängerung mit Sahin nicht nachvollziehen könne. Auch er war – wie Du – der Meinung, dass die Bosse des BVB Sahin einen Status zukommmen lassen, der überzogen ist.
    Sahin hat den BVB 2011 Richtung Madrid verlassen, konnte sich aber dort nicht durchsetzen, war auch damals schon oft verletzt, wurde dann nach Liverpool verliehen, kehrte nach Madrid zurück und dann erfolgte die Rückholaktion des BVB. Seit dem konnte Sahin nicht mehr an frühere Glanzzeiten anschließen und ist auch immer wieder verletzt. Charakterlich scheint Sahin aber in Ordnung zu sein und er ist auch ein guter Kicker und Stratege. Aber seine Defizite in der Geschwindigkeit und die mangelnde Handlungsschnelligkeit passen nicht mehr so ganz in die heutige Spielwiese und Besetzung des BVB. Aber vielleicht kann er ja alle nochmals überraschen. Wir werden es sehen.

    Es bleibt zu hoffen, dass Bosz eine klare Linie fährt und auch der eine oder andere Spieler in der Hierarchie aufsteigt, der bisher gute Leistungen zeigt, aber noch zu wenig mannschaftsintern zu sagen hat. Erzwingen kann man so was aber nicht, das muss sich entwickeln. Bosz gilt jedenfalls als sehr konsequent, zieht seine Linie durch, auch seine personellen Vorstellungen, macht da wenig Kompromisse. Man darf gespannt sein. Schon bald haben wir ein genaueres Bild.

  • #8
    Lukas N.

    @Peter Kulpe zu #5
    Dem Kern Deiner Aussagen kann man durchaus zustimmen. Der Trainer ist ohne Zweifel die Schlüsselfigur. Man muss sogar sagen, auf das Trainerteam kommt es an, welches gut harmonieren muss. Ein Trainer muss nicht nur eine hohe Fachkompetenz haben, sondern auch eine hohe Sozialkompetenz, muss auch ein guter Psychologe sein.

    Eine Mannschaft ist ja ein durchaus kompliziertes Gebilde aus Ich-AGs, Spielern, die alle ihre eigenen Interessen haben, die sich aber im Gesamtinteresse einordnen und wissen müssen, dass eine Mannschaft nur als Gemeinschaft Erfolg haben kann.
    Ein Trainer muss also das Mannschaftsgebilde und jeden Spieler verstehen und einschätzen können, nicht nur was das rein sportliche angeht, muss Hierarchien und Strömungen erkennen, muss klar der Boss und eine Respektsperson sein, aber gleichzeitig auch ein Freund der Spieler. Der Trainer muss natürlich auch eine klare Linie haben und darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

    In der sportlich ja erfolgreichen Tuchel-Zeit sind Risse im Innenleben entstanden, Gräben haben sich aufgetan, gerade auch zwischen den Bossen und Tuchel. Es haperte auch im zwischenmenschlichen Bereich, eine ausreichende Vertrauensbasis konnte nicht hergestellt werden.
    Das schwächt dann einen Trainer im Innenleben, auch gegenüber der Mannschaft und so etwas spüren die Spieler, nutzen es evtl. auch aus. Einen Teil der Mannschaft hat Tuchel wohl mit der Zeit verloren.

    Die Bosse des BVB sind aber nicht dafür bekannt, dem Trainer in seine Zuständigkeit reinzureden. Für Training, Spielweise, Taktik, Aufstellung usw. ist alleine der Trainer zuständig.
    Für Bosz wird es darauf ankommen, auf einer guten Vertrauensbasis mit den BVB-Bossen kommuninzieren zu können, so die volle Rückendeckung zu haben und gegenüber der Mannschaft eine klare und überzeugende Linie zu fahren, wobei das Trainerteam an einem Strang ziehen muss.

    Wenn Bosz das gelingt, kann es was werden. Er strahlt sicherlich mehr menschliche Wärme aus als Tuchel und macht insgesamt einen gelasseneren, unaufgeregteren Eindruck. Aber am Ende zählt vor allem der sportliche Erfolg und da hat Tuchel gut vorgelegt. Bosz weiß, dass er sportlich liefern muss und auch die BVB-Bosse wissen, dass auch sie unter Druck stehen diese Saison, die Saison 1 nach Tuchel.
    Es bleibt also spannend und interessant beim BVB, wie immer.

  • #9
    Martin Möller

    Vieles, der von mir wargenommenen zwischenmenschlichen Entwicklungen im Verein sind von den vorherigen Foristen schon geschildert worden. Allerdings bin ich der Ansicht, dass die Brüche im Mannschaftsgefüge ihren Beginn viel früher, schon in den letzten beiden
    Klopp-Jahren fanden.
    Die wundersame Erfolgsgeschichte unter dem dominierenden, charismatischen, alles überstrahlenden Klopp fand erste Risse, nach einigen unglücklich verlorenen Finals.
    Nach und nach ging der Glaube der Mannschaft noch einmal über2 Jahre Bayern mehr als auf Augenhöhe begegnen zu können verloren. Man erinnere sich, der BVB gewann 5 Spiele gegen den großen Rivalen in Serie, wurde 2 mal Meister inclusive des Doubles mit einer vernichtenden Niederlage für die Bayern.
    Der BVB wurde vielfach schon als die kommende Nr. ! im deutschen Fußball wargenommen, trotz eines Etats, der viel niedriger in Relation zu der heutigen Konstellation lag.
    Erst als man sich wieder in der Gottgegebenen Rolle als zweite Kraft, hinter den nicht zu bezwingende Bayern sah, begann der langsame Abstieg.
    Das Selbstvertrauen in die eigene Stärke verlor sich mit gleichzeitiger Einrichtung in der Komfortzone, als unangefochtener zweiter "Leuchtturm."

    Als man unter Klopp zwischenzeitlich ans Ende der Tabelle abrutschte, war man auf diese Situation in keiner Weise vobereitet. In der Winterpause gelang es noch einmal alle Kräfte zu bündeln und sich als Tabellen 7ter noch so eben für die Europa-Leauge zu qualifizieren.
    Klopp entschloss sich, nach interner Sprachregelung als größter Kopf zu opfern, um keine Neustrukturierung der Mannschaft vornehmen zu müssen.
    Im Nachhinein erwies sich dieses als Fehler. Einen Klopp hätte kein Spieler gewagt öffentlich ungestraft bloszustellen. Seine Reputation und Strahlkraft stellte mittlerweile alle anderen Protoganisten des Vereines in den Schatten. BVB war Klopp, auschließlich Klopp.
    So etwas kann auch über Jahrzehnte gut gelingen, sieht man die Beispiele Ferguson oder Wenger. Vorraussetzung hierfür ist allerdings eine Zurücknahme aller anderen Egoismen.
    Ich vermute, das fiel vor allem dem anderen Alpha-Tier und Patriach eigener Gnaden Watzke schwer.
    Er fühlt sich als Retter und eigentliche Nr. 1 beim BVB.
    Trotz herausgestellter tiefer Freundschaft zu Klopp, ließ sich Klopp nicht so von Watzke umarmen, wie allgemein dargestellt.
    Klopp wechselte, Watzke konnte endlich seine, für ihn selbstverständliche Position als Leader of the Gang einnehmen.
    Mit dem spröden Fußball-Nerd Tuchel, ein intelligenter und unabhängiger Mann, der so gar nicht seinem Vorgänger Klopp ähnelte, tat man sich von Beginn an schwer.
    Tuchel bewies aber großen Fußballsachverstand und führte die zwei mal runderneuerte und von Verletzungspech geschüttelte Mannschaft trotzdem wieder fast ganz nach oben, mit glänzender Perspektive und einem goldenen Händchen für die Entwicklung junger Talente.
    Watzke drohte nun wieder, trotz des äußerlich eher biederen Tuchel ins zweite Glied zu rücken.
    Eine öffentliche Demontage der Person Tuchels, auch eingefädelt durch die Watzke freundlichen Dortmunder Journalisten, die alle der unterhaltsamen Zeit mit Klopp nachtrauerten, begann.
    Die sich entwickelnde Eigendynamik nahm rasante Züge an. Sie erfasste auch die (alte) Mannschaft, die spürte von Watzke einen Freibrief erhalten zu haben, waren doch auch sie Teil der Erfolgsgeschichte Watzke-Zorc-Klopp und CO.
    Eine Führungsperson wie Kehl oder Hummels waren nicht mehr vorhanden, Schmelzer konnte diese Lücke nicht ansatzweise füllen, die Grüppchenbildung konnte ungehindert oder sogar forciert vom neuen Kapitän ihren Lauf nehmen.
    Die viele jungen Talente und neu dazu gekommenen Spieler, waren indes von ihrem Fördrer Tuchel sehr angetan. (Weigel, Dembele, Guierro, Bartra oder auch Auba oder Sokratis), der sich erst unter Tuchel geschätzt fühlte.
    Tuchel hatte keine Rückendeckung mehr und wurde zum Abschuss frei gegeben.
    Schmelzr, sonst eher Typ netter Schwiegersohn und ander Spieler, deren Leistungszenit z-T. überschritten war, begehrten auf, trieben ein linkes Spiel und teilten die Mannschaft, statt die Interressensgemeinschaft zu fördern.
    Bosz hat jetzt die Chance neue Strukturen zu schaffen, ohne sich der Geschäftsführung anbiedern zu müssen.
    Die Schmierenkomödie um die in aller Öffentlichkeit vorgetragene Demontage eines Menschen, hat Watzkes Schiksal als Geschäftsführer jetzt schiksalhaft mit dem Erfolg des neuen Trainers verbunden.
    Sollte er scheitern, hat auch Watzke seinen Kredit verspielt.

  • #10
    Werntreu Golmeran

    Die Artikel sind inhaltlich ja manchmal doch eher mal interessant aber ehrlich gesagt fände ich sie wohl eigentlich vielleicht doch manchmal besser zu lesen, wenn der Autor an der einen oder anderen Stelle, hier und da, vielleicht auch mal auf dieses oder jenes Füllwort verzichten würde?

    =;-)

  • #11
    Martin Möller

    Im heutigen, ausschliesslich leistungsorientiertem Profifußball, kann sich keine ambitionierte Mannschaft auf internationalem Niveau einen introvertierten und fußballerisch maximal durchschnittlich begabten Kapitän leisten.
    Seine Aufgaben sind mittlerweile so vielschichtig, wie die eines Managers eines mittelständischen Unternehmens geworden.
    Neben einer gewissen Unantastbarkeit beruhend auf Leistung, gehören ebenso Führungsstärke, eine geschulte Rhetorik, Vertretung und Moderation aller, auch sehr unterschiedlichen Charaktere, gegenüber Vorstand und auch Medien, zum Aufgabenbereich eines Kapitäns eines europäischen Spitzenklubs zwingend dazu.
    Menschlich verständliche, unterschiedlich ausgeprägte Symphatien, sollten dem Erfolg der gesamten Mannschaft untergeordnet werden. Er vertritt den Verein nicht nur intern, sondern immer mehr auch nach außen.
    Solche Fähigkeiten sind momentan beim BVB, nach den Abgängen von Hummels und Kehl, rar gesät. Meines Erachtens wäre mittelfristig am ehesten Weigel ein Kandidat, der in diese Aufgabe hineinwachsen könnte.

  • #12
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Martin Möller: Zustimmung meinerseits! Merkwürdig finde ich, dass ein Spieler wie Subotic offenbar nie dafür in Frage kam, er in der Rangordnung sogar relativ weit unten steht, wie es scheint. Er hat seine tolle Persönlichkeit in der Öffentlichkeit ja schon etliche Male bewiesen. Erinnert sei da an seine politischen Talkshowauftritte und seine Stiftung. Er denkt über den Tellerrand hinaus, war bis vor seinen Verletzungen auch sportlich eine Größe im Team. Trotzdem rangiert er bei Schmelzer & Co offenbar so weit weg, dass er ihn auch nun nicht einmal mit erwähnt hat.

  • #13
    Lukas N.

    @Martin Möller zu #11
    Dass Schmelzer nicht die Idealbesetzung für das Kapitänsamt ist, sehe ich – wie die Mehrheit der Fanbs – auch so, zumindest insoweit sind wir uns einig. Mit Führungspersönlichkeiten wie Kehl oder Hummels ist er nicht auf Augenhöhe. Und internationale Strahlkraft hat er kaum.
    Aber es gibt derzeit keine geeigneten Alternativen im Team. Schon etwas ältere unumstrittene Stammspieler, die schon Jahre beim BVB sind wie z. B. Piszczek oder Sokratis sind noch weniger Anführer nach innen und außen. Der von den Fans sehr geschätzte Sokratis spricht auch nicht gerne viel, aber intern hat sein Wort Gewicht. Nur Reus wäre als Alternative in Frage gekommen, zumal er ein gebürtiger Dortmunder und sportlich ein Weltklassespieler ist, der auch international große Strahlkraft hat. Eine richtige Führungspersönlichkeit ist aber auch er nicht und Tuchel hat sich ja für Schmelzer entschieden, weil Reus damals zu Saisonbeginn monatelang ausgefallen ist. Jetzt fehlt er erneut Monate, ist leider sehr verletzungsanfällig.
    Es ist zwar wichtig, wer Kapitän ist und dass das Kapitänsamt bestens besetzt werden kann, aber man sollte die Stellung eines Kapitäns auch nicht überhöhen oder überbewerten. Ich finde, dass ein Kapitän früher eine noch herausgehobenere Stellung hatte als heutzutage zu Zeiten flacher Hierarchien. Heutzutage sind Führungsaufgaben und Mitspracherecht ja auf mehrere Schultern verteilt, aber der Kapitän hat natürlich dennoch eine hevorgehobene Position.

    Was man Schmelzer positiv anrechnen muss, ist die Tatsache, dass er schon rund 9 Jahre für den BVB spielt und nochmals verlängerte. Man darf auch nicht vergessen, dass er sich über all die Jahre immer wieder gegen Konkurrenten auf der Linksverteidigerposition durchsetzen konnte. Er ist kein Weltklassespieler, wird aber nicht selten auch schwächer gesehen als er ist. Man kann ihn sicherlich als überdurchschnittlich guten und soliden Linksverteidiger bezeichnen, aber nicht als Weltklassemann oder internationalen Topspieler.

    Ich stimme Dir zu, dass Weigl ein Kapitän der Zukunft sein könnte, wenn er hoffentlich noch Jahre beim BVB bleibt. Er spielt auf der heutzutage extrem wichtigen 6er-Position und lenkt das Spiel, hat das Zeug zum unumstrittenen Stammspieler, ist mittlerweile auch Nationalspieler, kommt symphatisch rüber, ist intelligent und auch rhetorisch gut.

    @Robin zu #12
    Meine Wahrnehmung ist auch schon seit Jahren, dass Subotic in der internen Rangordnung nicht weit oben angesiedelt ist. Aber eine solche Rangordnung ergibt sich ja immer von selbst, sie entsteht im Mannschaftsgefüge. Erzwingen kann man da nichts.
    Subotic ist sicherlich der etwas andere Profi und vermutlich auch niemand, der eine Führungsrolle anstrebt oder da besonderen Wert drauf legt. Er ist in eine kleinere Wohnung gezogen, weil er meint, dass das ausreicht, er fährt ein kleineres Auto, weil es für ihn nur ein Fortbewegungsmittel ist und er engagiert sich über seine Stiftung z. B. für Kinder in ärmeren Ländern, u. a. in Afrika.

    Ich glaube nicht, dass es Absicht von Schmelzer war, Subotic bei der Aufzählung der langjährigen BVB-Spieler unerwähnt zu lassen, aber dass er ihn nicht erwähnte, zeigt schon, dass er in den Gedanken Schmelzers nicht so verankert ist wie man sich das evtl. vorstellt.
    So positiv man Subotic als Persönlichkeit auch sehen mag, man kann ihn nicht vom sportlichen Wettbewerb ausnehmen. Seit seinem Kreuzbandriss und weiteren Verletzungen und körperlicher Probleme konnte er leider nicht mehr an frühere Leistungen anknüpfen.
    Man darf auch nicht übersehen, dass ihm der bei den Fans ja auch sehr beliebte Sokratis den Rang abgelaufen hat. Denn den etwas rustikaleren Part in der Innenverteidigung füllt Sokratis eindeutig besser aus als Subotic und für den Innenverteidiger, der den Spielaufbau unterstützt, kommt Subotic nicht in Frage.
    Sportlich eine Aussage ist auch, dass ihn der 1. FC Köln nicht verpflichtete, er also nach der Leihe wieder zum BVB zurückkehrte.
    Ich würde mich wie viele andere Fans freuen, wenn Subotic weiter beim BVB bliebe, aber sportlich dürfte er wohl nur noch der Innenverteidiger Nummer 4 sein und es ist die Frage, ob ihm das reicht. Ein Wechsel ist nach wie vor denkbar. Warten wir mal ab.

  • #14
    Katja S.

    @ 9:
    Die Unstimmigkeiten begannen schon viel früher. Die letzten beiden Kloppjahre und die letzten beiden Tucheljahre weisen durchaus Parallelen auf: So wurden sehr gute Saisons gespielt, in denen Tuchel Vizemeister wurde und Klopp Vize-CL-Sieger und man sich beide Male nur knapp den Bayern geschagen geben musste. Danach wurden Leistungsträger Götze und Hummels nach München verkauft, andere Leistungsträger (Lewandowski, Gündogan, Miki) wollten auch wechseln oder wechselten. Die Folgesaisons wurden auch durch besonders viele Verletzte und leichte Abwehrfehler gekennzeichnet.

    In Dortmund wird immer wieder die Mannschaft geschwächt, auch mit entsprechenden finanziellen Folgen für unsere Spieler/Trainer, denn wie Watzke erst kürzlich wieder erwähnte, werden sie nicht sofort ädaquat ersetzt, sondern durch Talente.

    @ 2: Dies ist der Grund für die strategische Uneinigkeit zwischen Watzke/Zorc und Tuchel. Auch Klopp war im Übrigen mit dieser Strategie nicht glücklich und verließ den BVB, nur, dass dies seinerzeit nicht so öffentich wurde.

    Wie die ganze Wechselposse um Aubameyang ausgeartet ist, ist im Übrigen auch nur Ausdruck dieser strategischen Uneingikeit. Auba hat nie gesagt, dass er zwingend weg möchte, sondern öffentlich darüber nachgedacht, ob sich ein Wechsel lohnen würde, da er in Dortmund nur schwerlich mehr Titel oder mehr Geld bekommen kann. (Mannschaft wird ja oft sukzessive geschwächt) Dass ein Trainer seinen besten Stürmer behalten will, versteht sich von selbst. Watzke hat bereits im Herbst letzten Jahres Auba ein Preisschild umgehängt, wie das ZDF schrieb. Die Fristsetzung dient imo dazu, den Druck auf andere Vereine zu erhöhen, falls sie doch noch für ihn bieten. Sowohl Auba, Watzke als auch der Trainer handen aber rational.

    In diesem Zusammenhang glaube ich übrigens nicht, dass sich kein Spieler getraut hätte, KLopp so öffentlich bloßzustellen, naja, vielleicht nicht so öffentlich, aber Sebastian Kehl erwähnte damals durchaus, dass es in der Mannschaft Spieler gebe, die Klopp nicht bedingungslos folgten, wenn er im Training was forderte. Die Mannschaft erbrachte damals erst Leistung, als Klopp seinen Rücktritt erklärte.
    Mit dieser Methode hat es im Übrigen auch Tuchel versucht, denn gleich nach Watzkes berühmten Interview hat er in einem Interview in Holland, ob er nächstes Jahr noch BVB-Trainer ist, geantwortet, er würde am Samstag in Augsburg Trainer vom BVB sein.

    Unsere Geschäftsführung ist dann irgendann angefangen Tuchel zu führen, mit mehr oder weniger Erfolg: Erst, indem sie ihm ein Ziel (direkte C-Quali) setzten und dann, indem sie seinen Wunschspieler Dahoud verpflichtet haben. Die Ursachen für diese Führungsmethoden hatten sie indes ja selbst viel früher ausgelöst.

    Sowohl der Abgang/Rauswurf Tuchels als auch Klopps ermöglicht beiden, eines Tages zurückzukommen, wenn Watzke nicht mehr da ist;-).
    Den Vergleich zu Alex Ferguson, der jahrlang im Amt ist, finde ich insofern unpassend, da ManU der reichste Verein ist. Der Vergleich zu Arsenals Coach Wenger ist dagegen hochinteressant, warum der so lange im Amt ist, denn Arsenal ist ein bördennotierter Ausbildungsverein wie wir. Vielleicht ist Wengers Name nicht umsonst im letzten halben Jahr so häufig gefallen.

    Wie iauch in der aktuellen Zeit- Ausgabe erwähnt, bin ich inzwischen mehr denn je der Meinung, dass für den sportlichen Erfolg auch die entsprechenden Strukturen der Vereinsführung gewährleistet sein müssen.

    Ich war auch erst der Meinung, dass Watzke sein Schicksal mit dem von Bosz veknüpft hätte, es sehr spannend diesbezüglich werde, betrachte dies inwzischen aber etwas gelassener, denn die Voraussetzungen sind ja gegeben.
    – Bosz hat im Gegensatz zu seinen Vorgängern noch nicht beim BVB die Erfahrung machen müssen, dass er Erfolg gehabt hat und seine Leistungsträger verkauft wurden.
    – Der Umbruch zu jungen Spielern, die ausgebildet werden und später verkauft werden, ist von unser GF Watzke/Zorc gewollt.
    Nach Benders Abgang sind nur noch Schmelle, Sahin, Subotic, Weidenfeller, LP Kagawa, den Schmelle im Übrigend imo auch vergessen hat, wenn er Subotic nicht mitaufzählt, aus der Klopp-Siegermannschaft übrig.
    Reus, Auba und Sokrates haben ja nicht die Titel mit Klopp geholt.

    Zu guter Letzt denke ich auch, dass, wenn er noch lange bleibt, Weigl der Kapitän der nächsten Generation in Dortmund wird. Er ist letzte Saison an der ein oder anderen Stelle da schon reingewachsen, spielt wie schon erwähnt auf einer entsprechenden Position und hat die menschlichen Qualitäten (wurde ja auch mal mit 18 zum Kapitän gemacht). In der aktuellen Mannschaft würde dies voraussetzen, dass er mit seine Leistungen sich noch weiter steigert, denn Schmelle ist ja nicht aufgrund seiner Leistungej Kapitän, sondern mehr, wie erwähnt, aus Mangel an Alternativen.

  • #15
    Lukas N.

    Aubameyang bleibt dem BVB also jetzt doch noch eine Saison erhalten. Das ist sportlich für den BVB und alle Fans ein super Nachricht, die heute verbreitet wurde 🙂
    Wie Boss Watzke in den letzten Tagen ankündigte, wurde intern das Zeitfenster für einen Wechsel geschlossen und das Thema nach einem Gespräch mit Auba beendet. Der zeigte sich danach hochmotiviert im überzeugenden Testspiel gegen den AC Mailand und steuerte 2 Tore bei.
    So kennt man Auba, er ist offen damit umgegangen, einen Wechsel zu überlegen und hätte sich eine passende Gelegenheit für ihn ergeben und wäre dieser Klub bereit gewesen, die vom BVB erwartete Mega-Ablöse zu zahlen, wäre Auba wohl gewechselt.

    Jetzt war wirklich der richtige Zeitpunkt, das zu beenden und zu erklären, dass sich das interne Zeitfenster für einen Wechsel geschlossen hat und der BVB ab jetzt einem Wechsel nicht mehr zustimmt. Denn das Thema hat langsam zu nerven begonnnen und länger hätte man das niemand zumuten können.
    Alle Beteiligten haben fair und mit offenen Karten gespielt. Auch Auba hat sich professionell verhalten und hat stets seinen Job für den BVB erledigt, nie gezickt oder Ärger gemacht.
    Ein internationaler Topstürmer wie Auba, der auch noch Torschützenkönig der Bundesliga geworden ist, weckt natürlich das Interesse anderer Klubs, aber es kommen eben auch nur sehr wenige Klubs in Frage und absolute Topadressen wie Real Madrid haben aktuell keinen Bedarf oder Auba passt nicht in deren Konzept. Andere Alternativen wie Paris oder China haben sich zerschlagen.
    Der BVB hatte Auba ein Zeitfenster geöffnet und seine Bedingungen für einen Wechsel genannt. Aber innerhalb dieses Zeitfensters kam nichts auf den Tisch, über das der BVB ernsthaft hätte entscheiden müssen. Und bis zum Ende der Transferperiode Ende August zu warten, wäre für den BVB nicht zumutbar gewesen, zumal man dann – wenn überhaupt – kaum noch für einen Ersatz hätte sorgen können.

    Mit Auba sind die sportlichen Aussichten für die kommende Saison natürlich besser als ohne ihn. Der BVB kann seine sportlichen Ziele erreichen. Und Auba kann in seinem gewohnten Umfeld spielen und das Spiel ist auf ihn zugeschnitten, auch deshalb schießt er soviele Tore. Beim BVB ist Auba gesetzt und er wird – wie immer – total motiviert in die Saison gehen.
    Eine Restgefahr für einen Wechsel bestünde evtl. dann, wenn plötzlich ein Klub mit 100 Millionen für Auba um die Ecke käme. Das ist heutzutage alles möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

    Der hier viel diskutierte Schmelzer hat sich ja im Training verletzt (ist umgeknickt) und es besteht sogar die Befürchtung auf einen Außenbandriss im Bereich des Fußes. Da auch Guerreiro noch Monate fehlt, wird es personell langsam eng auf dieser Position. Neuling Zagadou, der eigentlich Innenverteidiger ist, spielte trotz 1,95 m Körpergröße und trotz seines jungen Alters gut und abgeklärt Linksverteidiger. Vielleicht bekommt er ja sogar eine Chance auf ungewohnter Position. Aber warten wir mal ab, wie die Diagnose bei Schmelzer aussieht.

    Über Sahin haben wir auch diskutiert. Er spielte heute gegen AC Mailand gut und erzielte ein Tor. Wie es dann in Pflichtspielen aussieht und ob er sich zunächst als Vertreter Weigls behaupten kann, muss man mal abwarten. Weigl wird wohl im September in den Trainingsbetrieb einsteigen und evtl. ist auch noch Dahoud eine Alternative, der jetzt aus dem Urlaub zurückkehrt und einsteigen wird.

    Jedenfalls sah das alles heute gegen den AC Mailand schon recht gut aus, auch wenn man solche Spiele nicht überbewerten darf. Bosz setzt erkennbar auf viel Ballbesitz und schnelle Rückeroberung des Balles, wenn der Gegner den Ball hat oder bekommt. Man sieht Elemente aus der Tuchel- und der Klopp-Zeit. Ich bin gespannt auf die nächsten Testspiele und ob weitere Fortschritte erkennbar sind.

  • #16
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Lukas: "Aubameyang bleibt dem BVB also jetzt doch noch eine Saison erhalten. "

    Das glaube ich erst, wenn er das auch selber sagt. Ich befürchte, das ist noch nicht das Ende des Themas in diesem Sommer….

  • #17
    Lukas N.

    @Robin zu #16
    Deine Befürchtung ist natürlich nicht ganz unbegründet und wenn man sieht, was mittlerweile auf dem Transfermarkt so abgeht, kann man fast nichts ausschließen.
    Allerdings hat Michael Zorc öffentlich und offiziell im Namen des BVB das Transferfenster für Auba für geschlossen erklärt und hinzugefügt, dass anderenfalls auch die Zeit viel zu knapp geworden wäre, noch Nachfolgelösungen unter Dach und Fach bringen zu können. Zorc erklärte auch, dass man das Thema die ganze Zeit über ganz offen mit Auba, seiner Familie und seinen Beratern kommunziert habe und es sei immer klar gewesen, dass das Zeitfenster nur eine gewisse Zeit offen sei und die sei jetzt abgelaufen.
    Auba zeigte sich gegen AC Mailand gut gelaunt und spielfreudig, erzielte 2 Tore.
    Wenn es jetzt nochmals anders laufen sollte, wäre das für die Bosse des BVB doch eher peinlich, zumal der Verbleib in den Medien ein großes Thema ist, positiv kommentiert wird und sowohl der BVB als auch Auba gelobt werden.
    Auch wenn man im Profifußball heutzutage selten etwas als 100 %ig sicher bezeichnen kann, ist die Wahrscheinlichkeit doch jetzt sehr groß, dass Auba auch kommende Saison für den BVB aufläuft. Die kleinen Restzweifel sind aber wohl erst mit Ende der Transferperiode beseitigt.

  • #18
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Lukas: Solche Formulierungen lassen jedoch aufhorchen: "Lediglich ein Angebot jenseits von 100 Millionen Euro könnte Dortmund noch zu einem Umdenken bezüglich Aubameyang bewegen. „Es müsste schon etwas Verrücktes passieren, wenn sich daran noch was ändert…“, so Zorc weiter." (Transfermarkt.de)

    Also, alles nur Poker? Wie gesagt, da Auba selber ja auch noch nichts dazu gesagt hat, was offenbar ja auch merkwürdiger Weise kaum jemanden zu verwundern scheint, hält sich meine ‚Freude‘ darüber noch in Grenzen. Sollte er jedoch nun in den nächsten Stunden dann doch noch sagen, dass er die nächste Saison in Dortmund spielt, dann wäre ich auch beruhigter. So nicht.

  • #19
    Lukas N.

    @Katja S. zu #14
    Ich möchte mal die von Dir angesprochene Frage der Personal- und Transferstrategie herausgreifen. Denn hier glaube ich, dass der BVB kaum eine Alternative zu der von ihm verfolgten Strategie hat.

    Der BVB hat sich in den letzten 10 Jahren äußerst positiv entwickelt, hat sich hinter den Bayern zur Nummer 2 in Deutschland aufgeschwungen und gehört seit Jahren laut UEFA-Klubrangliste zu den 10 besten Fußballklubs Europas (derzeit Platz 7). Des Weiteren hat der BVB seinen Umsatz vervielfacht und hat keine Schulden mehr. So konnte auch das Gehaltsbudget erheblich gesteigert werden und aktuell hat auch kein Spieler mehr eine Ausstiegsklausel.

    Aber es gibt eben noch Klubs, die entweder noch mehr Strahlkraft oder noch viel mehr Geld haben oder beides, darunter auch Klubs, die Investoren gehören, die wiederum hunderte Millionen da reinpumpen.
    Für solche Klubs sind die Spieler des BVB interessant und diese Klubs bieten deutlich mehr Gehalt und / oder größere Titelchancen. Der BVB muss also bis auf weiteres damit leben, dass er immer mal wieder denen einen oder anderen Topspieler verlieren kann und wird.

    Götze wollte man ja damals nicht abgeben, aber er hatte eine Ausstiegsklausel für einen damals hohen Millioenenbetrag und da sind die Bayern eingestiegen und Götze hat die Ausstiegsklausel gezogen, wollte auch unbedingt zu Guardiola, ein Fehler, wie sich dann zeigte.
    Lewandoswki lehnte es ab, seinen Vertrag zu verlängern und wechselte ebenfalls zu den Bayern, wo er deutlich mehr verdient und mehr Titel gewinnen kann.
    Hummels war nicht bereit, seinen Vertrag 1 Jahr vor Ablauf zu verlängern, entschied sich für einen Wechsel zu seinem Jugendklub FC Bayern und der BVB konnte nur noch so eine hohe Ablöse kassieren.
    Der FC Bayern – auch dank strategischer Partner, die FCB-Aktien kauften und enorm hoher Sponsoringeinnahmen usw. – hat einen enormen finanziellen Vorsprung vor allen anderen, auch einen großen Vorsprung vor dem BVB und hat ein sehr viel höheres Gehlaltsbudget.
    Nach dem der BVB den Bayern zu nahe gekommen war und Meisterschaften sowie den Pokal gewonnen hat, rüstete der FC Bayern auf, spielte seine finanzielle Überlegenheit aus und warb auch BVB-Spieler ab, schaffte es, den BVB wieder auf Distanz zu halten.
    Gündogan machte schon unter Klopp deutlich, dass er nach England will. Lediglich wegen seiner langen Verletzung verzögerte sich sein Wechsel.
    Und auch Mkhitaryan wollte seinen Vertrag 1 Jahr vor Ablauf nicht verlängern, wollte unebdingt nach England zu sienem Traumverein Manchester United.

    Hinzu kommt, dass man mittlerweile von einem Gehalts- und Transferwahnsinn sprechen muss, ausgelöst von den reichen (Investoren als Eigentümer, sehr viel höhere TV-Einnahmen) englischen Klubs und zuletzt auch von chinesischen Klubs.
    In diesen Dimesionen kann sich der BVB aber nicht bewegen und kan nauch keine Weltklassespieler verpflichten. Das geht weder von der Transfersumme her gesehen noch was das Gehalt betrifft.

    Berücksichtigt man das alles, muss der BVB durch ein überragendes Scouting große und junge Talente in Europa und weltweit früher entdecken und an sich binden als andere und er muss eine Top-Jugendarbeit betreiben. Der BVB muss seine Stars also weitgehend selbst entwickeln. Das hat auch den Vorteil, dass die Transfer- und Gehaltskosten noch erträglich sind und wenn ein solcher Spieler mal wechseln sollte, ist eine viel höhere Ablöse fällig als das was der BVB für den Spieler bezahlte.
    Schauen wir nur auf das Beispiel Dembélé. Den wollten mehrere Topklubs in Europa haben, aber er spilet beim BVB, weil man sich sehr früh um ihn bemühte und weil sich der BVB den Ruf erworben hat, für junge Talente eine Topadresse zu sein. Dembélé ist eines der größten Talente weltweit und er ist längst nicht am Ende seiner atemberaubenden Entwicklung. Auch ihn wird der BVB nicht über Jahre halten können, aber wenn er geht, ist eine Ablöse fällig, die ein mehrfaches dessen ausmachen wird, was der BVB für ihn zahlte.
    Pulisic hat man sehr früh entdeckt und zunächst in die BVB-Jugend integriert. Auch er ist schon große Klasse.
    Guerreiro hat man vor der EM verpflichten können, dananch wäre das nicht mehr bezahlbar gewesen.
    Bartra holte man aufgrund einer Ausstiegfsklausel für nur 8 Millionen Euro aus Barcelona und Weigl kam für kleines Geld aus der 2. Liga von 1860 München.

    Einen anderen machbaren und bezahlbaren Erfolgsweg für den BVB als diesen gibt es nicht. Man muss auf bezahlbare schon etwas erfahrenere Spieler und auf junge Talente setzen.
    Dabei dürfen dem BVB keine größeren Fehler unterlaufen, er muss imemr wiede vieles richtig machen und muss es immer wiede schaffen, schmerzliche Abgänge zu ersetzen. Bis jetzt ist dies immer wieder gelungen. Der BVB ist nicht wie einige andere Vereine plötzlich wieder zurückgefallen, sondern konnte sich in der deuschen und europäischen Spitze halten.
    Das auch in Zukunft zu schaffen, ist Jahr um Jahr eine Herausforderung.

    Was Aubameyang angeht, haben wir es mit einem Sonderfall zu tun. Er ist schon 4 Jahre beim BVB und hat sich zu einem internatuonalen Topstürmer mit auch großer Strahlkraft entwickelt. Gerade bei Mittelstürmern dieser Qualität kann man sich selbst bei einem noch Jahre laufenden Vertrag nicht sicher sein. Wenn ein Klub eine Megaabalöse und ein hohes Gehlat für Auba bietet und er auch wechseln will, ist es schwer, ihn zu halten. Auba hat wohl angedeutet, dass er auch von Alter her gesehen, über einen Wechsel nachdenken möchte, hat aber auch einen Verbleib beim BVB nicht ausgeschlossen. Weil er noch Jahre Vertrag hat, sitzt der BVB zunächst am längeren Hebel und das mindeste, was er tun kann und muss, ist zu signalisieren, dass die Ablöse schon sehr hoch sein müsste, damit man gesprächsbereit sei. Wenn Real Madrid gekommen wäre, wäre Auba weg und wenn in Paris sich nicht etwas auf der Führungsetage geändert hätte, wäre er evtl. in Paris gelandet.
    Der BVB hat ein Zeitfenster aufgemacht und Bedingungen für eine Gesprächsbereitschaft signalisiert.
    So hat man Auba auch bei Laune gehalten und der hat das als faire Geste empfunden.
    Aber zuletzt drohte das ganze zur Wechselposse zu werden und begann immer mehr Fans zu nerven. Bevor die Stimmung kippt und sich das ganze zu lange hinauszögert, man auch keinen Ersatz mehr findet, hat der BVB das Zeitfenster jetzt geschlossen und es bleibt zu hoffen, ist auch sehr wahrscheinlich, dass es für diese Saison jetrzt geschlossen bleibt, was für den BVB sportlich nur positiv sein kann und uns Fans freut.

    Wie in Beiträgen weiter oben erläutert, sehe ich auch einiges kritisch, aber die Transfer- und Personalstrategie des BVB halte ich für weitgehend richtig und der BVB kann kaum auf andere Weise als europäischer Topklub bestehen. Deshalb bin ich darauf mal etwas ausführlicher eingegangen.

    Zum Schluss noch ein Wort zu Klopp: Ich glaube nicht, dass er den BVB wegen dessen strategischer Ausrichtung verlassen hat, mit der sich Klopp (teilweise im Gegensatz zu Tuchel) ja voll und ganz identifizierte. Sondern Klopp war sehr lange 7 Jahre beim BVB, was heutzutage eine außergewöhnlich lange Zeit ist und die sehr schwieirige letzte Saison Klopps beim BVB hat auch viel Substanz gekostet. Klopp pflegt auch eine Spielweise, die für die Spieler sehr intensiv und kräftezehrend ist. Mit den Jahren macht sich das dann bemerkbar, vor allem wenn mal ein Jahr mit vielen verletzten Spielern dabei ist. Klopp sagte deshalb auch, dass es besser sei, wenn er jetzt gehe und ein neuer Trainer komme, der neue Impulse setze. Ein Trainer merkt sehr genau, wann es besser ist, aufzuhören und Klopp konnte als hoch erhobenen Hauptes und als BVB-Legende gehen, ohne entlassen worden zu sein.

  • #20
    Lukas N.

    @Robin zu#18
    "Lediglich ein Angebot jenseits von 100 Millionen Euro könnte Dortmund noch zu einem Umdenken bezüglich Aubameyang bewegen." Das ist ein Interpretation von transfermarkt.de, aber keine Aussage Zorcs.
    Zorc wurde auf Sky gefragt, ob das das letzte Wort sei, was er bejahte, aber hinzufügte, dass schon etwas verrücktes passieren müsse, wenn sich daran noch was ändern sollte. Scherzhaft meinte Zorc, wenn jemand komme und 500 Millionen Euro biete …

    Übersetzt heißt das nichts anderes, dass man das Thema für abgeschlossen hält, aber trotzdem reagieren müsste, wenn jetzt ein Klub ein verrücktes Meganagebot auf den Tisch legen würde. So etwas kann man ja in dem völlig verrückten und überhitzten Transfermarkt nicht völlig ausschließen, auch wenn es aus heutiger Sicht unwahrscheinlich erscheint.

    Es ist verständlich, wenn Du sagst, erst wenn Auba das selbst bestätige, sei es für Dich Fakt. Man kann aber jetzt zumindest sagen, dass Auba mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kommende Saison beim BVB spielt.

  • #21
    Martin Möller

    Schmelzers verkrampftes Festhalten an einer Funktion, die ihm schon vom Typus her eigentlich wesensfremd ist, lässt mich zu der Vermutung kommen, dass Schmelzer sein persönliches Deja vu erlebt.
    Löw stellte ihn als Nationalspieler öffentlich nur als Lückenbüßer hin, wie später Tuchel, als ihm Zweifel an Schmelzers Eignung kamen und er gerne Reus an Schmelzers Stelle nach dessen Gesundung implantiert hätte.
    Ein zweites mal sieht sich Schmelzer nicht gewertschätzt. Jetzt schlägt er um sich, möchte Profil zeigen, dass ihm vom Naturell nicht gegeben ist. In seinen ersten Jahren, ala Mitläufer oder geführter Spieler, brachte er seine besten Leistungen.
    Auch das ist eine mögliche Ursache für seine irrationalen Ausrutscher und zeigt, dass sein Verhalten möglicherweise der Versuch, eines freilich untauglichen Beweises, seiner Tauglichkeit auf prominenter Ebene sein könnte.
    Möchte er sich eine weitere Demütigung ersparen, sollte er von sich aus sein Amt zur Verfügung stellen.

  • #22
    Martin Möller

    @ Lukas. N. #19

    Ich gebe Dir recht, Lukas. Die überaus erfolgreiche Transferpolitik des BVB ist momentan alternativlos, möchte man im Konzert der ganz Großen einigermaßen mithalten.
    Diese, für den Fußball unglückliche Entwicklung, hat schon etliche prominente Opfer gefordert.
    Die Zeit des ganz großen niederländischen Vereinsfussballs ist vorbei.
    Ajax und Feyenoord stritten sich fast ein Jahrzehnt um die Krone im Weltfussball.
    Bis auf ganz wenige, erfreuliche Ausrutscher nach oben (Europaleaugefinale von Ajax letztes Jahr) sind diese Erfolge nur noch auf dem zweiten Level und für kurze Zeit möglich.
    Der Geldadel sorgt durch sofortigen Aufkauf der jeweils besten Spieler, für eine geschlossene Gesellschaft.
    Selbst Bayern kann künftig durch die neuesten Geldquellen in England und die beiden traditionell großen beiden Vereine Spaniens nicht mehr mithalten.
    In Hinsicht des Talentscoutings und Förderung des Nachwuchses hat sich national der BvB einen Vorsprung erarbeitet, den Hoeness gerade versucht zu schließen.
    Auf Dauer steht die Wettbewerbsfähigkeit der großen deutschen Vereine auf dem Spiel.
    Mittelfristig wird die 50+1 Regel kippen.
    Zweitklassiger Vereinsfussball passt auf Dauer nicht zum Selbstverständnis unserer Fussballnation.
    Italien geht gerade diesen Weg. Neben Juve wird jetzt auch Mailand durch Investoren finanziell geputscht, um den alten Status wieder herzustellen.
    Die Frage ist, ob unter dem Fußballromantiker und Patriarchen alter Schule, Watzke dieser Weg beschritten wird.
    Andere neureichen Klubs, wie das Werbeprodukt aus Leipzig oder vorher auch Hoffenheim, haben ja schon für eine Aufweichung der 50+1 Regelung gesorgt.
    Wird Watzke mittelfristig diesen Weg nicht beschreiten, wird der Druck auf den zweiten fußballerischen Leuchturm Deutschlands so groß werden, daß es zwangsläufig zu diesem Szenario kommen wird.
    Auch ich bin Fußballromantiker aber auch Realist.
    Auf Dauer möchte ich den BVB nicht in die sportliche Bedeutungslosigkeit zurückfallen sehen.
    Die einzig denkbare Regulierung, weg vom derzeitigen kommerziellen Wahnsinn wäre ein Platzen der ganzen Blase.
    So oder so. Spitzenfussball ohne deutsche Beteiligung wird es auf Dauer sicher nicht geben.
    Es bleibt spannend und wird für weitere leidenschaftliche Diskussionen sorgen.

  • #23
    Lukas N.

    @Martin Möller zu #21
    Das ist ein interessanter Aspekt, den Du da ansprichst. Denn ich glaube auch, dass man auf Löws Verhalten gegenüber Schmelzer zurückgehen muss, um Schmelzers Reaktion auf Tuchel zu erklären.

    Löws Verhalten damals gegenüber Schmelzer war nicht in Ordnung. Denn in der Tat stellte er Schmelzer als Lückenbüßer dar und meinte, man habe eben derzeit keinen anderen Linksverteidiger in Deutschland, der für die Nationalelf in Frage komme, müsse so lange mit Schmelzer arbeiten. Eine solche öffentliche Einschätzung hatte Schmelzer nun wirklich nicht verdient. Löw entschuldigte sich zwar später für diese Aussage, aber gesagt ist gesagt und Schmelzer war öffentlich abgestempelt, wurde dann irgendwann auch von Löw aussortiert. Das hängt Schmelzer bis heute nach.

    Du hast Recht, dass Schmelzer dann ein ähnliches Erlebnis mit Tuchel hatte. Der machte ihn zum Kapitän, aber mitten in der Saison als Reus wieder von seiner Verletzung zurückkehrte, meinte Tuchel plötzlich, man müsse über die Kapitänsfrage neu nachdenken, wobei er ausdrücklich nicht ausgeschlossen hat, dass die Kapitänsbinde nach Monaten wechseln könnte.
    Das kann man so natürlich nicht bringen. Wenn Tuchel einen Kapitän festlegt, dann muss er zumindest die komplette Saison dabei bleiben. Es sei denn, er hätte gesagt, Schmelzer bleibe nur so lange und vorläufig Kapitän, bis Reus von seiner Verletzung zurückkehre. Aber das machte Tuchel nicht.

    Dieser Vorgang hat Schmelzer gerade nach den Erlebnissen mit Löw sicherlich tief getroffen und hat das Verhältnis zu Tuchel schwer belastet.
    Schmelzer muss schon immer mehr um Anerkennung kämpfen als andere. Dabei spielt er bereits 9 Jahre ununterbrochen für den BVB und konnte sich bisher immer gegen Konkurrenten auf der Linksverteidigerposition durchsetzen. Er ist ohne Frage ein überdurchschnittlich guter und sehr solider Linksverteidiger, aber natürlich kein Spieler internationaler Topklasse. Auch scheint sein Wort innerhalb des Teams Gewicht zu haben, wie schon mehrere Spieler bestätigten.

    Schmelzer wurde mangels Alternativen Kapitän und weil Tuchel Reus nicht benennen wollte, weil der monatelang ausgefallen und auch generell verletzungsanfällig ist. Und wieder muss Schmelzer öffentlich um Anerkennung kämpfen, schon etwas tragisch für ihn.

    Aber aus all diesen Gründen würde er sein Kapitänsamt wohl niemals freiwillig zur Verfügung stellen. Und Bosz wäre wohl auch schlecht beraten, Schmelzer als eine seiner ersten Amtshandlungen das Kapitänsamt wieder wegzunehmen und dieses Fass erneut aufzumachen, Schmelzer endgültig zu demontieren. Also wird Schmelzer vermutlich zumindest diese Saison noch Kapitän bleiben und wird weiter um Anerkennung kämpfen müssen.
    Es ist völlig klar, dass er nicht die Idealbesetzung als Kapitän ist, aber dem BVB fehlt derzeit eine alle anderen zumindest etwas überragende Führungspersönlichkeit im Team, ein Spieler, der fast schon automatisch der Kapitän sein muss, wie das bei Hummels der Fall war.

    Wenn der neue Trainer überzeugen kann, die Mannschaft sich als Einheit präsentiert und Erfolg hat diese Saison, dann erst wird dieses Thema wieder in den Hintergrund treten. Möglich ist das und wir Fans würden uns darüber freuen, denn das würde bedeuten, dass es auch mit dem neuen Trainer läuft beim BVB.

  • #24
    Lukas N.

    @Martin Möller zu #22
    Auch in dieser Einschätzung, die Du unter #22 darstellst, sind wir uns weitgehend einig, denn so muss man die SItuation und die Zukunft des deutschen Profiklubs realistischerweise einschätzen.

    Ich möchte aber noch einen sehr interessanten Aspekt im Zusammenhang mit der 50 + 1-Regel ansprechen, der fast immer – auch von den Medien – übersehen wird.
    Fast alle Klubs der 1. Liga haben ja ihre Profiabteilungen längst in eine Kapitalgesellschaft ausgelagert, was auch sowohl rechtlich als auch betriebswirtschaftlich notwendig ist.
    Die 50 + 1-Klausel besagt nun, dass der eingetragene Verein auch weiter die Mehrheit der Stimmen halten muss, dass es also in Deutschland grundsätzlich nicht möglich ist, dass ein Investor einen Klub übernehmen kann. Der eingetragene Verein muss mindestens 50 % der Stimmrechte plus 1 Stimme halten.

    Durch die Entwicklung auf dem internationalen Fußballmarkt und in anderen Ligen wird immer wieder und immer stärker an der 50 + 1-Regel gerüttelt, die es sonst in keiner anderen Liga gibt. Bisher wurde eine Ausnahme dieser Regel aufgenommen, die dann greift, wenn ein Geldgeber bereits 20 Jahre ununterbrochen im Klub engagiert ist, dann darf er die Mehrheit übernehmen. Unter diese Ausnahme fallen bisher Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und bald wohl auch Hannover. Ein Sonderfall ist Leipzig, weil da Red Bull die Lizenz eines unterklassigen Klubs geklauft hat und auf dieser Grundlage RB Leipzig zunächst nur als e. V. unterklassig gegründet wurde, sich damit in einer Grauzone bewegte. Das ist ein abendfüllendes Thema, auf das ich schon vor Monaten mal sehr ausführlich eingegangen bin.

    Was selbst die Medien regelmäßig übersehen ist die Tatsache, dass wir es in Deutschland im Unterschied zu England mit einer Vereins- und Mitgliederstruktur zu tun haben. In Deutschland entscheiden die Mitglieder der Vereine und der BVB z. B. hat ja mehr als 140.000 Mitglieder, gehört zu den mitgliederstärksten Vereinen der Welt.

    Das heißt, selbst wenn die 50 + 1-Regel irgendwann mal gekippt würde, wäre der Weg für die Übernahme deutscher Klubs durch Investoren nicht frei. Denn einer solchen Übernahme müssten die Mitglieder lauf den Satzungen zustimmen und das mit einer qualifizierten Mehrheit von 2/3 oder 3/4 der Mitglieder. Es ist aber fast kein Klub denkbar, bei dem solche Mehrheiten der Mitglieder erreichbar wären.

    Beim BVB haben wir es ja mit einer GmbH & Co. KGaA zu tun, wobei die Gesellschaft als einzige börsennotiert ist.
    Die 50 + 1-Regel wird aber voll und ganz eingehalten, denn die Geschäftsführung des Klubs ist alleine Sache der gegründeten Geschäftsführungs-GmbH (mit Herrn Watzke an der Spitze) und die gehört zu 100 % dem eingetragenen Verein BVB 09 e. V. (ehrenamtlicher Präsident Dr. Rauball, von den Mitgliedern gewählt). Die Rechte des Aufsichtsrates der AG sind ausdrücklich eingeschränkt. Der Aufsichtsrat kann die Geschäftsführung weder einsetzen, noch entlassen, noch Einfluss auf deren Verträge nehmen. Das kan nnur der eingetragene Verein machen.

    Per Satzung ist festgelegt, dass in den Gremien immer die Mitglieder des eingetragenen Vereines die Mehrheit haben müssen.
    Wollte man das ändern oder wollte der BVB Anteile der Geschäftsführungs-GmbH verkaufen, müssten dem laut Satzung 3/4 der Mitglieder zustimmen. Das aber ist völlig ausgeschlossen.

    Ginge es um eine solche Abstimmung würden sicherlich mindestens 10.000 BVB-Mitglieder zu einer Versammlung kommen. Dann müssten mindestens 7.500 dieser Mitglieder zustimmen, dass der eingetragenen Verein nicht mehr die Mehrheit behalten muss und dass die Mehrheit der Anteile der Geschäftsführungs-GmbH an einen Investor abgegeben werden.
    Das aber ist völlig ausgeschlossen und so ist auch eine Übernahme des BVB durch einen Investor ausgeschlossen. Boss Watzke hatte bereits ausgeschlossen, dass der BVB in seiner Amtszeit diesen Weg überhaupt nur andenken würde, aber er wäre auch nicht umsetzbar, weil die Mehrheiten der Mitglieder niemals zu bekommen wären.

    Auch bei anderen Klubs, gerade denTraditionsklubs, müssten 2/3 oder 3/4 der Mitglieder zustimmen, damit eine Investor den Klub übernehmen könnte, also auch nach einem evtl. Fall der 50 + 1-Regel.

    Der BVB hat mehrere strategische Partner (Evonik, Puma, Signal Iduna) aufgenommen und auch dadurch seinen Finanzspielraum verbessert, aber das Sagen im operativen Geschäft behalten. Das ist eine gute Lösung, die auch die meisten Fans begrüßen.
    Aber die Übernahme durch einen Investor ist weder angedacht noch möglich, denn das würden die Mitglieder nicht mitspielen, wären die Mehrheiten nicht zu bekommen. Das wird oft übersehen.

    Man wird sehen, ob die deutschen Klubs auf Dauer mit den genannten Strukturen im europäischen Fußball (in England und anderen Ligen haben bereits Investoren die Klubs übernommen) mithalten könnnen und ob anderorts evtl. auch mal eine Blase platzt und Deutschland dann plötzlich besser dasteht als andere. Es bleibt auch da spannend und interessant.

  • #25
    Martin Möller

    Ja, Lukas, Schmelle kämpft um Wertschätzung und hat sich auf eine Funktion eingelassen, die seinem Naturell eher nicht entspricht.
    Das Damoklesschwert einer zweiten Degradierung und Demütigung, nach Löws abschätziger Äußerung gegenüber Schmelle, schwebt ständig über ihm. Er möchte sich in dieser hervorgehobenen Funktion beweisen, es seinen Kritikern und Zweiflern, letztlich wohl auch sich selbst zeigen, zu Unrecht geringeschätzt worden zu sein.
    Er kämpft verbissen um diesen Posten und macht so zwangsläufig Fehler.
    Nun kann man natürliche Autorität und Selbstbewußtsein nicht erlernen. Hummels und Kehl hatten sie eben.
    Schmelzer, sofern Bosz weiter auf ihn als Stammspieler baut, wird so auch kommende Saison den BVB auf das Feld führen. Schmelles kämpferische Integrität, sein unbändiger Einsatz in jedem Spiel steht außer Frage, wohingegen seine spielerische Fähigkeiten schon immer limitiert waren.
    Wie gesagt, sollte uns Weigel für lange Zeit erhalten bleiben, sehe ich mittelfristig am ehesten bei ihm alle Attribute, die für einen guten Kapitän notwendig sind.
    So oder so, diese Saison sind uns unsere Leistungsträger erhalten geblieben, die jungen Talente um ein Jahr weiter, personell ist der BVB bestens aufgestellt.
    Sollten sich keine Leistungsträger mehr verletzten und die Rekonvaleszenten nach und nach zurück kommen, könnte dieses Jahr möglicherweise die Chance auf ein enges Titelrennen realistisch werden, sofern die Bayern schwächeln. Es wäre uns und der Bundesliga zu wünschen.

  • #26
    Martin Möller

    Lukas, im Moment würde sich tatsächlich keine Mehrheit bei einer Mitgliederabstimmung, für das Kippen der 50-1 Regel finden. Ein hypothetischer Antrag würde von den Mitgliedern eines tradionsbewußten Vereines, wie den BVB, krachend abgeschmettert.
    Ich stelle mir folgendes Szenario vor: die Bundesliga und ihre Flagschiffe Bayern und BVB scheitern auf Grund der immer größer werdenden finanziellen Unwucht, über mehrere Jahre an der Qualifikation zur Championsleauge. Geht die Schere weiter so rasant auseinander, kein ganz so unrealistischer Albtraum. Würden tatsächlich in einem fußballverrückten Land, dass sich überdies stark über Leistung definiert, tatsächlich dann auch noch dem Fluch der Fremdbestimmung verschließen? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.
    Noch ist es glücklicherweise nicht so weit. Sollten die Investoren von den Manchester und Londoner Klubs ihr Interesse an ihrem Spielzeug verlieren, träte der von mir und der überwältigten Menge der Fußballfans favorisierte Fall ein, dass am Ende "unser System" dafür sorgt, dass Fußball nicht mehr ausschließlich in Verbindung mit Großkommerz diskutiert würde.
    Das ist mein Wunschtraum, der möglicherweise naive Traum eines Fußballromantikers.

  • #27
    Lukas N.

    @Martin Möller zu #26
    Was Du schreibst ist keineswegs der naive Traum eines Fußballromantikers. Wie gesagt, selbst wenn die 50 + 1-Regel offiziell abgeschafft werden würde, müssten immer noch die Mitglieder des eingetragenen Vereines zustimmen, dass ein Investor die Fußballgesellschaft übernehmen dürfte und das ist für nahezu alle Klubs auszuschließen, für den BVB sowieso.

    Meiner Meinung nach wäre selbst dann eine laut Satzung des BVB erforderliche 3/4-Mehrheit der Mitglieder nicht zu bekommen, wenn der Druck immer größer werden würde und selbst die deutschen Flaggschiffe Probleme bekämen, international noch mitzuhalten.
    Dass eine 3/4-Mehrheit der Mitglieder des BVB dafür stimmen könnte, die Mehrheit an einen Investor zu übertragen, ist meiner Ansicht nach auszuschließen, selbst wenn der BVB Schwierigkeiten bekäme, international noch mitzuhalten. Eine solche Mehrheit ist unter keinen Umständen vorstellbar. Und die Bosse des BVB haben diesen Weg ohnehin ausgeschlossen.

    Einige Entwicklungen im internationalen Klubfußball sind auf keinen Fall gesund und das viele Geld, über das z. B. die englischen Klubs verfügen, führt ja auch dazu, dass Kreativität verloren geht, dass die Nachwuchsarbeit leidet, dass man für viel Geld immer neue Stars aus dem Ausland holt, dass auch ein Stück weit Identifikation verloren geht.
    Die Eintrittspreise in England sind viel zu hoch, so dass immer mehr reine Eventfans dort in den Stadien sitzen und die Stimmung leidet. Echte Fans, die Normal- und Kleinverdiener sind, können sich Stadionbesuche dort kaum noch leisten. Überhaupt wird für die Fans wenig getan.

    Schon wegen der in Deutschland geltenden Vereins- und Mitgliederstrukturen, ist das so wie in England zum Glück nicht umsetzbar. In Deutschland haben immer die Mitglieder der eingetragenen Vereine das letzte Wort, auch dann, wenn die Profigesellschaft bereits in eine Kapitalgesellschaft ausgelagert wurde.

    Aber wo die Reise genau hingeht und ob evtl. sogar eine Blase platzt und man den Bogen überspannt, lässt sich derzeit nicht prognostizieren.
    Aber hier eine sehr interessante Veröffentlichung dazu, die sich auf eine Studie bezieht, wonach der englischen Premier League der finanzielle Ruin droht:

    http://www.sport1.de/internationaler-fussball/premier-league/2017/07/studie-englische-premier-league-steuert-auf-finanziellen-ruin-zu

  • #28
    Martin Möller

    @Lukas # 27
    Danke für Die Zusendung dieser intereassanten Studie.
    Als 17 jähriger, leidenschaftlicher Fußballanhäger besuchte ich in den 80 ern ein Spiel West Ham- Manchester United. Bis dahin hatte ich, neben "meinem" Herzensklub BVB, auch alle anderen Revierklubs, oft per Straßenbahn besucht und mir fast wöchentlich Spiele angeschaut.
    Was ich damals in London mit allen Sinnen erlebte, war an Intensität mit nichts zu vergleichen. Ich war wie berrauscht von der wahnsinnigen dichten Atmosphäre auf den Rängen und dem Spielfeld.
    Mittlerweile reisen englische Fußballfans übers Wochenende zu uns, um echte Fußballatmosphäre zu schnuppern,
    Ich bin sicher, dass sich in der jetzigen Situation und unter der jetzigen Führung des BVB und des DfB nichts ändern wird.
    Fußball hat in Deutschland allerdings so einen Stellenwert, wie z. B. Rugby in Neu Seeland. Wären die All-Blacks auf Dauer in der Weltspitze nicht mehr konkurrenzfähig, würden bald so einige, jetzt undenkbare Kompromisse eingegangen.
    Ich fürchte halt, dass es im worst case beim Volkssport Fußball bei uns ähnlich wäre. Einen Großteil unserer Identifikation ziehen wir aus erfolgreichen Fußballereignissen.
    WM 54, kurz nach dem Krieg, das Sommermärchen 2006. der erste Europacup des BVB, einer deutschen Mannschaft überhaupt 66. Championsleauge-Sieg usw..
    Worüber spricht der Arbeitnehmer am Montagmorgen, sollten wir regelmäßig von zusammengekauften Scheich und Oligarchen-Mannschaften Klatschen beziehen? Was ist, wenn kein Star länger als bis zu seiner Abwerbung neureicher Klubs mehr in der Bundesliga spielte?
    Ein Horror-Szenario, wie auch die Fremdbestimmung von beliebigen Investoren.
    Ich denke halt auch als Psychologe und weiß, wie schnell Stimmungen kippen können. Berufskrankheit, wahrscheinlich.
    Ich hoffe sehr, das Du recht behältst und Deine Einschätzungen sich erfüllen!

  • #29
    Martin Möller

    Nach einem Crash der großen Vereine der englischen Premiere-Leauge, käme es nach dieser Studie vernutlich zu einer europäischen Superleauge, ohne Auf- oder Abstieg, finanziert von nordamerikanischen Konzernen.
    Es erfolgte eine Gehaltsdeckelung auf höchstem Niveau, möglicherweise oder wahrscheinlich würden auch andere Gebräuche aus der NBL oder NFL übernommen. Statt Helenchen zwitschert dann halt Mariah Carey zur Halbzeitspause, bei Pop-Corn und Cola.
    Nein, da bleibe ich Traditionalist und hoffe, dass es auch für deutsche Klubs eine Lösung, vielleicht ähnlich der, der spanischen Spitzenklubs gibt. Sie fungieren ja zumindest formal noch als e.V..
    Ich hoffe doch sehr auf ein Überleben unserer Klubs, ohne restlosen Ausverkauf der Fußballseele.
    Bin wohl doch ein hoffnungsloser Fußballromantiker…….

  • #30
    Lukas N.

    @Martin Möller zu #28 und #29
    Wichtig ist zunächst mal, dass immer die Mitglieder der eingetragenen Vereine das Sagen hätten und mit qualifizierter Mehrheit darüber entscheiden müssten, ob die Fußballgesellschaft in die Hände eines Investors gegeben wird oder nicht. Viele meinen ja, auch die Medien, dass mit dem Wegfall der 50 + 1-Regel der Weg für Investoren frei sei und das ist ja nicht der Fall.

    Damit ein Investor einen Klub übernehmen dürfte, müssten 2/3 oder – wie beim BVB- sogar 3/4 der Mitglieder zustimmen und diese hohe Hürde dürfte bei fast keinem Klub überwindbar sein, egal unter welchen Umständen die Entscheidung zu treffen wäre. Was den BVB betrifft, bin ich mir sicher, dass eine 3/4-Mehrheit niemals zu erreichen wäre.

    Es ist auf jeden Fall wichtig zu wissen und für uns Fans auch eine Beruhigung, dass die Entscheidung in der Hand der Mitglieder läge.

    Laut der erwähnten Studie steht die Premier League finanziell vor massiven Problemen, Milliarden wurden verbrannt, es besteht ein chronischer Ausgabenüberschuss.

    Der Autor der Studie vermutet, dass man sich in Richtung einer europäischen Superliga bewegen werden, wenn die Finanzblase in England mal platzen sollte.

    Aber das ist nur eine Vermutung des Autors der Studie!!! Diese Einschätzung teile ich nicht und eine europäische Superliga wäre nur gründbar, wenn auch die anderen europäischen Ligen und die UEFA mitspielen würden. Das sehe ich nicht.

    Interessant ist vor allem der Inhalt der Studie bezüglich der Einschätzung der finanziellen Situation des englischen Profifußballs und da gibt es doch einige problematsiche Auswüchse und Schieflagen.

    So etwas gibt es auf der Grundlage des deutschen Modells nicht und warten wir mal ab, wie sich unsere deutschen Flaggschiffe in den nächstne Jahren schlagen.

  • #31
    Martin Möller

    In den letzten 5 Jahren waren die deutschen Klubs den finanzgepamperten englischen Spitzenclubs, mehr als ebenbürtig.
    Meine leise Zuversicht beruht darauf, dass sich der BVB in den letzten 20 Jahren rein sportlich ein hohes Standing erworben haben.
    Seit 95 fünf mal Meister, 2 mal Championsleauge Endspiel mit einem Sieg. Zuletzt Pokalfinale in Serie, mit Gewinn 2012 und 2017. 2 mal UEFA-Cup Finalist. Dazu der einmalige wirtschaftliche Erfolgsweg unter Watzke und das Glück mit Klopp den richtigen Mann zur richtigen Zeit verpflichtet zu haben. Unter ihm, auch unter Tuchel, gewann der Verein enorm an Renome und Strahlkraft, national, wie auch international.
    Dazu kommt unsere hervorragende Jugenarbeit, die in den letzten Jahren sogar die viel gelobte Knappenschiede überflügelte.
    Das alles führte dazu, dass die Spieler gern zu uns kamen, um regelmäßig vor 80 000 Zuschauern und der legendären gelben Wand zu spielen.
    Halten wir unser jetziges Level und bewegen uns weiter in der Top ten Europas, werden wir jedes Jahr nur 1 oder 2 Spieler an noch finanzkräftigere Vereine abgeben müssen. Der Stamm bleibt erhalten und junge hochtalentierte Spieler stoßen jedes Jahr in den Profi-Kader.
    In der PL wird in den Spitzenclubs oft nur nach neuen, großen Namen gesucht. Der bahnbrechende Erfolg blieb schon auf Grund fehlender Kontinuität und wahrscheinlich auch weniger Identifikation, wegen der ständigen Wechsel, bisher aus.
    Die Finanzkraft wird dem englischen Fußball sicher nicht weiter helfen aber beständig Unruhe in die Bundesliga bringen.
    Hält der BVB seine erworbene Strahlkraft, schaue ich schon zuversichtlich in die nähere Zukunft meines Vereines.
    Wichtig für die Konkurrenzfähigkeit ist eine relativ ausgeglichene Liga, mit einigen Flagschiffen.
    Es wäre schön, hätten die schottischen Verhältnisse bald wieder ein Ende.
    Ein starker BVB dient und hilft zuletzt auch den Bayern.

  • #32
    Katja S.

    @ Lukas N:
    Ich glaube, Sie haben da was missverstanden. Ich habe die Transferpolitik nicht offen kritisiert, es ging mir um die Zusammenhänge und das warum. Es ist völlig richtig, dass es Clubs gibt, die mehr Stahlkraft haben und mehr Gehalt zahlen usw. und Dortmund hat keine andere Möglichkeit. Das sehr ich genauso und freue mich darüber.

    Ein Ausbildungsverein sind wir aber, weil wir ein börsennotierter Verein sind, der einzige in der Bundesliga. Wie man im Internet nachlesen kann (einfach mal börsennotierte Vereine googlen), sind an der Börse besonders Vereine begehrt, die immer wieder junge Spieler ausbilden und deshalb ist unsere Strategie darauf ausgerichtet.

    Wie Sie völlig richtig fgesagt haben, hat Bayern wesentlich mehr Geld aufgrund von Sponsoren. An diese kommen wir übrigens so schlecht, weil unsere Aktien unterbewertet ist, so dass andere Großkonzerne als AG erstmal ihren Aktionären erklären müssen, warum sie in unser Unternehmen investieren sollten. Aki muss also auch den Börsenwert in die Höhe treiben, durch a) sportlichen Erfolg und b) wirtschaftlichen Erfolg (freie Cashflows etc.), das sind die Kräfte, wobei wirtschaftlicher Erfolg wichtiger ist.
    Da sportlicher Erfolg viel risikobehafteter ist, es gibt wesentich mehr Einflussfaktoren und Transfererlöse tatsächliche feste Einnahmen generieren, setzt Aki auch darauf. der Verkauf von Stars ist also von Aki auch gewollt.

    Viele BVB-Fans glauben aber, dass durch die Stratgie der Supertalententwickung mehr Geld entsteht, während Bayernfans sagen, Aki betrügt die BVB-Fans. Z. B. ist Lewandowski ablösefrei gewechselt, war aber zu dem Zeitpunkt 40 Mio. wert, Auba kam für 14, glaube ich, und musste doch erst entwickelt werden. Und für diese Entwicklung braucht es Zeit Sportlich machst du also kalkulierten Verlust. WEnn in Abteilung A eines Unternehmens Gewinn gemacht wird, und in Abteilung B Verlust, ist der Gewinn des Unternehmens nahezu unverändert, nur dass ich intern beim BVB Gewinner und Verlierer erzeuge. Spieler und Trainer tragen da den Verlust, da die Mannschaft ja zurückgeworfen wird mit entsprechenden Motivationsfolgen etc, die ich in meinem vorigen Post beschrieben hatte. Auch der Fan gehört übrigens zu den Verlieren. Der Abstand zu den Bayern wuchs also, wie hier jemand schrieb, und der BVB wurde durch verlorene Finals demotiviert. Man hat halt einfach nicht das Geld des FC Bayern. Bei Bayern wird nach einer schlechten Saison zusätzlich investiert, während die Leistungsträger des BVB alle nach guten Saisons gingen. (Titel, Geld). Wir haben das übrigend großartig gemeisert und wir du gesagt hast, ist das immer wieder eine Herausforderung.
    Als Klopp nach Liverpool ging, forderte er in den Gesprächen als erstes, ein Transfermitspracherecht. Dies hat er in Dortmund aus oben genannten Gründen nicht bekommen und deshalb soll es ihn nicht gestört haben?

    Dadurch entsteht aber ein Kreislauf, weil die Mannschaft immer wieder geschwächt wird, verlassen uns die Spieler in einer Art Sogwirkung. Nach Hummels und Gündogan wollte Miki auch weg und Auba auch am liebsten, weil alle wussten, dass es bergab geht.

    Noch ein Wort zu Auba: Ja sowohl Auba als auch Watzke haben fair gespielt, wie der Kicker auch schreibt. Auba hat nie gesagt, dass er weg möchte, sonst wäre er schon lange weg. Auba fühlt sich in Dortmund wohl, würde aber genauso wie jeder andere Arbeitnehmer für mehr Gehalt woanders hingehen. Wie ich oben beschrieben habe, hat Aki als Gschäftsführer eines börsennotierten Vereins auch Interesse an einem Transfererlös, was viele Fans nicht sehen (ich früher auch nicht.) Während Auba also nie klar gemacht hat, dass er unbedingt in Dortmund bleiben will, hat Aki auch nie deutlich gemacht, dass Auba bleibt, egal, was andere Vereine bieten. Machmal hatte ich den Eindruck, als ob Auba das ganz gerne mal von Aki hören wollte, hat auch was mit Wertschätzung zu tun.

    Ich würde mich riesig freuen, wenn Auba beim BVB bleiben würde, aufgrund der Rahmenbedingungen (u.a. die Börsennotierung mit ihren Folgen) kann ich aber auch inzwischen verstehen wenn ein Spieler woandes geht. . Wie die FAZ heute schrieb, kann Zorcs/Akis klare Ansage 2 Möglichkeiten haben:
    1) Auba bleibt ohne wenn und aber, mit allen Risiken bei uns. Sportlicher Erfolg ist nicht kalkulierbar.
    2) es ist nur eine neue Runde im Wechselpoker, der mich vorher auch genervt hatte und Aki und Susi machen eine Ansage an die Vereine, damit sie um Auba bieten.

    Aki hat im März mal irgendwann im Doppelpass gesagt, dass ein BVB-Fan/Angestellter wsentlich mehr leiden muss als in München. Ich glaube, das passt hier ganz gut;-))

  • #33
    Lukas N.

    @Katja S. zu 32
    Ich glaube nicht, dass ich da etwas missverstanden habe. Du hast mit Deinem Kommentar unter #14 Gründe für die Deiner Meinung nach "strategische Uneinigkeit" angeführt. Deshalb habe ich mich unter #19 mal sehr ausführlich zur aus meiner Sicht richtigen Personal- und Transferstrategie des BVB geäußert.

    Wenn Du schreibst "Ein Ausbildungsverein sind wir aber, weil wir ein börsennotierter Verein sind", dann muss ich widersprechen. Mit der Börsennotierung hat das nichts zu tun. Wenn der BVB als eine Säule seiner Strategie auf junge Toptalente setzt, dann nicht, weil die Fußballgesellschaft an der Börse notiert ist, sondern weil der BVB in diesem mittlerweile herrschenden Transfer- und Gehaltswahnsinn weder mitmachen kann noch will. Der BVB kann keine Weltklassespieler verpflichten, die woanders Stammspieler sind. Das ist weder von der Transfersumme noch vom Gehalt her gesehen bezahlbar. Deshalb muss der BVB eine andere Strategie fahren und entwickelt sich seine Topspieler selbst.
    Die trotz größter Konkurrenz mehrerer europäischer Topklubs gelungene Verpflichtung des Megatalents Dembélé ist ein Musterbeispiel dafür.

    Die Bosse des BVB würden sich auch sehr dagegen wehren, den BVB als "Ausbildungsverein" zu bezeichnen. Der BVB gehört laut UEFA-Klubrangliste zu den Top 10 Klubs in Europa, liegt derzeit auf Platz 7. Die Entwicklung junger Toptalente ist ein Teil der Strategie, aber ein Ausbildungsverein ist der BVB nicht, sondern der BVB ist schon in der Lage, die meisten Topspieler über Jahre zu halten und kein Spieler hat mehr eine Ausstiegsklausel. Ein Ausbildungsverein ist z. B. der SC Freiburg.

    Dass der BVB so schlecht an Sponsoren komme, weil die BVB-Aktien unterbewertet seien, wie Du sagst, ist auch falsch.
    Richtig ist zwar, dass die BVB-Aktie bisher noch unterbeweret ist, aber das hat mit Sponsoren usw. gar nichts zu tun.
    Der BVB ist eine absolute Topadresse für Sponsoren aus dem In- und Ausalnd und zudem konnte der BVB drei strategische Partner gewinnen.

    Der FC Bayern hat deshalb einen so großen finanziellen Vorsprung, weil die über Jahrzehnte keinen einzigen Einbruch und keine einzige nenenswerte Krise hatten, immer oben geschwommen sind und Jahr um Jahr die CL-Millionen kassierten. Zudem bedeutet natürlich München einen gewissen Standortvorteil.
    Schon vor rund 15 Jahren hat der FCB seine Profis in eine Aktiengesellschaft ausgelagert. Daran haben sich die Unternehmen Adidas, Audi und Allianz bisher mit gigantischen 300 Millionen Euro beteiligt, die in die Kasse des FCB geflossen sind.
    Auch die jährlichen Sponsoruing-Einnahmen, wieder über Adidias, aber auch über die Telekom usw. sind weitaus höher als bei allen anderen Klubs.

    Aber der BVB hat es in den letzten 10 Jahren immerhin geschafft, sich sportlich und finanziell hinter den Bayern als Nr. 2 in Deutschland zu platzieren und das ist schon eine großartige Leistung in relativ kurzer Zeit.
    Aber der finanzielle Abstand zu den Bayern ist aus den genannten Gründen noch groß und wird auch wetierhin groß bleiben.
    Aber gegenüber allen anderen deutschen Klubs hat wiederum der BVB einen finanziellen Vorsprung.

    Der Verkauf von Stars ist von Watzke nicht gewollt, auch da liegst Du falsch. Und der BVB ist mittlerweile in der komfortablen Lage, keinen Spieler mehr aus finanziellen Gründen abgeben zu müssen. Da es aber noch wenige Klubs in Europa gibt, die noch mehr Strahlkraft und oder noch mehr Geld und größere Titelchancen haben, muss auch der BVB immer mal wieder damit rechnen, einen der Stars zu verlieren, vor allem wenn der Vertrag ausläuft und der Spieler ein Jahr vorher nicht bereit ist, zu verlängern.

    Wenn Du sagst, der BVB macht eine sportlich kalkulierten Verlust bei einigen Spielern, so stimmt auch das nicht. Dein Beispiel mit Lewandowski ist ja nicht zutreffend. Lewy lehnte es ab, seinen Vertrag zu verlängern und wollte ein Jahr vor Vertragsende zu den Bayern wechslen. Der BVB lehnte das ab und bestand auf Vertragserfüllung, auch wenn Lewy dann ablösefrei gehen konnte. Aber Lewy hat dann maßgeblich dazu beigetragen, das der BVB seine sportlichen Ziele erreichen konnte, auch in der CL, was Millioenneinnahmen sicherte. Für den BVB zahlte es sich sportlich und finanziell aus, dass Lewy gehalten wurde.

    Ansonsten ist der BVB der Klub, der mit seinen Spielerverpflichtungen erheblichen "Gewinn" macht. Kagawa holte man damals für gerade 300.000,– Euro aus Japan, Weigl für 2 bis 3 Millionen aus der 2. Liga, Bartra für nur 8 Millionen aus Barcelona.
    Auba ist ein vielfaches der damaligen Transfersumme wert und ein Démbéle ist schon nach einem Jahr ein mehrfaches seiner Transfersumme wert, genau wie z. B. Guerreiro und andere.

    Der BVB hat seinen Umsatz über Jahre vervielfacht, macht jedes Jahr Gewinn, hat keine Schulden mehr, die wirtschaftliche Bilanz ist bestens und die sportliche auch. Der BVb spielt fast jedes Jahr CL und steht fast jedes Jahr in einem Finale, hat zuletzt wieder den Pokal gewonnen.

    Klopp hatte damals bei Transfers des BVB sogar ein Vetorecht. Ohne seine Zustimmung erfolgte kein Transfer. Auch diese Aussage von Dir ist falsch.

    Topspieler verlassen den BVB nicht, weil es bergab geht, sondern weil sie bei wenigen anderen Topklubs deutlich mehr verdienen könen und evtl. auch bessere Titelchancne haben. Hummels war ja 8 Jahre beim BVB und geht langsam Richtung 30. Sein Vertrag wollte er nicht verlängern, also konnte der BVB 1 Jahr vor Ablauf noch eine hohe Ablöse erzielen. Hummels wollte nach langen 8 Jahren nochmnals eine neu Herausforderung suchen bei seinem Jugenverein FCB, wo er mehr verdient und eher Titel gewinnen kann. Gündogan und Mkhitaryan wollten ihre auslaufenden Verträge auch nicht verlängern und nach England wechseln. Auch für sie hat der BVB noch eine hohe Millionenablöse bekommen.

    Wie gesagt, der BVB gehört zu den 10 besten Klubs in Europa, zu den europäischen Topklubs und das schon seit Jahren, aber es gibt eben noch einige wenige Klubs, die noch mehr Strahlkraft und noch mehr Geld und noch mehr Titelchancen haben.

    Wenn Du die Erklärung von Watzke zum Thema Auba gelesen hast, dann machte er deutlich, dass Auba den Wusch geäußert hatte, über einen Wechsel nachdenken zu dürfen, sich damit befassen zu dürfen. Er ist jetzt 28 und hatte die Überlegung, evtl. wonaders einen noch besseren Vertrag abzuschließen, war aber auch immer bereit, weiter beim BVB zu bleiben, wenn das nicht klappt, ist nach wie vor motiviert.
    Der BVB hat das gut gemacht, ein Zeitfenster für Auba geöffnet und bestimmte Bedingungen für Gespräche formuliert. Ein Angebot, welches den Vorstellungen des BVB entsprochen hat, ist nicht eingegangen und jetzt wurde das interne Zeitfenster erfreilicherweise geschlossen und Auba bleibt beim BVB. Das ist sportlich eine Topnachricht und freut alle Fans.

    Entschuldige, wenn ich das so deutlich sage, aber in Deinem Kommentar geht doch einiges durcheinander und was Du zur Börsennotierung schreibst, ist komplett falsch. Dazu muss ich übrigens nichts googeln, denn u. a. in betriebswirtschaftlichen Fragen kenne ich mich aus beruflichen Gründen bestens aus.

    Dennoch finde ich es gut, dass Du so engagiert mitdiskutierst und würde mich freuen, wenn Du das auch weiter machst.

  • #34
    Katia S.

    Ich meinte nicht sportlich kalkulierten Verlust, sondern, wenn ein Spieler zwangsweise verkauft wird, weil er woanders mehr verdient, die Mannschaft geschwächt wird, da der junge Spieler ja erst entwickelt werden muss, der als Ersatz kommt. Als Auba anfing, war er doch noch kein TopStürmer, so wie Lewandowski, der zeitgleich nach München ging. Als Topstürmer konnte Aubameyang erst jetzt mit Lewandowski auf Augenhöhe spielen, 2 Jahre später.

    Wenn Auba den Verein doch noch verlassen würde, was wir nicht hoffen, würde Aki das Geld doch nicht eins zu eins reinvestieren, da die Gehaltsanforderungen auch passen müsste. Hast du ja ausführlich erläutert die Strategie. Es käme also ein Talent, das von uns erst zum Topstürmer ausgebildet werden muss. Wenn es anders wäre, bräuchte auch keiner den Abgang Aubas fürchten, denn das junge Talent wäre ja sofort besser und könnte sofort so viele Tore machen wie Auba. Es ging darum, dass man nach dem Abgang von Leistungsträgern möglicherweise ein paar Plätze in der Tabelle verliert und dies kann bei Verpassen der CL Quali schnell mal mit finanziellen Folgen im Vergleich zur Vorsaison verbunden sein. Nach Götzes Abgang kam man nicht wieder ins CL Finale sofort und paar Punkt im Vergleich zur Saison 15/16 hatten wir doch jetzt in der Saison 16/17 weniger, nach dem Umbruch.

    Dies ändert nichts daran, dass der BVB seit Jahren Gewinne macht, seine Umsätze kontinuierlich geszeigert hat, sportlich erfolgreich ist und erhebliche Wertsteigerungen bei Spielern generiert, wie du zutreffend festgestellt hast und was ganz großartig ist.

    ICh würde gerne sehen, dass einige Fans die Spieler und Trainer nach dem Abgang von Leistungsträgern auch noch genauso unterstützen, denn niemand kann etwas dafür, wenn jemand noch als Talent Zeit braucht.

  • #35
    Martin Möller

    Noch einmal zum Thema Strahlkraft und deren Bedeutung und Entwicklung, als Stabilitätsfaktor, unabhängig vom aktuellen Erfolg.
    In einigen, seltenen Fällen entwickelt ein Klub einen gewissen Kultstatus, der ihm mehr finanziellen Spielraum, auch in Zeiten sportlicher Krisen schafft.
    Strahlkraft bedeutet immer auch Tradition und den Umgang und die Verwaltung derselben. Oft, aber nicht immer ist dieses Phänomen erklär- aber nicht planbar.
    Ein nationaler Klub, mit großer nationaler Strahlkraft, ist zum Beispiel St. Pauli. Der Standortvorteil einer Weltstadt ist gegeben, aber man muß etwas daraus entwickeln. St Pauli, mit seiner Nähe zur alternativen, linken Szene, die Nähe als Hafenstadt zum Rotlichtmilieu und Spieler, die auf Grund besonderer Grillen und Legenden Kultstatus erworben haben, ziehen wieder andere Spieler nach. Oft sind sie Outsider im Fußballgeschäft, schwierige Charaktere oder alternde und junge Spieler deren Lebenslauf, trotz großen spielerischen Potentials, andere Vereine vor einer Verpflichtung zurückschrecken ließen. St. Pauli ist national Kult, bis zu einem gewissen Grad unabhängig von Liga und Tabellenstand. Ein anderes Beispiel, eines Legendenumrankten Klubs sind 1860 München oder auch unser blauer Konkurrent aus Herne -West, die ihre Popularität auch der sportlichen Erfolge aus ferner Vergangenheit, der romantischen Verklärung harter Arbeit unter Tage usw. zu verdanken hat. International sind vor allem Real Madrid oder auch Benfica Lissabon oder Barca zu nennen. Vor allem Real schaffte es seinen sportlichen Erfolg über Jahrzehnte zu konservieren und sich einen elitären, unantastbaren, eben galaktischen weltweiten Ruf zu erwerben. Die Vermarktung dieser Klubs, beruhend immer auch aus Strahlkraft unterschiedlicher Herkunft sorgt durch die entstandene Legendenbildung für eine gewisse Unabhängigkeit von unsicheren Faktoren.
    Unser Klub, der BvB profitierte in der dunklen Zeit der Fast-Insolvenz, nicht zuletzt jetzt auch durch diese. Das hervorragenden Krisenmanagements und Sachkenntnis der Protagonisten sorgten für ein Happy End, das wiederum wieder zu erneutem Kultstatus und einer gewissen Loslösung vor manchen unkalkulierbaren Risiken bis zu einem gewissen Grad führen können. Zu erwähnen unbedingt noch unsere legendäre " Gelbe Wand". Ähnlich verhält es sich mit Liverpool und anderen, von mir allein aus Zeitgründen nicht erwähnten großen Vereinen.
    Es ist doch schön, dass wir von einem Klub, der zu diesem erlesenen Kreis gehört, ausgesucht und angezogen wurden!

    In diesem Sinne, auf eine erfolgreiche Zukunft basierend auf eine besondere Vergangenheit.
    Man verzeihe mir den kurzen Exkurs, am frühen Morgen vor Arbeitsbeginn…. 😉

  • #36
    Lukas N.

    @Katja S. zu #34
    Dein Kommentar unter #34 ist zunächst vom Gedankengang her nachvollziehbar und Du machst nochmals deutlich, was Du mit "Sportlich machst du also kalkulierten Verlust" unter #32 meinst. Ich komme dann allerdings zu einer anderen Schlussfolgerung als Du.

    Wenn einer der Topspieler des BVB wechselt oder gar mehrere solcher Spieler auf einmal, dann ist das zunächst mal eine sportliche Schwächung, da hast Du Recht. Wir sind uns auch einig, in der Feststellung, dass der BVB als Nachfolger in der Regel keinen Weltklassespieler holt, weil das auch sowohl von der Transfersumme als auch vom Gehalt her gesehen zu teuer wäre und auch das vorhandene Mannschaftsgefüge belasten könnte.

    Ein internationaler Klassestürmer wie Aubameyang wäre natürlich nicht sofort 1 zu 1 ersetzbar und der BVB würde auch in diesem Fall dann wieder einen Spieler holen, der noch Entwicklungspotenzial hat und erstmal etwas Zeit braucht.

    Aber wenn Du schreibst "Nach Götzes Abgang kam man nicht wieder ins CL Finale sofort und paar Punkt im Vergleich zur Saison 15/16 hatten wir doch jetzt in der Saison 16/17 weniger, nach dem Umbruch" machst Du ja damit eine Erwartungshaltung deutlich, die gar nicht erfüllbar ist.

    Wie oft war denn der FC Bayern im CL-Finale oder Real Madrdid?

    Real Madrid war 2002 im CL-Finale und dann 12 Jahre !!! nicht mehr, erst 2014 wieder.

    Wenn Du also schreibst, nach Götzes Abgang sei der BVB nicht wieder ins CL-Finale gekommen, dann ist das ja eine völlig unrealistische Erwartungshaltung. Der BVB käme auch dann nicht alle paar Jahre oder gar jährlich ins CL-Finale, wenn kein Spieler abgegeben werden müsste.
    Denn so was schaffte in den letzten 15 Jahren nicht mal Real Madrid, auch nicht Bayern München.

    2011 und 2012 war der BVB Meister, danach folgten in der Liga die Platzierungen 2, 2, 7, 2, 3. In dieser Zeit spielte der BVB also nur einmal nicht CL, war aber zumindest in der EL international vertreten.

    Im Unterschied zum Götze-Wechsel 2013 hat auch kein Spieler mehr eine Ausstiegsklausel. Diese Position hat sich der BVB wirtschaftlich und sportlich erarbeitet.

    Es gibt übrigens maximal 4 Klubs in Europa, die grundsätzlich nie den Abgang eines Stars befürchten müssen, weil diese Klubs als weltbeste Klubs gelten und gleichzeitig sehr hohe Gehälter zahlen.

    Für alle anderen Klubs ist es normal, dass mal ein Spieler wechselt, weil er woanders mehr verdienen kann oder sich sportlich noch bessere Aussichten verspricht.
    Dass letzte Saison 3 Topspieler des BVB wechselten war eher Zufall. So wollte Gündogan ja schon zu Klopps Zeiten wechseln, aber das zerschlug sich dann wegen seiner langwierigen Verletzungsgeschichte.
    In der Regel muss der BVB also jährlich maximal befürchten, dass ein Leistungsträger geht. Und das kann der BVB mittlerweile so gut auffangen, dass er sportlich nicht zurückfällt, also dennoch gute Chancen hat, die CL-Plätze zu erreichen. Denn das Gerüst der Mannschaft bleibt immer bestehen und das ist ja mittlerweile sportlich top.
    Wenn ein internationaler Topstürmer wie Aubameyang geht, den man nicht auf Anhieb gleichwertig ersetzen könnte, dann wäre es trotzdem das Ziel, wieder die CL zu erreichen. Aber man müsste natürlich damit rechnen, dass man den Punkteabstand auf Bayern nicht verkürzen kann und dass es schwieirgier wäre, zumindest Platz 2 zu erreichen und in der CL möglichst weit zu kommen.

    Aber entscheidend ist ja, dass der BVB mittlerweile sportlich und finanziell so gut aufgestellt ist, dass er trotz des Verlustetes eines Topspielers wieder die CL erreichen kann, dass er keinem Spieler mehr eine Ausstiegsklausel einräumen muss, dass kein Spieler mehr aus wirtschaftlichen Gründen abgegeben werden muss und dass selbst ein verpassen der CL wirtschaftlich gut verkraftbar ist.

    Selbst wenn der BVB zwei Saisons hintereinander die CL nicht erreichen sollte, wäre das wirtschaftlich kein Problem und es müssten dennoch keinerlei Einschränkungen beim Spielerkader gemacht oder deshalb Spieler verkauft werden. Erfreulich ist aber, dass man kaum noch damit rechnen muss, das der BVB mal 2 Saisons hintereinander die CL verpasst.

    Dass der BVB die Nummer 2 in Deutschland ist, zu den 10 besten Klubs Europas zählt, seinen Umsatz vervielfachte, jedes Jahr Gewinn erzielt, keine Schulden mehr hat, keine Spieler aus finanziellen Gründen verklaufen muss, kein Spieler mehr eine Ausstiegsklausel hat und dass der BVB nahezu jedes Jahr in der Lage ist, zumindest einen CL-Platz zu ereichen, zeigt, dass die Strategie des BVB richtig ist.

    Angesichts des Transfer- und Gehaltswahnsinns, der international mittlerweile herrscht, gibt es keine bessere Alternative zu dem, was der BVB macht. Man holt immer wieder bezahlbare schon etwas erfahrene Spieler und setzt ansonsten auf junge Toptalente, die man holt oder die aus dem eigenen Nachwuchs kommen und die großes Entwicklungspotenzial haben. Spieler wie Weigl, Pulisic und Dembélé sind da beste Beispiele. Den Transfer- und Gehaltswahnsinn, den einige Klubs mittlerweile betreiben und der bei englischen Klubs fast schon die Regel ist, kann und wird der BVB nicht mitmachen.

    Mein Eindruck ist bisher, dass gerade die BVB-Fans die Spieler und die gesamte Mannschaft, auch den Trainer, immer großartig unterstützen und dass der Abgang eines Leistungsträgers daran nichts ändert. Auch deshalb gelten ja die BVB-Fans als mit die besten in Deutschland und Europa.

    Diskutiere weiter engagiert mit! Gruß!

  • #37
    Martin Möller

    Der vom BvB eingeschlagene Weg, sich trotz einer Handvoll potenterer Klubs, in der erweiterten europäischen Spitzenklasse etabliert zu haben, halte auch ich für alternativlos.
    Vor 20 Jahren, unter der Ägide Niebaum, Meyer spielten wir einige Jahre finanziell, mit geliehenem Kapital, sportlich auf Augenhöhe mit den Branchengrößten. Das Ergebnis ist uns allen bekannt. Niebaum, der einige Zeit die BVB-Familie tatsächlich glücklich machte, spielte Roulette. Es ging eine Zeilang gut aber am Ende gewinnt immer die Bank.
    Berauscht vom Erfolg, gab es wenige, bis keine Mahner. Fast alle waren glücklich damals, wie heute, ein Teil der Erfolgsgeschichte zu sein.
    Dieses mal ist der Erfolg nicht geliehen, mittlerweile hatt diese Methode auf europäischer Spitzenklasse schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal.
    Mega-Talente weltweit, ziehen immer öfter den BVB, gegenüber dem schnellen Geld oder der maximal fünf Klubs mit noch größerer Strahlkraft vor.
    So erarbeitet sich der BVB sukszessive auch wirtschaftlich den Spielraum, um künftig vielleicht tatsächlich noch weiter in die Phalanx der Größten einzudringen.
    Für mich allerdings, ist die momentane Situation, immer zu können aber nicht zu müssen, jeder Titelgewinn ein viel größerer Genuss und Genugtuung, als die Gewöhnung und Aneinanderreihung zur Routine gewordenen jährlicher Erfolge.

  • #38
    Lukas N.

    @Martin Möller zu #37
    Da stimmen wir zu 1909 % überein 🙂
    Was den internationalen Stellenwert des BVB angeht, wäre es wichtig, dass auch in den nächsten Jahren ein Platz unter den laut UEFA-Rangliste Top 10-Klubs behauptet werden kann, was nicht einfach ist und es drängen ja einige Klubs nach, die die Millionen nur so raushauen.
    Zur Strategie des BVB gibt es aus den mehrfach angesprochenen und erläuterten Gründen keine bessere Alternative und wenn sich der BVB damit behaupten kann, was Jahr um Jahr eine Herausforderung ist, wäre das top. Man kann da durchaus optimistisch sein.
    Und wenn der BVB mal einen Titel gewinnt, ist das tatsächlich ein großer Genuss und wird richtig gefeiert, ist dann nicht so eine Routineveranstaltung wie bei dem einen oder anderen Klub, z. B. dem im Süden Deutschlands.

  • #39
    Katja S.

    @ Lukas N: Nur ganz kurz: Ich stimmt Dir zu 100% zu. Entscheidend ist die unrealitische Erwartungshaltung.
    Ich war bis dato in Kreisen beziehungsweise habe etliche Aussagen/Erwartungen gelesen, u.a. warum wir nicht dauernd/dauerhaft mit Bayern auf "Augenhöhe" spielen und Ähnliches.
    Die Gründe dafür haben wir ja schon erläuert.
    Gruß.

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