MORDE IN PUTINS REICH

Letzten Dienstag feierte die Demokratie im Westen ein Fest. Barack Obama wurde als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Am Tag zuvor jedoch wurden im Osten in den Moskauer Straßen wieder einmal die Aufrechten erschossen. In dem von dem SPD Exkanzler Gerhard Schröder als lupenreinen Demokratie betitelten Russland schlugen erneut die Mörder von Freiheit und Recht zu.

Ein vermummter Killer erschoss am 19. Januar erst den 35jährigen Rechtsanwalt Stanislaw Markelow und danach die 25jährige Journalistin Anastasija Baburowa. Die Journalistin der „Nowaja Gaseta“ hatte sich mit dem Anwalt, der in Russland für die Opfer der Militär- und Polizeiwillkür stritt, vor dem Mordanschlag unterhalten und stürzte sich mutig auf den Täter, der sie daraufhin ebenfalls eiskalt tötete.

Markelow hat vor seiner Ermordung noch eine Pressekonferenz in Moskau gegeben. Der Anwalt wollte Rechtsmittel gegen die Freilassung des Oberst der russischen Armee Juri Budanow einlegen. Budanow war im Jahr 2003 in Russland zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er die Tschetschenin Elsa Kungajewa zu Tode vergewaltigt hatte. Der russische Anwalt Markelow hatte damals die Familie des zu Tode gefolterten Mädchen vertreten. In diesen Tagen im Januar begnadigt der russische Staat den Mädchenmörder, während dessen Ankläger in Moskau ermordet wurde. Das russische Außenministerium erklärte, Anastasija Baburowa, die Journalistin der „Novaja Gazeta“, sei ein "unschuldiges Opfer", das zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen wäre. Was meinen die russischen Diplomaten damit, vielleicht, dass der ermordete Anwalt kein unschuldiges Opfer wäre, ihn die Kugeln zu recht getroffen hätten?

Auch Anna Politkowskaja hatte für die Novaja Gazeta gearbeitet. Die mutige und bekannteste russische Journalistin, die über die Grausamkeiten in der russischen Armee und die Verbrechen in Tschetschenien recherchiert und geschrieben hat, wurde in Moskau im Oktober 2006 erschossen. Kurz nach ihrer Ermordung schaffte es Schröders Busenfreund und der damalige russische Präsident Wladimir Putin die getötete Journalistin im deutschen Fernsehen noch zu beleidigen. Der KGB Mann sagte in den Tagesthemen, ihre Ermordung schade Russland mehr als ihre Artikel. Annas Artikel waren das Beste und Mutigste, was in Russland geschrieben und veröffentlicht wurde. Nur ein Mann wie Putin, der das freie Wort und die freie Presse hasst, wittert in diesen Artikeln Vaterlandsverrat.

Es ist schon spannend zu sehen, daß der Sozialdemokrat und deutsche Exkanzler Schröder nicht auf der Seite der Demokratie steht, sondern einen Freiheitsfeind zum Freunde hat, und noch jede Gelegenheit nutzt Putins Russland zu preisen. Noch beachtlicher ist es, dass die Sozialdemokratische Partei Deutschlands den Putinfreund nicht in die Wüste schickt, sondern dessen Aktentasche Frank Walter Steinmeier noch zum Kanzlerkandidat macht. Dabei waren Sozialdemokraten in der langen Geschichte der SPD doch oft selbst Opfer eines repressiven Regimes.

Steinmeier verurteilte die erneuten Morde in Moskau, "Ich bin bestürzt über die gestrige Ermordung von Stanislaw Markelow und Anastasija Baburowa. Die Bundesregierung verurteilt diese feige Tat auf das Schärfste." Doch das ist nicht genug.

Die SPD und ihr Kandidat müssen sich entscheiden, ob sie mit oder ohne Schröder Wahlkampf machen. Sie müssen deutlich machen, ob sie auf Seiten der Demokratie stehen oder ob sie lediglich als Trommelgruppe für einen KGB Mann im Kreml agieren?

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8 Kommentare

  1. #1 | Blond sagt am 23. Januar 2009 um 21:29 Uhr

    Aber hey ! Deutschland wird sich doch nicht mit dem besten „Freund“ (bezügl. Gas und Exporte) wegen 2 toter Menschen anlegen? Der „Gute“ ist nachher womöglich noch verstimmt und liefert kein Gas mehr in die EU – und Deutschland hat Schuld (wie immer) !

  2. #2 | Matthias Andre Richter sagt am 24. Januar 2009 um 01:55 Uhr

    Einen Tag, nachdem Herr Schröder 2004 Putin die Rechtstaatlichkeit im Vorgehen gegen Michail Borissowitsch Chodorkowski bescheinigte, (Das Zitat war in etwa: Jeder Staat braucht zu Recht seine Steuern) wurde der Chefredakteur des Forbes Magazin Paul Klebnikov in Moskau auf offender Strasse erschossen. Er hatte sich kritisch mit der Privatisierungspolitik des Kreml auseinandergesetzt.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Klebnikov

    Russische Politik setzte immer schon auf symbolische Handlungen, wie dann die Ermordung von Frau Politkowskaja an Putins Geburtstag nochmal eindrucksvoll bestätigte.

    Die aktuellen Morde wurden an der Metrostation Kropotinskaja begangen. Die liegt mitten im Moskauer Zentrum, zwischen dem „Park Kultur“, dem russichen Aussenministerium und der beliebten Einkaufs- und Kneipenstrasse „Arbat“.

    (https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin)

    Na darauf ein Pilsken in der VIP-Lounge der Schalke Arena!

  3. #3 | Frank sagt am 24. Januar 2009 um 07:14 Uhr

    Gerhard Schröder hat sich schon immer Anerkennung bei den Großen und Mächtigen gesucht – und auf eine oberflächliche Weise auch bekommen. Zu seiner Zeit als MP und Kanzler genügten ihm die Vorstände und Betriebsräte deutscher Konzerne.

    Als er für die nicht mehr nützlich sein konnte, ging er nicht etwa in sich, um über sein Ego und seine Beziehungen mal zu reflektieren. Nein, er ergriff das erstbeste Angebot, das seinem Leben wieder eine Bedeutung geben konnte. Schröder ist da nicht sonderlich wählerisch.

  4. #4 | kulervo sagt am 24. Januar 2009 um 15:29 Uhr

    ich möchte mal wissen, wie es jemandem geht, der weiß, dass er sich durch seine öffentlichen Äußerungen in Lebensgefahr bringt

  5. #5 | Arnold Voss sagt am 24. Januar 2009 um 22:47 Uhr

    Ist (leider) ganz einfach. Lass dir ein T-Shirt machen auf dem ganz groß steht „Allah ist (auch) schwul“ oder wahlweise „Gott ist .. und benutze damit regelmäßig den öffentlichen Nahverkehr.

  6. #6 | kulervo sagt am 25. Januar 2009 um 13:53 Uhr

    @ Arnold Voss: aber die beiden Ermordeten haben ja gar nicht provoziert, sie haben schlicht berichtet oder verteidigt. Bascha Mika hat mal in einem Politischen Frühschoppen am Sonntag gesagt, wir könnten zanken, aber nicht streiten. Natürlich kann man sich auch in Deutschland in die Nesseln setzen, aber dass man ermordet wird, weil man am öffentlichen Leben teil nimmt, das finde ich schon wirklich erschütternd.

  7. #7 | antifa medienzentrum dortmund sagt am 27. Januar 2009 um 20:59 Uhr

    auf der angegebenen webseite finden sich texte von den beiden ermordeten auf englisch.
    liebe ruhrbarone: sehr schön, dass ihr öffentlichkeit für diesen „fall“ herstellt. von einem „fall“ lässt sich ja schwerlich reden, weil die kontinuität der morde – insbesondere an journalist/innen – die gesellschaftlichen verhältnisse russlands aufzeigt. die wenigen regimekritischen stimmen sollen eingeschüchtert werden.

  8. #8 | antifa medienzentrum dortmund sagt am 27. Januar 2009 um 21:00 Uhr

    auf der webseite https://tupikin.livejournal.com/384129.html finden sich texte von den beiden ermordeten auf englisch.
    liebe ruhrbarone: sehr schön, dass ihr öffentlichkeit für diesen ?fall? herstellt. von einem ?fall? lässt sich ja schwerlich reden, weil die kontinuität der morde – insbesondere an journalist/innen – die gesellschaftlichen verhältnisse russlands aufzeigt. die wenigen regimekritischen stimmen sollen eingeschüchtert werden.

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