NPD in Essen-Kray: „Volkstod“ durch Langeweile?

IMG_1861“Reichsbürger” und Hooligans in Berlin, CDU, AfD und NPD in Erfurt – das sind die rechten Demos, die am Sonntag vorrangig die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen haben. Auch im Essener Stadtteil Kray demonstrierten am Abend Nazis, vorgeblich im Gedenken an die Mauertoten. Dass sie nicht viel Aufmerksamkeit bekommen haben ist allerdings schon in Ordnung – das ganze war eine ziemlich langweilige Veranstaltung.

Schon zwei Stunden bevor die NPD sich auf dem Krayer Markt versammeln wollte, hatte das Bündnis “Essen stellt sich quer” zu einer Gegendemo in der Nähe der NPD-Parteizentrale in Essen-Kray aufgerufen. Von dort zogen rund 200 Menschen zum Krayer Markt, wo sie schon vor Ankunft der Neonazis selber eine Kundgebung abhielten.

Rund 200 Menschen demonstrierten gegen die NPD. Foto: Felix Huesmann
Rund 200 Menschen demonstrierten gegen die NPD. Foto: Felix Huesmann

Der Krayer Markt war dafür von der Polizei in drei Bereiche eingeteilt worden: Eine Seite für die antifaschistischen Gegenproteste, eine Seite für die Neonazis und ein großer mit Gittern abgesperrter Pufferbereich in der Mitte.
Schon vor Beginn der NPD-Kundgebung stand ein kleines Grüppchen rechter Hooligans auf der Seite der Gegenproteste und trank Bier. Als ein paar junge Antifas davon wenig begeistert waren kam es zu kleinen Schubsereien, einer der Antifas wurde kurzzeitig von der Polizei festgehalten. Die Spannungskurve des Abends war damit dann auch schon an ihrem Höhepunkt angekommen.

Die gut 30 Teilnehmer der NPD-Kundgebung, die kurz darauf auf dem Krayer Markt ankamen, schafften es kaum, gegen die Lautstärke der Parolen und Trillerpfeifen anzureden. Der NRW-Landesvorsitzende der NPD, Claus Cremer, versuchte es trotzdem. Die Themen seiner Rede: Die große Bedeutung des 9. Novembers als “Schicksalstag des deutschen Volkes”, ein wenig Geschichtsrevisionismus hier und da und der Wunsch nach einem “nationalen und sozialistischen Deutschland”.

Auch dabei waren Mitglieder der Partei “Die Rechte” aus Dortmund. Die hatten am morgen erst eine Gedenkveranstaltung am jüdischen Mahnmal in Dorstfeld gestört und mit antisemitischen Parolen provoziert.

Kundgebungsteilnehmer symbolträchtig mit Grablichtern.
Kundgebungsteilnehmer symbolträchtig mit Grablichtern. Foto: Felix Huesmann

Zum Abschluss der Kundgebung auf dem Krayer Markt bedankte sich ein Redner für die Disziplin der Teilnehmer (diese sollte nicht essen, trinken oder rauchen und während einer Schweigeminute ihre Kopfbedeckung abnehmen) und lobte eine gut gelaufene Veranstaltung. Anschließend wurde dazu aufgefordert, das Deutschlandlied zu singen. Ein Großteil der Kundgebungsteilnehmer lauschte dabei jedoch nur passiv den Klängen aus dem Lautsprecher. Die Textsicherheit der „nationalen Deutschen“ hatte wenige Monate zuvor bereits Dieter Riefling unter Beweis gestellt – er versuchte bei einem Naziaufmarsch in Hamm aus dem Deutschlandlied zu zitieren und trat dabei versehentlich große Teile des Rheinlandes ans benachbarte Ausland ab.

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3 Kommentare

  1. #1 | Essen stellt sich quer sagt am 10. November 2014 um 10:33 Uhr

    Danke für den Bericht.
    Nur ein Punkt:
    Wir legen wert auf die Bemerkung das die Demonstration und Kundgebung in Essen Kray von dem Stadtteilbündnis „Kray ist bunt“ und „Essen stellt sich quer“ gemeinsam veranstaltet wurde. Unsere Aktion war in erster Linie ein Gedenken an die Progromnacht. Aber logisch das wir dies dort machen wo rund 30 Neonazis neben einer öffentlichen Toilette den Mauertoten gedenken dürfen.

  2. #2 | Tom sagt am 12. November 2014 um 01:50 Uhr

    Zu Thüringen, Erfurt: Die Veranstaltung mit über 4000 Menschen mit Kerzen in der Hand, so wie 1989, gegen das geplante Linksbündnis, welches nur mit den schon vor einigen Jahren als „parlamentsunwürdig“ deklarierten früheren Stasispitzeln möglich ist. Das Linksbündnis hat eine Stimme Mehrheit im Parlament, und in Erinnerung ihrer friedlichen Revolution vor 25 Jahren wurde benutzt von Trittbrettfahrern, ein paar Hand voll Rechte und Populisten. Zur Veranstaltung eingeladen hatte Hr. Ratz als Privatperson, er ist Mitglied der CDU und deren Mittelstandsvereinigung, deren stellv. Vors. er ist. Mit organisiert hatten ein SPD Mitglied und ein Bürgerrechtler. Gründungsmitglieder der Thüringer SPD waren dabei, diese ob der Geschichte ihrer Partei und der KPD, dann der SED besonders betroffen von der Entscheidung ihrer Parteiführung. Viele von ihnen haben in den 25 Jahren angepackt und Versntwortung übernommen und sind enttäuscht. Auch enttäuscht über ihren neuen jungen und engagierten Landeschef, den OB der Landeshauptstadt, dem als Erfurter die Ideale der SPD wohl abhanden gekommen sind. 1970 kam es zum bedeutenden Staatsbesuch von Willy Brandt in Erfurt. Die Menschenmenge überrannte die Absperrung und rief „Willy Brandt ans Fenster“ bis Willy sich zeigte und der Menge zuwinkte. Es gibt seit einigen Jahren ein Denkmal, ein beleuchteter Schriftzug „Willi komm ans Fenster“ am Ort des Geschehens. Die SPD Mitglieder wissen auch, dass ihr Willy Brandt als Bundeskanzler zu Fall kam, wegen eines Stasispitzels im Kanzleramt.
    Was er zu den Vorgängen heute sagen würde wissen wir nicht. Manche meinen, dass er nicht begeistert wäre, weil er zu den wichtigen Punkten der Geschichte standfest blieb und nicht bereit war, diese gegen Macht einzutauschen.

  3. #3 | Felix Huesmann sagt am 12. November 2014 um 08:43 Uhr

    @Tom:
    Ich verstehe Ihren Kommentar richtig, oder? Das war alles gar kein rechter Aufmarsch sondern eine super Sache?

    Wenn am Jahrestag der Reichspogromnacht Menschen unter ausdrücklicher Duldung von AfD, NPD und Nazis aus der thüringer Kameradschaftsszene (ja, eben jene, die den NSU hervor gebracht hat) mit Fackeln gegen ein Wahlergebnis, dem eine linke Landesregierung folgen könnte, demonstrieren – dann sehe ich da durchaus einen rechten Aufmarsch…

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