Nüchtern betrachtet ist der BVB genau da gelandet, wohin er gehört

Dunkelheit am Stadion des BVB in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Millionen BVB-Fans wird es am Tag nach dem sportlichen Drama heute noch immer sehr bescheiden gehen. Da nehme ich mich gar nicht aus. Zu sehr schmerzt die bittere Enttäuschung, die der knapp verpasste Titel am Samstag verursacht hat.

Nach dem 2:2 gegen den FSV Mainz 05 am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2022/23 rutschte der BVB von der erst am vorletzten Spieltag eroberten Tabellenspitze bekanntlich noch hinter den FC Bayern München zurück und erwachte dadurch unsanft aus dem schönen Traum von der ersten Meisterschaft seit der Spielzeit 2011/12.

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen der Saison verdeutlicht jedoch, dass der BVB eigentlich genau da gelandet ist, wo er von seiner Bilanz her auch hingehört. So ungerne man das in Dortmund und Umgebung vielleicht heute auch hören will.

Nach 34 Spielen hat der BVB 71 Zähler auf dem Konto und eine Tordifferenz von +39. Die punktgleichen Bayern haben die gleiche Anzahl von Punkten, mit +54 jedoch die bessere Torausbeute. Ein Weg der Entscheidungsfindung, der einen als Anhänger des Zweitplatzierten schon ärgerlich stimmen kann. Ein Blick auf die Tabellenendstände der vergangenen Runden zeigt jedoch, dass der BVB mit diesen Zahlen tatsächlich auch nur auf Platz zwei gehört.

In den Jahren 2011 und 2012, als die Schwarzgelben unter Trainer Jürgen Klopp zuletzt Meister wurden, da standen am Ende 75 bzw. 81 Zähler zu Buche. Die Tordifferenz belief sich seinerzeit auf +45 bzw. +55. Zahlen, an die die Mannschaft 2023 nicht heranreichte. Die Bayern ihrerseits landeten damals mit 65 bzw. 73 Punkten auf den Rängen drei bzw. zwei.

In der ersten Saison unter Coach Thomas Tuchel wurde der BVB 2015/16 mit 78 Zählern ‚nur‘ Vizemeister, während die Münchener mit 88 Punkten zehn Zähler mehr hatten als der BVB. Auch in diese Sphären schafften es die Dortmunder 2023 nicht.

Im Vorjahr führte eine Ausbeute von 69 Zählern zur vorzeitigen Trennung von Trainer Marco Rose, während die Bayern mit 77 Punkten ihre zehnte Meisterschaft in Serie einfuhren. Die Stimmung in Dortmund war danach so ernüchtert, dass Rose trotz Vizemeisterschaft gehen musste und durch Rückkehrer Edin Terzic ersetzt wurde.

Jetzt sorgte Coach Terzic in Dortmund für eine große Euphorie-Welle, die streng genommen nicht zur sportlichen Leistung der Saison passte. Zwar setzte sich der BVB mit 70 Punkten vor dem letzten Spieltag an die Spitze der Rangliste, doch war die Punkteausbeute eben, verglichen mit den Meisterjahren der Vergangenheit deutlich schwächer. Zu viele Ausrutscher und Rückschläge gegen vermeintliche Underdogs pflasterten seit Wochen und Monaten den Weg der Westfalen.

Da am Samstag abermals nur ein magerer Punkt gegen einen vermeintlich Kleinen eingefahren werden konnte, endete das Team der Schwarzgelben mit 71 Punkten deutlich hinter den Zahlen vergangener Jahre. Die Abschlussplatzierung auf Platz zwei ist somit passend zur Statistik.

Die Chance auf den Titel hatten die Borussen bei realistischer Betrachtung nur der Schwäche des FC Bayern zu verdanken, wie ein Blick auf die Abschlusstabellen der Vergangenheit zeigt. Die Münchener fuhren 2022/23 ihrerseits das schwächste Ergebnis seit Jahren ein, während der BVB sich im Vergleich zum enttäuschenden Vorjahr lediglich um zwei Punkte steigern konnte.

Das sollte bei allem Frust im Lager der Borussia im Rückblick nicht vergessen werden. Das Team war längst nicht so gut, wie viele im Umfeld dies bis zum Samstagnachmittag nur zu gerne glauben wollten….

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