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Nils Oskamp: “Das ist eine Kontinuität des Hasses”

Träger des Rudolph Dirks Awards 2016: Nils Oskamp für die autobiografische Graphic Novel “Drei Steine” (Foto: Sebastian Knoke)

Dortmund – Diese Stadt hat ein Naziproblem. Neonazis schlagen Schüler zusammen und verbreiten ihre Hetze in den Schulen – und Lehrer sind mitunter Teil des Problems. Wir sind in den 1980ern. In der autobiografischen Graphic Novel “Drei Steine” von Nils Oskamp.  Der Dortmunder erhielt für sein Werk im Dezember 2016 den wichtigsten deutschen Comicpreis, den Rudolph Dirks-Award, der im Vorfeld der ComicCon in Dortmund verliehen wurde. In einem etwas “wackeligen” Interview sprachen mit Oskamp über sein Werk, über Dortmund, über Nazis, über das Früher – und über das Heute. Das Interview beginnt spontan, draussen vor einem Hotel und wird durch ein Fotoshooting mit Kill Bill-Star Michael Madsen unterbrochen.

Sebastian Bartoschek:  …ich war ganz überrascht, solch ein Comic präsentiert zu sehen. Ich hatte heute erwartet, ganz viel „Abgespacetes“ zu sehen und dann bist du hier, mit einer Novel, die ja ganz nah an den aktuellen Sachen hier in Dortmund auch dran ist. Bei Dir geht es um die FAP

Nils Oskamp: Damals die FAP und ja, ich habe viele FAP-Leute auch selber gesehen. Ich habe auch den Kühnen damals in Dorstfeld gesehen. Der Busse war auch da. Den Rieger habe ich auch gesehen. Das war ja alles dieser Fritz Klaffke. Das war ein ehemaliger SS-Mann, der hat damals den ganzen Dortmunder Westen indoktriniert. Hat überall seine Anwerber rein geschickt – da sind auch richtig extreme Sachen passiert.

SB: Und die Geschichte ist autobiografisch?

NO: Autobiografisch, ja.

SB: Du warst also selber Opfer rechter Gewalt?

NO: Ja, also ein Mitschüler hat die Auschwitz-Lüge propagiert und ich war halt schon ein bisschen aufgeklärter. Ich habe mich auch schon irgendwie als 13-Jähriger gefragt: Warum heißt der „Platz der Synagoge“ in Dorstfeld „Platz der Synagoge“ und da steht keine? Und da bin ich dann zur Stadtbibliothek und habe gelesen, ja Reichspogromnacht und so was und deshalb war mir dann auch sofort klar: Auschwitz-Lüge – Hallo? Das kann nicht sein. Und ich habe dem quasi sofort Paroli geboten verbal. Ruhrpott-frech wie man so ist, große Klappe. Und die konnten halt nur mit Gewalt antworten. Und das Ganze eskalierte dann bis hin zu zwei Mordanschlägen.

SB: Wie hat denn dein Umfeld reagiert?

NO: Ja, das Umfeld war ein bisschen schwierig. Wir haben eine total paranoide Klassenlehrerin gehabt, die das alles versucht hat zu deckeln und zu vertuschen. Die wollte gar nicht, dass das groß recherchiert wird. Weil sie selber Alkoholismus hatte und was weiß ich noch alles zu erzählen ist. Das war krass. Die Lehrerin hat das nicht wahrhaben wollen. Meine Eltern, da gab es zwei Todesfälle kurz hintereinander in der Familie und die haben dann auch in Dorstfeld-Süd gebaut. Das habe ich in die Geschichte jetzt nicht reingebracht, weil dieser Dorstfeld-Süd-Giftmüll-Konflikt – das wäre zu viel gewesen und hätte vom Hauptthema abgelenkt.

SB: Und deine Family? Also, ich meine einerseits wollen Eltern immer politisches Engagement und wenn es dann passiert, dann hat man Angst um die eigenen Kinder.

NO: Ja, wie gesagt, meine Eltern, mit dem Dorstfeld-Süd und zwei Todesfällen, die hatten da andere Dinge. Also, mein Vater hatte dann auch später in Gießen und dann in Kiel gearbeitet. Weil er eine C4-Professurstelle brauchte, da war der nur am Wochenende da. Und die Klassenlehrerin hat eben einen Sack voll Lügen verkauft.

SB: Du hast keine Unterstützung von der Schule erfahren?

NO: Nein, von der Schule nicht. Nach der Gerichtsverhandlung, die es bei mir gab, wurde das Lehrerkollegium aufmerksam. Es gab vorher auch schon mal, wie ich von einem Lehrer gehört habe, auch einen Vorfall, da waren die dann aktiv. Aber dadurch, dass diese Lehrerin alles versucht hat, unter den Teppich zu kehren und es gab auch einen Neonazilehrer. Der Klarname ist Stankow, der war bis zu seiner Pensionierung auch an dieser Schule. Sein Bruder war für die DVU im Dortmunder Stadtrat und sein Sohn ist heute noch einer der führenden Neonazis hier in Dortmund.

SB: Das Ganze ist so um die 20 Jahre her?

NO: Ja, ungefähr. ’83 hat es gespielt – bis ’85. Das waren eigentlich zwei Jahre. Ich habe das aber ein bisschen gekürzt, sonst wäre es ein 800-Seiten-Buch geworden.

SB: Ist für dich überraschend, dass das Ganze momentan wieder so relevant ist?

NO: Also, das hat eine Kontinuität. Eine Kontinuität des Hasses. Das ist ja eine Hassideologie, Nazismus, Neonazismus. Da ist eine Kontinuität dahinter. Es gab schon damals in den ’80ern hier diese Zusammenrottung vor dem Mauerfall. Die haben quasi hier ihre Kräfte gesammelt vor dem Mauerfall. Die wussten, die Mauer fällt. Und der Kühnen war ja auch zwei Wochen nach dem Mauerfall in Ostberlin und hat dann die Ost- und Westneonazis zusammengeführt. Und dadurch sind die ja teilweise auch in die Immobilien reingegangen, als die FDJ die Jugendheime nicht mehr halten konnte – gab es ja nicht mehr. Da hat der Rieger mit der Kohle, die er hatte, dann teilweise Immobilien gekauft und dort die Nazi-Jugendclubs gemacht. Und dann haben wir jetzt die Situation in Mecklenburg-Vorpommern.

SB: Und hier in Dortmund. Ich denke, du kennst die Entwicklung hier.

NO: Sehr gut, ja.

SB: Mit der RECHTEN und so weiter. Ist das vergleichbar, ist das anders, also, wie würdest du das im Vergleich zu dem, was dir widerfahren ist, beschreiben?

NO: Es ist teilweise noch bedrohlicher geworden.

SB: Inwiefern?

NO: Quasi, dass die sich jetzt durch Social Media schneller zusammenrotten können. Zusammenrotten, dass die auch vernetzter sind im Bundesgebiet. Dass die Demonstrationen damals in den ’80ern 100 Teilnehmer hatten, heute 900. Wie damals im Juni, am 06. Juni glaube ich, war das. Teilweise auch wie das in dem Comic „Weiße Wölfe“ von David Schraven und Jan Feind beschrieben ist, dass die auch jetzt bewaffnet sind. Waffen haben die auch gekriegt, von den skandinavischen Hell’s Angels, aber auch von diesem Fallschirmjäger-Bataillon, auch von der belgischen Armee – fast alles Nazis. Und da ist halt die Bedrohung. Und auch die Bedrohungslage, was man am Zschäpe-Prozess sieht, ist das Versagen des Verfassungsschutzes. Das wird jetzt der dritte NSU-Untersuchungsausschuss auch nochmal genauer aufklären.

SB: Hoffentlich.

NO: Genau. Nicht.

SB: Also, unser Kollege Weiermann ist ja hier im Landtag beim NSU-Untersuchungsausschuss. Ich habe den oft gefragt: ‘80% der Zeit ist doch tot?’ Da sagt er: ‘Ja, aber genau darum geht es. Auch das zu dokumentieren, wie wenig hier passiert, bei den Möglichkeiten, die wir eigentlich hätten, bei so einem Untersuchungsausschuss.’

(Michael Madsen verläßt das Hotel. Wir stehen spontan auf, und machen Selfies mit dem Kill-Bill-Star.)

Kurze Unterbrechung: Selfie mit Michael Madsen (Foto: Sebastian Bartoschek)

(Madsen versichert uns: “I love Germany. I really do. Oh, you did a book on Nazis. I really hate Nazis. All of them.” Dann steigt er in ein etwas edleres Taxi und entfleucht. Wir sprechen weiter über die Neo-Nazis in Dortmund.)

SB: …ist immer so schwer, wenn man jetzt fragt nach einer Message, nach „Wie können wir es machen?“. Also, wir sind ja in einem Zeitalter, diesen ganz postfaktischen Bla. Wir haben hier die, wie ich auch finde, reale Bedrohung in Dortmund. Gibt es denn eine Message, wie: „Das müssen wir jetzt tun!“, oder: „Das macht jetzt Sinn!“? Oder ist es so: „Eigentlich sind es die alten Kämpfe, die wir weiter führen müssen“?

NO: Wir müssen die Jugend aufklären, eindeutig. Die Rechtsradikalen, Rechtspopulisten versuchen schon 12/13-Jährige zu indoktrinieren. Wie zum Beispiel, die Junge Freiheit mit dem Geschichtslexikon, wo dann quasi der Holocaust ausgeklammert wurde. Ich war gegenüber von der Jungen Freiheit auf der Frankfurter Buchmesse und habe denen fünf Tage lang die Stirn geboten. Und das mache ich ja auch jetzt so mit meinen Schullesungen und vielen Schulen und Rassismus, Schule mit Courage, schon vor über 2000 Schülern referiert und das kommt sehr gut an bei den Kids. Die Toten Hosen haben mir erlaubt, „Willkommen in Deutschland“ zu spielen. Wenn die Schüler sich setzen, da wissen die schon: „Hey, irgendwas ist anders diesmal!“. Dann müssen wir auch an den Kids arbeiten, dass die auch die Werte unserer Sozialkultur anerkennen und zu schätzen wissen, was wir hier haben. Wie gut es uns hier eigentlich geht, dass wir diese Demokratie hier haben. Und auch das dann aufzuklären: Was war der Holocaust? Dass diese SA-Methoden quasi weitergeführt werden von den Neonazis. Und zu sagen; „Nein! Gewalt ist nicht die Ideologie oder Hass ist nicht die Ideologie“. Und das sage ich ja auch zur Jungen Freiheit. Die Leute kamen halt zu mir rüber und dann meinten sie so: „Ja, Sie wissen schon, Herr Oskamp, die Linksextremen, die töten auch.“ Und ich sage: „Wie viel denn? Komm, Zahlen jetzt! Zahlen und Fakten!“ 39 durch die RAF und über 200 Todesopfer von Rechtsradikalen seit dem Mauerfall. Und seit dem Oktoberfest-Attentat sind es 900. Salafisten, zwei Polizisten mit dem Messer angegriffen, ein Bombenanschlag, nur der Täter wurde getötet. Bis jetzt quasi nur ein Todesopfer und das war der Täter selber. Und da ist der Unterschied. Der mordende Mob ist unter uns seit den ’80ern.

SB: Warum unterschätzen wir das?

NO: Ja, weil wenn man auch die Historie anschaut. Auch mit dem Justizministerium, wo dann Altnazis sich selbst amnestiert haben. Also, seitdem Deutschland, sozusagen, das antisozialistische Bollwerk wurde, hat die Denazifizierung auch nicht stattgefunden. Das hatte dann Tradition, quasi auch in den Sicherheitsbehörden, gehabt, wenn man die Organisation Gehlen kennt, die Vorgängerorganisation des Bundesnachrichtendienstes – irgendwie auch die Absplitterung da aus dem Verfassungsschutz. Auch damals der damalige Polizeipräsident in Dortmund in den 80ern und 90ern, der auf dem rechten Auge blind war und viele Straftaten erst gar nicht geahndet oder verfolgt wurden. Und Straftäter, wie Siegfried Borchardt, SS-Siggi, quasi ungestraft hier in der Nordstadt immer irgendwelche Leute verprügelt haben, nach jedem Heimspiel vom BVB. Der BVB hat ja auch lange gebraucht, bis die endlich mal wach geworden sind. Und jetzt mit der Arbeit von dem Fanprojekt machen die auch eine hervorragende Arbeit mit den Gedenkstättenfahrten, „Kein Bier für Rassisten“, die Aktion und so was.

SB: Also man hat sich selbst entschuldigt und damit war das Thema dann auch irgendwie durch, indem man es dann wahrnehmen wollte. So?

NO: Ja, aber dadurch ist die Rekrutierungsplattform Stadion Südtribüne weg, haben die nicht mehr.
Ich meine die Fan-Abteilung des BVB, die jetzt sehr aktiv ist. Mit Daniel Lörcher. Und was hier auch gemacht wird, zum Beispiel, Sonderbeauftragte des Bürgermeisters, Hartmut Anders-Hoepgen, der die ganzen Runden Tische organisiert und die ganzen Gegenaktionen organisiert.
Dann hier Backup NRW; die machen alle eine hervorragende Beispielarbeit. Ich glaube, das ist ein Pilotprojekt auch für Deutschland, genau wie damals das erste Fan-Projekt in Dortmund war. Das Problem nachher auch in Dortmund, es wurde hier lange nicht, es wurde gesagt: „Wir reden nicht über das Problem, wir sehen weg, wir haben das Problem nicht“. Das war der Irrglauben, den Dortmund hatte. Und dann sind die massiven Sachen, die jetzt in Dortmund-Dorstfeld passieren und bei den ganzen Demos. Aber jetzt sind sie wach geworden, aber andere Städte leiden darunter auch. Also Hamburg zum Beispiel. Hamburg hat kein Interesse an meinen Lesungen.

SB: Echt nicht?

NO: Nein, Hamburg ist total … ganz viel von dem Neonazi-Kapital kommt aus Hamburg.
Die ganze Finanzierungsschiene vom Rieger funktioniert heute noch. Junge Freiheit, zum Beispiel, hat von Altnazis Immobilien überschrieben gekriegt. Und dieses Blatt kann sich ja gar nicht finanzieren: Die kriegen doch keine 30.000er Auflage verkauft, nicht von diesem Schundmagazin. Und die finanzieren sich durch die überschriebenen Immobilien der Altnazis, die sie gekriegt haben. Dann stellt sich mir journalistisch die Frage, ich würde gerne mal einen Journalisten darauf ansetzen, diese Altnazis der Jungen Freiheit, die haben Häuser in Berlin, Hamburg und in Frankfurt. Finanziert sich aus den Mieteinnahmen. Wo kommen die Häuser her? In der Arisierung, wie sind die da ran gekommen?

SB: Ja, verstehe ich. (…)

NO: Oder sieh dir Jürgen Elsässer an. Der tritt jetzt bei der Pegida auf, der Vollpfosten. Und auf der Buchmesse Leipzig mit einer 7-Mann-Security von dem Hooligan-Umfeld aus Leipzig.
Warum werden die Leute nicht wach? Guckt doch mal die Security an, auf der Pegida, das sind die SSS, das sind die Skinheads Sächsische Schweiz. Das sind die gleichen Pfeifen, Pappnasen, die in Lille mit der Reichskriegsflagge bei der EM ramponiert haben.

SB: Glaubst du, wir kriegen den Dreh noch? Das ist ja, was ich mich im Moment ganz oft frage. Die Probleme, wer sie sehen will, kann sie ja sehen, aber kriegen wir noch den Turn gepackt, gesamtgesellschaftlich?

NO: Ich denke schon. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig. Ansonsten rutscht Deutschland ja wieder vom rechten Tellerrand, das hatten wir ja schon mal. Also, ich glaube, die AfD ist dementsprechend nicht mehr aufzuhalten. Ich glaube auch, die Petry landet im Bundestag. Aber sie ist eine dermaßen schlechte Rhetorikerin und ich glaube, die wird sich da eher blamieren. Aber das Gleiche sehe ich ja auch bei Trump.

SB: Gut, aber es gibt in der AfD Leute, wie den Höcke, die jetzt noch krasser als Petry drauf sind und rhetorisch, das muss man ihm lassen, einiges drauf haben. Das ist zwar eine Rhetorik, die wir in Deutschland seit 80 Jahren eigentlich nicht mehr haben wollen.

NO: Aber wenn man Höcke vergleicht mit Adolf Hitler, er nimmt ziemlich viele Thesen von ihm, er formuliert die nur um, dämpft die so ein bisschen ab. Und das müsste man auch mal da klarstellen.

SB: Genau! Wollte gerade fragen: Fehlt uns da die Klarheit auch des Vergleichs? Dass wir Angst haben zu sagen: „Das ist aber Sprech von Adolf Hitler!“, den er da pflegt zum Beispiel.

NO: Ich denke mal, dieses Regierungsprogramm „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums müsste eigentlich viel unbürokratischer sein, viel aktiver sein. Es müsste Aktivposten geben. Aktivposten haben die Neonazis. Wenn einer sagt: „Komm, jetzt machst du mal eine neue Demo in Wunsiedel – hier hast du zwei Mille.“ – Da ziehen die sofort los, melden eine Demo an und sind da. Aber die anderen, die eine Gegenaktion machen wollen, mit der Sozialkultur etc.,… das heißt wir müssen da erst mal Formulare wälzen.

SB: Die sind zu schwerfällig durch die Bürokratie an der Stelle?

NO: Zu schwerfällig. Das ist eine Art Kriegsführung, das ist eine Art Propagandakriegsführung, die da herrscht. Aber die Gegenpropaganda findet ja faktisch nicht statt. Aufklärungsarbeit ist auch Gegenpropaganda. Propaganda – der Begriff ist halt durch Göbbels abgerutscht, ist aber nichts anderes als Werbung, Gegenwerbung, Aufklärung etc. Und da sind dann wieder deutsche Künstler gefragt!

SB: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Mitarbeit: Saskia Albarus

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19 Kommentare zu “Nils Oskamp: “Das ist eine Kontinuität des Hasses”

  • #1
    Uwe Vorberg

    Ergänzend: Nils Oskamp stellt seine Graphic Novel Drei Steine am 07.03 ab 18.30 Uhr im Bahnhof Langendreer statt (Ausstellung und Lesung).

  • #2
    Benjamin

    Statt "und Lehrer sind mitunter Teil des Problems" habe ich zuerst "und Lehrer sind munter Teil des Problems" gelesen. Dass es soweit kommen konnte, dass diese Feststellung ebenso selbstverständlich erscheint, das ist ebenfalls "Teil des Problems."

  • #3
    thomas weigle

    "Propaganda-der Begriff ist halt durch Goebbels abgerutscht." Das ist aber nur die halbe Wahrheit. denn zum "Abrutschen" des Begriffes gehört nun auch mal der Begriff "Agitprop" der Kommis, der bereits vor Goebbels in Gebrauch war.

  • #4
    Benjamin

    Ich störe mich auch an den zwei Sätzen: "Salafisten, zwei Polizisten mit dem Messer angegriffen, ein Bombenanschlag, nur der Täter wurde getötet. Bis jetzt quasi nur ein Todesopfer und das war der Täter selber. " War Anis Amri (12 Mordopfer) etwa kein Salafist?

  • #5
    Klaus Lohmann

    @Benjamin: Wann war die Dortmunder ComicCon letztes Jahr mit dem hier abgedruckten Interview, wann geschah der Anschlag von Anis Amri?

  • #6
  • #7
    Benjamin

    Interessant, da wird das Interview also drei Monate nach Aufnahme veröffentlicht, ohne Anmerkung, ohne Fußnote, ohne Hinweis, so dass man als Nicht-Dortmunder denken könnte, es wurde gestern geführt. Sehr professionell!

  • #8
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Ach, Benjamin.

    Grautöne, hm?

    "Der Dortmunder erhielt für sein Werk den wichtigsten deutschen Comicpreis, den Rudolph Dirks-Award, der im Vorfeld der ComicCon in Dortmund verliehen wurde."

    Gleichwohl schreibe da nochmal einen Hinweis. Danke für deine sachlich und wertschätzend vorgetragene Kritik.

  • #9
    Klaus Lohmann

    @Benjamin #7: Und *ich* störe mich regelmäßig an solcher Lese-Inkompetenz innerhalb zweier Sätze.

  • #10
    Walter Stach

    " Kontinuität des Hasses"……….
    Seit es Menschen gibt ,sind Liebe und Hass ihnen innewohnende , sie ausmachende und deshalb nicht "auszumerzende" Gefühle. Insofern ist die Feststellung einer "Kontinuität des Hasses" trivial –
    BVB-Hooligans, BVB-Ultras, Höcke und Co. eingeschlossen.

    Seit es menschliche Gesellschaften gibt, versuchen diese, Auswüchse menschlichen Hasses einzudämmen, wenn dieser das Leben Anderer bedroht oder die Existenz der Gesellschaft gefährdet oder das Fundament der jeweiligen Gesellschaftsordnung zu zerstören drohen..
    Die zivilisierte, die kultivierte Gesellschaft der Menschen in Deutschland -und in der übrigen sog. westlichen Welt-versucht dies, mit den ihr legitim erscheinenden Mitteln zu tun -allein und aus sich heraus- und über den von ihr gewollten und verfaßten Staat.

    Zu diskutieren wäre danach also nicht über die Realität " der Kontinuität des Hasses", sondern nur darüber, ob "man", wie "man", wann "man" als Gesellschaft/als Staat "Auswüchsen/Entladungen" von Hass begegnen sollte, begegnen müßte, Im heutigen Deuschland haben wir dazu mittels unser Verfassung einen "Rahmen abgesteckt -zum Ob, zum Wie, zum Wann- und diesen mittels konkreter staatlicher Normen auszufüllen versucht, über deren Sinnhaftigkeit, über deren Zweckmäßigkeit, über deren Geeignetheit, über deren Verhältnismäßigkeit permanent in demokratischen Prozessen gestritten wird, u.a.eben auch dann, wenn es um Auswüchse/Entladungen von Hass durch Fußball- Hooligans geht oder wenn es um Höcke und Co. geht bei deren Hass-ausbrüchen, bei deren "Entladungen" von Hass, wenn es um Fremde bzw. um Fremdes geht.

    Spontane Gedanken, die ich hier äußere, weil ich auf Anhieb nicht zu recht zu kommen scheine mit der Überschrift " Das ist eine Kontinuität des Hasses".

  • #11
    Moritz Flesch

    Diese graphic novel und die ihr verliehenen Preise verdeutlichen vorrangig eines: dass die "richtige" politische Aussage hier wichtiger ist, als Form, Nutzen und Unterhaltungswert. Ich habe versucht, mich mit dem Buch auseinanderzusetzen, musste dies aber aufgrund der furchtbaren Qualität rasch aufgeben. Der Inhalt ist klischeehaft und indifferenziert. Nils O. ist eben nur Graphiker und kein Autor. Zudem ist mir eher unklar, welchen Nutzen dem Rezipienten aus einer Auseinandersetzung mit faschistischen Strukturen erwachsen soll, die es in dieser Form seit 20 Jahren nicht mehr gibt. Mir ergibt sich der Eindruck, dass der Autor hier vorhandene Traumata und psychische Belastungen bearbeiten möchte. Für den Leser ist die Erkenntnis, die sich daraus ergibt, sehr eng begrenzt. Eine fundierte Psychotherapie wäre da wohl angebrachter….

  • #12
    Moritz Flesch

    Und @10:
    Die Ultras des BVB, die – im Gegensatz zu Stadtpolitik und Verein – stets gegen rechtsradikale Tendenzen in der Fanszene vorgingen, hier in einem Atemzug mit Höcker und rechten schlägertrupps zu nennen, ist schon sehr seltsam. Aber ich sollte mir einfach sparen, ihr pseudointellektuelles Geschwurbel zu lesen. Mein Fehler! Ein Tipp aber noch: Qualität > Quantität!

  • #13
    Moritz Flesch

    Und @10:
    Die Ultras des BVB, die – im Gegensatz zu Stadtpolitik und Verein – stets gegen rechtsradikale Tendenzen in der Fanszene vorgingen, hier in einem Atemzug mit Höcker und rechten schlägertrupps zu nennen, ist schon sehr seltsam. Aber ich sollte mir einfach sparen, ihr pseudointellektuelles Geschwurbel zu lesen. Mein Fehler! Ein Tipp aber noch: Qualität > Quantität!
    Ihre Darstellung zu der undifferenzierten Nutzung des Hass-Begriffes kann ich allerdings zustimmen. Aggression gehört zum menschlichen Verhaltensspektrum! Dies zu akzeptieren, ist Grundvoraussetzung für den adäquaten Umgang mit diesen Phänomenen.
    Wie es Wiki so schön ausdrückt:
    Aggression (lateinisch aggressiō vom Deponens aggredī sich zubewegen auf [etw./jdn.]; heranschreiten; sich nähern; angreifen) ist ein in Tieren und Menschen verankertes, biologisch fundiertes Verhaltensmuster zur Verteidigung und Gewinnung von Ressourcen sowie zur Bewältigung potenziell gefährlicher Situationen. Diese ultimaten Ursachen werden beim Menschen durch proximate Ursachen in der Persönlichkeit oder der Umwelt ausgelöst, aktiviert oder gehemmt und durch verschiedene Emotionen motiviert.

  • #14
    Klaus Lohmann

    Solange Neonazis in Dortmund Rathäuser stürmen, Menschen ermorden, bedrohen, mit Todesanzeigen verunglimpfen und eine Nazi-Partei mit Kriminellen gründen, gibt es diese Strukturen weiterhin. Und müssen weiter bekämpft werden. Ob man denen dann eine Therapie angedeihen will, ist irrelevant.

  • #15
    Klaus Lohmann

    "Ultras des BVB", "stets gegen rechtsradikale Tendenzen in der Fanszene" – JuBos, Northside, DES und "gegen" Nazis?
    http://www.taz.de/!5085115/
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/24-dortmunder-hooligans-wohl-in-koeln-festgenommen-id8952785.html
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/ultras-fans-hooligans-der-schlechte-einfluss-der-desperados-beim-bvb-id8934476.html
    .
    .
    .
    .

  • #16
    Moritz Flesch

    @14:
    Wie "bekämpfst" du diese Strukturen denn, liebster Klaus?
    Und warum ist diese graphic Novel – die du ja sicher wie ich gelesen hast – deiner Ansicht nach geeignet, dies zu unterstützen?

  • #17
    Walter Stach

    Moritz Flesch,
    ich habe möglicherweise begrifflich daneben gelegen, wenn ich die gewaltbereiten, die oftmals gewalttätigen und die grob-beleidigenden Pöbler auf der SÜD als ULTRAS bezeichnet habe.
    Mir fehlt ohnehin die Nähe zu dieser "Szene", so daß ich auch nicht so recht zu unterscheiden weiß zwischen Hooligan, ULTRAS und…….???
    Zukünftig werde ich nicht mehr mit diesen vereinfachenden Begrifflichkeiten wie ULTRAS, wie HOOLIGANS arbeiten, sondern den jederzeit gewaltbereitenden, grobeleidigenden Pöbel als das bezeichnen, was er der Sache nach ist!

    12-13
    "Pseudo-intellektuelles Geschwurbel" -?
    Wenn Sie das dank Ihres Intellektes und dank Ihres Wissen so sehen bzw. so wahrnehmen, registriere ich das so -wirkungs- , folgen- und interessenlos- .

  • #18
  • #19
    Walter Stach

    Gewaltaten in Deutschland -.anläßlich von Fußballspielen-

    1.
    Dortmund und der BVB sind in Deutschland nicht alleine -leider-, sh. die heutigen Krawalle in Berlin.

    2.
    Deutschland ist dieserhalb nicht allein -sh. SPANIEN-
    -und dazu TAZ v.25./26.2. 2017 -TAZ.AM W OCHENENDE -S.39

    "Fans, die bis zum Äußersten gehen".
    -Fußballgewalt:
    Überfälle, Schlägereien und sogar Mord. Spaniens Fanszene wird von einer Serie ungeahnter Brutalität erschüttert. Das hat auch mit der Politisierung der ULTRAS zu tun.

    Könnte zum Nachdenken und zur Diskussion anregen -meint jemand aus dem old boy Club, der vom Sacherhalt nichts versteht.

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