Das Schöne an vermeintlichen oder tatsächlichen Enthüllungen über Geheimdienste ist, dass sich die Objekte der Berichterstattung kaum dazu verhalten. Zumeist dementieren die Schlapphüte weder, noch bestätigen sie. Dabei wäre es wirklich interessant, mehr über die praktische Anwendung von PRISM zu erfahren – allein schon um zu zeigen, wie überzogen die derzeitige Hysterie hierzulande ist. Von unseren Gastautoren Patrick Gensing und Andrej Reisin/Publikative.
Bei der Funkzellenabfrage werden Hunderttausende Mobilfunkdaten von der Polizei gespeichert – aus den nichtigsten Anlässen. In Berlin beispielsweise nach einem Handtaschenraub. Die Praxis ist seit Jahren bekannt, interessiert aber kaum jemanden in Deutschland. Auch die Überwachungsdrohnen gegen Fußballfans sowie deren weitreichende Bespitzelung, sogar von Gruppen, die von der Polizei selbst als vollkommen harmlos eingestuft werden, sind kaum eine Zeile wert, geschweige denn das neue Sicherheitsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern, das dem Geheimdienst „Verfassungsschutz“ maximale Beinfreiheit verschafft.
Wenn aber ein „Whistleblower“ über amerikanische Überwachungsprogramme auspackt, steht das Land Kopf.„We are all Edward Snowden“, bringt die Piratenpartei gekonnt die nationale Opferrhetorik auf den Punkt. Fraglich ist nur, was die NSA über Piraten und Sozialdemokraten, Heimat- und Umweltschützer, deutsche Israel-Hasser und Freunde eigentlich wissen möchte?
Wie schon im letzten Monat erklärt, widmet sich dieser Podcast immer einem Begriffspaar und beleuchtet es mit Fokus auf dem Ruhrpott. Mit zwei Beiträgen. Von zwei Redakteuren. Und einem Chef vom Dienst.
Die Stadt Essen wirft den Besetzern der Bärendelle vor, keine Forderungen gestellt zu haben. In ihrer Abschlusserklärung drehen die nun den Spieß um.
Die Abschlusserklärung des Plenum Bärendelle endet mit einem traurigen und wütenden Ausblick auf die Zukunft: „Die Scherben des Plenums Bärendelle existieren weiter, geraten in die Hände von Anwohnerinitiativen, wachsenden Netzwerken und sich radikalisierenden Gruppen. Die Stadtpolitik wird hier an der einen Stelle noch den Spiegel vorgehalten bekommen und sich an der anderen Stelle schneiden.“
Die Räumung am letzten Mittwoch, das Verhalten der Stadt – all das hat Spuren hinterlassen. Und sie spielen die Kritik der Stadt, sie hätten keine konkreten Forderungen gestellt, zurück: „Wir fragen uns nun, was wollen die dafür Verantwortlichen eigentlich mit diesem Haus? Was sind ihre Forderungen und Vorstellungen? Können wir als Bürger_innen der Stadt Essen unser Eigentum einer extremistischen Minderheit wie der städtischen Immobilienverwaltung überlassen, die sich rücksichtslos über die Interessen der Anwohner_innen, der Kunst- und Kulturschaffenden und der Jugend hinwegsetzt?“
Währen die Stadt sich noch eine schlüssige Antwort zu den Fragen überlegen kann, haben Anhänger der Besetzer eine Petition auf den Weg gebracht. Sie richtet sich an Kulturdezernent Andreas Bomheuer:
In Essen fehlen Freiräume – das ist so gut wie jedem Kunst- und Kulturschaffenden klar, der Stadt Essen und derer Verantwortlichen anscheinend
Morgen kommt die August-Ausgabe des Straßenmagazins bodo heraus. Und wieder gibt es viele gute Gründe sich das Heft zu kaufen:
In der am Mittwoch erscheinenden Sommerausgabe des Straßenmagazins spricht VfL-Trainer Peter Neururer über die „Traineruhrzeit“, eine alternative Tenniskarriere, die Unmöglichkeit eines Lebens ohne Fußball und den nie endenden Traum Deutsche Meisterschaft.
Die Redaktion umrundet den Dortmunder Phoenix-See und fragt nach nach Schein und Sein des neuen Naherholungsgebiets. Wer trifft sich hier, wer meidet den See? Und was kann, was muss sich noch ändern?
„bodo“ besucht einen Quartiershausmeister in der Dortmunder Nordstadt und das ehemalige Nazizentrum „R135“ an der Rheinischen Straße, das nach dem Kauf durch die Stadt Dortmund nun Raum für eine Jungendkultureinrichtung und das städtische „Respekt-Büro“ bietet.
In Witten verbringt „bodo“ einen Tag mit den Gästen einer Tagespflegeeinrichtung im Sinnesgarten, bei Gedächtnisspielen und beim Kaninchenfüttern: Ein schöner Tag.
Halten wir für einen Moment inne. Wir haben fast die Hälfte der Gesundheitsminister unserer Republik abgearbeitet, genauer liegen die Wertungen für Hamburg, Baden-Württemberg, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Berlin,Bayern und Brandenburg vor. Überall vergaben wir insgesamt 0 bis 15 Globuli für die ministerialen Antworten auf unsere Fragen zur Paramedizin – je mehr Globuli, desto esoterischer.
Autogramm Ete Zabel, stilecht auf Intershop Bierdeckel, dat. ca. 2000
Seit ein paar Tagen geistert durch die Medien das, womit die „Süddeutsche“ heute ihren Sportteil aufmachen würde, Erik Zabel hat gedopt, nicht nur einmalig 1996, sondern auch 1998 und dann darüber hinaus, bis ca. 2003, vielleicht auch bis 2005. Schlimmer als die Tatsache der Verwendung unerlaubter Methoden an sich scheint es für viele zu sein, dass er im Jahr 2007, bei seiner gemeinsamen Beichte mit Rolf Aldag, nicht ganz aufrichtig gewesen ist. Eine Gegenmeinung.
Seit ein paar Tagen teasern Medien wie SPON oder Zeit, dass Erik Zabel heute in der Süddeutschen, exklusiv, gestehen würde, länger und umfassender verbotene Methoden verwendet zu haben, als 2007 unter Tränen eingeräumt. Hat er, also gestanden, ich bin extra zum Kiosk gelaufen und habe mir ein Exemplar gekauft und es, exklusiv, nachgelesen: Erik Zabel hat von 1996 bis etwa 2003 gedopt! Cortison, Epo, Eigenblut, vielleicht auch Persantin und Alupent. Die gesamte Thematik des Einsatzes von unerlaubten Methoden, von Doping, ist zu komplex, um sie hier in einem kleinen Meinungsartikel auseinanderzuklamüsern, dazu wird, wenn andere nicht sowieso eher dazu berufen sind, an anderer Stelle Zeit sein, hier geht’s mir heute nur um einen kleinen Aspekt.
Erik Zabel wird vorgeworfen, immer nur das eingestanden zu haben, was er eh nicht mehr hätte leugnen können. 2007, nach der Veröffentlichung des Buches von Jef D’hont, die kurzzeitige und einmalige Verwendung von Epo im Jahr 1996 und heute, kurz bevor die Kommission des französischen Senats zum Thema Anti Doping die Ergebnisse der nachträglich getesteten Tour-Proben von ’98 endgültig veröffentlichen würde, dass er auch dort positiv gewesen ist. Hier bei uns, da ist Robin enttäuscht, das ist noch halbwegs in Ordnung.
Woanders, da werden Zeigefinger erhoben, so von wegen Vorbildfunktion und so, signierte Trikots wahlweise zurückgeschickt oder gleich in den Müll geworfen. Man denkt sich Strafen aus, was man mit „so einem“ am liebsten machen würde, wenn man denn dürfte… leider darf man nicht. 1000 Jahre Arbeitsdienst stehen da noch am unteren Ende der Skala… Ich hingegen sage: Ja und? Erik Zabel hat das getan, was so ziemlich jeder von uns tun würde, wenn der Arsch mit Grundeis geht.
Doping ist im Sport, im Radsport, verboten. Wird man erwischt, ist man dran, wird angeklagt und verknackt. Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit im Straßenverkehr sind ebenfalls verboten, wird man erwischt, ist man ebenfalls dran und wird ebenfalls verknackt. Beides ist sowohl akzeptiert als auch richtig und in Ordnung. Von einem Sportler zu verlangen, bei einem Geständnis über Regelverstöße mehr einzuräumen als zum jeweiligen Zeitpunkt nachweisbar ist in etwa damit vergleichbar, von einem Autofahrer zu verlangen, vor dem Verkehrsrichter einzugestehen, die rote Ampel nicht nur überfahren zu haben, wie auf dem Blitzer Bild zweifelsfrei nachweisbar, sondern bei Begehung dieser Tat auch noch besoffen gewesen zu sein, was bislang anhand eines Bildes noch nicht zwingend nachweisbar ist… kommt vielleicht noch.
Ein Angeklagter hat, so weit ich weiss, ein paar Rechte und zu diesen Rechten gehört es, wenn man glaubt damit besser aus der Nummer rauszukommen, zu lügen oder zumindest kreativ mit der Wahrheit umzugehen. Im Gegensatz zu Zeugen ist er nicht zur Wahrheit verpflichtet. Die Halbwahrheiten von 2007 waren ein legitimer Versuch, glimpflich aus der Sache herauszukommen, dass er heute von der Geschichte eingeholt und in den Hintern gebissen wird ist zugleich ein anderes Thema und ein Treppenwitz, schließlich hat Zabel seine ersten Erfahrungen mit verbotenen Substanzen durch Sitzcreme gemacht, aber das soll jeder selbst im Interview der Süddeutschen nachlesen.
Ich jedenfalls werde mein Autogramm von Erik Zabel behalten, ich hab’s heute sogar extra noch abgestaubt!
Im März meldete das Heinz-Magazin Insolvenz an. Nun hat es einen neuen Besitzer.
Stadtmagazine gehen im Moment weg wie warme Semmeln. Erst kaufte die Ruhr-Nachrichten-Tochter Überblick Coolibri, nun hat Heinz einen neuen Besitzer. Nachdem Heinz im März insolvent war, ist nun der Essener Unternehmer Frank Dittmann eingestiegen. In einem Editorial gibt er sich, was die Heinz-Zukunft betrifft optimistisch:
Facebook und Twitter sind die Medien unserer Zeit, aber nicht immer liegt die Würze in der Kürze. Wenn ich meine kostbare Freizeit verbringe, mit meiner Frau Essen gehe, ein Theater oder Museum besuche oder auf ein Konzert möchte, dann brauche ich kompetente Unterstützung. Dann brauche ich zusätzliche Informationen, dann brauche ich jemanden, auf dessen Urteil ich mich verlassen kann. Diese Aufgabe wird auch in Zukunft besser von einem Printmedium erledigt, das ist jedenfalls meine feste Überzeugung und auch der Grund dafür, warum ich in das HEINZ investiert habe. Ich glaube daran, dass sich das Magazin neu erfinden kann, ohne dabei seinen wichtigen Kern über Bord zu werfen.
Dittmann hat Erfahrung mit Stadtmagazinen: 2001 übernahm er das damals schon wirtschaftlich schwer angeschlagene Marabo, konnte es allerdings trotz vieler Mühen nicht retten: 2005 wurde der Titel endgültig eingestellt.
Frank Dittmann ist Inhaber des Druck-Dienstleisters Merlin, besitzt die Pomp-Druckerei in Bottrop und gibt auch die Titel Nordis und Rhein-Ruhr-Magazin heraus. Beide Magazine verfügen über eher schlichte Online-Angebote.