Der Ruhrpilot

adolf_sauerland
Adolf Sauerland

Loveparade: CDU-Duisburg schürt Zweifel an Sauerland-Abwahl…Spiegel

Loveparade II: Loveparade-Drama hat den Ruf von McFit ruiniert…Welt

Loveparade III: Allianz zwischen Ruhr.2010 und Loveparade?…Der Westen

Loveparade IV: Tödliche Imagekampagne…Telepolis

NRW: Laschet: „Wir erleben einen Linkstrend in Deutschland“…FAZ

NRW II: NRW: Eigenbedarf auch bei harten Drogen…Law Blog

Bochum: Rabbiner vorerst geduldet…Der Westen

Essen: Lecker essen beim Fischmann…Genussbereit

RIM: Beugt Blackberry sich Überwachungswünschen?…Zeit

Piraten: Liquid-Feedback vor Start bei der Piratenpartei…Netzpolitik

Kommunikation: Telekom will an beiden Leitungsenden kassieren…Frontmotor

Debatte: Vom Ende der Geduld…Hometown Glory

Jubiläum: 750 Jahre Knappschaft…Pottblog

Raul und Schalke 04: Deja-vu mit der Filmgeschichte?

„Der Galaktische“ – diese Charakterisierung hört man derzeit in den Sportmedien rauf und runter. Gemeint ist „Rauuuuuuuuuuuuuul“. Von unserem Gastautor Marc Limbach

Die Verpflichtung des Spaniers hat die blau-weißen Herzen auf Schalke in Verzückung gebracht. Ob Saisoneröffnung oder Sponsorenturnier namens LigaTotal, es gibt nur ein Thema. Man könnte glatt meinen, der ehemalige Königliche aus Madrid schießt die Knappen im Alleingang zu Meisterschale, Pokal und Champions League-Titel. Wie viele Versprechungen sich die Königsblauen schon von südländischen Einkäufen machen durften, will ich hier einmal unter den Tisch fallen lassen. Nichtsdestotrotz komme ich angesichts des Hypes um den alternden Stürmerstar nicht drumherum, ein filmisches, jedoch nicht ernst zunehmendes Beispiel zu bemühen: „Fußball ist unser Leben“ mit Uwe Ochsenknecht aus dem Jahr 1999.

Bevor mir ein Schwall von blau-weißen Hasskommentaren entgegen fliegt, will ich eine Sache klarstellen: Ja, ich bin Schalke-Fan. Zwar nicht Schalke-Mitglied, aber nach einigen Verwirrungen (Kaiserslautern, Leverkusen) in der Jugend haben sich Herz und Verstand doch auf Blau-Weiß geeinigt. Und ob ein Vergleich zwischen dem aktuellen Geschehen und einer fiktiven Filmgeschichte nicht die feine englische Art ist, will ich hier nicht beurteilen. Mir geht es auch um etwas ganz anderes bei dieser Assoziation.

Leise kritische Stimmen zum Hype um den alternden Stürmerstar sind nur vereinzelt zu hören oder zu lesen – oder sie entziehen sich meiner Wahrnehmung. Spiegel Online vergleicht den Stürmer etwa mit einem Ferrari älteren Baujahrs. Natürlich ist das aktuelle Geschehen auch ein gefundenes Fressen für die Erbfeinde aus Lüdenscheid-Nord. Da verwundert es auch nicht, dass der Pottblog-Inhaber den Gelsenkirchen-Blog „Der erste kleine Titel“ zum Sieg des Ligatotal-Cups in seinen „Links anne Ruhr“ augenzwinkernd mit den Worten „… und vielleicht auch der letzte?“ kommentiert. Die Bedeutung des Derbys wurde Raul bereits eingeimpft, wie man im „Aktuellen Sportstudio“ betrachten konnte. (Also freut Euch nicht zu früh, Zecken!)

Zurück zum Film: Die Figur „Dios“ spielt bereits bei Schalke und macht eher durch Leistungsverweigerung von sich reden. Als ehemaliger Weltfußballer und alternder Stürmer wird er trotzdem vom Protagonisten Hans Pollak und dessen Fan-Club-Kameraden vergöttert. „Man muss ihn nur ein bisschen motivieren“, so Pollaks Tenor. So makaber es klingt, aber die letzten beide Sätze weisen eine gewisse Nähe auf. Ohne den ganzen Film hier langweilend nachzuerzählen, verweise ich auf den Wikipedia-Artikel.

Gut, Raul hat einiges aufzuholen, nach dem Bankdrücken in Madrid. Fußballerisch ist er ohne Frage ein Juwel. Seine Einsätze beim Sponsorenturnier am letzten Wochenende waren vielversprechend. Ferner ist das Schalke, was die Komödie wiedergibt ein anderes, als das Schalke unter Felix Magath. Kein Parkstadion, kein Yves Eigenrauch, kein kürzlich gewonnener Titel wie damals der UEFA-Cup. Dagegen werden wir wohl im Gegensatz zum Film kein Koksen des Neu-Düsseldorfers oder andere Boulevard-Skandälchen erleben.

Warum mir diese Assoziation zum Film ausgerechnet mit dem Transfer von Raul kommt, kann ich nicht so recht begründen. Es gab in der Vergangenheit einige südländische Sturmhoffnungen im Kader. Eine berechtigte Hoffnung verbinde ich jedoch mit dem Einsatz des Spaniers über 90 Minuten: Das Operettenpublikum auf der Gazprom-Tribüne hat endlich seinen Startenor und braucht nicht mehr 10 Minuten vor Spielende fluchtartig zu seinem Automobil huschen.

Und was wenn die Verpflichtung von Raul auf Schalke keine Früchte in Form von Titeln trägt? Für diesen Fall haben sich die Schalker Fans den entsprechenden Ausruf bei den Anhängern eines früheren spanischen Champions-League-Kontrahenten abgeschaut: „Uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“

Werbung


Verspäteter Nachruf auf Theo Albrecht

Sein Tod ging unter in der Woche nach dem Sterben auf der Loveparade. Theo Albrecht, Chef des Nordimperiums im Aldi-Universum, Ruhrpottbewohner ein Leben lang, schwand wie er lebte – unauffällig…

Was hätte Theo Albrecht auch erzählen sollen in dem Interview, auf das so viele Journalisten so scharf waren? „Ich habe das Zeug direkt aus dem Karton verscheuert, meine Mitarbeiter schlecht bezahlt, die Lieferanten gedrückt und T-Shirts unter furchtbaren Bedingungen in Asien zusammennähen lassen. Damit habe ich Milliarden gemacht, schönen Tag noch“? – Als würden die Longsleeves angesagter Streetwear-Labels von glücklichen, durch ihren Fleiß zu Vermögen gelangten Heimarbeitern in Rottach-Egern zusammengenäht.

Es war Harald Schmidt, der aus dem Discounter in der Frühzeit seiner Latenight einen Hype machte. Vorher erfuhr man nur, dass auch Alfred Biolek öfter mal bei Aldi kauft (beim Bruder des Verstorbenen, Köln ist Aldi Süd ist Karl Albrecht), eine Nachricht, sensationeller als Bios späteres Outing. Wahren Aldianer sind die später dazu gestoßenen Trendkunden immer auf den Sack gegangen. Das waren die Typen, die heute irgendwas mit Social Media machen.

In Theos Läden kann ich blind einkaufen, ich kann einen Einkaufszettel schreiben, der sich exakt am Standort der Produkte in der Filiale orientiert. Bei den Shampoos muss ich nicht fünf Minuten überlegen. Ich muss nur entscheiden zwischen Antifett und Antischuppen. Die Produkte tragen bescheuerte Markennamen („Optiwisch“-Putzmittel), und sind designt, als habe der VEB Verpackungsgestaltung Zwickau nach der Wende endlich verbotene Rauschmittel entdeckt.

Das ist das eigentliche Geheimnis des Aldi-Erfolges: Es war ein Stück Osten im Westen. (Was ja auch für das Ruhrgebiet gilt.) Nicht nur die Ausstattung der Läden gleicht dem Interieur früherer HO-Läden der DDR. Die für kapitalistische Verhältnisse erschütternd kleine Auswahl, der landesweit einheitliche EVP (Endverbraucherpreis), die schlichte Warenpräsentation durch Aufeinanderstapeln zeugen von dieser Verwandtschaft. Als hätten die Albrecht-Brüder mehr Marx als Erhard geschmökert, wurde dem Warenfetisch hier keine Messe gelesen.

Einmal die Woche war der Albrecht Discount tiefste DDR. Mittwochs stapelten sich in den Verkaufsstellen die „Aldi aktuell“-Lieferungen im Mittelgang. Das waren Sachen, die niemand richtig brauchte, aber alle rafften und bunkerten, weil man nie wusste, wann man sie wieder bekommt. Kinderschuhe und Schraubenzieher, Waffeleisen und Unterhosen, Zeug halt, das anständige westliche Geschäfte ständig bereit halten. Das führte eine halbe Stunde vor der Öffnung zu langen Schlangen vorm Laden, in der sich nervöse Endverbraucher die Einkaufswagen in die Hacken schoben, nicht nur, wenn Robotron- pardon: Medionrechner erwartet wurden.

Das ist vorbei. „Aldi aktuell“ ist zwei Mal die Woche, wie schon lange im Südreich von Karl Albrecht oder, schlimmer noch, bei Lidl. Aldi ist entzaubert, jeder weiß, dass Schuhspanner und Sonnenbrillen Jahr für Jahr in der selben Kalenderwoche im Laden landen, dass die Sonderlieferungen, weil´s logistisch Sinn ergibt, erst in Spanien, dann in Holland, später im Aldi-Süd und dann vielleicht im Norden auftauchen. Schnickschnack kommt dazu, gefrorener Hummer, edel erscheinende Elektronik, Biofeinkost. Und montags wie donnerstags bleibt öfter mal was liegen von all dem. Das ist die Zeit. Die DDR ist nicht mehr, Aldi nicht mehr, was es mal war, Theo ist tot, und der Nachwuchs will gar mit der Presse reden.

Der Ruhrpilot

Debatte: Wenn Kultur zur Ware verkommt…Zeit

Debatte II: Jeder Spaß ist illegal…taz

Loveparade: Sauerland hat es seinen Gegnern zu leicht gemacht…Welt

Loveparade II: FDP will Sauerlands Abwahl beschleunigen…Zeit

NRW: Wird Nordrhein-Westfalen rauchfrei wie Bayern?…Pottblog

Ruhr2010: Weimarer und Essener feierten Kulturstadt-Jahr gemeinsam…Thüringer Allgemeine

Bochum: Goerdens Spielzeiten – dritter Anlauf klappte…Der Westen

Dortmund: Erste Zwischenfälle vor der Nazi-Demo…Ruhr Nachrichten

Dortmund II: Auffangnetz soll Envio-Opfern helfen…Der Westen

Duisburg: Stiftung fördert Uni-Forschung…RP Online

Gelsenkirchen: Raúl – Der Ferrari unter den Fußballern…Spiegel

Unis: Die überraschende Wiedergeburt des „Dipl.-Ing…Welt

Flattr: Die Rumänen-Gang 2.0…F!XMBR

Medien: iKIOSK von  Springer Verlag willGeld für iPad-Ausgaben von BILD,  Welt & Co…Pottblog

Loveparade: David Schraven sucht Fotos zur Aufklärung der Katastrophe

Am Drama der Loveparade haben viele mitgeschrieben

David Schraven war einer der Mitgründer der Ruhrbarone und ist immer noch ein enger Freund. Mittlerweile Recherchechef bei der WAZ hat er uns und andere Blogs, darunter Pottblog und Xtranews gebeten, ihm bei der Suche nach Fotos der Loveparade-Katastrophe zu unterstützen. Dem kommen wir natürlich gerne nach.

David geht es um die Rekonstruktion der Ereignisse in Duisburg am 24. Juli – dem Tag der Loveparade-Katastrophe. Die Fotos werden nicht veröffentlicht.

Derzeit schieben sich alle gegenseitig den schwarzen Peter in die Schuhe, sei es Polizei, Stadt oder der Veranstalter. Ich versuche der Wahrheit näher zu kommen.

Zunächst bin ich dafür natürlich auf die offiziellen Angaben angewiesen. Gleichzeitig bemühe ich mich um die Dokumente und Protokolle, die den Weg des Dramas nachzeichnen. Doch das alles reicht nicht.

David will herausbekommen wer verantwortlich ist für die Katastrophe ist:

Ich suche möglichst viele Fotos und Videos zur Loveparade, die von Teilnehmern der Parade aufgenommen worden sind. Anhand der Fotos und Videos will ich versuchen, ein möglichst lückenloses Bild der Parade
nachzuzeichnen. Vom Anfang bis zum Ende.

Damit ich sehen und berichten kann, wann und wo die offiziellen Darstellungen der Behörden und Veranstalter von den Erfahrungen der Leute auf der Straße abweichen.

Damit nachvollziehbar wird, wann, und wenn ja, welche Auflagen von den Loveparade-Machern gebrochen wurden? Wie viele Sicherheitsleute waren wo im Einsatz? Wie viele Erste-Hilfe-Plätze gab es?

Ich glaube wirklich, nur mit den Fotos und Videos der Teilnehmer der Love-Parade ist diese Aufgabe zu bewältigen. Nur mit Hilfe möglichst vieler Teilnehmer kann ein Wirklichkeitsnahes Lagebild gezeichnet werden.

David interessieren vor allem drei große Bereiche:
a) Die Situation auf dem Bahnhof und unmittelbar danach. Gab es auf dem
Zuweg zum Veranstaltungsort Hindernisse der Polizei, wann und wo standen
diese, wurden Barrieren errichtet, die den Zufluss regelten? Wurden
diese Barrieren durchbrochen oder geöffnet? Und wann genau geschah das
alles?
b) Die Situation vor den Tunneln. Was passierte hier wann genau? Wann
waren hier welche Hindernisse, Zäune oder Polizei- und Securityketten?
Wie und wann wurden diese überwunden, durchbrochen oder geräumt?
c) Die Lage in den Tunneln und direkt danach in dem Bereich der beiden
Rampen. Wann genau wurde die Polizeikette auf der Rampe gesprengt?
Wieviele Polizisten waren da genau im Einsatz? Wie und wann genau fiel
das letzte Zaun-Hindernis direkt an der kleinen Treppe?
David  würde sich  freuen, wenn unsere Leser ihm  Fotos schicken könnten.
Bitte jeweils mit folgenden Angaben: Namen und Rückrufnummer sowie mit
dem Ort und der Zeit, wann das Foto aufgenommen wurde.
David  braucht diese Fotos und Videos alleine zu Recherchezwecken, um den Skandal der Loveparade möglichst gut aufzuklären und wird die Fotos für keinen anderen Zweck einsetzen.
Rückfragen  unter 0172-5632699
Die Fotos können an: ***@******en.cc„>fo***@******en.cc geschickt werden.
Werbung


Pleitgen: Nur der „Schirmherr“ – oder mehr?

Fritz Pleitgen Foto: WDR

Welche Rolle spielte die Ruhr.2010 GmbH wirklich bei der Planung und Durchführung der Loveparade? Zehn Fragen an Fritz Pleitgen. Ein  offener Brief von Uwe Herzog und Stefan Laurin.

Sehr geehrter Herr Pleitgen,

bei der Loveparade in Duisburg starben 21 Menschen, mehr als 500 wurden zum Teil schwer verletzt. Viele Beobachter des Geschehens sind traumatisiert. Der Verlust geliebter Menschen, das seelische Leid und auch die materiellen Folgen für die betroffenen Eltern, Partner, Geschwister oder Kinder sind unermesslich schmerzvoll.

Sie selbst haben als Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH, unter deren Dach die Loveparade stattfand, sehr schnell die „moralische Verantwortung“ für das Geschehen übernommen.

Doch obwohl die Ruhr.2010 GmbH im Vorfeld offen als Schirmherr der Veranstaltung aufgetreten ist, lehnen Sie jede weitere Verantwortung für sich und Ihr Unternehmen strikt ab.

Das Unglück hat jedoch auch eine politische – und vor allem eine zivil- und strafrechtliche Relevanz.

Wer hat sich gegebenfalls strafbar gemacht und muss sich dafür vor Gericht verantworten? Wer kommt für den immensen Schaden der betroffenen Familien auf?

Auf diesem Hintergrund haben Sie in der Öffentlichkeit mehrere Statements abgegeben.

Darin haben Sie unter anderem behauptet, dass

–       Ihnen Sicherheitsbedenken im Vorfeld der Veranstaltung nie zu Ohren gekommen seien

–       Sie den Tunnel, der als einziger Ein- und Ausgang für die Besucher diente und später zur Todesfalle wurde, vor der Veranstaltung nicht gekannt hätten

und
–       weder Sie persönlich noch die RUHR.2010 GmbH jemals „finanziell oder organisatorisch“ an der Veranstaltung beteiligt gewesen seien.

Hierzu stellen sich mehrere Fragen, die im Rahmen einer seriösen Aufarbeitung auch Bestandteil der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sein sollten:

Fragen zu Sicherheitsbedenken im Vorfeld der Duisburger Loveparade

1. Die Diskussion um die allgemeine Sicherheit bei der Loveparade wurde seit geraumer Zeit geführt.

Bereits vor einem Jahr lehnte zum Beispiel Bochum die Ausrichtung der Veranstaltung ab, da die örtlichen Polizei- und Verwaltungsbehörden aufgrund der engen Bebauung der Stadt zu große Sicherheitsbedenken hatten.

Die Entscheidung der Stadt Bochum wurde seinerzeit breit in der Presse diskutiert.

Wie Sie wissen, sind Bochum und Duisburg in Hinblick auf die Bebauungsdichte sehr ähnlich strukturiert (Essen und Dortmund, wo die Loveparade ohne größere Zwischenfälle verlief, sind dagegen weitläufiger ausgelegt).

Haben Sie niemals von den Bochumer Bedenken erfahren?

Falls doch: Warum haben Sie diese Diskussion dann nicht als Warnung für eine solche Veranstaltung in Duisburg begriffen?
2. Das Thema „Sicherheit“ war im Vorfeld der Loveparade in Duisburg auch Bestandteil zahlreicher Besprechungen und Korrespondenzen zwischen den Verantwortlichen.

Sie selbst haben eingeräumt, sich an Diskussionen der verantwortlichen Stellen beteiligt zu haben. Dabei sei es jedoch stets nur um die Finanzierung gegangen.

Um welche Gespräche bzw. Korrespondenzen handelte es sich dabei? Wer war jeweils anwesend oder einbezogen? Was genau war der Inhalt Ihrer Kommunikation mit den übrigen Beteiligten?

3. Wie erklären Sie sich, dass Sie selbst nie etwas von den geäußerten Sicherheitsbedenken erfahren haben (wollen), andere Beteiligte aber sehr wohl davon erfuhren?

So war im Kreis der übrigen Beteiligten u.a. weithin bekannt, dass

– der Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin bereits Monate vor der Veranstaltung massive Sicherheitsbedenken geäußert hatte (der Duisburger CDU-Vorsitzende Mahlberg forderte daraufhin öffentlich die Ablösung von Cebin, der im Frühjahr 2010 regulär in Ruhestand ging, dessen Stelle aber seltsamerweise vor der Loveparade nicht neu besetzt wurde)

– auch der Vorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, diese Bedenken (nicht zuletzt aufgrund seiner guten Kenntnis von Duisburg) teilte

– mehrere verantwortliche Mitarbeiter der Stadtverwaltung Duisburg wie z.B. die frühere Leiterin des Bauordnungsamtes oder der Baudezernatsleiter Jürgen Dressler die Genehmigung aus Sicherheitsgründen in Frage stellten oder ganz verweigerten (was teilweise zu Versetzungen der kritischen Stimmen im Rathaus führte)

Sie selbst wollen auch von diesen Vorgängen nie etwas gehört haben?

Gilt dies auch für die übrigen Mitglieder der Geschäfts- und Programmleitung sowie die weiteren Mitarbeiter der Ruhr.2010 GmbH?

4. Ihr Unternehmen betreibt nach unserer Kenntnis eine Art „Evaluation“, also eine Erfolgskontrolle sämtlicher Aktivitäten der RUHR.2010 GmbH. Dazu gehört auch eine regelmäßige Presse- und Internetschau (einige Ergebnisse dieser Auswertungen finden sich z.B. in der umfangreichen und stets aktuellen Zitate-Sammlung auf Ihrer Website www.ruhr2010.de ).
Wie konnten Ihnen und den übrigen Mitarbeitern der RUHR.2010 GmbH dennoch die zahlreichen Hinweise und Warnungen entgangen sein, die im Vorfeld der Duisburger Loveparade insbesondere im Internet veröffentlicht wurden?

Fragen zur Kenntnis über die Beschaffenheit des Unglücksortes

5. Der Tunnel an der Karl-Lehr-Straße, der in Duisburg zur Todesfalle wurde, liegt relativ zentral in unmittelbarer Bahnhofsnähe.

Sie selbst sind in Duisburg geboren und haben die Stadt auch in späteren Jahren häufig besucht.

Eigentlich hätten Sie den Tunnel schon allein deshalb kennen können. Warum war das nicht der Fall?

6. Ist in keinem einzigen Gespräch und auch keiner Korrespondenz zwischen der RUHR.2010 GmbH und den übrigen Beteiligten (z.B. Lopavent GmbH, Duisburger Rathaus, Duisburger Marketingesellschaft, Medienpartner WDR und „Bild“, Staatskanzlei, Ministerien usw.) jemals der Begriff „Tunnel“ gefallen, als es um die Vorbereitung der Loveparade in Duisburg ging?

7. Ist es nicht üblich, als Mitveranstalter oder auch als Schirmherr Veranstaltungsorte zu derart großen Events zuvor in Augenschein zu nehmen?

Haben dennoch weder Sie selbst noch einer Ihrer Kollegen aus der Geschäfts- und Programmleitung noch einer der zahlreichen weiteren Mitarbeiter der RUHR.2010 GmbH jemals vor dem 24.07.2010 das Veranstaltungsgelände persönlich in Augenschein genommen und der Geschäftsleitung darüber berichtet?

8. Auf der Website der Ruhr.2010 GmbH wurde im Vorfeld der Loveparade unter www.ruhr2010.de ausführlich auf die Veranstaltung hingewiesen und dafür geworben.

Zu diesem von Ihnen verantworteten Informationsangebot gehörte u.a. auch eine Skizze des Veranstaltungsgeländes sowie ein vergrößerter Auszug aus dem Duisburger Stadtplan.

Darauf ist deutlich zu erkennen, dass nur ein einziger Zugang und zugleich Ausgang zum und vom Gelände vorgesehen war – nämlich der besagte Tunnel.

Waren Ihnen die hierzu eigens angefertigte Skizze und der Stadtplan bekannt?

Waren Skizze und Stadtplan (auch) anderen Mitglieder der Geschäfts- und Programmleitung oder anderen Mitarbeitern der RUHR.2010 GmbH bekannt?

Falls ja: Welche Schlüsse wurden bei der RUHR.2010 GmbH daraus gezogen?

Falls nein: Wie kamen Skizze und Stadtplan dann auf Ihre Website?

Fragen zur organisatorischen bzw. finanziellen Beteiligung der Ruhr.2010 GmbH an der Duisburger Loveparade


9.
Welche Gespräche oder Korrespondenzen wurden zwischen der Ruhr.2010 GmbH und den übrigen beteiligten Stellen (s. Frage 6) zu den Vermarktungsrechten an diesem Mega-Event geführt und welchen Inhalts waren diese?

10. Unmittelbar nach Ihrer Berufung zum Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH haben Sie in einem Zeitungsinterview angekündigt, dass Sie Ihren Einfluss als Präsident der Europäischen Rundfunkunion bei der medialen Vermarktung der Veranstaltungen Ihres Unternehmens „wirkungsvoll einsetzen“ wollen.

In welcher Form haben Sie die engen Kontakte zu anderen europäischen TV-Sendern, die sie als Präsident der EBU in der Zeit von 2006 bis 2008 geknüpft haben, im Zusammenhang mit der Loveparade genutzt? Welche Unternehmen, TV-Sender, Institutionen oder Personen haben von der regionalen, nationalen und internationalen Lizenzierung von TV-Rechten profitiert oder sollten davon profitieren – und in welchem Umfang?

Soweit unsere Fragen.

Dieser offene Brief erhebt angesichts der zahlreichen aufklärungsbedürftigen Ungereimtheiten zu der Tragödie von Duisburg keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hier gilt es, noch Vieles andere aufzuarbeiten und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Zunächst dürfen Betroffene wie Beobachter des Geschehens jedoch Ihre persönliche Antwort als Schirmherr der Veranstaltung auf die oben gestellten Fragen erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Laurin (Bochum) / Uwe Herzog (Köln)
*) Laut einem Pressebericht haben Sie zwischenzeitlich nach dem Unglück bestritten, dass die Ruhr.2010 GmbH jemals die Schirmherrschaft für die Loveparade in Duisburg innegehabt hätte. Ihr Unternehmen habe lediglich sein „Logo gegeben“.

Dazu die Definition des Begriffs „Schirmherrschaft“ aus Wikipedia (stellvertretend für ähnlich lautende Definitionen in anderen Lexika):

„Als Schirmherr / Schirmherrin oder (in der Schweiz) Patron, gelegentlich auch Protektor, wird eine (meist prominente) Persönlichkeit oder eine Organisation bezeichnet, die mit ihrem Namen eine Veranstaltung oder eine gemeinnützige Organisation unterstützt.“ Zum Beispiel mit einem Logo, einem Websiteauftritt u.s.w.

Sauerland: Die Abwahl-Erklärung oder: Der beste Weg zur Pensionssicherung

adolf_sauerland
Adolf Sauerland

Es geht um Geld. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat gerade erklärt, dass er nicht zurücktreten will. Er setzt auf das Abwahlverfahren des Rates. Für ihn der lukrativste Weg.

Nach der Sommerpause könnte es losgehen. Spätestens. Der Rat muss mit einer einfachen Mehrheit einen Antrag auf Abwahl des Oberbürgermeistern annehmen. Dann muss über diesen Antrag abgestimmt werden. Wenn 2/3 der Ratsmitglieder der Abwahl zustimmen, kann der Rat das Abwahlverfahren einleiten. Abwählen können Sauerland nur die Duisburger Bürger. Aber soweit muss es nicht kommen. Wenn der Rat mit 2/3 der Stimmen für die Einleitung des Abwahlverfahrens gestimmt hat, kann Sauerland auf die Abstimmung durch die Bürger verzichten. Er gilt dann als abgewählt und verliert nicht seine Pensionsansprüche. Und wird weiterhin ein gutes Gehalt bekommen. Ob die Parteien in Duisburg den Weg mitgehen werden ist allerdings fraglich: FDP, Linkspartei und SPD fordern Sauerlands Rücktritt und auch in seiner Partei hat  Sauerland keine Freunde mehr.

Hier nun Sauerlands Erklärung:

„Die Katastrophe bei der Loveparade hat bei allen Beteiligten viele Fragen aufgeworfen. Neben den Fragen zur Ursache steht die zentrale Frage nach der Verantwortung im Raum.

Die Veranstaltung hat vielen Menschen unermesslichen Schmerz zugefügt. Am Entsetzlichsten leiden die Familien und Freunde der Opfer. Sie haben einen unwiederbringlichen Verlust erlitten. Ihr Schmerz ist grenzenlos. Ich trauere mit ihnen.

Der Ablauf der Loveparade, die vielen Toten und Verletzten mitten in unserer Stadt haben auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und mich selbst in einen tiefen Schock versetzt. Wenn ich deswegen in den letzten Tagen Fehler gemacht habe, bitte ich mir das zu verzeihen. Dieses Unglück wird auch mich mein Leben lang nicht mehr los lassen.

Für mich steht fest: Ich werde mich meiner Verantwortung uneingeschränkt stellen – der persönlichen wie der politischen. Beides hängt allerdings zusammen. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich erst Klarheit über eine etwaige tatsächliche Verantwortung der Stadtverwaltung haben muss, bevor ich die politische Verantwortung dafür übernehme. Um dies zu klären, habe ich verwaltungsintern eine Untersuchungsgruppe eingesetzt, die den gesamten Sachverhalt im Verantwortungsbereich der Stadt aufklärt. Ein erster schriftlicher Zwischenbericht wird dem Innenausschuss des Landtags zur Sondersitzung am Mittwoch zur Verfügung gestellt werden. Geprüft wird auch mit Unterstützung externer Experten, ob und gegebenenfalls auch inwieweit in der Stadtverwaltung Fehler gemacht wurden und ob Erkenntnisse vorliegen, dass Dritte gegen Genehmigungsvorgaben der Stadt verstoßen haben. Meine Verwaltung und ich werden an dieser Aufklärung mit aller Kraft mitwirken. Selbstverständlich werde ich mich – wie bereits von mir angekündigt – einem gemäß der Gemeindeordnung für das Land NRW vorgesehenen Abwahlverfahren stellen.

Ich persönlich wünsche mir zusätzlich nach der Innenausschusssitzung am Mittwoch die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Landtags NRW. Dieses schärfste parlamentarische Instrument zur Aufklärung von Abläufen und Verantwortlichkeiten sollte unverzüglich seine öffentliche Arbeit aufnehmen.“

WATTENSCHEID IST UNSER LEBEN

Wir sind Wattenscheider Jungs! Geboren, aufgewachsen und geformt in dieser kleinen Weltstadt mitten im Pott. Eine harte Schule zwischen Ghetto und Einöde, zwischen Prolldisco und Straßenkampf, zwischen Fußball und Langeweile. Die SG Wattenscheid 09 hat unsere Jugend bestimmt. Mit ihrem Abstieg aus der ersten Bundesliga verebbte unsere Liebe für das runde Leder. Fußball-Legasthenie war die Folge. Kein Interesse, kein Antrieb, keine Kultur. Jetzt sind wir zurück zu den Wurzeln, auf dem Rasen, der die Welt bedeutet – beim Auswärtsspiel der Wattenscheider Kicker in der NRW-Liga. Ein Erlebnisbericht von Herrn Schlange und Herrn Joswig.

Continue Reading