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Pommes oder Pommery, Sushi oder Sekt?

Pommes Foto: Wikipedia

„Bionade-Bohemiens“ und „Lattemacchiatisierung“ stehen in Gerd Herholz’ Artikel für Gentrifizierung. „Bionade“? „Latte Macchiato“? Gibt’s hier nicht. Unser Gastautor Andreas Lichte unterwegs in Berlin-Wilmersdorf. 

„Eine doppelte Portion Pommes, bitte.“

„Zum Hier-Essen?“

„Für unterwegs. Und noch eine Portion Majo – eine reicht.“

Am Bistro-Tisch unter dem Regen-Bretter-Vorbau sitzen zwei Männer: Er, Prolet, um die fünfzig. Er, unter dreissig, soziale Herkunft unbestimmt. Er und er haben wohl vor der „doppelten Pommes“ mit der Bedienung gesprochen … sie:

„Ich habe meinen Geburtstag vergessen!“

„Wann hast du denn Geburtstag?“

„Am 7. Juni.“

„Welches Sternzeichen ist das? Krebs?“

„Nein – Zwillinge. Ich hab ganz normal im Garten geschuftet. Und da kommt meine Freundin und fragt: »Weisst du, was heute für ein Tag ist?« »Nein, keine Ahnung, was für ein Tag soll sein?« Ich hab ja ganz normal geackert, wie immer … und da sagt sie: »Heute ist dein Geburtstag!«“

„Wann ist denn Krebs?“

„Woher soll ich das denn wissen – wenn ich meinen Geburtstag vergesse! Und dann hat meine Freundin telefoniert, Freunde angerufen, meine Söhne, die waren ja noch alle auf der Baustelle. Die haben dann Getränke besorgt, Bier, Sekt – Alkoholisches – und sogar einen Blumenstrauss von der Tankstelle gebracht – da habe ich geheult … und gesungen haben sie, für mich.“

„Krebs ist im Juli, wann genau?“

„Keine Ahnung. Kommt mein Sohn und fragt mich: »Weisst du, wann du Geburtstag hast?« Ich sage: »Nächsten Monat.« Hab gar nicht gemerkt, dass schon Juni ist … und jetzt kommen sie immer und fragen: »Weisst du, wie viele Tage es noch sind? – 5 –, – 4 –, – 3 –«“

„Krebs …“

„Hör mal – ich hab am 7. Juni Geburtstag! Meine Söhne sind ja jetzt schon gross, aber vergess ich nicht, die kamen ja hier raus – unter Schmerzen.“

„Das ist ja eine dreifache Pommes!“

(und die Majo ist eine doppelte Portion)

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3 Kommentare zu “Pommes oder Pommery, Sushi oder Sekt?

  • #1
    Gerd Herholz

    Lieber Andreas,
    da antworte ich auf deine schöne Geschichte doch mal mit einem kleinen Text von Michael Klaus, der in GE-Buer lebte (habe ihn schön öfters hier erwähnt). Bitte sein ganzes Buch „Wie ich meine ersten drei Frauen verlor“ aus dem Pendragon Verlag Bielefeld anschauen oder gesammelte Texte von Michael beim Asso Verlag Oberhausen unter „… in die weite Welt hinein“.

    „Josè

    Mein Gelsenkirchener Lieblingsspanier ist schon so lange in Deutschland, dass er sich für zweisprachig hält. Andere meinen, er spräche spanisch nicht mehr und Deutsch noch nicht. Was er zu essen anbietet, schreibt er mit Kreide auf eine vor dem Lokal hängende Tafel. Diesmal stand da ein Wort, das ich nicht lesen, nur buchstabieren konnte: Ein großes S, vier kleine e hintereinander, dann ein kleines h und ein kleines t.
    Seeeeht.
    Ich trennte versuchsweise das Wort See ab, und es blieben zwei e, ein h, ein t. Dann erinnerte ich mich, dass José das H wie ein Ce Ha sprach CH: See eecht. Dazu nahm ich Josés Liebe zu Fischgerichten und las Seehecht.
    Cherrlich! sagte José. Meinte aber nicht meinen Scharfsinn, sondern seinen Fisch.“

  • #2
  • #3

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