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Promi-Falle ‚Social Media‘: Wer aus seinen Fehlern nicht lernt, der verspielt jedes Verständnis

Ex-BVB-Profi Ilkay Gündogan steht einmal wieder in der Diskussion. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Man mag es eigentlich gar nicht so recht glauben, aber der Deutsche Fußball hat tatsächlich eine weitere Debatte über vermeintliches Fehlverhalten einiger seiner Repräsentanten in den Sozialen Medien zu verzeichnen.

Einmal mehr ist der Ex-Dortmunder Ilkay Gündogan daran beteiligt. Was ist passiert? Weil sie bei Instagram kurzzeitig ein Bild likten, auf dem türkische Nationalspieler salutieren, haben Gündogan und Emre Can für viel Wirbel gesorgt.

Die laufende türkische Militäroffensive in Nordsyrien wird international scharf kritisiert. Die beiden DFB-Auswahl-Spieler jedoch likten bei Instagram ausgerechnet in diesen Zeiten ein von Cenk Tosun verbreitetes Foto, auf dem zu sehen ist, wie dieser und andere türkische Nationalspieler beim 1:0-Sieg gegen Albanien beim Jubeln salutieren.

Der dazu eingestellte Begleittext lautete übersetzt: „Für unsere Nation, vor allem für jene, die für unser Land ihr Leben riskieren“.

Nachdem der Vorgang rund um das Länderspiel des DFB in Tallin gegen Estland am Sonntagabend (Endergebnis 3:0 für die DFB-Auswahl) viel Staub aufwirbelte, haben die beiden Fußballer ihre Zustimmung zu diesem Beitrag auf Instagram inzwischen wieder zurückgenommen.

„Ich habe den Like zurückgenommen, als ich gesehen habe, dass es politisch gewertet wurde“, sagte Gündogan.“ Cam äußerte sich im Kern ähnlich.

„Glauben Sie mir: Nach den Ereignissen vom letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen. Ich habe den Like bewusst zurückgenommen. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB-U-21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat“, ergänzte Wiederholungstäter Gündogan.

Zur Erinnerung: Erst rund um die Weltmeisterschaft 2018 in Russland war Gündogan, zusammen mit seinem damaligen Nationalmannschaftskollegen Mesut Özil über Wochen in eine emotionale Debatte verwickelt, da die beiden sich gemeinsam auf einem Foto mit dem Türkischen Präsidenten Erdogan hatten ablichten lassen, dass als Propaganda für Erdogan interpretiert wurde.

Wie auch schon im Sommer der vergangenen Jahres will der DFB jetzt das Gespräch mit den in die Kritik geratenen Kickern suchen,

Nun gut. Sicherlich kann einem ein unbedachtes ‚Like‘ schon einmal rausrutschen. Das dürfte auch den Meisten hier in der Vergangenheit wohl schon einmal passiert sein. Doch sind prominente Profisportler da eben eindeutig in einer Vorbildrolle, werden rund um die Uhr genau beäugt.  Und die Naivität mit der einige Herrschaften im Bereich ‚Social Media‘ unterwegs zu sein scheinen, die ist schon bedenklich.

Denn Gündogan und Can sind mit ihrer Aktion durchaus in prominenter Gesellschaft. Neben Özil ist auch Ex-BVB-Profi Nuri Sahin schon in eine ganz ähnliche Debatte verwickelt gewesen. Wenn seine Aktion auch nicht so große Wellen verursachte, wie ähnliche Vorgänge in der jüngeren Vergangenheit.

Längst sind diese unschönen Aktionen auch nicht auf den Fußball und/oder türkischstämmige Sportler in Deutschland beschränkt.

Eishockeynationaltorwart Thomas Greiss sorgte im Umfeld der Weltmeisterschaft 2017 in Köln für Negativschlagzeilen hierzulande, als er sich, ebenfalls im sozialen Netzwerk Instagram, als ein Anhänger von US-Präsident Donald Trump und Gegner der früheren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu erkennen gab.

Nun ist es sicherlich nicht verwerflich sich als Trump-Fan zu outen, wenn auch das alleine für einen in den USA lebenden Spitzensportler aus Deutschland schon ungewöhnlich sein mag. Doch Greiss hatte seinerzeit sein ‚Like‘ ausgerechnet unter einen Vergleich von Clinton mit Adolf Hitler gesetzt.

Um sich vorzustellen, dass das gerade auch in seiner Heimat Deutschland unmittelbar vor dem Beginn der Heim-WM nicht folgenlos bleiben kann, bedarf es eigentlich nicht so viel Fantasie. „Grundsätzlich ist Hitler ein No-Go, das ist ganz klar. Es gibt Dinge, die gehen in Deutschland nicht“, sagte damals der entsetzte DEB-Vizepräsident Marc Hindelang.

Schon diese wenigen Beispiele aus der Sportwelt der vergangenen zwei Jahre zeigen, wie kompliziert der Umgang mit den Sozialen Netzwerken inzwischen geworden ist.

Einerseits wünschen sich alle Fans Sportstars zum Anfassen, die auf Social Media auch Privates durchschimmern lassen. Antworten sie jedoch allzu ehrlich oder unbedacht, wird es andererseits sehr schnell kritisch.

Dass einem Aktiven das einmal passiert mag menschlich, oder auch einer gewissen Naivität geschuldet sein. Passiert es jedoch wiederholt, wie jetzt bei Gündogan, dann zieht die ‚Ausrede‘ nach dem Motto ‚Das war mir gar nicht klar‘ irgendwann nicht mehr und das Verständnis der Gesellschaft schrumpft dramatisch. Und das völlig zu Recht!

 

 

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4 Kommentare zu “Promi-Falle ‚Social Media‘: Wer aus seinen Fehlern nicht lernt, der verspielt jedes Verständnis

  • #1
    Klaus Lohmann

    Was mir so richtig kotzsauer aufstößt, ist diese Unverfrorenheit, mit der uns zum einen Ilkay diese "irgendein Foto, da ist doch nix dabei"-Story verkaufen und die Arroganz, mit der uns der DFB weismachen will, dass nach all den vergangenen Diskussionen dort noch irgendjemand "unpolitisch" sein könne. Das ist zielgerichtete Verarschung pur.

  • #2
    bob hope

    St. Pauli hat Cenk Sahin nach dem militärischen Gruß übrigens freigestellt. Respekt, der einzige Verein, der klare Kante zeigt. Der Rest eiert rum. Ganz schlimm Fortuna Düsseldorf: „Wir kennen Kaan Ayhan und Kenan Karaman seit langer Zeit“, ließ Sportvorstand Lutz Pfannenstiel mitteilen, „wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben. Beide Spieler stehen für die Werte, die unser Verein lebt.“ Peinlich und verlogen. Ehrlicher wäre gewesen: Beides sind Leistungsträger und wir können nicht auf sie verzichten.

    Ich hätte als Fan meines Vereins jedenfalls keine Lust, Spielern zu applaudieren, die einen verbrecherischen Krieg zumindest symbolisch unterstützen.

  • #3
    Gerhard Otto

    <blockquote> … und die Arroganz, mit der uns der DFB weismachen will, dass nach all den vergangenen Diskussionen dort noch irgendjemand "unpolitisch" sein könne. </blockquote>

    Oliver Bierhoff in Welt Online 14.10.2019 (und ähnlich anderswo):
    https://www.welt.de/sport/fussball/article201852150/Nationalmannschaft-Loew-und-Bierhoff-stellen-sich-vor-Guendogan-und-Can.html
    <blockquote>(…) Und Bierhoff sagte zum Umgang der Spieler mit den sozialen Medien: „Es ist mittlerweile auch für sie schwer, das einzuschätzen. Es gibt viele Spieler auf der Welt, die das geliket haben. Dann kann man ja nicht allen unterstellen, dass sie für Krieg und Terror sind.“</blockquote>

    Sorry, wo leben diese Herrschaften eigentlich. Der DFB baut aktuell ein neues Ausbildungszentrum. Hoffentlich werden dort auch Seminare in Politischer Bildung, Sozialwissenschaft etc. als Pflichtfächer installiert.

    Und ja, "Nach Instagram-Post: St. Pauli stellt Sahin frei"
    https://www.ndr.de/sport/fussball/Nach-Instagram-Post-St-Pauli-stellt-Sahin-frei,sahin128.html

    Man muss Olli Kahn nicht mögen, aber wo er recht hat, hat er recht:
    "Eier, wir brauchen Eier!"

  • #4

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