Ruhrbarone-Autoren zum anstehenden Brexit

London verabschiedet sich aus der EU. Und was denken wir? Foto: Robin Patzwaldt

Es dauert nicht mehr lange! Am morgigen Freitag tritt Großbritannien aus der Europäischen Union aus. Mit dem Austritt findet die uns in den vergangenen Wochen, Monaten und sogar Jahre beschäftigende Brexit-Saga, die einst mit einem Referendum am 23. Juni 2016 ihren Anfang nahm, ein vorläufiges Ende. Grund genug für uns einmal die Ruhrbarone-Autoren zu befragen, was sie darüber denken, mit welchen Überlegungen sie die Briten aus der EU verabschieden, was sie ihnen zum Abschied noch mitgeben möchten. Hier das Ergebnis:

Peter Hesse: Im Jahr 1973 sind die Briten der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten. Aber England war nie so richtig überzeugt für das europäische Projekt, sie hatten immer einen Sonderstatus. Ab 2008 rutschten die Probleme in der Eurozone immer mehr ins öffentliche Bewusstsein und auch die Flüchtlingskrise hat für zu viel Gegenwind gesorgt. Die großen britischen Parteien hatten nicht die richtigen Antworten parat, um die vielschichtige Komplexität zu entwirren. Zudem ist der Brexit ist nicht nur die Sache von rechten Hardlinern, er hat auch viele Anhänger im linken Spektrum. Cpt. Sensible von The Damned brachte das in einem Interview gut auf den Punkt: „Die politische Klasse hat zu oft unsere Hoffnungen zerstreut.“ Die Brexit-Befürworter haben gebetsmühlenartig gegen die Regulierungen durch Brüssel, die das Wachstum behindern, argumentiert. Ohne die EU, so das Argument, könnte das United Kingdom auf eine rein liberale Wirtschaftspolitik umschwenken. Allerdings dürften die Pro-Brexiter noch nicht wissen, welche unzähligen Konsequenzen da noch auf den Tisch flattern. Es wird für die 27 europäischen Länder nicht einfacher werden. Und wenn zukünftig die Achse Deutschland-Frankreich nicht konsequenter funktioniert, dann wird recht wenig in der EU auf den Weg gebracht werden.

Roland W. Waniek: Brexit ist ein Fehler von historischer Dimension. Nicht nur für Großbritannien, sondern auch für die EU und für uns Deutsche. Vor allem die langfristigen, geostrategischen Auswirkungen machen mir Sorgen. Kurzfristig wird es Reibungsverluste im Reise- und Warenverkehr geben, die sich aber in Grenzen halten werden. Auch werden die wirtschaftlichen Konsequenzen für Großbritannien nicht so dramatisch ausfallen wie von manchen befürchtet – dafür ist die britische Wirtschaft zu dynamisch und lebhaft. Das Kernproblem des Brexit ist vielmehr, dass mit ihm ein weiterer Keil in den Westen, in die Nachkriegsordnung getrieben wird. Europa und der Westen werden geschwächt, China und vor allem Putins Russland profitieren davon. Wirtschaftliche, politische und militärische Gleichgewichte verschieben sich noch stärker als ohne Brexit. Wir werden diesen 31. Januar 2020 noch lange verwünschen. Brexit ist ein Fehler epochalen Ausmaßes.

Mario Thurnes: England ist die Wiege der modernen Demokratie. 1215 haben die Engländer schon früh mit der Magna Charta die Rechte des Monarchen beschnitten, ein System der Checks-and-Balances und damit die Volksherrschaft auf ihren langen Weg gebracht – auf ihren sehr langen Weg.

Geschichte verläuft nicht linear, sondern in Wellen. Über 800 Jahre hat die Demokratie ihren Siegeszug verfolgt. Doch eben mit Unterbrechungen. Auf diesem Weg lagen Pest, Absolutismus, Nationalsozialismus, Weltkriege und Kommunismus. Wenn man denn unbedingt von einem „Fliegenschiss in der Geschichte“ sprechen will, dann ist das der Brexit.

Die Geschichte der britischen Insel und des europäischen Festlands war immer ein Wechsel von Annäherung und Distanz. Nun ist es halt erst einmal wieder mehr Distanz. Unerfreulich. Aber letztlich nur eine Welle in der Geschichte.

Überreaktionen sind immer verkehrt. Feindseligkeit gegenüber dem Vereinigten Königreich grundverkehrt. Wer jetzt England für den Sündenfall Brexit bestrafen und wirtschaftlich auf Distanz gehen will, der handelt ichbezogen, kurzsichtig und schlicht dumm. In einer Welt, in der eine Diktatur eine Demokratie als weltweite Führungsmacht ablöst, brauchen wir jeden demokratischen Verbündeten. Auch wenn es einem gegen den eigenen Stolz und die eigene Befindlichkeit geht: Wir brauchen jetzt den Schulterschluss mit dem Vereinigten Königreich.

Die Briten waren immer ein Vorbild in Sachen Mäßigung. Checks and Balances. Nach innen wie nach außen. Die Dinge kontrollieren, ohne sie je beherrschen zu können. Diese Mäßigung sollten wir jetzt auch üben.

EU und Vereintes Königreich. Das ist wie ein geschiedenes Paar mit Kindern. Klar. Wir können uns angiften, bekämpfen und dem anderen das Leben schwer machen. Lust hätte man drauf. Doch wenn man an die Kinder denkt, ist es besser, höflich zu bleiben. Vernünftig. Zielorientiert. Und bloß nicht dran denken, wer jetzt mit wem ins Bett geht.

Robin Patzwaldt: Um ganz ehrlich zu sein, ich bin in der Sache hin und hergerissen. Einerseits ist es natürlich schade, wenn die Briten jetzt die EU verlassen. Andererseits gingen mir nicht nur die langen und zähen Monate ihres Austritts zuletzt mächtig auf den Keks. Da bin ich jetzt echt froh, dass das zumindest erst einmal offiziell wird. Die Herrschaften von der Insel waren ja eh immer schon etwas speziell.

Als ich zum Beispiel Ende der 1980er-Jahre eine Ausbildung zum freiwilligen Feuerwehrmann machte, da wurde mir beigebracht, dass vieles an der Ausrüstung in Europa längst vereinheitlicht sei, nur in Großbritannien, da hätten bei vielen Details noch immer seine eigenen Normen.

Bei meinen London-Reisen konnte ich in den vergangenen Jahren zudem nicht davon profitieren, dass die Briten in der EU waren. Auch bei dem Wunsch nach einer einheitlichen Währung sind sie ausgeschert, haben lieber ihr Pfund behalten.

Diese kleinen Beispiele zeigen schon, dass die Herrschaften sich wohl leider nie wirklich auf den Gedanken eines gemeinsamen Auftretens in der gesamten EU einlassen wollten. Wenn sie dann jetzt gehen, dann erscheint mir das auf vielen Ebenen am Ende auch nur konsequent.

Stefan Laurin: Eine Europäische Union ohne Großbritannien wird eine ärmere, dümmere und weltweit unwichtigere Europäische Union sein.

Der große Verlierer des Brexit heißt EU, nicht Großbritannien. Mit GB verlässt ein wirtschaftlicher und – zumindest nach europäischen Maßstäben – militärischer Riese die Union.

Nun findet sich in den Grenzen der EU keine europäische Spitzenuni mehr. Die einzigen vier, die es in die globalen Top Ten schafften waren Oxford, Cambridge, die ETH Zürich und das University College London. Europa und Deutschland mögen sich als moralische Führer der Welt sehen, wirtschaftlich und wissenschaftlich wird es weiter abgehängt werden. Und das will man ja auch so, sonst würde man in Wissenschaft und Wirtschaft investieren und nicht in Green-New-Deals die klingen, als habe sie sich ein Haufen bekiffter Kulturwissenschaftler in einem Fachschaftsraum der Humboldt-Universität Berlin ausgedacht.

Der Verlierer heißt Europa. Der  grandioseste Staat  den dieser Kontinent seit dem Ende des demokratischen Athens  hervorgebracht hat, hat die Union verlassen. Es zerreist einem das Herz.

Sebastian Bartoschek:

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16 Kommentare

  1. #1 | Josef König sagt am 30. Januar 2020 um 14:45 Uhr

    Danke allerseits. Der Brexit ist längst mental vollzogen gewesen, es fehlte nur noch der offizielle bürokratische Akt, der nun geschehen ist. Die m.E. wichtige Frage, die leider keiner der Autoren stellt, ist die nach den Folgen für den Zusammenhalt oder das Auseinanderfallen der EU. Dass dir Briten immer halbherzig dabei waren, wissen wir. Aber wie geht es weiter mit den anderen problematischen Ländern und wir sich die EU als Lehre aus dem Brexit zusammenreißen und „neu“ aufstellen, oder gewinnen auf Dauer die Zentrifugalkräfte die Oberhand. Aus meiner Sicht ist die EU (wie die NATO) aus dem besoffenen Gefühl, man habe den „Eisernen Vorhang“ besiegt, zu schnell in alle Richtungen Ostens gewachsen, ohne tatsächlich, dass die neuen Mitglieder integriert werden konnten noch dazu schon soweit waren.

  2. #2 | Arnold Voss sagt am 30. Januar 2020 um 14:59 Uhr

    Wer nur Wasser als Außengrenze hat, kann nun mal weiter voraus schauen. Außer es ist nebelig. Und in den kommenden Jahren wird es eine Menge Nebel in und um England geben. Deswegen singt Kapitän Johnsson auch so laut sein Lied der Zuver-Sicht, und der größte Teil seiner Mannschaft hört verzückt zu oder brüllt lauthals mit. Aber wie lange noch? Ich wünsche den Engländern trotzdem, oder gerade deswegen, das Allerbeste für die weitere Zukunft.

  3. #3 | Thomas Weigle sagt am 30. Januar 2020 um 16:09 Uhr

    Gott sei Dank ist es vorbei. Oder auch nicht. Um mit dem Großdenker Beckenbauer zu sprechen: "Schaun wir mal."

  4. #4 | Berthold Grabe sagt am 30. Januar 2020 um 19:07 Uhr

    Die Briten haben alles richtig gemacht, das werden wir in absehbarer Zeit zu spüren bekommen.
    Nicht die Briten sind gegangen, sondern die EU!
    Ich bin froh über den Brexit, denn er dürfte die letzte Chance für die EU sein, nicht in eine Volksdemokratie abzudriften. Zumindest Deutschland scheint da nicht mehr aufzuhalten zu sein.
    Die einzige Änderung gegenüber der DDR die bleiben wird, ist die privatwirtschaftliche Konzernwirtschaft, damit die Massen nicht abgehängt werden. Das aber wird sich als Trugschluss erweisen, weil Innovation nur selten aus Konzernen kommen. Schon heute sind wir weitgehend abgehängt und spielen bei den meisten Zukunfstechnologien nur eine Rolle unter ferner liefen.
    Frau Merkel kündigt an notfalls Leute zu ihrem Glück zu zwingen und Kompromisse einzugehen wenn Ökonomie oder Ökologie das erfordern.
    Was das bedeuten kann, muss sich jeder selbst ausmahlen.
    Gleichzeitig geht unauffällig eine Säuberung nach der anderen über das Land unter dem Deckmantel rechtsradikaler Verdächtigungen.
    Ob Europa überhaupt noch eine Chance hat sich behaupten zu können?
    Ich halte das für fast ausgeschlossen, denn das Fenster für diese Möglichkeit ist ungenutzt vorübergezogen zu Gunsten von lobbygesteuerten ideologischen Wolkenkuckucksheimen.
    Uns gehen die qualifizierten Arbeitskräfte aus, weil sie wegen schlechter Bezahlung auswandern und wegen schlechter Bildungspolitik zu wenig nachwachsen, bei gleichzeitig demographisch dramatischen Schwund an verfügbaren qualifizierten Arbeitskräften und massiver unqualifizierten Einwanderung.
    Die Briten haben sich gerade noch rechtzeitig abgekoppelt.
    Meine kindern empfehle ich auswandern so früh wie möglich bevor die es so Viele werden, das die Chance auf Aufnahme in den Zielländern zu stark sinkt.

  5. #5 | thomas weigle sagt am 30. Januar 2020 um 23:53 Uhr

    #4 Blöd wenn man sich durch sein Geschreibsel als rechtsradikaler Wirrkopf enttarnt, gelle? Da kann man schon mal ärgerlich werden. Und auf Gott, die Welt, die "Lügenmedien und Frau Merkel schimpfen. Apropos Volksdemokratie, eine große Mehrheit der Briten ist aber so was von unzufrieden mit der von der unseligen M.Th. privatisierten britischen Eisenbahn, dass sie eine Verstaatlichung wünscht. Gestern meldete ein Nachrichtensender, dass Johnson diesem Mehrheitswunsch nachkommen will.

  6. #6 | Thomas Weigle sagt am 31. Januar 2020 um 01:27 Uhr

    #4 Haben sie bei ihrer Suada nicht die Haupttäter vergessen, die hinter allem stecken, was für einen aufrechten Deutschen, wie sie es offenbar sind, unerträglich ist? Ihre geistigen Vorfahren waren da ehrlicher. Aber heute wird man ja sofort als Rechtsradikaler von den "Lügenmedien" gebrandmarkt, wenn man die Wahrheit sagt. Traurig, traurig.

  7. #7 | discipulussenecae sagt am 31. Januar 2020 um 14:00 Uhr

    @Stefan Laurin:

    "Der grandioseste Staat den dieser Kontinent seit dem Ende des demokratischen Athens hervorgebracht hat, hat die Union verlassen."

    Nun ja, da spielt bei Ihnen vielleicht ein wenig Geschichtsvergessenheit mit. Als wohlhabender gesunder Mann war das Leben im republikanischen Athen bestimmt sehr angenehm, das mag wohl sein. Aber hätten Sie dort als Sklave leben wollen?

    Ebenso ist das Leben eines britischen upper-class Bürgers, der mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund geboren wurde, wohl eher ziemlich entspannt. Glänzende Privatschulen und Universitäten, die mit hervorragendem Personal ausgestattet sind, eröffnen die besten Perspektiven – und für die Finanzierung sorgt problemlos Vatis wohlgefüllte Schatulle. Dasselbe gilt für die teure private Krankenversicherung, die schicke Wohnung in einem angesagten Londoner Viertel und den adäquaten Berufseinstieg in die Finanzindustrie. Aber möchten Sie als lower-class Bürger irgendwo in den völlig abgehängten ehemaligen Industriestädten Nordenglands leben?

    Darüberhinaus gibt es in GB kaum noch nennenswerte verarbeitende oder herstellende Industrien; die ausschließliche Fixierung auf den Geld- und Kapitalmarkt wird sich nach dem Brexit als einer der größten Fehler seit dem zweiten Weltkrieg erweisen, wenn die Banken notgedrungen auf den bösen Kontinent gezogen sind; da können die Populisten Johnson und Trump – die beide schon in der Wiege besagten Löffel lutschen konnten – noch so dreist ihre leeren Versprechen vom wirtschaftlichem Aufschwung in die Mikrofone lügen!

  8. #8 | Thomas Weigle sagt am 31. Januar 2020 um 15:13 Uhr

    @discipuluseneca Das ist so eine Eigenart von Herrn Laurin, dass er doch öfters einen sehr eingeschränkten Blickwinkel hat. So lobte er hier einst die Römer über den grünen Schellenkönig und vergaß dabei, dass das ach so zivilisierte Rom unzählige Kriege führte, dass die meisten Römer ziemlich elende Behausungen hatten und die Wirtschaft auf Sklavenarbeit aufgebaut war. Dass die Römer am Anfang der jüdischen Heimatlosigkeit standen, weil die Römer sie aus ihrer Heimat vertrieben hatten, war ihm auch keine Erwähnung wert bei seinem Lobgesang auf das zusammengeraubte Imperium.

  9. #9 | Günter sagt am 31. Januar 2020 um 17:28 Uhr

    Brexit – das heißt für mich Freiheit, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Ich wünsche den Briten alles Gute!

  10. #10 | Berthold Grabe sagt am 31. Januar 2020 um 17:52 Uhr

    @Thomas Weigle
    echt blöd wenn man sich als Vorurteilsbeladen erweist, weil ich mit Rechts wirklich nichts tun habe.
    Ich habe nur zitiert was Merkel selbst gesagt hat, und was das bedeuten kann. Und seit der Demissionierung des Verfassungschutzpräsidenten ist keinen Aussagen der Regierung zum Rechtsradikalismus mehr zu trauen, da wird nach Opportunität rechte Opposition mit Radikalismus in einen Topf geworfen.
    Sie dürfen gerne weiter Vertrauen haben, wie früher im Tal der Ahnungslosen.
    Aber in 10 Jahren werden die ersten Bundesländer ein Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahler von eins zu eins haben.
    Sie können das alles anders interpretieren, ich jedenfalls habe jedes Vertrauen verloren und empfinde die Regierung Merkel mittlerweile als die größte Bedrohung seit dem Krieg für Freiheit und Wohlstand. Und den Zug fürs gegensteuern weitgehend abgefahren.

  11. #11 | Joe sagt am 31. Januar 2020 um 23:54 Uhr

    Ich freue mich nicht über den Austritt, vertrete aber ebenfalls die Meinung, dass die Folgen für die EU wahrscheinlich schwerwiegender sind als für GB mittelfristig.
    Kurzfristig mag es anders sein, aber mittelfristig kann GB z.B umfangreiche Freihandelsabkommen mit USA und asiatischen Staaten abschließen, die in der EU niemals durchsetzbar gewesen wären.
    Die deutsche Exportwirtschaft (Autos,Maschinen, Stahl u.a.) wird dadurch in GB an Marktanteilen verlieren in ohnehin schwierigen Umbruchzeiten.
    Ganz zu schweigen von den Milliarden, die im EU-Haushalt fehlen werden!
    Und das ist nur die wirtschaftliche Seite der Medaille…

  12. #12 | Thomas Weigle sagt am 1. Februar 2020 um 10:40 Uhr

    Wenn der Brexit und die Folgen so toll sind, sollten sich die hiesigen Berexitbewunderer doch mal fragen, wieso dieser nur durch grandiose Lügen und Täuschungen im Vorfeld der Abstimmung 2016 zu Stande kam. Ehrlichkeit und Rationalität sind und waren jedenfalls nicht Sache der Trickbetrüger Johnson und Farange. Hinzu kamen Einmischungen von außen. Es gehört schon ein gerüttelt Maß an politischer Blindheit und Dummheit dazu, den Brexit so abzufeiern, wie es hier einige tun.
    Wie man Merkel, die nicht unbedingt mein Fall, angesichts der rechten Populisten Johnson und Trump als größte Gefahr für uns ansehen kann, ist für mich nicht nachvollziehbar.
    Die britische Oberschicht hat eher selten europäisch gedacht, die haben in Bezug auf Europa meist eher isolationistisch gedacht. Es zeigt sich immer mehr, dass der grundlegende Fehler 1973 passiert ist. Charles de Gaulle hat das immer gewusst und sich als franz. Präsident während seiner Amtszeit mit Erfolg die Aufnahme der Engländer in die EWG verhindert.
    Er hat dafür viel Ablehnung erfahren. Heute darf er sich bestätigt fühlen.

    Wem kommt eigentlich unbeschränkter Freihandel zugute?Doch eher denen die das Geld und die Macht haben. Umwelt, Arbeitnehmerrechte sowie fairer Handel mit den ehemals von Europa ausgebeuteten Kolonialstaaten werden davon nicht profitieren.
    Es bleibt zu hoffen, dass die EU sich in den anstehenden Verhandlungen von dem Abstimmungsbetrüger BJ nicht über den Tisch ziehen lässt. Viel Hoffnung habe ich da aber nicht.

  13. #13 | Joe sagt am 1. Februar 2020 um 14:56 Uhr

    @12 Thomas Weigle:
    Keine Ahnung wen Du meinst, ich jedenfalls habe ja geschrieben, dass ich mich nicht über den Brexit freue, ihn schon gar nicht „abfeiere“.
    Auch habe ich nicht geschrieben., dass es GB dadurch unbedingt besser gehen wird, ich habe nur geschrieben, dass m.E. entgegen der hier weit verbreiteten Meinung die negativen Folgen (insbesondere auch wirtschaftlich) für die EU mittelfristig schwerwiegender sein werden als für GB!

    Und Freihandel ist übrigens einer der Grundpfeiler der europäischen Idee und hat m.E. wesentlich zur friedlichen Entwicklung der EU in den letzten Jahrzenten beigetragen. Es ist auch wissenschaftlich ausreichend belegt, dass Freihandel zwischen Volkswirtschaften zu mehr Wohlstand auf beiden Seiten führt. Ob dieser Wohlstandsgewinn dann innerhalb der Gesellschaften gerecht verteilt wird, ist eine ganz andere Frage…
    Aber genau aus diesem Grund ist die Vorstellung total irre,GB jetzt einmal so richtig mit harten Handelsbarrieren zu bestrafen (Zöllen etc.), da das 1:1 auf uns als exportorientierte Nation zurückfällt und vermutlich für uns schwerwiegender wirkt als GB selber.

    PS:
    Eine viel schwerwiegendere Ursache für Dumpinglöhne und Ungerechtigkeit in GB war in den Augen der meisten Briten die Freizügigkeit von Arbeitnehmern in der EU (hier insbesondere Osteuropäer), und eben nicht der Freihandel.
    Und vor diesem unkontrollierten Zuzug sind die Briten ja jetzt geschützt.
    Hätte die EU hier vor dem Votum Zugeständnisse gemacht (ZB feste Zuzugsquoten, die nicht überschritten werden dürfen), wäre GB jetzt wahrscheinlich noch in der EU!

  14. #14 | Lehmbruck sagt am 2. Februar 2020 um 14:01 Uhr

    "sonst würde man in Wissenschaft und Wirtschaft investieren und nicht in Green-New-Deals die klingen, als habe sie sich ein Haufen bekiffter Kulturwissenschaftler in einem Fachschaftsraum der Humboldt-Universität Berlin ausgedacht. "

    @Stefan Laurin, Sie wissen aber schon, dass Großbritannien eine weitaus ambitioniertere Klimapolitik als Deutschland? Und dass Margaret Thatcher die Kohleindustrie in den 80ern nicht so gepäppelt hat wie Deutschland – wenngleich nicht aus Umweltbewusstsein, sondern um die Gewerkschaften zu bekämpfen. Die Klimabewegung "Extinction Rebellion" kommt auch aus Großbritannien und nicht aus Deutschland.

    Ich erwähne das alles, weil Sie sehr gerne über alles schimpfen, was grün ist und sich gegen die alten Industrien richtet. Gleichzeitig blenden Sie die Deindustrialisierung Großbritanniens aus, die zu einer enormen Ungleichheit im Vereinigten Königreich führt. Zuletzt ist sogar (wie seit einigen Jahren in den USA) die Lebenserwartung etwas gesunken, was nicht gerade für eine Lebensqualität spricht, von der dort die breite Bevölkerungsmasse profitiert. So sehr ich den Brexit auch aus europäischer Perspektive bedaure – ich war sogar in London mit einer polnischen Gruppe dagegen demonstrieren -, habe ich den Eindruck, dass Sie ihre Erklärung etwas zu sehr in Ihr politisches Weltbild eingepasst und innere Widersprüche komplett ausgeblendet haben.

  15. #15 | mikefromffm sagt am 3. Februar 2020 um 08:14 Uhr

    Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Da beklagt ein Laurin, dass mit dem Brexit "keine europäische Spitzenuni mehr" in der EU sei, vergisst aber zu erwähnen, dass angesichts von Kosten von fast 20.000 €/Jahr diese nahezu ausschließlich der Reproduktion der Elite dienen. Und so jemand hat mal behauptet, ein Sozialdemokrat gewesen zu sein. Pathetic. Ein Grabe dagegen beklagt "schlechte Bildungspolitik", kämpft aber selbst mit Zeichensetzung und Rechtschreibung. Gut, er beweist damit immerhin, dass diese früher wohl nicht unbedingt besser war. Zusätzlich phantasiert er von "eine[r] Säuberung nach der anderen" und bestätigt damit den Verdacht, dass die Auswirkungen mangelnder Bildungspolitik mit dem Alter nicht unbedingt abgemildert werden. Manche richten sich halt lieber ideologisch in einer Phantasiewelt ein, als die Fakten zumindest zur Kenntnis zu nehmen. Könnten ja die Vorurteile gefährden.

  16. #16 | Stefan Laurin sagt am 3. Februar 2020 um 08:39 Uhr

    @mikefromffm: Ich habe nie behauptet, Sozialdemokrat gewesen zu sein. Und es sind nun einmal die somit besten Unis der Welt.

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