Schalke: Wo bleibt eigentlich der Fan-Aufstand gegen die ‚Ausbootung‘ von Höwedes und Geis?

Benedikt Höwedes. Foto: Michael Kamps

Während Borussia Dortmund in diesen Tagen mit seiner Personalpolitik groß in der Öffentlichkeit steht, kaum ein Tag vergeht an dem nicht über mögliche Zu- und Abgänge diskutiert wird, geht es beim Nachbarn aus Gelsenkirchen vergleichsweise ruhig zu.

Dabei gibt es in diesen Tagen eigentlich auch dort reichlich Diskussionsstoff. Der sportliche Erfolg der Vorsaison, der dem FC Schalke 04 am Ende gar souverän die Vizemeisterschaft bescherte, sorgt im konkreten Fall jedoch offenbar dafür, dass das durchaus etwas unwürdig anmutende nahende Ende der beiden ehemaligen Galionsfiguren Benedikt Höwedes und Johannes Geis, die von Coach Domenico Tedesco gerade ziemlich unsanft aussortiert wurden, beim Testspiel bei SW Essen am Samstag nicht einmal im Kader der Königsblauen standen, in der Öffentlichkeit kaum nenneswerte Beachtung findet.

Einen Fan-Aufstand gegen die Entscheidung des Trainerteams gibt es jedenfalls nicht im Ansatz. Und das, obwohl Höwedes bekanntlich seit Jahren eine absolute Schalker Führungspersönlichkeit war und Geis, der im Sommer 2015 für eine hohe Ablösesumme (immerhin im zweistelligen Millionenbereich) zu den Schalkern kam, damals von den Kollegen der WAZ noch erwartungsfroh als Königstransfer des Jahres bezeichnet wurde.

Als Tedesco nach dem mühsamen 1:0 gegen SW Essen gefragt wurde, warum denn Höwedes und Geis gar nicht im Kader der Knappen gewesen seien, da verwies der Übungsleiter leicht gelangweilt wirkend kurz und knapp auf die für die beiden durchaus schwierige Konkurrenzsituation, auf die man die beiden ja auch bereits vor Saisonstart hingewiesen habe.

Heißt im Klartext: Die Konkurrenz ist schlicht besser. Die beiden namhaften Profis werden somit keine große Zukunft auf Schalke mehr haben.

Überraschend ist das nicht. Schließlich wurden beide nicht ohne Grund auch in der Vorsaison bereits an andere Teams verliehen. Als beide in diesem Sommer zurückkamen, da rankten sich um ihre Personen jedoch zunächst Spekulationen, dass beide den Weg zurück in die Stammelf der Königsblauen schaffen könnten. Wie sich jetzt zeigt, eine vergebliche Hoffnung.

Beide stehen sportlich offenbar dermaßen weit hinten an, dass ihnen nicht einmal ein Platz auf der Auswechselbank angeboten wurde. Der Coach wirkt bei der Beantwortung von Fragen zu beiden eher gelangweilt. Ebenfalls kein gutes Zeichen für die beiden. Die jüngste Personalpolitik der Schalker hat beide in kurzer Zeit offenkundig völlig entbehrlich gemacht.

Schon eine grundsätzlich sehr bemerkenswerte Entwicklung für zwei so hochkarätige und gutbezahlte Kicker, die noch vor rund zwei Jahren Fixpunkte im Kader der Gelsenkirchener waren.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie schnelllebig und knallhart das Profigeschäft im Jahre 2018 ist. Das sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn Fans, auch hier aus dem Revier, demnächst wieder mehr Identifikation und Vereinstreue einfordern. Denn nicht immer sind es die Spieler, die mit ihrem Klub aus Geldgier oder egoistischen Karrieregründen brechen. Manchmal sind es eben auch die Vereine, die ziemlich kurzen Prozess mit ihren Angestellten machen. Und haben sie noch so große und beliebte Namen….

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14 Kommentare

  1. #1 | Frank sagt am 22. Juli 2018 um 12:36 Uhr

    Endlich gab es auf Schalke den längst überfälligen Umbruch. Dabei haben Spieler den Verein verlassen, die kaum vermisst werden, aber auch einige Galleonsfiguren fielen dem zum Opfer.

    Es würde niemandem helfen, das Thema wieder anzuheizen, wenn man Ruhe im Verein haben möchte und genau das würde passieren, wenn sie zum Einsatz kämen.

    Als Pressevertreter ist die Frage aber interessant in Hinblick auf die zu erwartenden Klicks.

  2. #2 | leoluca sagt am 22. Juli 2018 um 13:33 Uhr

    Wenn ein dem eine weitere Turbulenzsaison erwartenden BVB nahestehender Journalist sich nach einem Schalker Fanaufstand sehnt. Ist ihm anscheinend jedes Thema recht.

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juli 2018 um 13:35 Uhr

    Ich 'sehne' mich keinesfalls nach einem Fanaufstand, ich will lediglich auf eine durchaus große Widersprüchlichkeit hinweisen und diese hier im Blog zur Diskussion stellen. Ich denke, das wird auch deutlich, wenn man den Text 'vorurteilsfrei' liest. 🙂

  4. #4 | leoluca sagt am 22. Juli 2018 um 13:43 Uhr

    Wer eine rein sportliche Entscheidung, nämlich Bennie Höwedes aus der Stammmannschaft zu nehmen, mit den Worten umschreibt, hier mache der Verein im brutalen Riesenkommerz "kurzen Prozess" mit einem seiner Angestellten, der hat natürlich nur gute Absichten. Is klar.

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juli 2018 um 13:48 Uhr

    'Gute Absichten'? Wer behauptet denn sowas?

    Ich habe auf einen aus meiner Sicht klar ersichtlichen Widerspruch hingewiesen und diesen hier im Blog heute einmal zur Diskussion gestellt, da ich dazu andernorts bisher noch nicht viel gelesen habe und den Aspekt spannend finde. Das hat weder etwas mit dem 'Sehnen' nach einem Fanaufstand zu tun, noch mit 'Guten Absichten'. 😉

  6. #6 | Robert Müser sagt am 22. Juli 2018 um 15:17 Uhr

    Ich habe inzwischen die Meinung, dass ein Großteil des Fans die Sache relativ egal ist. Durch vorangetriebene Kommerzialisierung des Fußballs stört der Fan der klassischen alten Prägung mit seinen Gefühlen beim Geldabgreifen der Vereine.

    Der Umgang der Vereine mit ihren Personalen auf dem Platz gehört auch dazu. Solange der sportliche Erfolg stimmt wird dann gerne über das Aussortieren ehemaliger Lieblinge hinweggesehen. Beim S04 ist dieses Jahr gut gelaufen,beim BvB eher nicht – kann nächstes Jahr wieder ganz anders sein …

    Ist inzwischen alles Geldmacherei, mehr nicht.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juli 2018 um 15:22 Uhr

    @Robert Müser: Der Punkt ist tatsächlich spannend, wie auch ich finde. Was wäre wohl mit Höwedes und Geis, wenn Schalke nicht Zweiter geworden wäre, und Tedesco somit nicht diese momentane Rückeneckung hätte? Wenn man sich beispielsweise kurz an den letzten Sommer erinnert, als er Höwedes das Kapitänsamt überraschend entzog und selber noch neu im Verein war, da war der Protest doch ziemlich groß.

  8. #8 | leoluca sagt am 22. Juli 2018 um 16:02 Uhr

    Auf Schalke gibt es endlich keine Erbhöfe mehr. Tedesco stellt nach sportlicher Leistung und nicht nach Namen auf. Hätte Jogi Löw in Russland besser auch getan. Und Favre fängt beim BVB jetzt damit an. Stichwort Schürle.

  9. #9 | thomas weigle sagt am 22. Juli 2018 um 19:30 Uhr

    Meine Güte, wir haben z,ZT das Fußballsommerloch, da kann man doch auch mal über Schalke schreiben. Oder über Wattenscheid 09.
    P.S. V.Basten war bei Putin? Ist mir völlig entgangen.

  10. #10 | b sagt am 22. Juli 2018 um 23:05 Uhr

    Weil die WAZ in Geis einen Spieler mit grossem Potential auf Schalke sah, sollen sich jetzt irgendwelche Fans über was genau beschweren? Nachdem er vor zwei Jahren bereits nur noch eine halbe Saison auf dem Platz stand, davor grade mal eine Saison gespielt hatte? Und das Thema Höwedes ist inzwischen doch auch mehr als durch, oder nicht? Die Fans zumindest können grade gut damit Leben, sowohl Verein als auch den Spieler zu unterstützen, wenn man sich mal im Netz umschaut. Vielleicht kann er ja nach Dortmund, offensichtlich könnte er sich als IV dort schon allein dadurch hervortun, wenn er bei ner Ecke einfach mal hochspringt, um kurz auf das akute Geschehen in den USA hinzuweisen. Das ist natürlich mässig ernst gemeint… zumindest was Bene als Option angeht.

  11. #11 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juli 2018 um 23:08 Uhr

    Ich bin echt erstaunt, wie schnell einige auf Schalke (und vermutlich nicht nur dort) ihre früheren Helden offensichtlich fallen lassen. Noch vor einem Jahr war der Aufschrei groß, als man Höwedes das Kapitänsamt entzog….

  12. #12 | Paul Kriener sagt am 22. Juli 2018 um 23:29 Uhr

    Ein ausgewiesener BVB-Fan bedauert den ausgebliebenen Fanaufstand auf Schalke gegen die Ausbootung zweier „Galionsfiguren“!

    Eine solche war Höwedes beim FC Schalke 04 sicher. Er wollte aber letzte Saison den Verein verlassen, bekam die Möglichkeit dazu und konnte seine Chance bei Juventus leider nicht nutzen, vor allem verletzungsbedingt. Jetzt ist er wieder zurück in GE, passt aber – weiterhin – nicht zur Spielanlage des Trainers. Schade, aber da wird sich kaum eine Lösung finden lassen, die ihn beim Verbleib auf Schalke zufrieden stellen könnte.

    Geis war nie eine Galionsfigur bei S04. Er blieb leider hinter den Erwartungen zurück. Er hatte die Möglichkeit letzte Saison beim ausleihendem Verein durchzuspielen, konnte sich aber auch in Sevilla nicht dauerhaft etablieren.

    Solche Fälle kommen vor. In Gelsenkirchen und andernorts. Warum da einen Fanaufstand herbei sehnen? Den gab‘s in Dortmund auch nicht als der Über-Borusse Grosskreutz gehen musste, und der wird wohl auch ausbleiben, wenn Weltmeister Schürrle weiterzieht…

  13. #13 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Juli 2018 um 23:47 Uhr

    Den in Dortmund vom ersten Tag an relativ unbeliebten Andre Schürrle mit dem jahrelangen Ur-Schalker und Teamkapitän Benedikt Höwedes vergleichen zu wollen, das ist schon arg kurios, ehrlich gesagt. Und im Falle Großkreutz gab es durchaus großflächige Transparente auf der ‚Süd‘, die für einen Verbleib in Dortmund warben.

  14. #14 | b sagt am 23. Juli 2018 um 01:12 Uhr

    Schürrle wurde nicht mit Höwedes auf eine Stufe gestellt, ausser in #13, es geht doch im ursprünglichen Text auch um Geis und in #12 u.a. auch. Es ist doch Unsinn, mit Vorwürfen um sich zu werfen, die auf Fehlwahrnehmungen basieren, das würde ich übrigens auch als Kritikpunkt am ursprünglichen Text anbringen.
    Und Plakate gab es auf Schalke auch, nur nachgetreten in der Bild wird da nicht, wo wir grade beim Kävän (Oder Götze oder Immobile oder, wenn auch bei anderen Umständen, Auba oder Dembele) sind. Ganz im Gegenteil sogar, ehrlich gesagt.

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