Waffenschein & Psyche

H&K P30L Foto: Koalorka (talk) Lizenz: Gemeinfrei

Nach der Amoktat in Hamburg wird diskutiert, das Waffenrecht zu verschärfen und mehr psychiatrische oder psychologische Kontrollen zu installieren. Hierbei wird wie so oft von einer sehr simplen Definition psychischer Störungen und hellseherischen Fähigkeiten auf Seiten der Gutachter ausgegangen.

Über den Täter ist bisher nur bekannt, dass ein anonymer Hinweisgeber ihn für psychisch auffällig hielt und er deswegen einen Besuch der zuständigen Behörde erhielt. Dort konnte man nichts Auffälliges feststellen, hat ihn aber auch nicht psychologisch begutachtet. Worin die gemeldeten Hinweise bestanden, wäre interessant, um besser zu analysieren, ob diese Tat hätte verhindert werden können. Offensichtlich war der Betroffene jedenfalls in der Lage, sich gegenüber den Beamten unauffällig zu geben. Falls er einen krankhaften Hass auf seine ehemalige Gemeinde hatte, so war er geistesgegenwärtig genug, diesen nicht auszusprechen.

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Die Wagenknechte als Steigbügelhalter des Putinismus

Sarah Wagenknecht (Die Linke) im Bundestagswahlkampf 2021 (Foto: Roland W. Waniek)

Nadja Tolokonnikowa, geboren 1989, wuchs im sibirischen Norilsk auf. Nach dem Punk-Gebet, mit dem Pussy Riot die enge Verflechtung von Staat und Kirche in Russland kritisierten, wurde sie zu  zwei Jahren im Straflager verurteilt. Seit ihrer Freilassung engagiert sich die Polit-Aktivistin für menschlichere Bedingungen im russischen Strafvollzug. In ihrem Buch „Anleitung für eine Revolution“ (2016) schreibt sie unter Punkt 73.:

„Der eine besäuft sich tagtäglich, schießt sich völlig ab, der andere treibt viel Sport, isst Ananas und widmet sich der Gesichtsreinigung. Beide werden denken, dass der andere was falsch macht. Und wenn sie sterben und zu Gott auffahren, wird der beide streng ermahnen: ‚Ein ganzes Leben stand euch zur Verfügung, und Putin hockt immer noch im Kreml. Nur Scheiße habt ihr im Kopf. IST DAS OKAY, FRAGE ICH EUCH?‘

Habt keine Scheiße im Kopf. Stürzt Diktatoren!“

Nicht nur, dass sich seit der Veröffentlichung der Anleitung für eine Revolution nichts im Kreml geändert hat, vor einem Jahr hat Putin mit seinem Überfall auf die Ukraine bewiesen, dass er seinen Traum vom neuen Sowjetreich nicht begraben hat, sondern bereit ist,

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Schirn in Frankfurt zeigt Niki de Saint Phalle

Die Kunsthalle Frankfurt zeigt in einer musealen Ausstellung wichtige Skulpturen von Niki de Saint Phalle vor pinkfarbenem Hintergrund und schwächelt bei Happening-Filmen und dem Tarotgarten.

Niki de Saint Phalle (1930-2003) zählt als eine der Hauptvertreterinnen der europäischen Pop-Art und Mitbegründerin des Happenings zu den bekanntesten Künstlerinnen ihrer Generation. Vom 3. Februar bis zum 21. Mai beleuchtet die Schirn Kunsthalle Frankfurt das vielfältige Werk der französisch-amerikanischen Visionärin in einer umfassenden Ausstellung, die mit rund 100 Arbeiten einen Überblick über alle Werkphasen bietet. Die Schau beleuchtet das künstlerische Spektrum von den frühen Gemälden bis hin zu ihren großformatigen Skulpturen. Für die Präsentation konnte die Schirn bedeutende Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen, öffentlichen wie privaten Sammlungen gewinnen und in Frankfurt zusammenführen.

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Die ARD bringt mit „Asbest“ ein raues Gangster-Epos an den Start

Asbest: Momo (gespielt von Deutschrapper Xidir – rechts im Bild) sitzt im Knast ein. Foto: ARD Degeto / Pantaleon Films GmbH

Die ARD-Gruppe ist in letzter Zeit zu oft mit Skandalen aufgefallen: teure Luxusdienstauto, falsche Abrechnungen, krumme Beraterverträge – vor allem RBB und NDR kamen in den letzten Monaten in besonders schräge Schieflage. Nun hat Schauspieler und Regisseur Kida Khodr Ramadan für die alte Tante ARD den Fünfteiler „Asbest“ an den Start gebracht – und hat ein Berliner Neu-Gangster-Epos erschaffen, was mit Netflix-Produktionen durchaus mithalten kann.

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Premiere von ›Shame you WHAT?!‹ im Maschinenhaus Essen

›Shame you WHAT?!‹ – die Scham wird als grelles Theaterstück beleuchtet | Foto: Oliver Stroemer

Mit sehr ausgesuchter Handschrift und dem Zugriff zu originellen Stoffen macht das Maschinenhaus in Essen in letzter Zeit immer wieder auf sich aufmerksam. In einem Mischmasch aus Konzert und Performance bearbeitet S. Rudat seine nach Eigenaussage »schwierige« Jugend mit dem Stück ›Shame you WHAT?!‹

Scham begegnet uns derzeit allerorten – es ist ein unangenehmes Gefühl, wenn man sich vor anderen Menschen in einer peinlichen Situation befindet. Wofür schämen wir uns als Erwachsene? Wofür haben wir uns als Kinder geschämt? Grundsätzlich kann jedes Verhalten eines Kindes Anlass zur Scham werden, sobald es von einem Erwachsenen als beschämend bezeichnet wird. Und das Schamspektrum ist breit: Das Gefühl kann von einer leichten Verlegenheit oder Fremdscham bis hin zu tiefer Demütigung oder Gesichtsverlust reichen. Das Hauptmotiv von ›Shame you WHAT?!‹ ist die zur Schau gestellte Scham – das ist mutig, aber nicht unbedingt vorteilhaft. Die „dramaturgische“ Aneinanderreihung von Szenen spielt in diesem Stück die Hauptrolle.

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Wer wird Christine Lambrecht als Verteidigungsministerin beerben?

Christine Lambrecht während eines Besuchs im Pentagon | Foto: wikipedia / Class Zachary Wheeler / CC BY 2.0

Nach dem Rücktritt der Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) wird offen spekuliert, wer ihre Nachfolge antreten könnte. Denn ob es um Waffenlieferungen in Kriegszeiten geht oder auch um die Finanzierung der Bundeswehr – es reicht es nicht aus, dass eine Verteidigungsministerin oder ein Verteidigungsminister in ihrem Ressort nach dem Motto „Jugend forscht“ herumexperimentiert.

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Blutspende-Notstand in Dortmund

In Dortmund gibt es derzeit viel zu wenig Blutspender | Foto: wikipedia / Cesare Arrigo / CC BY-SA 4.0

Der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist besorgt: Seit Wochen gibt es zu wenig Blutspenden in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Bei Mitarbeitern der Dortmunder Blutbanken und der städtischen Kliniken schrillen die Alarmglocken lauter: es wird zur Zeit viel zu wenig Blut gespendet. Ein Grund dafür ist die aktuelle Grippe- und Krankheitswelle.

„Die Lage ist wirklich ernst“, sagt der Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes, Stephan David Küpper. Konkret: „Wir sind am Leerlaufen“. Bereits seit Oktober würden deutlich weniger Menschen Blut spenden – „20 Prozent weniger als benötigt“, so Küpper. Der Blutspendedienst des DRK versorgt nach eigenen Angaben rund drei Viertel aller Kliniken in seinem Einzugsgebiet mit Blutpräparaten.

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