„The Walking Dead“ in Duisburg: Querdenker wandelten durch Hochfeld

Querdenker in Duisburg machen fairerweise auch auf die Erfolge der Maßnahmen (Kontaktbeschränkung, Impfungen) gegen die Pandemie aufmerksam; Foto: Peter Ansmann
Querdenker in Duisburg machen fairerweise auch auf die Erfolge der Maßnahmen (Kontaktbeschränkung, Impfungen) gegen die Pandemie aufmerksam; Foto: Peter Ansmann

Die gleiche Prozedur wie an jeden Montag seit Dezember 2021: Querdenker liefen wieder durch Duisburg. Nachdem es im selbsternannten Widerstand in den letzten Wochen nicht besonders harmonisch zuging, wurden für gestern zwei Demonstrationen angemeldet.

Die Demonstration in Neudorf, angemeldet durch Stefan Brackmann, lief nicht wirklich erfolgreich. Bei der anderen Demonstration – durch die wunderschöne Innenstadt von Duisburg und Hochfeld – liefen deutlich weniger „Spaziergänger“ mit als in den Vorwochen.

Die Stimmung bei „Duisburg steht auf“ ist im Keller

In den Telegram Kanälen „Duisburg vereint für die Freiheit“ und „Wir stehen auf“ wurde der Disput zwischen der Protagonisten der Querdenker in Duisburg in den letzten Wochen offen und mit einem extrem hohem Unterhaltungswert ausgetragen. Hintergrund des Konfliktes ist das frühere Engagement von Dennis S. beim PEgIdA-Ableger DUIgIdA in Duisburg. Die – inzwischen nicht mehr aufrufbare – Facebook-Community der Querdenker in Duisburg „Gemeinsam für die Freiheit Duisburg“ lief bis Dezember 2021 unter dem Titel DUIGIDA.

Stellungnahme zum Zerwürfnis bei den Querdenkern in Duisburg; Screenshot Telegram
Stellungnahme zum Zerwürfnis bei den Querdenkern in Duisburg; Screenshot Telegram

Für Unmut sorgte außerdem die Zusammensetzung der letzten Abendwanderungen: Nicht alle Spaziergänger sind von der Unterstützung durch Neonazis begeistert. Die antisemitischen und neonazistischen Beiträge in der Telegram-Gruppe sorgten bereits Ende Dezember für Ärger in der Gruppe.

Auch Neonazi-Splitterpartei "Die Rechte Duisburg" spaziert in Duisburg mit; Screenshot Telegram
Auch Neonazi-Splitterpartei „Die Rechte Duisburg“ spaziert in Duisburg mit; Screenshot Telegram

Das Zerwürfnis bei den Querdenkern macht sich auch an den Teilnehmerzahlen bemerkbar: In den letzten Wochen waren diese rückläufig. Gestern fanden sich beim Spaziergang der am Rathaus startete knapp 170 Teilnehmer. „Wir sind das Volk“-Sprechchöre waren bei der gestrigen Demo nicht zu vernehmen.

Die Demonstration, ab Rathaus bis zur Mahnwache in Hochfeld, zusammengefasst:

  • Etwa 170 Teilnehmer
  • Verschwörungstheorien von der „neuen Weltordnung“ am Anfang des Spazierganges durch eine Teilnehmerin
  • Tiraden gegen die Regierung und die Medien
  • Klagen über „Hetzer“ in den Medien und die Diktatur

Begleitet durch die Staatsmacht – Polizei und Ordnungsamt waren vor Ort – zog der „Widerstand“ an der Mahnwache vorbei durch Duisburg-Hochfeld.

"Duisburg steht auf" läuft durch Duisburg-Hochfeld. Hier: Am Platanenhof; Foto: Peter Ansmann
Duisburg steht auf“ läuft durch Duisburg-Hochfeld. Hier: Am Platanenhof; Foto: Peter Ansmann

Positives gibt es vom demokratischen Gegenprotest in Duisburg zu berichten. Der versammelte sich, wie in der Vorwoche, wieder am Brückenplatz auf der Route der Querdenker. DIE PARTEI Duisburg (als Veranstalter), die Linke Duisburg, Bündnis90/Grüne Duisburg und andere Gruppen waren diesmal bei der Mahnwache versammelt.

Gegenprotest in Duisburg-Hochfeld: Duisburg entspazifizieren

Etwa 60 Teilnehmer, deutlich mehr als bei den vorherigen Mahnwachen, zeigten den vorbeiziehenden Extremisten was sie von den Spaziergängern hält: Nämlich nichts. Heiko Schubert (DIE PARTEI Duisburg), der sich in der Vorwoche in einem offenen Brief an die anderen Ratsmitglieder und den Oberbürgermeister gewandt hatte, blickte zufrieden auf den Gegenprotest: „Die Stimmung war gut.“

"Duisburg entspazifizieren" - DIE PARTEI Duisburg bei der Mahnwache in Hochfeld; Foto: Peter Ansmann
„Duisburg entspazifizieren“ – DIE PARTEI Duisburg bei der Mahnwache in Hochfeld; Foto: Peter Ansmann

Mein Fazit: Die permanent sinkenden Teilnehmerzahlen bei den Spaziergängen – trotz guten Wetters – sind, neben dem zunehmenden Gegenprotest, ein gutes Zeichen dafür, dass die Hochphase der Querdenker-Spaziergänge in Duisburg vorbei ist.

Die geplanten Lockerungen für den März dürften den Verschwörungstheoretikern weitere Luft aus den Segeln nehmen und dafür sorgen, dass „Duisburg steht auf“ – zeitnah – in der Versenkung verschwindet. Vermissen wird diese Gruppierung keiner.

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8 Kommentare

  1. #1 | Georg Hofrichter sagt am 15. Februar 2022 um 12:52 Uhr

    Da helfen nur Breitbandantiidiotika.

  2. #2 | Walter Stach sagt am 15. Februar 2022 um 13:12 Uhr

    Ca, 300 BürgerInnen kamen in meiner Heimatstadt Waltrop am 12.2. nachmittags auf dem Marktplatz zusammen, um gemeinsam ihre Zustimmung zur Corona-Schutzimpfung und zu den aktuellen Schutzmaßnahmen zu bekunden. Zusammen stehen , um und Zusammenstehen zu demonstrieren. Meine Frau und ich haben das als wohltuend empfunden!

    Leider bleiben solche Demonstrationen in den überörtlichen Medien weitgehend unbeachtet.
    Leider lese ich stattdessen heute von einer Aktion sog. Querdenker (nebst Gesinnungsgenossen) in Dinslaken, die -gestern?- 'mal wieder nachdrücklich bewiesen hat, wie weit weg sich diese Typen von rechtsstaatlichen Regeln eines gewaltfreien Umganges miteinander -und mit der Polizei- mittlerweile -skrupellos und ungeniert- bewegen.

    Peter Ansmann,
    Sie sind nahe am Geschehen. Gibt es zu den Ereignissen in Dinslaken aus Ihrer Sicht Nennenswertes zu berichten? Evtl. auch zu den Ursachen dafür, daß derartiges Geschehen sich in Dinslaken zu häufen scheint?

    PS
    Mir fällt auf, daß die Quantität der Diskussion über die u.a. per Sitzstreik auf Autobahnen protestierenden Klimaschützer hier bei den Ruhrbaronen bei weitem die Diskussion übersteigt, die hier stattfindet zu Ereignisse wie denen jetzt in Dinslaken oder wie sie aktuell beinahe täglich in Kommunen in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt zu verzeichnen sind.

    Ich stelle das fest und denke über die Ursachen nach.
    Ich bedauere das allerdings nicht, da jede Diskussion über die Idiotie "querdenkerischer Spaziergänger" dazu beiträgt, dieser Idiotie die gewollte Aufmerksamkeit zu schenken .

  3. #3 | Peter Ansmann sagt am 15. Februar 2022 um 19:33 Uhr

    @Walter Stach:

    Ich kann zu Dinslaken als direkter Beobachter nichts sagen: Im Vergleich zum restlichen Ruhrgebiet hat Duisburg eh eine Sonderrolle. Klar: Auch In anderen (Ruhrgebiets-)Städten gibt es rechtsextremistische Einflüsse auf die Querdenker-Bewegung. (Ich verweise da mal auf den Beitrag von Stefan Laurin: https://www.ruhrbarone.de/verfassungsschutz-hat-freie-nordrhein-westfalen-im-visier/204789) Im Vergleich zu den Inhalten und Protagonisten der Duisburger Querdenker sind diese aber klosterschülerinnentauglich: "Duisburg steht auf" nimmt, wegen der Akzeptanz und Verbreitung von Hardcore-Nazi-Inhalten, eine Sonderrolle ein.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 15. Februar 2022 um 20:32 Uhr

    @Walter: Eigentlich wäre meine Antwort ein weiterer Artikel, aber ich will mich kurz fassen:

    Ich war in der Vorwoche bei der Querdenker-Demo in Waltrop. Ich wollte mir einfach einmal ein Bild davon verschaffen, was da los ist. Da waren rund 35 Demonstranten an der Waltroper Stadthalle versammelt, die dann zum Rathaus gezogen sind. Das war der Waltroper Zeitung damals schon einen ausführlichen Bericht wert. Dann folgte die Gegendemo am Samstag, von der du sprachst, mit rund 300 Teilnehmern, wenn ich deinen Worten Glauben schenke (was ich natürlich tue 😉 ). Für eine Veranstaltung zu der so viele Parteien und Organisationen über Tage hinweg aufgerufen hatten, auch keine beeindruckende Quote, wie ich finde. Jetzt am gestrigen Montag wieder eine Querdenker-Demo, über die die 'Waltroper' groß berichtet. Vermutlich erneut keine 50 Teilnehmer. Ich denke, solch geringe Mobilisierungsquoten sollten nachdenklich machen. Ist die Diskussion darüber in den Medien nicht am Ende größer, als die Bedeutung, wenn zwischen 0,1 % (Querdenker) und 1% (Bürgerbündnis) der Waltroper (30.000 Einwohner) auf die Straße gehen? Ich denke, man sollte dieses merkwürdige Phänomen auch nicht größer machen/reden als es ist.

    Hier ein Facebook-Video von mir davon: https://www.facebook.com/100000482487414/videos/pcb.7744059955620010/1157899398316600

  5. #5 | Peter Ansmann sagt am 15. Februar 2022 um 21:42 Uhr

    @Robin Patzwaldt:

    "Ich denke, man sollte dieses merkwürdige Phänomen auch nicht größer machen/reden als es ist." – damit triffst Du den Nagel auf den Kopf. Deswegen habe ich mir auch Artikel zu den vorherigen Demos hier gespart. Wobei Duisburg schon wegen der besonderen Situation immer einen Bericht wert ist. Die Querdenker in Waltrop und sonstwo werden – vermutlich – wie die meisten Gruppen "AfD"-beeinflußt sein bzw. mit denen liebäugeln. In Duisburg sind Leute am Start, die auch geteilte Inhalte wie den Nazi-Propagandaschinken "Jud Süß" in ihrem Kanal toleriert haben.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 16. Februar 2022 um 18:00 Uhr

    Robin,
    wie Dir bekannt sein wird, plädiere permanent dafür, den "Querulanten" und damit letztendlich faschistisch-nationalsozialistichem Gedankengut möglichst jede Aufmerksamkeit zu verweigern. Und das gelingt u.a. dadurch, daß "man" medial nicht jeden noch so kleinen, noch so bedeutungslosen "Spaziergang" nutzt, um darüber relativ umfangreich -und stets mit Bild" -zu berichten. Das gilt nicht nur, aber auch für Waltrop und die Waltroper Zeitung.

    Ich hatte erwartet, daß zu der Veranstaltung der "Demokraten in Waltrop" am Samstag, über die ich kurz informiert habe, mehr Menschen als die geschätzten 300 gekommen wären Warum war das nicht der Fall?
    Ich nehme an, daß der Bürgerschaft in Waltrop die rd. 35 montäglichen Spaziergänger völlig gleichgültig sind; sie gehen ihnen sozusagen am A….vorbei", wie man gelegentlich hierzulande zu sagen pflegt. Und das ist gut so und entspricht ja auch Deiner Intention.

    Im übrigen sollte "man" – auch in Waltrop- nie die Verbindung der montäglich in Waltrop spazieren gehenden "Querulanten" zur AFD und den der AFD Nahestehenden unerwähnt lassen. Peter Ansmann hat unter -5- daran erinnert. Danke an Peter Ansmann für seine Informationen -3/5- zu Duisburg/Dinslaken.

  7. #7 | thomas.weigle sagt am 17. Februar 2022 um 13:52 Uhr

    @ Walter Stach Auch angesichts der immer wieder stattfindenden Angriffe auf Journalisten, wäre eine totale Nichtbeachtung dieser Randalen bundesweit wünschenswert. Wie hoch ist denn der Anrteil derer,die da durch die Straßen und auf Plätzen randalieren? 0,5%,1%? Lassen wir sie ins Leere krawallen. Das diese Mobs immer wieder gewalttätig gg. Berichterstatter werden,ist doch eine ausreichende Begründung für journalistische Abstinenz.

  8. #8 | Walter Stach sagt am 17. Februar 2022 um 18:09 Uhr

    Thomas Weigle,
    wenn es "medial" primär und in aller Regel um die größtmögliche mediale Aufmerksamkeit geht und damit einhergehend um die Höhe der Auflage, um die Anzahl potenter Werbekunden, um die Zahl der sog. Nutzer "im Netz" und davon abhängig auch um das finanzielle persönliche Interesse des jeweiligen Journalisten und – soweit mit dem "Finanzinteresse" kompatibel – um dessen gesellschaftspolitischen Ziele, dann kann es "medial" weder die von Dir angesprochene "journalistische Abstinenz " noch ein gewisses Maß an Objektivität in Berichterstattung und Kommentierung geben und folglich auch nicht eine "an sich" naheliegende Solidarität aller "Medienmacher" mit den Berichterstattern/Kommentatoren , de verbal und nonverbal immer heftiger, immer öfter, immer skrupelloser angegriffen werden, weil………….. Weil sie sich z.B. weigern, über die montäglichen sog. Spaziergänge in Wort und Bild zu berichten oder weil sie Faschisten -das sind einige, aber keineswegs die große Mehrheit der sog .Spaziergänger – Faschisten nennen, weil sie es sind.

    Meinungsvielfalt, Medienvielfalt, Meinungsstreit , z.B. über "den richtigen Umgang" mit den sog. Spaziergängern, mit Querdenkern, mit AFDler, mit …….
    Das gehört zu den Selbstverständlichkeiten einer freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft und eines demokratischen Rechtstaates., von dem ich allerdings gleichermaßen erwarte, daß er alles ihm präventiv und repressiv mögliche tut, z.B. gegen verbale und nonverbale Gewaltakte , die gegen Journalisten gerichtet sind, jetzt und hier konkret durch Teilnehmer an den sog. Spaziergängen. .

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