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Trendumkehr bei Anti-Pegida-Demos in Duisburg: Viele, Pferde und Verletzte

Von Richard Diesing und Thomas Meiser

Seit 41 Wochen demonstriert Pegida NRW jeden Montag Abend am Duisburger Hauptbahnhof. Nur einmal, im Januar, kam es zu einer Gegenreaktion aus der Stadtgesellschaft: SPD, DGB und Kirchen mobilisierten 4000 Menschen vor das Stadttheater. Gestern mobilisierte die Antifa aus NRW – es kam zu hässlichen Szenen und Verletzten durch Polizeigewalt.

Verdichtungsszene Duisburg Hauptbahnhof: Polizei gegen Anti-Pegida-Demo

Verdichtungsszene Duisburg Hauptbahnhof: Polizei gegen Anti-Pegida-Demo

Das Lagebild in Duisburg? Es ist komplex.

Vor allem, weil das politische Establishment der Pegidahauptstadt NRW die drei Affen macht: Die fortandauernden Pedidademos sollen einfach totgeschwiegen werden.

Das empfiehlt der Lokalchef einer Tageszeitung der Eisenhüttenstadt in seinem Leitartikel, eine laufende Berichterstattung über den brauen Spuk würde diesen aufwerten, man käme seiner Berichterstattungspflicht jedoch nach, indem man über Verkehrsstörungen, verursacht durch Demos, berichtete.

Auch DGB und Kirchens haben Manschetten, gegen Pegida mobil zu machen. Aus dem DGB hört man, man kriege nicht mehr genug Mitglieder auf die Strasse. Die christlichen Kirchen teilen das irrige Aufwertungsargument des Lokalchefs.

Dabei weiss man mittlerweile selbst bei Duisburgs Polizei, dass die rechte Meute, die Montags regelmässig nach Duisburg strömt, “mindestens zur Hälfte der Hogesa- bzw Hooliganszene zuzurechnen ist”. Militante Rechtsradikale also.

Kontinuierlich und schleichend mausert sich Duisburg also zur Landeshauptstadt der Nazis.

Und nur wenige machen dagegen mobil: Ein linksparteiaffines Bündnis, linksorientierte Immigrantenorgansisationen, die Grünen. Sowie verschiedene Antifa-Organisationen, auch aus dem Umland.

Diese Spektren beobachten unabhängig voneinander teilweise unsouveränes Polizeiverhalten den Anti-Pegida-Demonstranten gegenüber.

So wird berichtet, dass es vor einem Monat, während des Demorituals, am Jahrestag der Reichsprogromnacht, durch unverhältnismässigen Polizeieinsatz zu Knochenbrüchen gekommen sein soll.

Auch gestern kam es wieder zu hässlichen Szenen:

Beweisbare polizeiliche Pfefferspray-Einsätze gegen zurückweichende jugendliche Antifaschisten. Auch wären angeblich Polizeipferde in sitzende Demonstranten gestiegen. Berichtet wird zudem von “mehreren Bewusstlosen und Verletzten durch gezielte Knüppelschläge auf die Köpfe”.

Augenzeugen berichten weiter: “Die Stimmung war geladen. Es wurden gerade die friedlichen Gegendemonstrationen durch solche Polizeiaktionen bedrängt; gerade Jüngere, die sich ganz bewusst von den Autonomen abgrenzen wollten.”

Die Polizei bestätigt die Verwendung von “Einsatzmehrzweckstock und Pfefferspray”. Es habe einen Durchbruchsversuch in Richtung Pegida gegeben, Polizeipferde wären angegriffen worden, Flaschen seien geworfen worden.

Die Lagebild in Duisburg? Es ist komplex.

Es wird nicht so weitergehen können, dass die Zivilgesellschaft in Duisburg die Tatsache ignoriert, dass Duisburg ein Naziproblem hat.

Gestern haben 300 Antifas aus der Region mit wenigen Duisburgern wieder einmal darauf aufmerksam gemacht.

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7 Kommentare zu “Trendumkehr bei Anti-Pegida-Demos in Duisburg: Viele, Pferde und Verletzte

  • #1
    Gerd

    Mitnichten! Laut Radio -soviel zum Thema totschweigen- bestand die braune "Meute" aus ca. 150 Personen. Das man wegen so ein paar Spacken keine Riesenwelle macht ist irgendwie … logisch. 150 gegen 4.000? Besser kann man die Bedeutungslosigkeit der NRW-Pegida nicht verdeutlichen.

    Was die linke "Meute" angeht, so ist ja allgemein bekannt, dass die Antifa stets durch ihre absolute Gewaltlosigkeit und ihren ausgeprägten Respekt vor der Polizei und Andersdenkenden von sich Reden macht. Das konnte die Presse nicht totschweigen:[/Ironie]

    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/pegida-in-duisburg-demonstranten-attackieren-polizei-pferde-drei-festnahmen-aid-1.5614484

  • #2
    Jens Schmidt

    Duisburg hat ein Naziproblem, wegen dieses kleinen Häufleins, das sich jeden Montag da ansammelt? Die wertet man doch nur auf, indem man sie ernst nimmt und einmal pro Woche zur Gegendemo geht. Und dies leider nicht nur in guter bürgerlicher Gesellschaft. Einfach ignorieren und auf den friedlichen Weihnachtsmarkt nebenan gehen, die Duisburger Geschäfte werden es danken!

  • Pingback: Links anne Ruhr (09.12.2015) » Pottblog

  • #4
    Marius

    In Sachsen vor 20 bis 25 Jahren, in Dortmund vor 15 bis 20 Jahren hat man genauso gedacht. Und das Resultat? Viele Tote Mitbürger und Demos mit Gewaltausbrüchen und tausend bis zweitausend Neonazis oder noch mehr. Jedenfalls in Dortmund scheint ein Umdenken der Zivilbevölkerung das Bild ein wenig verbessert zu haben, aber es ist deutlich zeitaufwendiger und schwieriger nachdem es ignoriert wurde. Verfestigen sich einmal gewaltbereite, rechtsextreme Strukturen bekommt man die nicht mehr so schnell weg.

  • #5
    Klaus Lohmann

    Jaja, immer schön ignorieren,, den braunen Sondermüll… Ich darf dran erinnern, dass wir hier in Dortmund, in der selbstgemachten "Hochburg" der Nazis im Westen, auch fast nie Riesenansammlungen der Braunen bei Demos hatten und sich trotzdem still, unbeachtet und leise aus Autonomen Zellen eine legale Partei entwickeln konnte, deren Verhinderung und Beseitigung nun sehr schwer wird. Wer das Pestgeschwür also nicht sofort an der Wurzel, im "zarten Aufkeimen" bekämpft, wird hinterher zu spät schlau.

  • #6
  • #7
    Alreech

    nicht jeder plädiert im Umgang mit Pegida für falsche Toleranz.
    Der Mainzer Politologe Gerd Mielke ist der Meinung das man diese Leute gezielt einschüchtern und kriminalisieren sollte:
    "Wenn sich die Mengen von rechtsaffinen Kleinbürgern in Dresden in einem dreistündigen Polizeikessel erst alle mal in die Hose gepinkelt haben und abschließend mit Wasserwerfern traktiert wurden, dann haben sie für eine geraume Weile genug vom Demonstrieren."

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