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Uniper und Trianel blamieren sich und den Technik-Standort Ruhrgebiet

Blick aus Waltrop in Richtung Datteln. Foto: Robin Patzwaldt

Dass das nördliche Ruhrgebiet besonders strukturschwach ist, diese Tatsache ist seit Jahren allseits bekannt. Nur sehr wenige neue Gewerbeansiedlungen, eine im Vergleich zu anderen Teilen des Landes hohe Arbeitslosenquote und eine inzwischen vielfach völlig marode Infrastruktur. Wer kann, der verlässt in diesen harten Zeiten daher häufig resignierend die darbende Region.

Kommt es in seltenen Fällen hier einmal doch zu Neubauten im Gewerbe- und Industriebereich, dann sind diese häufig aus diversen Gründen heftig umstritten. So auch die beiden neuen Kohlekraftwerke in Lünen und Datteln, welche seit Jahren schon intensiv die Gerichte beschäftigen und auch hier bei uns im Blog schon für so manche hitzige Diskussion gut waren.

Ende 2017 bestimmen beide Kohlemeiler nun erneut die Diskussionen, zumindest in der lokalen Öffentlichkeit. Allerdings urplötzlich aus einem ganz anderen Aspekt: Beide Projekte werden nun von der angeblich so modernen und vorbildlichen Technik über längere Zeiträume lahmgelegt, und sorgen damit aktuell für viel Schadenfreude bei den verbliebenen Kritikern.

Dabei gibt es dafür eigentlich keinen Anlass. So offenbart sich hier lediglich ein weiterer Grund von den jüngsten Entwicklungen in der Region enttäuscht zu sein. Denn mit der dargebotenen Ingenieurskunst im Revier scheint es in diesen schwierigen Zeiten, entgegen der vollmundigen Ankündigungen der beteiligten Konzerne, offensichtlich auch irgendwie nicht mehr allzu weit her zu sein.

Aus dem Kühlturm des Uniper-Kraftwerks in Datteln dampft es inzwischen schon seit Tagen nicht mehr. Und das obwohl doch eigentlich der Probebetrieb dort noch immer laufen sollte.

Der Grund: Für den Kessel des neuen Dattelner Kraftwerks wurde, wie in den meisten deutschen Kohlekraftwerken welche zeitgleich mit „Datteln 4“ erbaut wurden, der vermeintliche Super-Stahl ‚T 24‘ verbaut. Darüber berichtete in diesen Tagen die örtliche Lokalzeitung.

Eine Uniper-Sprecherin bestätigte den Kollegen gegenüber zudem, dass beim Probebetrieb jetzt Probleme mit diesem Stahl aufgetreten seien.

Offenbar geht es dabei um etliche Risse in den Schweißnähten. Damit verschiebt sich der geplante Start des Meilers offenbar urplötzlich um weitere Monate. Und das, obwohl das Kraftwerk ja bereits seit Jahren in Betrieb sein sollte, der juristische Streit den Starttermin jedoch seit dem Jahre 2009 immer weiter hinauszögerte. Nun gibt es plötzlich auch noch technische Hindernisse beim Technik-Dino zwischen Datteln und Waltrop.

‘T 24’ wurde übrigens schon seit Jahren bei fast jedem Kraftwerksneubau in Deutschland verwendet, einzig Bauherr Trianel nutzte den neuen Werkstoff dem Vernehmen nach nicht. Das derzeitige Problem mit diesem modernen Material war also in der Branche eigentlich bekannt, sorgte vor Jahren auch schon bei einem Kraftwerk in Duisburg massiv für Ärger und entsprechende Verzögerungen bei der Inbetriebnahme. Trotzdem ist E.On-Nachfolger Uniper nun auch in Datteln damit offenbar wieder schwer beschäftigt.

Ein anderes Material hierbei verwendet zu haben sollte doch eigentlich ein Glücksfall für das Trianel Kraftwerk in Lünen sein, sollte man zumindest annehmen. Doch dieses Kraftwerk steht seit Wochen jetzt ebenfalls schon komplett still. Dort legt derzeit ein defekter Luft-Vorwärmer die Stromproduktion seit Wochen gleichzeitig lahm.

Nicht das erste Mal, dass Lünen längerfristig mit der Produktion aussetzen muss. Ungewöhnlich intensive Wartungsarbeiten, welche sich damals über etliche Monate des Betriebsjahres zogen, legten Trianel am Stummhafen in Lünen im Jahre 2015 weitestgehend lahm, vermieste dem Konzern die ohnehin dünnen Aussichten auf einen wirtschaftlichen Erfolg mit dem Projekt damals noch zusätzlich.

Nicht nur, dass beide Projekte sich noch immer in einer schier nicht enden wollenden juristischen Auseinandersetzung mit Anwohnern und erklärten Umweltschützern befinden, beide Meiler wirken zudem technisch überaus anfällig, um es einmal ganz vorsichtig auszudrücken. Von den geringen Aussichten die Kohlekraftwerke jemals wirtschaftlich betreiben zu können an dieser Stelle einmal ganz abgesehen. Erfolgsprojekte die eine Region nach vorne bringen sollen sehen jedenfalls irgendwie völlig anders aus.

Nicht gerade ein Ruhmesblatt für die beteiligten Konzerne, für die verantwortlichen Planer und die ausführenden Ingenieure also. Aber irgendwie passt das ja so auch ins Bild dieser schwer kränkelnden Region. Wahrlich kein Grund zur Schadenfreude. Nicht einmal im Ansatz. Eher ein einziges Trauerspiel! Schon seit Jahren. Leider.

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4 Kommentare zu “Uniper und Trianel blamieren sich und den Technik-Standort Ruhrgebiet

  • #1
    Klaus Lohmann

    Ich weiß nicht, ob man diesen technischen Bockmist jetzt unbedingt aufs Ruhrgebiet beziehen muss, wenn bei Trianel Bochum, Witten und Herne über Beteiligungen an der ewmr GmbH involviert sind. Da ist mir der wirtschaftliche Nonsens, der von den großen Ruhrgebietsstädten mit der STEAG durchgezogen wurde, doch wesentlich markanter für völlig unsinnige, nur geldverpulvernde Wirtschaftspolitik.

    Für die neuen Steinkohlekraftwerke, die fast überall in Deutschland mit T24 für den Kesselbau projektiert wurden, stellt sich einfach die Frage, ob man die als Notreserve nach dem Atomausstieg geplanten Blöcke seitens der Betreiber nicht bewusst torpediert hat, um Druck auf die Bundesregierung auszuüben – zumal nach dem Bekanntwerden der technischen Probleme bei T24 bis heute, bis zum "Entdecken" der Panne in Datteln, mehr als 6 Jahre vergangen sind, ohne dass man kostensparend und korrigierend eingegriffen hätte.

  • #2
    Antonius Mertenskötter

    Typisch, dass Gejammer im Ruhrgebiet!

    Den Schlusssatz von Herrn Patzwaldt -Nicht gerade ein Ruhmesblatt für die beteiligten Konzerne, die verantwortlichen Planer und die ausführenden Ingenieure also – würde ich gerne wie folgt ergänzen und darauf hinweisen, warum das Projekt in Wirklichkeit versemmelt wurde:

    • wegen der Arroganz und der Starrsinnigkeit des E.on Konzerns
    • wegen des überforderten Dattelner Stadtrates und des Planungsstabes
    • durch das verbiegen von Gesetzen
    -im RVR
    – im Landesparlament
    • wegen der unsauberen, unkritischen Prüfung/Genehmigung durch die Bezirksregierung MS.

    • und der damit übersehene Weckruf des Oberverwaltungsgerichtes in Münster und der Kraftwerkskritiker

    Hinzufügen möchte ich noch, das trotz des Flächenverbrauches (Kraftwerksinfrastruktur 75 ha, plus Ausgleichsmaßnahmen ca. 60 ha ) lediglich 60- 70 Arbeitsplätze geschaffen, besser gesagt gesichert worden sind. Da ist doch die Frage berechtigt, wieviel Handwerksbetriebe, Arbeitsplätze und Gewerbesteuer hätte die Stadt Datteln mit einem Gewerbegebiet mit dieser Flächengröße aktivieren können?
    Mein Schlusssatz: von einer resignierenden und darbenden Region im Netz zu berichten ist unseriös und wird Investoren eher abschrecken statt anlocken.
    Und noch ein Hinweis zur Arbeitslosenstatistik in Waltrop –November 2017 schauen Sie mal auf die Arbeitslosenstatistik des Monats November in Waltrop. Sieht gut aus!

  • #3
    Helmut Junge

    Ob etwas, was gebaut wurde funktioniert sieht man oft erst, wenn es eingeschaltet wird. Diese Probleme hätten Jahre früher erkannt werden können, wenn die Inbetriebnahme nicht verzögert worden wäre. Jetzt wird es Zeit, sich ängstliche Gedanken zu machen, wie all die Millionen Teslas 2030 regelmäßig aufgeladen werden können. Eine Steckdose habe ich schon nach draußen gelegt, aber ich fürchte, daß der Strom nicht reicht, wenn die Nachbarn auch ihre e-Autos aufladen wollen.

  • #4
    B.T.

    Sicher ist eins; Auch Ihre Strom kommt zukünftig aus der Steckdose . Ihre Befürchtungen sind völlig grundlos und wir exportieren den Strom immer noch wie ein Weltmeister…..

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