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Kreis Unna: Lange Pause für das ‚Trianel‘-Kraftwerk in Lünen führt zu Spekulationen

Im Jahre 2014 lief das Kraftwerk in Lünen mit einer Auslastung von rund 80%. Foto: Robin Patzwaldt

Im Jahre 2014 lief das Kraftwerk in Lünen mit einer Auslastung von rund 80%. Foto: Robin Patzwaldt

Wer in den letzten Wochen aufmerksam am Trianel-Steinkohlekraftwerk in Lünen (Kreis Unna) vorbeifuhr, der wunderte sich vermutlich darüber, dass der gerade erst im Jahre 2013 endgültig fertiggestellte Meiler schon seit Wochen offensichtlich stillliegt.

Zwar war es auch im Jahre 2014 bereits zu mehreren Phasen gekommen, wo das Kraftwerk am Lüner Stummhafen offensichtlich nicht wirklich benötigt wurde, über diverse Feiertage mal für ein paar Tage keine Rauchfahne aus dem Kraftwerkschlot kam, doch eine so lange Pause wie derzeit hat sich das Kraftwerk selber und damit auch den Anwohnern bisher noch nie ‚gegönnt‘.
Diverse Spekulationen schossen daher zuletzt schon ‚ins Kraut‘, zumal seine Kritiker die Wirtschaftlichkeit der Anlage ja ohnehin schon lange grundsätzlich in Zweifel gezogen hatten.

Und tatsächlich mussten die rund 30 derzeit aktiven Gesellschafter der Anlage ja auch bereits im Geschäftsjahr 2014 einen Verlust von rund 100 Mio. Euro verkraften, wie im März auf einem Pressegespräch bestätigt werden musste.

Zwischen Januar und Dezember 2014 wurden zwar bei Trianel in Lünen, bei einer rund 80%igen Auslastung im Jahressaldo, im regulären Betrieb 5,1 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, die Verluste türmten sich jedoch trotzdem auf. Die rund 7000 Betriebsstunden, welche im Vorjahr angefallen sind, dürfte man in diesem Jahr, nach nun bereits etlichen Wochen der Produktionspause längst nicht mehr erreichen.

Maik Hünefeld von Trianel bestätigte nun gegenüber den Ruhrbaronen, dass das Kraftwerk auch noch für weitere Monate wegen laufender Wartungsarbeiten nicht wieder ans Netz gehen wird: „Aktuell gehen wir davon aus, dass die Arbeiten Anfang November abgeschlossen sein werden und das Kraftwerk wieder den Betrieb aufnehmen kann. Mit den Arbeiten am Kraftwerk wurde Anfang Juni begonnen.“
Weiter erläutert er zu den Gründen: „Die Arbeiten finden im Rahmen einer umfassenden Revision zum Gewährleistungsende des Errichterkonsortiums IHI/Siemens statt. Sämtliche Bauteile und technische Einrichtungen des Kraftwerks werden dabei sorgfältig auf Mängel überprüft und im Rahmen der Gewährleistung instandgesetzt. Darüber hinaus werden umfangreiche TÜV-Prüfungen durchgeführt.“

Wie sich das auf die Bilanz des laufenden Geschäftsjahres auswirken wird wollte Hünefeld uns gegenüber aber nicht konkret kommentieren: „Es ist klar, dass das Kraftwerk durch die Revision in diesem Jahr auf weniger Betriebsstunden kommen wird. Wie sich dies allerdings auf die Bilanz 2015 auswirken wird, kann noch nicht abschließend bewertet werden. Über den Stromabnahmevertrag sind die beteiligten Stadtwerke für solche Fälle abgesichert, sodass während der Revision bei den Gesellschaftern auch keine Kosten für die fehlende Stromlieferung entstehen.“
Im kommenden Jahr ist jedenfalls offiziell keine so lange Auszeit für den Meiler in Lünen mehr geplant: „Die nächste Revision ist für Sommer 2016 geplant und wird nach heutiger Planung etwa eine Woche dauern.“

Dr. Thomas Krämerkämper vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), seit Jahren schon ein erklärter Gegner der Anlage, sieht das Ganze allerdings deutlich kritischer: „Für einen Teil der Betriebspause ist die Begründung mit dem Ablauf der Gewährleistungsfrist durchaus plausibel. Dennoch ist die Länge sehr ungewöhnlich und deutet auf massive Probleme hin. Damit reiht sich nun auch TKL in die Reihe der Problemkraftwerke von Walsum und bis Hamm ein. Ausgerechnet die relativ kleine TKL war zunächst durchaus überraschend mehr oder weniger innerhalb der Zeitplanungen ans Netz gegangen, während die großen Anbieter mit ihren Projekten schon viel früher in Probleme gelaufen sind. Wie sich nun durch den Stillstand zeigt, leiden aber offenbar alle neuen Kohlekraftwerke unter großen technischen Schwierigkeiten. Möglicherweise ist also das Geschäftsmodell „Kohle verbrennen“ auch technologisch überreizt.“

Überhaupt scheint auch Krämerkämper vor allem über die Länge der Betriebspause, welche dann am Ende rund sechs Monate angedauert haben dürfte, überrascht zu sein: „Dass TKL sich so geruhsam viel Zeit lassen kann, hat aber sicherlich auch mit einer weitaus schlechteren Marktsituation zu tun, als ursprünglich von TKL erwartet. Da gibt es offenbar nicht wirklich viel Geschäft, welches durch den Stillstand verpasst wird. In wieweit die geringeren Marktchancen TKL sogar dazu verführen, die Stillstandskosten zumindest für diese Periode elegant auf die Kraftwerkslieferanten abzuwälzen, ist Spekulation. Für die Zukunft lassen die ersten beiden Betriebsjahre des Kraftwerks Lünen für die beteiligten Stadtwerke jedenfalls nichts Gutes erwarten. Und das bei rein wirtschaftlicher Betrachtung des Betriebs, unabhängig von den noch laufenden Klagen des BUND gegen die erneute Genehmigung.“

Und mit Blick auf das benachbarte Kohlekraftwerk ‚E.On Datteln 4‘ ergänzte der BUND-Funktionär gegenüber den Ruhrbaronen noch: „Übrigens dürften für das halbfertige EON-Kraftwerk in Datteln die meisten Gewährleistungsfristen längst abgelaufen sein. D.h. EON müsste neben den bereits aufgelaufenen Mehrkosten auch noch die Nachbesserungskosten selbst tragen, sollte das Kraftwerk doch noch alle Klagen überleben und in einer fernen Zukunft einmal fertig gebaut werden. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass EON (oder die neue Uniper, in die das Kraftwerk abgespalten werden soll) niemals Geld mit dieser Anlage verdienen kann. In diesem Fall ist die Uniper nicht nur eine „Bad Bank“, sondern eher eine „Dead Bank“.“

Wie dem am Ende auch sei, eine halbjährige Pause, nach gerade einmal rund 18 monatiger Regelbetriebszeit für ein neues Kohlekraftwerk, das erscheint einem zumindest auch als Beobachter zunächst einmal recht ungewöhnlich.

Und ob es nun letztendlich wirklich nur an planmäßigen Wartungsarbeiten im Rahmen der zu Ende gehenden Gewährleistung liegt, oder ob Trianel diese Gelegenheit nun tatsächlich vielleicht auch ein Stück weit ‚ausnutzt‘, weil die Wirtschaftlichkeit des Projektes aktuell so schlicht nicht gegeben ist, oder gar ungewöhnliche technische Schwierigkeiten vorhanden sind, wie ebenfalls spekuliert wird, es wird den unmittelbar betroffenen Anwohnern im Zweifelsfall vermutlich auch erst einmal eher egal sein… Sie werden den zuletzt vielfach klaren Himmel in der Umgebung derzeit vermutlich einfach noch einmal ausgiebig geniessen.

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4 Kommentare zu “Kreis Unna: Lange Pause für das ‚Trianel‘-Kraftwerk in Lünen führt zu Spekulationen

  • #1
  • #2
    Klaus Lohmann

    Zwei interessante Meldungen dazu:

    http://www1.wdr.de/studio/dortmund/nrwinfos/nachrichten/studios122344.html
    " Trianel-Kraftwerke in Hamm und Lünen produzieren Verluste: (06.52 Uhr)

    Die Trianel-Kraftwerke in Hamm und Lünen haben im vergangenen Jahr zusammen 130 Millionen Euro Verlust gemacht. Sie sollen aber weiter am Netz bleiben. Das teilte die Stadtwerke-Gesellschaft am Montag (29.06.2015) mit. Künftig will Trianel stärker in Erneuerbare Energien investieren und für eine halbe Milliarde Euro Windräder und Photovoltaik-Anlagen bauen. Die Stadtwerke in Hamm haben bereits beschlossen, sich daran zu beteiligen."

    und frisch von gestern:

    http://www.radio912.de/infos/dortmund/nachrichten/art749,1121163
    " Kraftwerk Gekko in Hamm Steigt Dortmund aus?
    Der Ausstieg aus der DEW-Beteiligung am Steinkohlekraftwerk GEKKO in Hamm würde aktuell vermutlich eine Mehrheit im Rat der Stadt Dortmund finden." .. "DEW-Sprecherin Martina Sprotte widersprach auf Nachfrage von Radio 91.2 allerdings dem Eindruck, damit sei der Ausstieg bereits beschlossene Sache. Man sei noch mitten in den Verhandlungen mit RWE und vor einer Beschlussfassung durch den Rat stünde zunächst der DEW-Aufsichtsratsbeschluss."

    Sieht nicht so aus, als würden sich irgendwelche Wirtschaftlichkeits-Hoffnungen auch nur im Ansatz erfüllen.

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