
Als die TSG Hoffenheim 2008 in die Fußball-Bundesliga aufstieg und ein Jahr später RB Leipzig gegründet wurde, war die Aufregung groß. Zwei „Retortenklubs“, wie sie im Volksmund hämisch genannt wurden, wollten den deutschen Fußball revolutionieren – mit einer Mischung aus enormen finanziellen Ressourcen, modernster Infrastruktur, analytisch geprägtem Management und einer klaren strategischen Vision.
Fast schien es, als könne der sportliche Erfolg gar nicht ausbleiben. Doch während andere Klubs aus weniger privilegierten Verhältnissen über sich hinauswachsen, wirken Hoffenheim und Leipzig heute erstaunlich farblos. Die Frage stellt sich: Wie konnte das passieren?
Zunächst einmal sind die Startvoraussetzungen beider Klubs in der Tat bemerkenswert gewesen. Dietmar Hopp pumpte viele Millionen in Hoffenheim, verwandelte einen Dorfverein in einen Bundesligisten mit Top-Trainingszentrum, analytischem Scouting und mutigem Offensivfußball unter Ralf Rangnick. Ähnlich war es in Leipzig: Red Bull investierte nicht nur sehr viel Geld, sondern auch Know-how, Strukturen und eine international vernetzte Fußball-Philosophie. RB Leipzig sollte der „FC Bayern der neuen Generation“ werden – jung, aggressiv, effizient.
Und doch ist der große Durchbruch bei beiden bisher ausgeblieben. Zuletzt verabschiedeten sich beiden aus der Spitzengruppe der Liga, müssen ab Herbst zuschauen, wenn internationaler Fußball gespielt wird. Viele Traditionalisten unter den Fußballfans werden sich freuen.
Ja, Leipzig spielte zwischenzeitlich regelmäßig Champions League und sorgte auch im DFB-Pokal für Aufsehen – aber eine echte Ära wurde nie begründet. Titel blieben rar, die Identität flach. Hoffenheim pendelte seit Jahren zwischen Mittelmaß und Relegationsplatz. Was ist schiefgelaufen?
Ein zentrales Problem liegt im fehlenden emotionalen Fundament. Fußball lebt von Identifikation, Tradition, Leidenschaft. Während andere Klubs von ihrer Geschichte, ihren Anhängern und Rivalitäten zehren, wirken Hoffenheim und Leipzig bis heute künstlich, seelenlos – wie ein gut durchgeplantes Businessmodell, das aber keine Herzen gewinnt. Die Stadien sind selten voll, echte Fan-Kultur bleibt marginal. Ohne Rückhalt und Druck von der Tribüne versanden viele Impulse im Niemandsland.
Hinzu kommt ein strategisches Vakuum: Der große Plan von einst scheint verwässert. Trainer kommen und gehen, Kader werden laufend umgebaut, Perspektivspieler nach kurzem Hoch verkauft. Leipzig verliert regelmäßig seine besten Akteure an Topklubs – sportlich und wirtschaftlich logisch, aber langfristig schädlich für die Identifikation. Hoffenheim wiederum scheint gar keine stringente Linie mehr zu verfolgen. Die Innovationen von einst sind Alltag geworden – und der reicht nicht aus, um im Konzert der Großen mitzuspielen.
Am Ende bleibt in beiden Fällen das für die Verantwortlichen und Geldgeber ernüchternde Fazit: Wer den Fußball wie ein Laborprojekt betreibt, darf sich nicht wundern, wenn am Ende keine Leidenschaft entsteht. Ohne Seele wird selbst der teuerste Klub zur grauen Maus.
